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Reise abgesagt

Rohstoff-Poker eskaliert: China lässt Merz-Minister auflaufen

Die Wadephul-Reise nach China ist kurzfristig abgesagt! Peking bestätigt nur einen Termin. Wegen des Taiwan-Streits? Was das für deutsche Firmen bedeutet.

Berlin/Peking – Es sollte ein wichtiges Signal werden: Außenminister Johann Wadephul (CDU) als erster Minister der neuen Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) in Peking. Doch daraus wird vorerst nichts. Nur wenige Tage vor dem geplanten Abflug am kommenden Sonntag sagte Wadephul seine China-Reise kurzfristig ab – ein diplomatischer Affront, der die angespannten Beziehungen zwischen Berlin und Peking schonungslos offenlegt. Der Grund: Die chinesische Seite hatte außer einem Pflichttermin mit Außenminister Wang Yi keine weiteren hinreichenden Gespräche bestätigt. Was als Neustart der deutsch-chinesischen Beziehungen gedacht war, wird nun zur peinlichen Blamage für die deutsche Diplomatie.

Doch kein Flug nach China: Johann Wadephul (CDU) hat seine Reise abgesagt.

Die geplatzte China-Reise von Wadephul offenbart die angespannten diplomatischen Beziehungen zwischen Berlin und Peking. Die Großmacht hatte außer einem Treffen des Ministers mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi keine weiteren hinreichenden Termine bestätigt, teilte die Sprecherin des Auswärtigen Amts am Freitag (24. Oktober) laut der Nachrichtenagentur dpa mit. Die für Montag und Dienstag geplante Reise solle aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, hieß es weiter.

Reise von Wadephul geplatzt: China zeigt deutscher Wirtschaft die kalte Schulter

Besonders brisant: Für die deutsche Wirtschaft hat die Absage der China-Reise von Minister Wadephul durchaus schwere Folgen. So leidet die deutsche Wirtschaft zunehmend unter Chinas Handelsbeschränkungen bei seltenen Erden und Halbleitern. „Handelsbeschränkungen vor allem in den Bereichen seltene Erden und Halbleiter bereiten deutschen Unternehmen große Sorgen“, zitierte t-online.de Wadephuls Sprecherin. Diese Rohstoffe sind für Motoren, Turbinen und Sensoren unverzichtbar, weshalb Pekings Exportkontrollen deutsche Industrieunternehmen in Bedrängnis bringen.

China kontrolliert laut einem Bericht des Handelsblatts etwa 69 Prozent des Weltmarkts beim Abbau seltener Erden, bei der Verarbeitung sogar 99 Prozent. Die im Oktober verschärften Exportbeschränkungen treffen deutsche Unternehmen hart: Ausländische Firmen benötigen vor dem Export von Waren, die auch nur kleinste Mengen chinesischer seltener Erden enthalten, eine Genehmigung aus Peking. Für militärische Zwecke ist der Export komplett untersagt.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

„Handelsbeschränkungen vor allem in den Bereichen Seltene Erden und Halbleiter“ bereiteten deutschen Unternehmen „große Sorgen“, betonte die Sprecherin des Auswärtigen Amtes. „Diese Unsicherheit schadet unseren Handelsbeziehungen und sie schadet auch Chinas Image in Deutschland als verlässlicher Handelspartner insgesamt.“ Zuletzt hatte vor allem VW mit Exportengpässen bei Chips zu kämpfen. Sogar ein Produktionsstopp in Deutschland gilt nicht als ausgeschlossen.

Vor diesem Hintergrund war große Hoffnung in die Reise von Wadephul gesetzt worden. Umso überraschender kommt die Absage. Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Die These: In China ist man verärgert über die deutsche Haltung in der Taiwan-Frage. Bereits vor der geplanten Reise hatte Peking die Haltung der Bundesregierung scharf kritisiert. „Die Wahrung des Status quo in der Region zu fordern, ohne dabei eine Unabhängigkeit Taiwans abzulehnen, komme einer Unterstützung ‚taiwanischer Unabhängigkeits-Aktivitäten‘ gleich“, sagte Außenamtssprecher Guo Jiakun. China fordere Deutschland auf, „eine klare und entschiedene Haltung gegen jegliche Aktivitäten für eine Unabhängigkeit Taiwans einzunehmen und das Ein-China-Prinzip strikt einzuhalten“.

Wadephul hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Chinas „zunehmend aggressives Auftreten“ in der Straße von Taiwan sowie im Ost- und Südchinesischen Meer kritisiert. „Hier stehen Grundregeln unseres weltweiten Miteinanders auf dem Spiel“, warnte der CDU-Politiker. Diese deutlichen Worte kommen in Peking schlecht an – und haben nun konkrete Konsequenzen. Hinzu kommen auch noch Meinungsverschiedenheiten zu der Frage, wie man mit Russland wegen des Ukraine-Krieges umgehen sollte.

Anders als bei Merkel: China-Strategie der Merz-Regierung setzt auf Konfrontation

Trotz der Spannungen signalisiert Berlin Gesprächsbereitschaft. „Wir sind weiter sehr daran interessiert, uns partnerschaftlich zur gesamten Themenpalette auszutauschen“, erklärte die Sprecherin. Wadephul wolle sich „sehr bald telefonisch mit seinem chinesischen Amtskollegen intensiv austauschen“.

Ob sich die Wogen glätten lassen, bleibt abzuwarten. Derzeit steht die gesamte China-Strategie der Merz-Regierung auf dem Prüfstand. Anders als seine Vorgängerin Angela Merkel, die auf „Wandel durch Handel“ setzte, fährt die neue Bundesregierung einen konfrontativen Kurs. Merz hatte China in seiner ersten Regierungserklärung als Teil einer „Achse der Autokratien“ bezeichnet – gemeinsam mit Russland, dem Iran und Nordkorea.

Wadephul wäre der erste Minister der Bundesregierung unter Kanzler Merz gewesen, der das Land besucht. Dass ausgerechnet dieser symbolisch wichtige erste Besuch scheitert, sendet ein deutliches Signal: Die Zeiten der bedingungslosen Kooperation sind vorbei.

Die EU prüft bereits Sanktionen wegen Chinas Rohstoffblockade. Auf dem EU-Gipfel wollen die Staats- und Regierungschefs über konkrete Gegenmaßnahmen beraten. Deutschland macht dabei gemeinsam mit Frankreich und der EU-Kommission Druck. Die Palette möglicher Gegensanktionen reicht von Strafzöllen über den Ausschluss aus EU-Beschaffungsmärkten bis zu Sonderabgaben für chinesische Unternehmen.

„Wir bedauern sehr, dass es in den nächsten Tagen entgegen gemeinsamer Planungen kurzfristig dazu keine persönliche Gelegenheit geben wird“, erklärte das Auswärtige Amt. Ob und wann Wadephul seine China-Reise nachholen kann, bleibt offen. Sicher ist: Die deutsch-chinesischen Beziehungen stehen vor einer Bewährungsprobe – mit ungewissem Ausgang. (Quellen: dpa, AFP, Handelsblatt, t-online.de) (jek)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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