Zwischen Regionalliga-Traum und Kader-Umbau
„Hab’ schon mehrere Verpflichtungen“: Kirchanschöring rüstet auf – und bleibt sich treu
Der SV Kirchanschöring mischt sportlich weiter ganz oben in der Bayernliga mit und darf vom Sprung in die Regionalliga träumen. Parallel dazu laufen hinter den Kulissen bei Sportchef Sven Vetter bereits die Planungen für die Saison 2026/27 auf Hochtouren: erste Neuzugänge stehen fest, Verträge wurden verlängert und weitere Personalien sind bereits vorbereitet.
Kirchanschöring – Beim SV Kirchanschöring wird nicht laut getrommelt. Es wird gearbeitet. Still, zielgerichtet – und mit einer klaren Idee. Während andere Vereine in der heißen Phase der Saison noch rechnen, planen die Gelb-Schwarzen bereits die Zukunft. Und die beginnt mit zwei neuen Innenverteidigern – und einer klaren Botschaft: Hier wächst etwas. Aber bitte ohne Größenwahn.
Mit Hannes Kraus (25) und Luca Hübner (19) hat der Fußball-Bayernligist die ersten Neuzugänge für die Saison 2026/27 verpflichtet. Zwei Defensivspieler, zwei unterschiedliche Geschichten – und doch ein gemeinsamer Nenner: Entwicklungspotenzial. Kraus kommt vom SB Chiemgau Traunstein zurück in den Rupertiwinkel, Hübner vom SSV Eggenfelden. Landesliga statt Bayernliga – doch der Schritt nach oben ist gewollt. Und vorbereitet.
Kirchanschöring rüstet für die Regionalliga auf – und bleibt sich treu
Vor allem bei Kraus ist es eine Rückkehr mit Ansage. Der 25-Jährige kennt den Verein, war bereits früher in Kirchanschöring aktiv und hat sich seitdem sichtbar weiterentwickelt. In Traunstein trägt er die Kapitänsbinde, ist Führungsspieler, Antreiber, Fixpunkt. „Nicht umsonst Kapitän“, sagt Sportchef Sven Vetter im Gespräch mit beinschuss.de – und meint damit mehr als nur eine Rolle auf dem Papier. Kraus habe sich „die letzten Jahre sehr gesteigert“, sei immer im Blickfeld gewesen. Jetzt passte der Moment. Der Spieler wollte den nächsten Schritt gehen, Kirchanschöring suchte genau diesen Typ. Das Ergebnis: eine schnelle Einigung. Auch der zweite Neuzugang passt ins Profil.
Hübner ist 19 Jahre alt, wurde beim SV Wacker Burghausen ausgebildet und sammelte in Eggenfelden erste Erfahrungen im Herrenbereich. Kein fertiger Spieler, aber einer mit Perspektive. „Er hat uns im Probetraining überzeugt“, sagt Vetter. Gute Einheiten, klare Entwicklungslinie. Genau das, worauf der Verein setzt. Junge Spieler holen, formen, weiterbringen. Kein Zufall, sondern Prinzip. Dass Hübner, der in Buchbach wohnt, sich trotz anderer Angebote für Kirchanschöring entschieden hat, sagt viel über den Ruf des Klubs. „Er ist totaler Fan von Kirchanschöring“, verrät Vetter – und beschreibt damit eine Atmosphäre, die im Amateurfußball selten geworden ist. Ruhe, Vertrauen, Entwicklung statt Druck. Ein Umfeld, in dem Talente wachsen können, ohne sofort liefern zu müssen.
Die beiden Neuzugänge sind dabei nur der Anfang. „Ich hab’ schon mehrere Verpflichtungen“, sagt Vetter, bremst aber sofort. Noch seien nicht alle Transfers spruchreif, teilweise aus Rücksicht auf andere Vereine. Klassenerhalt hier, Aufstiegschancen dort – der Markt ist in Bewegung, und Kirchanschöring bewegt sich mit. Leise, aber konsequent. Gleichzeitig setzt der Klub auf Kontinuität. Torwart Moritz Hutt, David Lobendank und Thorsten Nicklas haben ihre Verträge verlängert. Viele weitere Spieler hatten bereits zuvor zugesagt (beinschuss.de berichtete). Das Gerüst steht, die Richtung auch. Seit zehn Jahren spielt der SVK in der Bayernliga, nur einmal ging es in die Abstiegsrelegation. Stabilität ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer klaren Philosophie.
Kirchanschöring-Sportchef Sven Vetter: „Können stolz sein, was wir erreicht haben“
Und die lautet: keine Experimente. Keine finanziellen Abenteuer. Keine Jagd nach großen Namen. „Ich bin nicht der Freund von großem finanziellen Gerede“, sagt Vetter. Entscheidend sei, dass Spieler „Lust haben, Fußball zu spielen“ – und den Verein zu schätzen wissen. Gerade in einem Dorfklub sei das „extrem wichtig“. Es klingt bodenständig, fast unspektakulär. Und genau darin liegt die Stärke. Dabei könnte die sportliche Situation durchaus zu größeren Träumen verleiten. Kirchanschöring steht aktuell auf Rang fünf, die Regionalliga ist rechnerisch noch möglich. Die Voraussetzungen für eine Lizenz sind erfüllt. Doch statt Euphorie regiert Gelassenheit.
„Es ist kein Muss“, stellt Vetter klar. Ein möglicher Aufstieg wäre ein Geschenk, kein Ziel um jeden Preis. Auch die Kaderplanung folgt diesem Gedanken. Sollte es tatsächlich eine Liga höher gehen, soll der Großteil der aktuellen Mannschaft die Chance bekommen. „Die Spieler, die sich das erarbeitet haben, sollen auch die Liga spielen“, betont der Sportchef. Ergänzt werden soll nur punktuell – mit Qualität, nicht mit Masse. Große Namen aus höheren Ligen? Fehlanzeige. Diese Haltung wirkt fast aus der Zeit gefallen. Während andernorts Budgets wachsen und Erwartungen steigen, setzt Kirchanschöring auf Kontinuität und Identität.
Auf Spieler, die bleiben wollen. Auf Trainer, die entwickeln. Und auf Verantwortliche, die nicht jedem Trend hinterherlaufen. Der Blick richtet sich trotzdem nach vorne. Drei Spiele stehen noch aus, schwierige Spiele. Danach wird man sehen, wohin die Reise geht. Bayernliga oder vielleicht doch Regionalliga? Für Vetter spielt das keine entscheidende Rolle. Wichtig ist etwas anderes: „Wir können stolz auf das sein, was wir bis jetzt erreicht haben.“ Ein Satz, der mehr sagt als jede Tabelle. Und vielleicht genau erklärt, warum dieser Verein seit Jahren funktioniert. (mck)