Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Renaissance der Wehrpflicht?

„Stärkste Armee Europas“: Bundeswehrverband will Truppe noch einmal massiv aufstocken

Eine Vergrößerung der Bundeswehr ohne Zwang sei illusorisch, glauben Experten. An der Wehrpflicht-Frage wird sich der Bundeskanzler beweisen müssen.

Berlin – „Die Bundeswehr muss fest in der Gesellschaft, bei den Menschen, verankert sein. Nur dann kann sie als Arbeitgeber dauerhaft einen großen Stellenwert haben“, sagt Marcel Bohnert. „Wie kommt die Bundeswehr an Nachwuchs?“, hatte der Oberstleutnant und stellvertretende Vorsitzende des Bundeswehrverbandes im ZDF-Mittagsmagazin zu beantworten versucht. Wladimir Putins Invasionskrieg gegen die Ukraine hat der Bundeswehr wieder die Rolle der Landes- und Bündnisverteidigung aufgezwungen. Die Frage wurde dem Oberstleutnant 2023 gestellt und ist so offen wie eh und je seit Beginn des Ukraine-Krieges.

Die deutsche Truppe altere und schrumpfe, stellt André Wüstner aktuell klar. In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) fordert der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes jetzt vehement eine „Schubumkehr“. Dem Oberst des Heeres der Bundeswehr scheint dabei nebensächlich, ob die Aufstockung der deutschen Verteidigungskräfte durch Freiwilligkeit erfolgt oder im Rahmen einer Verpflichtung. Er erwartet vor allem, dass gehandelt wird.

Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr

Reservisten-Kompanie der Bundeswerh in Sachsen
Wie beim Militär üblich, gibt es auch bei der Bundeswehr eine klare Hierarchie in der Truppe. Jeder Soldat und jede Soldatin erhält einen Dienstgrad, über den neben der Position in der Befehlskette und dem Verantwortungsbereich auch die Besoldung geregelt wird. Welche Dienstgrade es in der Bundeswehr gibt und wer in der Hierarchie ganz oben steht, erfahren Sie in dieser Fotostrecke. © Matthias Hiekel/dpa
Freiwilliger Wehrdienst der Bundeswehr im Heimatschutz in Burg
Grundsätzlich lassen sich die Dienstgrade bei der Bundeswehr in drei Oberkategorien einteilen. Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Auf der niedrigsten Hierarchieebene in der Bundeswehr stehen zunächst die Mannschaften. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Öffentliches Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr vor dem Abgeordnetenhaus.
Der niedrigste Dienstgrad von Rekruten in der Bundeswehr richtet sich in der Regel nach der Truppengattung. Mögliche Bezeichnungen für die Rekruten lauten Schütze, Flieger oder Matrose. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Gefreiter und ein Obergefreiter der Bundeswehr.
Die verschiedenen Dienstgrade der Bundeswehr lassen sich zur schnellen Erkennung an den Schulterklappen der Soldaten ablesen. Auf der untersten Ebene in den Mannschaften nach dem einfachen Soldaten steht der Gefreite (r) gefolgt vom Obergefreiten (l). Die Schulterklappen zeigen einen bzw. zwei schräge Streifen. Soldaten können frühestens nach drei bzw. sechs Monaten zum Gefreiten oder Obergefreiten ernannt werden.  © Mathias Ernert/dpa
Ein Hauptgefreiter der deutschen Bundeswehr bei einer Übung auf dem Truppenübungsgelände Bergen in der Lüneburger Heide.
Als Nächstes in der Rangordnung folgt der Hauptgefreite, der Schulterklappen mit drei schrägen Streifen trägt. Im Soldatenjargon werden die Querstreifen auch „Pommes“ oder „Fritte“ bezeichnet. Die Mindestdienstzeit für die Ernennung zum Hauptgefreiten liegt bei 12 Monaten. © Chris Emil Janssen/imago-images
Ein Stabsgefreiter der Bundeswehr berät einen Interessenten
Nach drei Jahren im Dienst können Soldaten in den Rang einen Stabsgefreiten aufsteigen. Stabsgefreite steigen auch eine Besoldungsgruppe auf und tragen Schulterklappen mit vier Streifen. © Michael Gottschalk/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr bei einr Militaeruebung.
Nach einem weiteren Jahr im Dienst – also nach vier Jahren – ist die Beförderung zum Oberstabsgefreiten möglich. Bis 2021 bildete der Dienstgrad – zu erkennen an den fünf Querstreifen an den Schulterklappen – den höchsten Dienstgrad in der Laufbahn der Mannschaftssoldaten. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Korporal der Bundeswehr.
2021 schuf die Bundeswehr im Rahmen der „Modernisierung der Laufbahnen“ zwei neue Dienstgrade für Mannschaftssoldaten. Soldaten erhielten nach sieben Jahren im Dienst die Möglichkeit, zum Korporal aufzusteigen. Der mit der Beförderung verbundene Aufstieg in eine höhere Soldgruppe sollte auch die Laufbahn der Mannschaften attraktiver machen. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen breiten Querstreifen. © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr wird zum Korporal befördert.
Der zweite neu eingeführte Dienstgrad war der des Stabskorporal, der künftig als neuer Spitzendienstgrad in den Mannschaften agiert. Soldaten können diesen frühestens nach zehn Jahren im Dienst, davon ein Jahr als Korporal, erhalten.  © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Feierliche Vereidigung von Feldwebel und Unteroffiziersanwärtern der Bundeswehr Aufklärungsbataillon.
Die zweite Hauptgruppe der Bundeswehr sind die Unteroffiziere. „Unteroffiziere sind Spezialisten, aber auch Führer, Ausbilder und Erzieher der ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten. Sie leiten und schulen das ihnen unterstellte Personal, beraten aber auch ihre eigenen Vorgesetzten“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer eigenen Website. © imago-images
Unteroffiziere der Bundeswehr bei einer Übung.
Die Unteroffiziere gliedern sich wiederum in zwei Untergruppen. Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Letztere vereint die ersten Dienstgrade der Laufbahn unter sich. Den Anfang macht der Unteroffizier. Dieser wird in die gleiche Besoldungsgruppe eingeteilt wie ein Stabsgefreiter. Die Schulterklappen zeigen eine nach unten offenen goldenen Bandstreifen genannt „Tresse“. Wer die Laufbahn eines Unteroffiziers ohne Portepee durchlaufen will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss. Das Pendant der Marine ist der Maat. © Swen Pförtner/dpa
Eine Stabsunteroffizierin der Bundeswehr mit einem Diensthund.
Stabsunteroffiziere bilden den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. Das Dienstgradabzeichen zeigt eine geschlossene Tresse. Beim Sold liegen die Stabsunteroffiziere in der Gruppe A6 oder A7. Erstere ist auf dem Niveau der Korporale und Stabskorporale. Das Pendant der Marine ist der Obermaat. © Lars Heidrich/dpa
Eine Feldwebel der Bundeswehr hilft bei einer Teststation im Kampf gegen das Coronavirus.
Unteroffiziere mit Portepee bilden die nächsthöhere Untergruppe. Um diese Laufbahn anzustreben, brauchen Anwärter neben einem Hauptschulabschluss auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach Angaben der Bundeswehr muss sich ein Feldwebel in der Regel für acht bis 13 Jahre verpflichten. Das Dienstgradabzeichen des Feldwebels ist ein Winkel mit der Spitze nach oben in einer geschlossenen Tresse. Bei der Marine trägt der vergleichbare Dienstgrad die Bezeichnung Bootsmann. © Nicolas Armer/dpa
Ein Oberfeldwebel der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung.
Das Dienstgradabzeichen mit zwei nach oben zeigenden Winkeln weist den Oberfeldwebel aus. Oberfeldwebel werden unter anderem als stellvertretende Zugführer oder Gruppenführer eingesetzt. In der Marine wird die Bezeichnung Oberbootsmann verwendet. © Jochen Lübke/dpa
Eine Oberfeldwebel der Bundeswehr beim Girls' Day im Bundesverteidigungsministerium.
Eine Besoldungsgruppe über dem Oberfeldwebel ist in der Bundeswehr der Hauptfeldwebel angesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen Kopfwinkel mit der Spitze nach oben. Das Pendant der Marine ist der Hauptbootsmann. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr
