Sebastian Jusic ist zurück! Nach einem kurzen Gastspiel in Aschau/Inn streift er sich nun wieder das Trikot des VfL Waldkraiburg über. Als Spielertrainer soll er den VfL vor dem Abstieg bewahren. Wie er das schaffen möchte, verrät er im Interview.
Waldkraiburg – 24 Jahre im Verein, acht davon als Kapitän – es gibt wohl kaum jemanden, dessen Name so eng mit dem VfL Waldkraiburg verbunden ist wie der von Sebastian Jusic. Nach einem Gastspiel beim SV Aschau/Inn ist er nun zurück an seiner alten Wirkungsstätte. Doch die Situation ist brenzlig:
Der VfL steckt tief im Tabellenkeller der Kreisklasse und benötigt in der Rückrunde ein kleines Fußball-Wunder. Als Spielertrainer soll Jusic nun nicht nur an der Seitenlinie die Fäden ziehen, sondern auch auf dem Platz als Leader vorangehen. beinschuss.de hat nachgefragt, wie es zur plötzlichen Rückkehr kam und wie er den Kampf gegen den Abstieg angehen will.
Sebastian Jusic im Interview: So will er den VfL Waldkraiburg vor dem Abstieg retten
Wie kam es dazu, dass Sie nun zurück in Waldkraiburg sind?
Sebastian Jusic: In Waldkraiburg haben sich in der Vorstandschaft ein paar Sachen geändert. Adrian Malec und Tom Jacobi, beide waren damals sportliche Führung beim TSV Ampfing, unterstützen den VfL Waldkraiburg aktuell in der Position als sportliche Leiter. Sie sind auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich mir das vorstellen kann. Ich habe eine lange Waldkraiburger Vergangenheit. 24 Jahre lang war ich bereits beim VfL, acht Jahre Kapitän. Ich habe mir schon immer vorstellen können, Trainer zu werden. Ich wollte es eigentlich nach meiner aktiven Laufbahn machen, jetzt ist es schon früher der Fall. Waldkraiburg ist mein Herzensverein und steht in einer schlechten Situation.
Wieso sind Sie damals nach Aschau gewechselt?
Jusic: Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga habe ich ein neues Umfeld gebraucht. Das war eine neue sportliche Herausforderung. Aschau wollte unbedingt aufsteigen und ich wollte um den Aufstieg mitspielen. Dort lief es auch super, das ist ein sehr strukturierter Amateurverein.
Wie fühlt es sich nun an, zurück in der „Heimat“ zu sein?
Jusic: Es fühlt sich super an. Wir haben auch einige alte Spieler reaktiviert. Mit fast allen Leuten aus der Vorstandschaft habe ich zu Bezirksliga-Zeiten schon Spiele für den VfL abgeliefert. Das hat mir diesen Schritt auch leichter gemacht.
Hohe Trainingsbeteiligung und flache Hierarchie
Wie sind Sie in diese Rolle des Spielertrainers hineingewachsen?
Jusic: Es ist alleine ehrlich gesagt anstrengend. Ich habe keinen Co-Trainer. Aber es macht super viel Spaß, die Mannschaft zieht super mit. Wir haben eine außergewöhnlich hohe Trainingsbeteiligung für einen Kreisklassisten.
Wie sieht die Rangordnung innerhalb der Mannschaft aus? Sie trainieren nun Spieler, mit denen Sie jahrelang zusammengespielt haben.
Jusic: Wir haben eine höhere Altersstruktur in der Mannschaft. Ich versuche, möglichst auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ich bin keiner, der von oben herabredet oder immerzu herumschreit. Aber eins ist klar. Solange wir auf dem Platz stehen, trennen wir Freundschaft und Fußball. Ich muss ihnen sagen, was sie machen müssen, sie müssen machen, was ich möchte – sonst funktioniert es nicht. Das hat bis jetzt super geklappt, es gab nicht einmal einen Punkt, an dem ich gesagt habe, dass ich angestoßen bin.
Sind Sie lieber der Leader auf dem Platz oder ziehen Sie die Fäden von der Seitenlinie aus?
Jusic: Ich gehe davon aus, dass ich jedes Spiel spielen werde, wenn ich nicht verletzt bin. Ich werde auf dem Platz auch als Leader vorangehen. Wir haben natürlich auch einen Kapitän auf dem Feld, der nicht ich bin. Ich werde versuchen, möglichst viel an ihn abzugeben. Ich mache eher das Coaching, die Mentalität auf dem Platz erwarte ich von den erfahrenen Spielern.
