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Exklusiv-Interview aus der Kabine

Endet die Ära Leberfinger in Kirchanschöring mit dem Sprung in die Regionalliga?

Chefcoach Thomas Leberfinger (links) und Sportlicher Leiter Sven Vetter (rechts) im Gespäch mit beinschuss.de
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Chefcoach Thomas Leberfinger (links) und Sportlicher Leiter Sven Vetter (rechts) im Gespäch mit beinschuss.de

Der SV Kirchanschöring steht sportlich vor einem möglichen Erreichen der Relegation für die Regionalliga. Im Exklusiv-Interview aus der Anschöringer Kabine sprechen Thomas Leberfinger und Sportlicher Leiter Sven Vetter über die Zukunft, den Abschied im Sommer und die große Frage: Endet eine Ära im Erfolgsfall?

von Rudi Mayer

Kirchanschöring – Sportlich befindet sich der SV Kirchanschöring weiterhin auf Kurs, doch im Hintergrund ist längst eine richtungsweisende Entscheidung gefallen: Nach zwei erfolgreichen Jahren endet im Sommer die Amtszeit von Cheftrainer Thomas Leberfinger. Der frühere Drittligaspieler von SV Wacker Burghausen hat den Verein nicht nur stabilisiert, sondern auch nachhaltig geprägt. Unter der Führung des gebürtigen Rosenheimers entwickelte sich die Mannschaft zu einem gefestigten Bayernliga-Team, das aktuell sogar berechtigte Hoffnungen auf die Regionalliga-Relegation hegen darf.

Umso einschneidender wirkt der bevorstehende Abschied – zumal er nicht aus sportlichen Gründen erfolgt. Während der Verein, um den Sportlichen Leiter Sven Vetter bereits die Nachfolge geregelt hat, richtet sich der Blick im exklusiven Interview mit beinschuss.de aus der Kabine der Gelb-Schwarzen-Trikots nun auf die letzten Wochen einer Ära, die in Kirchanschöring deutliche Spuren hinterlassen hat – auf und neben dem Platz.

