„Die Spieler haben das nicht im Kopf gehabt“
Huber wirft in Teisendorf hin: Jetzt soll ein F-Jugend-Coach den Abstieg verhindern
Der TSV Teisendorf steckt mitten im Saisonendspurt im Ausnahmezustand. Trainer Florian „Baschi“ Huber zieht nach schwierigen Wochen die Reißleine. Die Lösung auf der Bank überrascht dabei selbst im eigenen Umfeld – und kommt aus einer Ecke, mit der kaum jemand gerechnet hat.
Teisendorf – Der Abstiegskampf kennt keine Schonfrist. Beim TSV Teisendorf hat er nun eine überraschende Wendung genommen – und eine, die selbst im Amateurfußball für hochgezogene Augenbrauen sorgt. Florian „Baschi“ Huber ist nicht mehr Trainer der „Rothosen“. Der Schritt kam nach dem Spiel gegen den TSV Waging am Freitagabend (24. April), als der Coach intern seinen Rückzug erklärte. Und ausgerechnet ein F-Jugend-Coach soll den Kreisligisten jetzt vor dem Absturz bewahren.
Die Nachricht kommt wie ein Paukenschlag – auch wenn sie sich intern offenbar angebahnt hatte. Nach einer Serie enttäuschender Ergebnisse zog Huber, der seit 2024 an der Teisendorfer Seitenlinie stand, selbst die Reißleine. Kein Rauswurf, kein Zerwürfnis. Sondern ein Schritt, der im Fußball selten geworden ist: einer, der aus Einsicht erfolgt. „Er war der Überzeugung, dass wir vielleicht einen neuen Mann brauchen“, erklärt Abteilungsleiter Tobias Mayer gegenüber beinschuss.de. Der Trainer habe gespürt, „dass er einfach ansteht und nicht mehr weiterkommt, und dann macht es auch keinen Sinn mehr.“
Teisendorf: Trainer Huber wirft hin – F-Jugend-Coach Geisler soll Abstieg verhindern
Gespräche gab es schon länger. Immer wieder nach Spielen, die nicht nach Plan verliefen. Die Stimmung blieb dabei sachlich, fast schon kollegial. Nach dem Waging-Spiel wurde es konkret, am Sonntag (26. April) dann endgültig. „Wir sind im sehr Guten auseinandergegangen“, betont Mayer. Der Ex-Coach des WSC Bayerisch Gmain habe den Verein über die eigene Person gestellt. Eine seltene Konstellation in einer Branche, in der Entscheidungen oft unter Druck, Emotion und öffentlicher Kritik fallen.
Dabei hatte die Saison durchaus verheißungsvoll begonnen. Vor allem die Rückrunde startete mit Ausrufezeichen. Siege gegen starke Gegner wie Bezirksliga-Absteiger TSV Bad Endorf und Spitzenreiter TuS Prien ließen hoffen, dass Teisendorf vielleicht sogar nochmal im Aufstiegsrennen ein Wörtchen mitreden kann. Doch die Euphorie verpuffte. In den folgenden Wochen geriet das Team ins Straucheln, verlor den Rhythmus – und am Ende auch die nötige Überzeugung.
Die Gründe liegen tiefer als eine einfache Ergebniskrise. Der Kader war über Monate hinweg ausgedünnt. Verletzungen bestimmten den Trainingsalltag. „Wir haben teilweise mit sieben, acht Spielern trainiert. Das hätte ein anderer Trainer schon gar nicht mitgemacht“, schildert Mayer. Für eine Kreisliga-Mannschaft ein Zustand, der kaum zu kompensieren ist. Es fehlte nicht an Einsatz, sondern an Körpern. Und selbst die, die zur Verfügung standen, waren oft nicht bei voller Fitness. Die Konsequenz: fehlende Stabilität, fehlende Konstanz – und am Ende fehlende Punkte.
Geislers Teisendorf-Auftakt in Ruhpolding endet dramatisch
Die Lösung, die der Verein nun präsentiert, ist ungewöhnlich – und genau deshalb so spannend. Geisler übernimmt vorerst bis Saisonende. Jahrgang 1978, im Verein kein Unbekannter, aber bislang in ganz anderen Sphären unterwegs: F-Jugendtrainer. Sein Sohn spielt dort, Geisler hat erst kürzlich den ersten Trainerschein absolviert. Ein Mann aus der Basis, kein klassischer Retter von außen. Doch genau das könnte der Plan sein. „Ein neuer Kopf, eine neue Stimme. Die Spieler haben das mit Sicherheit nicht im Kopf gehabt. Ich habe das zur Überraschung von ihm schon etwas länger im Kopf gehabt. Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass ich ihn jetzt dieses Jahr schon benötige, weil wir ja wirklich gerne weitergemacht hätten mit dem Flo. Dennoch bin ich natürlich davon überzeugt“, so Mayer.
Jemand, der unbelastet ist, der nicht Teil der bisherigen Dynamik war. Einer, der den Blick von außen mitbringt – und vielleicht genau deshalb Dinge anders anspricht. Unterstützt wird Geisler von Tobias Janietz, der weiterhin auch als Spieler aktiv ist. Ein Duo, das auf Improvisation setzt – und auf frische Energie. Im Nachholspiel beim SV Ruhpolding am Dienstagabend (28. April) gab es für den neuen Mann an der Seitenlinie bereits eine dramatische 1:2-Niederlage in der Nachspielzeit. Ein bitterer Auftakt für das neue Notfall-Konstrukt. Für Geisler bleibt kaum Zeit zur Eingewöhnung. Eine weitere Trainingseinheit am Donnerstag (30. April) und dann schon das nächste Kellerduell beim TuS Engelsberg. Viel mehr bleibt nicht.
Sieg nach verrücktem Schlussakt gegen Teisendorf: Ruhpolding lebt!




Aber vielleicht braucht es genau diesen Moment des Umbruchs, um neue Kräfte freizusetzen. Im besten Fall entsteht daraus eine Geschichte, wie sie der Fußball immer wieder schreibt: von Außenseitern, die über sich hinauswachsen. Und von Trainern, die gehen, weil sie spüren, dass es Zeit ist. Florian Huber hat diesen Schritt gemacht – leise, respektvoll, ohne Nachtreten. Der Verein dankt ihm ausdrücklich für seine Arbeit. Jetzt liegt der Fokus auf der Zukunft. Die heißt in Teisendorf vorerst: Rettungsmission mit überraschendem Personal. Und die Frage, ob ein F-Jugend-Coach das schaffen kann, was zuvor nicht gelungen ist. Im Fußball ist vieles möglich. Genau das macht ihn so unberechenbar – und so faszinierend. (mck)