Nach Wechsel zum Bezirksliga-Rivalen Aschau
„Fehlende fußballerische Kompetenz“: Ex-Bayern-Talent Grahovac rechnet mit Ampfing ab
Nach dem Aus rechnet Ex-Bayern-Spieler Bastian Grahovac mit TSV Ampfing ab – und erklärt, warum er beim Bezirksliga-Rivalen SV Aschau/Inn wieder Freude am Fußball gefunden hat.
Ampfing/Aschau am Inn – Es ist nicht das erste Mal, dass ein Wechsel innerhalb der Fußball-Bezirksliga Ost für Gesprächsstoff sorgt. Doch wenn ein ehemaliger Bayern-Spieler wie Bastian Grahovac den TSV Ampfing verlässt und öffentlich von „fehlender fußballerischer Kompetenz“ spricht, wird klar: Hier ist mehr kaputtgegangen als nur eine sportliche Beziehung.
Die Ampfinger äußerten sich selbst vor einigen Wochen zum Thema Grahovac (beinschuss.de berichtete ausführlich). Nun spricht der bei Bayern München ausgebildete Altöttinger über den Grund seines Wechsels. Dabei begann alles zu Saisonbeginn vielversprechend. Ampfing war für Grahovac kein Lückenfüller, sondern ein bewusster Schritt. Eine Mannschaft aus regionalen Spielern, viele enge Freundschaften, klare Ziele. „Das war menschlich eine der besten Mannschaften, die ich je hatte“, sagt Grahovac rückblickend. Auch sportlich sah er großes Potenzial – der Aufstieg war ein gemeinsames Ziel.
Ampfing: Ex-Bayern-Talent Grahovac rechnet nach Aschau/Wechsel ab
Doch mit der Zeit veränderte sich das Umfeld. Interne Entscheidungen, neue Strukturen und vor allem der Rücktritt von Ex-Profi Björn Hertl als Trainer sorgten zunehmend für Unruhe. „Es ging irgendwann nicht mehr um Fußball, sondern um andere Dinge“, erklärt Grahovac. Vor allem Trainingsinhalte und sportliche Abläufe hätten für ihn nicht mehr gepasst. Seine Kritik richtet sich dabei nicht an Mitspieler, sondern klar an die sportliche Führung.
Als erfahrener Spieler wollte Grahovac Verantwortung übernehmen, auf dem Platz wie in der Kabine. Doch genau das wurde ihm zunehmend angelastet. „Wenn du Entscheidungen triffst, um der Mannschaft zu helfen, und das nicht gewollt ist, entsteht ein Konflikt.“ Situationen, in denen er trotz guter Leistungen infrage gestellt wurde, ließen bei ihm Zweifel wachsen.
Besonders wichtig ist ihm dabei eine klare Differenzierung: „Das war keine Entscheidung gegen die Mannschaft.“ Viele Spieler seien enge Freunde geblieben, der Zusammenhalt innerhalb des Teams habe lange funktioniert. Doch das Gesamtbild stimmte für ihn nicht mehr. „Wenn Training keinen Spaß mehr macht und du merkst, dass sich an der Situation nichts ändert, musst du ehrlich zu dir selbst sein.“
Grahovac nach Ampfing-Aus: Icon League war nicht das Problem
Auch der oft genannte Vorwurf falscher Prioritäten greift für Grahovac zu kurz. Die Doppelbelastung mit der Icon League habe über lange Zeit funktioniert. „Ich habe das monatelang durchgezogen. Aber irgendwann hatte ich keine Motivation mehr, Energie in ein Umfeld zu stecken, das sich falsch angefühlt hat.“ Der Entschluss, einen Schlussstrich zu ziehen, sei daher konsequent gewesen – nicht emotional.
Heute blickt Grahovac nach vorn – genauso wie der TSV Ampfing nach dem jüngsten Trainerwechsel. Beim SV Aschau/Inn hat er ein Umfeld gefunden, das ihm genau das zurückgibt, was er vermisst hat: klare Kommunikation, gemeinsame Vorstellungen und wieder echte Freude am Fußball. Der Bruch mit Ampfing bleibt dennoch ein prägendes Kapitel für den Ex-Bayern-Spieler, der unter anderem unter Pep Guardiola trainierte. (sb)