Der Stabsfeldwebel zählt zu den Spitzenverdienern unter den Unteroffizieren mit Portepee (Besoldungsgruppe A9). Stabsfeldwebel werden neben ihren Aufgaben als Zugführer auch als Kompaniefeldwebel – auch „Spieß“ genannt – eingesetzt. Als solcher agiert er als Führer des Unteroffizierkorps einer Einheit und leitet den Innendienst. In der Marine lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Stabsbootsmann. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Oberstabdsfeldwebel der Bundeswehr in einem Büro.
Den höchsten Dienstgrad der Unteroffiziere mit Portepee bildet der Oberstabsfeldwebel. Er kommt vor allem in höheren Stäben und Ämtern zum Einsatz, dient aber ebenso wie der Stabsfeldwebel auch als „Spieß“ oder Zugführer. Das Dienstgradabzeichen für Oberstabsfeldwebel zeigt einen Kopfwinkel, darunter zwei Winkel. Das Pendant in der Marine heißt Oberstabsbootsmann. © Rolf Vennenbernd/dpa
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer.
Die dritte und letzte Obergruppe bei der Bundeswehr sind die Offiziere. Die Bundeswehr bezeichnet sie auf ihrer Website als „Manager in Uniform“. Sie führen Kompanien und Bataillone, arbeiten in Stäben und dem Verteidigungsministerium. Neben einer praktischen militärischen Ausbildung absolvieren Offiziersanwärter auch ein akademisches Studium bei der Bundeswehr. Für fast alle Laufbahnen wird deswegen mindestens eine Fachhochschulreife vorausgesetzt. © Jacob Schröter/imago-images
Ein Leutnant der Bundeswehr steht vor einem Militärflugzeug.
Den Anfang in der Offizierslaufbahn macht der Leutnant. Durch seine Stellung kann er sowohl Soldaten aus der Gruppe der Mannschaften, als auch der Unteroffiziere Befehle erteilen. Der Leutnant ist in der Besoldungsgruppe A9 – auf dem Level eines Stabsfeldwebels – eingeordnet. Das Dienstgradabzeichen des Leutnants zeigt einen Stern.  © Lars Klemmer/dpa
Ein Oberleutnant der Bundeswehr bei der Nato-Großübung in Norwegen.
Eine Besoldungsgruppe weiter oben (A10) ist der Oberleutnant angesetzt. In der Regel erfolgt die Beförderung frühestens zwei Jahren nach der Ernennung zum Offizier. Das Dienstgradabzeichen zeigt zwei Sterne. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Ein Hauptmann der Bundeswehr auf einem Flugplatz.
Eine Stufe über dem Oberleutnant steht in der Rangordnung der Bundeswehr die Gruppe der Hauptleute. Diese beinhaltet die Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Hauptleute werden häufig als militärische Führer in den Verbänden ihre Truppengattungen eingesetzt. Der Dienstgrad des Stabshauptmanns ist Offizieren des militärfachlichen Diensts vorbehalten. Die Schulterklappen zeigen drei (Hauptmann) oder vier (Stabshauptmann) Sterne. In der Marine lautet die Bezeichnung des Dienstgrads Kapitänleutnant bzw. Stabskapitänleutnant. © Achille Abboud/imago-images
Ein Major der Bundeswehr im Gespräch mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Auf die Hauptleute folgt die Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, die in der Regel auf Stabsposten und als militärische Führer eingesetzt werden. Der erste Dienstgrad in der Gruppe ist der Major. Majore werden auch als Hörsaalleiter in Lehreinrichtungen der Bundeswehr oder in Referaten und Ministerien eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und einen Stern. Das Pendant der Marine ist der Korvettenkapitän. © Bernhard Herrmann/imago-images
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Gespräch mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Der mittlere Dienstgrad der Stabsoffiziere bildet der Oberstleutnant. Diese werden neben den anderen Anwendungsfeldern der Stabsoffiziere auch als Dezernenten oder Referenten in Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und zwei Sterne. Das Pendant der Marine ist der Fregattenkapitän. © Revierfoto/imago-images
Ein Oberst der Bundeswehr im Gespräch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Der Oberst stellt den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere dar. In der Regel wird er in leitenden Positionen in Kommandobehörden, Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub mit drei Sternen. Das Pendant der Marine ist der Kapitän zur See. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Ein Brigadegeneral der Bundeswehr.
Die Speerspitze in der Hierarchie der Bundeswehr bilden die Generäle. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben und dienen vor allem auf Stabsposten und in der Regel nicht in der kämpfenden Truppe. Der rangniedrigste General ist der Brigadegeneral. Eine Beförderung vom Oberst zum Brigadegeneral erfolgt in der Regel aufgrund der Eignung und Leistung des Offiziers und ist nicht an andere Voraussetzungen gebunden. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit einem goldenen Stern. In der Marine heißt der vergleichbare Dienstgrad Flottillen­admiral. © IMAGO/Björn Trotzki
Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung.
Auf den Brigadegeneral folgt in der Rangordnung der Bundeswehr der Generalmajor. In der Praxis erfolgt die Beförderung erst nach mehreren Jahren als Brigadegeneral. Generalmajore übernehmen leitende Funktionen in Kommandobehörden, dem Verteidigungsministerium oder Einrichtungen der Nato. So dient Generalmajor Christian Freuding (Bild) als Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung. Das Dienstgradabzeichen des Generalmajors zeigt ein goldenes Eichenlaub und zwei goldene Sterne. Das Pendant der Marine ist der Konteradmiral. © IMAGO/M. Popow
Der Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann.
Der zweithöchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der Generalleutnant. Bei Luftwaffe und Heer gibt es weniger als zwei Dutzend Offiziere mit diesem Rang, die in wichtigen leitenden Positionen eingesetzt werden. So ist der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr immer ein Generalleutnant. Auch der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann (Stand Mai 2025, Bild), ist im Rang eines Generalleutnants. Sein Dienstabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit drei goldenen Sternen. Das Pendant der Marine ist der Vizeadmiral. © Björn Trotzki/imago-images
Der Generalinspekteur der Bundeswehr: General Carsten Breuer.
Ganz oben in der Hierarchie der Bundeswehr steht der General. Der Dienstgrad ist nur wenigen Soldaten in absoluten Führungspositionen vorbehalten. Der Generalinspekteur der Bundeswehr – höchster militärischer Repräsentant der Bundeswehr – ist General Carsten Breuer (Stand Mai 2025, Bild). Deutsche Generäle dienen auch in Führungspositionen der Nato. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub und vier goldene Sterne. Zur besseren Unterscheidung von der Dienstgruppe der Generäle wird er deswegen umgangssprachlich als Vier-Sterne-General bezeichnet. Das Pendant der Marine ist der Admiral. © IMAGO/Klaus W. Schmidt

