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Machtkampf in Teheran

Ein Satz mit Folgen für den Iran-Krieg: Chamenei sorgt für Zweifel über USA-Kurs

Ein Satz von Irans Oberstem Führer Modschtaba Chamenei löst laut „The Telegraph“ einen Machtkampf aus. Es geht um den Kurs gegenüber den USA.

Ein einziges Wort des Obersten Führers des Iran soll die Führung der Islamischen Republik stärker verunsichert haben als die 40 Tage des Krieges zuvor. Im Mittelpunkt steht der arabische Begriff „alal-osul“ („im Prinzip“), den Modschtaba Chamenei in einer Erklärung verwendete, mit der er ein Friedensabkommen mit den USA billigte. Das Abkommen soll den Iran-Krieg beenden, der am 28. Februar mit den gemeinsamen US-israelischen Angriffen begann.

Modschtaba Chamenei, der neue Oberste Führer des Iran, hat mit einer Formulierung zu den Verhandlungen mit den USA laut „The Telegraph“ eine Debatte innerhalb der iranischen Führung ausgelöst.

Gleichzeitig machte Chamenei deutlich, dass er das Abkommen nach eigener Darstellung nie befürwortet habe. „Ich war im Prinzip anderer Meinung“, erklärte er. Laut The Telegraph sorgt dieser Satz bis heute für kontroverse Debatten in den Machtzentren Teherans. Im Kern geht es um die Frage, ob die Islamische Republik den eingeschlagenen Verhandlungskurs mit den USA überhaupt fortsetzen soll.

Ein Wort von Chamenei mit Folgen im Iran-Krieg: Deutungskampf um „alal-osul“

Die Islamische Republik ist um das Prinzip einer obersten religiösen Autorität aufgebaut, die in allen grundlegenden Fragen das letzte Wort hat. Nach Darstellung von The Telegraph ließ Chameneis Formulierung jedoch einen erheblichen Interpretationsspielraum offen, den unterschiedliche politische Lager nun für ihre jeweilige Sichtweise nutzen.

Für den pragmatischeren Teil des Establishments gilt die Aussage als widerwillige Zustimmung zu einer diplomatischen Lösung. Sie sehen darin den Hinweis, dass selbst ein skeptischer Oberster Führer angesichts der wirtschaftlichen Krise, der internationalen Sanktionen und der Gefahr eines erneuten Krieges keinen anderen Ausweg mehr als Verhandlungen erkennt.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Iran: Hardliner in Teheran sehen Signal zum Widerstand

Andere Kreise deuten den Satz dagegen als Aufforderung, den Gesprächen mit Washington zu misstrauen. Für sie ist Chameneis Hinweis, er sei „im Prinzip anderer Meinung“ gewesen, ein Beleg dafür, dass Verhandlungen mit den USA eine Falle seien und der Iran keine weiteren Zugeständnisse machen dürfe.

„Das Hauptthema innerhalb des Systems ist jetzt dieser Satz“, so ein hochrangiger iranischer Beamter aus Teheran. „Er hat vor allem bei den Kommandeuren im Feld Zweifel am gesamten Prozess geweckt. Sie glauben, Chamenei ist mit den Gesprächen nicht zufrieden und dass ihm etwas gegen seinen Willen aufgezwungen wird.“

Zweifel am Chamenei reichen bis in das Parlament

Offenbar verstärkten Hardliner im iranischen Parlament diese Unsicherheit zusätzlich. Auslöser seien Äußerungen des Geistlichen und Abgeordneten Mahmoud Nabavian gewesen, der das Abkommen öffentlich kritisierte.

Ein weiterer iranischer Beamter sagte The Telegraph, Nabavians Aussagen hätten Zweifel geschürt, „ob Modschtaba überhaupt ein Mitspracherecht in der endgültigen Vereinbarung hat – oder ob er überhaupt will, dass die Regierung weiterverhandelt“. Der Beamte fügte hinzu: „Im Moment wird alles mit großem Misstrauen betrachtet.“

So ist die Macht im Iran verteilt

AkteurRolle
Oberster Führer (Modschtaba Chamenei)Höchste politische und religiöse Autorität. Hat das letzte Wort in Sicherheits-, Außen- und Militärpolitik. Seit seiner Wahl ist er kaum öffentlich aufgetreten.
Präsident (Masud Peseschkian)Leitet die Regierung und ist für die Tagespolitik zuständig. Sein Handlungsspielraum wird durch den Obersten Führer begrenzt.
Revolutionsgarden (IRGC)Militärische Eliteeinheit mit großem Einfluss auf Sicherheit, Wirtschaft und Außenpolitik.
ParlamentBeschließt Gesetze, steht aber unter Aufsicht religiöser Kontrollorgane.
WächterratPrüft Gesetze und entscheidet, welche Kandidaten zu Wahlen zugelassen werden.

(Quellen: The Telegraph; Auswärtiges Amt)

Geheime Briefe und wachsendes Misstrauen, Streit um Straße von Hormus

In einem Fernsehinterview las Nabavian aus dem vor, was er als vertrauliche Korrespondenz Chameneis bezeichnete. Er behauptete, die Briefe würden zeigen, dass das iranische Verhandlungsteam die Anweisungen des Obersten Führers überschritten habe. Die Sendung wurde daraufhin abrupt unterbrochen. Kurz darauf kündigte der Staatssender den Rücktritt eines seiner Direktoren an.

Nach Darstellung von The Telegraph hat der Zweifel inzwischen sogar die Frontlinien erreicht. „Wir entscheiden, wer hier durchkommt – nicht jene, die in Teheran unter der Klimaanlage sitzen, und auch nicht jene in Washington“, sagte ein Offizier der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) aus der Straße von Hormus. „Wir sind hier, und wir sagen, wer geht und wer kommt.“

Revolutionsgarden sollen Kriegsvorbereitungen verstärken

Ein zweiter Beamter in Teheran erklärte, der Ausdruck habe „die gesamte Idee, mit den USA zu reden, unter ein großes Fragezeichen gestellt“. Nach seinen Angaben hätten die Revolutionsgarden ihre Kriegsvorbereitungen im Stillen intensiviert – mit mehr Raketen, Drohnen und einem wiederaufgebauten Luftabwehrnetz.

Einige Beobachter erinnerten in diesem Zusammenhang an Ajatollah Ruhollah Chomeini Beschreibung der Annahme des Waffenstillstands von 1988 mit dem Irak als das Trinken „eines Bechers Gift“. Dieser Ausdruck brachte damals wie heute Revolutionäre und Staatsmänner in Teheran gegeneinander auf.

Teheran vor Spaltung im Iran-Krieg: Regierungslager sucht beruhigende Deutung

Die von der Regierung bevorzugte Lesart kam von einem Mann, der dafür besonders geeignet ist: Gholam-Ali Haddad-Adel, einem altgedienten Konservativen, früheren Parlamentspräsidenten, Mitglied des Schlichtungsrates und Schwiegervater Chameneis. Chamenei habe von seinem ersten Tag im Amt an zur Einheit aufgerufen, sagte Haddad-Adel am Montagabend (29. Juni) im Staatsfernsehen.

Es sei undenkbar, dass er das Land bewusst spalten wolle, argumentierte Haddad-Adel. Die Botschaft müsse als Ganzes gelesen werden, „wie ein Vers des Korans“, nicht reduziert auf eine einzige Zeile. „Unsere falsche Interpretation von ‚alal-osul‘ hat zur Spaltung geführt“, fügte er hinzu. (Dieser Artikel von Akhtar Makoii entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk)

Rubriklistenbild: © HAMED JAFARNEJAD / ISNA / AFP

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