Ist es ein Vorteil, wenn man als Trainer auf dem Platz steht?
Jusic: Es ist Vorteil und Nachteil. Man sieht manche Sachen von innen, die man von außen nicht so wahrnimmt. Man sieht aber auch manche Sachen von außen, die man von innen nicht so wahrnimmt. Ich spiele auf einer zentralen Position. Nach vorn kann ich gut einschätzen, ob die Bewegungen richtig waren. Wenn ein schneller Ball hinter mich kommt, ist es immer schwer, zu sehen, ob jeder richtig gestanden ist. Aber dafür haben wir die Video-Cam.
Über Mentalität zum Klassenerhalt?
Worauf lag Ihr Fokus in der Wintervorbereitung?
Jusic: Fitness und Mentalität. Wir sind in einer schlechten Situation, das Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt. Dem sehe ich auch sehr optimistisch entgegen. Wir haben viel Qualität dazugewonnen und ich würde sagen, die Qualität ist für die Kreisklasse jetzt relativ hoch. Was für mich auch ganz wichtig ist, ist, dass man Mentalität auf dem Platz zeigt. Das ist oft, vor allem bei den schwierigen Platzbedingungen, wichtiger als das Fußballerische.
Wie lautet Ihr Fazit?
Jusic: Die Vorbereitung lief gut. Wir haben in Waldkraiburg ein großes Sportgelände und hatten ab Anfang Februar die Möglichkeit, zu trainieren. Die Spiele waren gut und schlecht, das war ein bisschen Tag und Nacht. Wir haben natürlich auch viel probiert. Teilweise waren es auch nicht die optimalen Gegner. Aber vor allem im Training bin ich sehr zufrieden, die Mannschaft ist fit und es herrscht laut den Spielern eine ganz andere Stimmung als in der Hinrunde.
Wie haben Sie für diese Stimmung gesorgt?
Jusic: Ein großer Punkt ist natürlich eine große Trainingsbeteiligung. Das habe ich den Jungs von Anfang an gesagt. So hatten wir eine Trainingsbeteiligung von durchschnittlich 20 Leuten. Das macht natürlich die Stimmung auch besser, weil das Training dann Spaß macht. Ich habe den Jungs gesagt, dass es wichtig ist, dass wir eine Mannschaft werden. Es muss wie eine Familie sein. Das haben die meisten gut gefressen und ziehen voll mit. So sind sich alle auch persönlich noch einen Schritt näher gekommen.
Ein wegweisendes Spiel zum Start
Am Sonntag geht es in der Liga los. Wie wichtig ist das erste Spiel?
Jusic: Es ist vielleicht das wichtigste Spiel. Die Vorbereitung hat das Selbstbewusstsein wieder nach oben gepusht. Aber die Jungs haben lange nicht gewonnen, nur ein Spiel in der ganzen Hinrunde. Davor ist der VfL aus der Kreisliga abgestiegen, da gab es auch nicht viele Siege. Jetzt sind wir zwar euphorisch, aber wenn wieder ein Rückschlag kommen würde, wäre das natürlich negativ. Zudem dürfen wir uns nicht viele Patzer erlauben. Die Heimspiele sind Pflicht, wenn du in 13 Spielen zwölf Punkte aufholen musst.
Machen Sie sich schon Gedanken, wie es nach der Saison weitergeht?
Jusic: Ja. Wenn wir die Klasse halten, werde ich definitiv weitermachen. Wenn wir es nicht schaffen, wird am Ende der Saison einfach gesprochen. Der Verein will weiter auf Jungs aus Waldkraiburg bauen. Ich glaube, wir haben auch nur einen oder zwei Spieler im ganzen Kader, die nicht in Waldkraiburg leben. Ich würde den Weg gerne weitermachen, weil mir etwas am VfL liegt. Wir haben eine super neue Vereinsführung, neue Strukturen, es ist alles auf einem guten Weg – und ich wäre gerne Teil davon. Aber es muss natürlich auch passen. Ich bin kein Trainer, der an seinem Stuhl festhält.
Blicken wir noch in die Zukunft. Welche Schlagzeile würden Sie sich nach dem letzten Spieltag wünschen?
Jusic: Da musst du mich kurz überlegen lassen. ‚VfL schafft den unerwarteten Klassenerhalt‘ – so etwas in der Richtung. Ich bin fest überzeugt, dass wir das schaffen. (obe)