Nach vier intensiven Jahren
Überraschung in Oberndorf: Erfolgscoach Achatz hört auf – Ex-Kreisliga-Trainer übernimmt
Nach dem überraschenden Rücktritt von Thomas Achatz übernimmt ab sofort Timur Tepedelen das Kommando beim DJK SV Oberndorf. Das erste Spiel unter der Leitung des Ex-Kreisliga-Trainers steigt bereits am Sonntag (5. Oktober) gegen den SV Forsting-Pfaffing.
Oberndorf (Haag in Oberbayern) – In Haag in Oberbayern hat es am Wochenende geknallt – sportlich, nicht skandalös: Der DJK SV Oberndorf stellt mitten in der laufenden Kreisklassen-Saison 2025/26 die Weichen neu. Thomas Achatz, 37, erfolgreicher Coach der vergangenen Jahre, ist raus. Timur Tepedelen, 46, übernimmt. Der Wechsel auf der Trainerbank wurde am Samstagabend (4. Oktober) über Instagram offiziell, nachdem bereits seit dem 26. September eine Pressemitteilung über Achatz’ Rückzug herausgegeben wurde.
Oberndorf: Erfolgscoach Achatz hört auf – Tepedelen übernimmt DJK SV
Dabei galt Achatz nicht als Wackelkandidat. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2022 führte er den Klub Jahr für Jahr an die Aufstiegszone heran. In der Saison 2022/23 landete Oberndorf auf Rang vier, nur knapp hinter den Relegationsplätzen. Ein Jahr später – 2023/24 – zog der DJK nach Platz zwei in die Relegation ein, scheiterte aber unglücklich am SV Ramerberg. In der vergangenen Saison 2024/25 folgte erneut ein Podestplatz, diesmal Rang drei. Drei Jahre lang ging es um den Aufstieg, immer am Limit, nie mit Happy End. Der Saisonstart 2025/26 lief dann nicht wie gewünscht: Drei Punkte aus drei Spielen – statistisch kein Absturz, aber intern wohl zu wenig, um den Aufwärtstraum weiter mit voller Überzeugung zu feiern. Achatz bat laut Vereinsangaben um Beendigung seines Engagements, der Verein nahm an und bedankte sich für die „geleistete Arbeit und erfolgreiche Jahre“.
Für den Neustart hat sich der Verein keinen Unbekannten geholt. Tepedelen kommt frisch vom Markt, nachdem er bis Sommer den SV Reichertsheim (SG Reichertsheim-Ramsau-Gars) trainiert hatte. Dort führte er die Kreisliga-Truppe als Bezirksliga-Absteiger gemeinsam mit Co-Trainer Sebastian Rost auf Platz drei – wieder knapp vorbei an der Relegation. Zuvor arbeitete Tepedelen unter anderem beim jetzigen Bezirksligsten TSV Ebersberg. In der Region kennt man ihn für direkte Ansprache und klare Ideen. Mit 46 bringt er Erfahrung und Außenblick mit – in Oberndorf trifft er auf eine Mannschaft, die gut eingeschliffen ist, aber vielleicht neue Impulse braucht. Co-Trainer Matthias Hergenröder bleibt wie bisher im Amt, das Gerüst reißt also nicht auseinander. Die Ankündigung, verpackt in vier Sätzen auf Instagram, wurde im Umfeld aufmerksam gelesen. Kein Drama, eher ein Schnitt zur rechten Zeit.
Timur Tepedelen feiert Oberndorf-Debüt gegen Forsting-Pfaffing
Tepedelens Debüt lässt nicht lange auf sich warten. Am Sonntag (5. Oktober), um 14.30 Uhr, empfängt Oberndorf den SV Forsting-Pfaffing. Ein Heimspiel als Einstandsprüfung – schlechter kann man es nicht treffen, besser aber auch nicht. Wer übernimmt, muss liefern, aber die Fans werden neugierig sein, was anders aussieht, klingt oder riecht. Ein Trainerwechsel im Amateurfußball ist keine Revolution, aber selten so zeitnah nach Saisonbeginn. Die Frage, warum ein Coach mit konstanten Top-Platzierungen geht, wird intern sicher diskutiert, nach außen bleibt man diplomatisch. Die sportliche Leitung will offenbar verhindern, dass ein vierter Anlauf in Serie mit zu viel Ballast startet. Die vergangenen Jahre waren geprägt von fast, fast, fast – und irgendwann klebt dieses Wort allen am Schuh. Dass Achatz mit 37 noch mehr Stationen vor sich hat, ist wahrscheinlich. Eine Trennung ohne Knall kann in solchen Fällen mehr retten als zerstören.
Bei Tepedelen heißt das Stichwort „neue Reize setzen“. Der Begriff fällt regelmäßig, wenn ein Kader nicht schlecht, aber vielleicht zu routiniert unterwegs ist. Gerade in der A-Klasse verändern zwei, drei Prozent Haltung mehr als ein neues System. Der Verein selbst betont die „Vorfreude auf eine erfolgreiche gemeinsame Zeit“, eine Wortwahl, die weder Euphorie noch Zweifel schreit. Realismus plus Hoffnung – die typische Formel im Amateurbereich. Kurios war höchstens die Kommunikation: Der Abschied des alten Trainers stand nur in der Pressemitteilung, die Ankunft des neuen auch in den sozialen Medien. Beide Vorgänge liegen nur wenige Tage auseinander, wirken dadurch aber wie zwei Kapitel eines Buches, das nicht jeder gleichzeitig in der Hand hatte. Am Sonntag zeigt sich, wie viel Umbruch wirklich drinsteckt. Die Zuschauer wissen, dass ein neuer Name nicht automatisch neue Punkte bedeutet – aber Geschichten wie diese sind es, die einem durchschnittlichen Oktober plötzlich Würze geben. Oberndorf ist nicht Tabellenführer, aber selten langweilig. (mck)