Kirchanschöring: Trainer Leberfinger spricht über Regionalliga-Aufstieg

Thomas, alle wissen es und alle sind extrem traurig über deine Entscheidung, den SV Kirchanschöring nach Ablauf der Saison zu verlassen! Meine höfliche Frage an dich: Wärst du bitte so nett und würdest uns ein klein wenig mehr über die Gründe dazu nennen?
Thomas Leberfinger (Chefcoach SV Kirchanschöring): Also, ob alle darüber so traurig sind, weiß ich nicht! (lacht) Ich hab das, als letztes Jahr meine Frau schwanger war, schon dem Sven mitgeteilt, letztlich hat er mich doch noch zu einem weiteren Jahr überredet. Nun aber ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich ganz einfach auch mal an die Familie denken muss. Ich hab’ mir meine Entscheidung nicht einfach gemacht. Vor allem in der zurückliegenden Winterpause hab’ ich schwer mit mir hadern müssen, aber nachdem die Familie in all den Jahren zurückstecken musste, war es doch relativ klar, dass dieses Mal die Familie Vorrang hat. Wie lange letztlich meine Pause dauert, mag ich hier und heute nicht festlegen, Tatsache jedoch ist, dass ich auch künftig dem Fußball nicht auf ewig ade sagen werde. Ich lass’ das in aller Ruhe nun mal auf mich zukommen.
Sven, als du von dieser Entscheidung von Thomas in Kenntnis gesetzt wurdest, was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?
Sven Vetter (Sportlicher Leiter SV Kirchanschöring): Ein Wort, das mit SCH… anfängt. Ich hab’ mit Tom viele und sehr intensive Gespräche, vor allem in der Winterpause, gehabt, hatte dabei immer noch die Hoffnung, ihn umstimmen zu können. Letztlich hat er sich für seine Familie entschieden, was man absolut respektieren muss. Ich habe selbst zwei Kinder und weiß damit aus eigener Erfahrung, in welchem Maße eine Familie für den Fußball zurückstecken muss.
Thomas, wir alle, wie wir hier sitzen, sind doch irgendwie von der Droge Fußball regelrecht in Anspruch genommen! Wenn du am 16. Mai, also an deinem letzten Arbeitstag beim Auswärtsspiel in Schwaig, nach Hause gehst, bricht da nicht innerlich für dich eine Welt zusammen, mit den ganzen positiven Erinnerungen, die du dann mit nach Hause schleppst?
Leberfinger: Es wird mit Sicherheit für mich keine Welt zusammenbrechen, aber komisch wird es von der Gefühlslage schon werden. Damals, als ich als aktiver Fußballer aufgehört habe, musste ich so eine Situation schon einmal durchleben. Gewiss, es ist nicht ganz einfach, weil man doch sehr nachdenklich dabei wird.
Sven, du hast das neue Trainerduo Dinkelbach/Omelanowsky als Nachfolge von Thomas ins Amt gerufen! Gesetzt den Fall, rein spekulativ, die beiden können die großen Fußstapfen von Thomas nicht ausfüllen, was nicht zu erwarten ist – wäre da eine kurzfristige Reaktivierung von ihm vorgesehen, quasi als Notfallplan?
Vetter: Mei, die beiden, „Dinki“ und „Omo“, kennen den Verein in- und auswendig, die ganzen Strukturen innerhalb des Vereins sind denen bestens vertraut. Es war für mich keine schwere Entscheidung, die beiden ins Traineramt zu berufen, und deshalb bin ich absolut davon überzeugt, dass die beiden das auch als würdige Nachfolger von Tom schaffen werden. Deshalb rechne ich nicht damit, dass wir Tom als „Notfallplan“ zurückholen müssen – aber wenn, dann sollte man niemals nie sagen!
Thomas, hast du vor, dich während deiner Abwesenheit vom SVK weiterzubilden, was das Trainerdasein betrifft, also eine neue Schulung zum UEFA-A-Schein, und wenn ja, wirst du dazu vom Verein finanziell unterstützt, denn der A-Schein kostet ja mal richtig Geld?
Leberfinger: Ja, der A-Schein interessiert mich sehr! Ich habe mich diesbezüglich auch schon nach den Zulassungsmodalitäten erkundigt, das geht ja nach einem festgelegten Punktesystem, und die Ausbildungsplätze in Köln sind nach wie vor sehr begehrt. Ich hatte auch schon Kontakt zu zwei ehemaligen Mitspielern, die den A-Schein machten. Die meinten auch: Da wird ganz schön was verlangt. Aber grundsätzlich habe ich daran Interesse. Eine finanzielle Unterstützung habe ich bis dato heute (noch) nicht.
Sven, weil ich eben aus eigener Erfahrung in deinem Aufgabengebiet mitreden darf, sehe ich seit 2024 einen Mann am Ruder als sportlichen Leiter des SVK, dessen phänomenale Leistung ich gar nicht hoch genug erwähnen kann! Sven, woher nimmst du die ganze Energie für ein solches Amt, was ja bekanntlich auch mit vielen Absagen und Niederschlägen behaftet ist?
Vetter: Der große Rückhalt ist natürlich die eigene Familie! Aber nicht nur die gibt mir den dazu benötigten Elan, sondern auch die Zusammenarbeit innerhalb des Vereins mit den Trainern, den Spielern und den ganzen Ehrenamtlichen. Als ich hierherkam, war es für mich kein Zuckerschlecken. Denn ich musste gerade zu Beginn meiner Tätigkeit als sportlicher Leiter des SVK auch erst mal lernen, mit der Mentalität des Vereins umzugehen, mich in diese Materie einzuarbeiten und so manche Baustelle aus dem Weg zu räumen. Dazu gehörten u. a. letztes Jahr die Verpflichtung von neun neuen Spielern, als nach dem letzten Spieltag acht unserer Stammspieler sich anderweitig orientierten. Das war damals eine sehr große Herausforderung an mich und vor allem an unser Trainerteam, aber wir konnten gemeinsam die Neuen prima ins Team einbauen und ein Blick auf die aktuelle Tabelle verrät jedem, dass wir damit gut gefahren sind.
Thomas, bitte ein kleines Resümee! Gab es in deinen zwei Jahren als Cheftrainer beim SV Kirchanschöring Momente, wo du heute noch zu dir selbst sagst: Thomas, da haste Scheiße gebaut?
