Tatendrang sinnvoll nutzen
Waldkraiburger Wochenschau: Hinlangen statt Zulangen!
Während manche mit roher Gewalt oder Diebesgeschick gierig zugreifen, fragt sich Kolumnistin Helena Gennutt: Muss man wirklich raffen, um zu bekommen, was man will – oder bewirkt gezieltes Hinlangen nicht mehr?
Waldkraiburg – Autotür auf, schnell zu Jacke und Sonnenbrille greifen und unbeirrt den Weg fortsetzen. Aber nicht etwa zum Fußballtraining oder zur Gartenparty. Nein, weiter zu den Nachbarn, wo es Sportschuhe und Motorradhandschuhe zu holen gibt. Zwei oder drei geschickte Handgriffe, schon ist ein neues Outfit nahezu komplett.
So oder ähnlich hat sich diese Woche ein Dieb in Waldkraiburg neu eingekleidet. Der Clou: Er brauchte keine Gewalt anzuwenden. Denn alle Garagen und Fahrzeuge, in denen er in der Waldkraiburger Schanzstraße zulangte, waren nicht abgesperrt.
Rabiat ging dagegen ein Langfinger vor, der im BET3000-Wettbüro am Stadtplatz in Waldkraiburg Geld erbeutete. Er attackierte einen Mitarbeiter mit Pfefferspray und flüchtete ebenfalls unerkannt.
Womöglich hat Gelegenheit Diebe gemacht. Vielleicht dachten sich die Räuber aber auch: „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt” – und zwar mit möglichst geringem Zeit- und Arbeitsaufwand.
Dass es auch anders geht, zugunsten des Allgemeinwohls und nicht gegen dieses gerichtet, zeigt der enorme Einsatz von Ehrenamtlichen in Waldkraiburg. Ja, auch sie ermöglichen sich ein Leben, wie es ihnen gefällt. Aber durch Arbeitseinsatz, durch Engagement für ihre Stadt. Durch Hinlangen statt Zulangen.
Egal ob im Waldbad, das dank des übergroßen Engagements der Waldkraiburger nun wieder geöffnet ist. Oder in den Sportvereinen, wo das ganze Jahr über gemeinsam trainiert und insbesondere für Kinder und Jugendliche ein vielfältiges Angebot geschaffen wird.
Das ist die Energie, die Waldkraiburg braucht. Tatendrang statt Täterwissen. Polizeihauptkommissar Uwe Schindler würde das sicher freuen. Bis dahin setzt auch er auf die Hilfsbereitschaft der Waldkraiburger, die sich mit jedem noch so kleinen Hinweis zu den geschilderten Taten bei der Polizei melden können.
Werden die Langfinger geschnappt, gibt es in Waldkraiburg noch genug Ecken und Enden, an denen sie mit anpacken könnten. Der aufmerksame Garagen-Beobachter würde als Bademeister im Waldbad eine gute Figur machen. Der flinke Pfefferspray-Ganove könnte sich als Trainergehilfe beim VfL einbringen, bei den Leichtathleten zum Beispiel oder beim Boxen. Vielleicht lässt sich die kriminelle Energie zu etwas Positivem umleiten.