Leberfinger: Schwierige Frage! So ganz spontan fällt mir dazu jetzt nichts Gravierendes ein. Mit Sicherheit gehört bei mir immer dazu, dass ich meine Trainingsmethoden selbst hinterfrage: Waren die gut oder weniger gut? Hat die Mannschaft das verstanden oder nicht? Für mich war im Leben eines Fußballers immer wichtig, dass ich es mit grundauf ehrlichen Leuten zu tun habe, denn zum Trainerleben gehört nun mal auch dazu, dass man dem ein oder anderen erklären muss, nicht im Kader zu stehen. Von der Warte her gesehen hinterfrage ich mich jedesmal, ob meine Entscheidungen dafür richtig waren.
Sven, ihr habt einen sehr stabilen und ausgeglichenen Kader! Dennoch überragt einer, nämlich Jonas Kronbichler als Torgarant, die anderen um wenige Zentimeter. Was müsste ein hochgestellter Dritt- oder gar Zweitligaverein als Ablöse auf den Tisch legen, um Jonas aus dem laufenden Vertrag herauszukaufen?
Vetter: Klare Ansage von mir: Jonas Kronbichler ist derzeit nicht verkäuflich! Klar ist natürlich auch, dass ein Bayernliga-Stürmer mit 22 Toren Begehrlichkeiten anderer Vereine weckt, da brauchen wir gar nicht um den heißen Brei zu reden. Wir hätten ihn ja beinahe schon in der Winterpause verloren, konnten ihn aber im allerletzten Moment für einen Verbleib beim SVK überzeugen. Wenn natürlich ein großer Profiverein vorstellig wird, tja, dann müssen wir halt reden, denn einem so jungen und talentierten Stürmer wie Jonas möchte man ja auch nicht unbedingt die Zukunft verbauen.
Thomas, du hattest als gestandener Drittligafußballer bei Wacker Burghausen auf dem Höhepunkt deiner Karriere 2012 einen Marktwert von 250.000 Euro! Wie kritisch siehst du die derzeitige Entwicklung auf dem Finanzsektor bezüglich Spielereinkäufe?
Leberfinger: Dazu gibt es ein schönes Sprichwort: Der Markt regelt den Preis! Ich sehe der Entwicklung recht gelassen entgegen, denn wenn jemand unbedingt diese gigantischen Summen investieren kann und möchte, mei, dann soll er es machen.
Sven, ihr geht momentan mit Riesenschritten auf eine mögliche Relegation in die Regionalliga Bayern zu! Mit einer hohen Wahrscheinlichkeit erwarten euch dann Mannschaften wie Greuther Fürth II oder FC Augsburg II. Habt ihr das dazu notwendige Selbstvertrauen, gegen solche Teams zu bestehen, oder besteht da die Gefahr eines zu großen Respekts gegenüber solchen Vereinsnamen?
Vetter: Ich denke, wenn man erst einmal soweit gekommen ist, will man mehr und holt dazu alles aus sich raus! Angst oder Respekt wäre dazu die falsche Wortwahl, ich würde es eher mit Demut bezeichnen wollen. Sollten wir in den Genuss einer Relegation kommen, dann bin ich mir absolut sicher, dass die Mannschaft und das Trainerteam, die ja bekanntlich jeden einzelnen Spieler darauf abstimmen, alles geben werden, um erfolgreich bestehen zu können. Letztlich muss man dann schauen, was dabei rauskommt.
Thomas, mit einem Blick auf euer Restprogramm kann einem schlecht werden, es sind fast alles Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Da warten auswärts der TSV 1860 München II, FC 1920 Gundelfingen, SV Heimstetten, FC Spfr. Schwaig und zu Hause TuS Geretsried und der FC 1920 Gundelfingen. Infolge dessen lebt bei euch noch berechtigt die Hoffnung auf die Relegation, oder betrachtet ihr die Angelegenheit eher nüchtern und realistisch mit dem Ziel, die Saison mit guten Ergebnissen abzuschließen?
Leberfinger: Ich mag das Wort Relegation im Moment noch nicht in den Mund nehmen! Gesetzt den Fall, du verlierst dreimal hintereinander, da stehst du bei dieser Leistungsdichte gleich mal auf Rang acht. Für uns war und ist es wichtig gewesen, dass zuerst die 40 Punkte geholt werden. Was darüber noch an Punkten ins Körbchen fällt, nehmen wir gerne mit. Es sind noch sechs Spiele, d. h., es sind noch 18 Punkte zu vergeben, das kann alles sehr positiv verlaufen, aber auch ganz schnell negativ. Für uns gilt der Grundsatz: Alles geben, von Spiel zu Spiel denken, und dann schauen wir mal, was dabei rauskommt.
Sven, der Tag, an dem Thomas nach Hause geht, ist nicht mehr fern! Darf ich mit aller sich bietender Höflichkeit einmal fragen: Was habt ihr denn nach dem Auswärtsspiel in Schwaig für Thomas geplant?
Vetter: Es wird mit Sicherheit was geben, aber Genaues kann ich nicht sagen. Wir beide haben uns schon des Öfteren im Bus unterhalten, was wir nach dem Spiel in Schwaig machen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werden wir nach dem Spiel 2, 3 oder 5 bis 6 Bierchen miteinander trinken und auf die zurückliegende, erfolgreiche Saison anstoßen.
Thomas, am 30. Juni wirst du still und heimlich nach Hause in den Kreis deiner Familie zurückkehren! Was wünschst du, abschließend gesagt, deinem Verein SV Kirchanschöring für die Zukunft?
Leberfinger: Nur das Beste! Maximalen Erfolg für den SV Kirchanschöring! Meinem Nachfolger „Dinki“ Dinkelbach, wünsch’ ich nur das Allerbeste, viel Erfolg und immer ein glückliches Händchen, wenn es um die Aufstellungen und Einwechslungen geht. „Dinki“ ist bestens ausgebildet, wir haben schon die ganze letzte Saison, er als Co-Trainer, zusammengearbeitet, die ganze Philosophie, die ich mit ihm gemeinsam erleben durfte, das war schon aller Ehren wert. Es war teilweise schon manchmal erschreckend, wie wir beide völlig übereinstimmend die Analysen besprochen, bewertet und anschließend entsprechend ein Ergebnis erzielt haben. (rm)

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