Wehrpflicht durch Ukraine-Krieg? „Das Ende der Dienstpflicht gilt ausschließlich in Friedenszeiten“

Zum 1. Juli 2011 war die Wehrpflicht vom Deutschen Bundestag ausgesetzt worden, um im Zuge der Streitkräftereform die seinerzeit 255.000 Soldaten auf eine Friedensstärke von 185.000 zu verringern. „Das Ende der Dienstpflicht gilt jedoch ausschließlich in Friedenszeiten, im Spannungs- oder Verteidigungsfall kann sie wieder aktiviert werden. Deshalb bleibt Artikel 12a des Grundgesetzes, nachdem jeder männliche deutsche Staatsbürger ‚vom vollendeten 18. Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden‘ kann, unangetastet“, schreibt der Bundestag.

„Olaf Scholz entzog mit seiner Entscheidung der Bundeswehr auf absehbare Zeit die Personalgrundlage, um ihren Verteidigungsauftrag zu erfüllen.“

Sönke Neitzel, „Die Bundeswehr“

Rückendeckung bekommt der Bundeswehrverband durch Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU, der in seiner Regierungserklärung am 14. Mai deutlich machte, „die Bundesregierung werde der Bundeswehr alle finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die sie brauche, um konventionell zur stärksten Armee Europas zu werden“, wie er sagte. Aktuell liegt die Bundeswehr mit ihrer Truppenstärke von ungefähr 180.000 aktiven Kräften auf dem vierten Platz der Nato-Länder und auf dem dritten der europäischen Armeen. Vor Deutschland liegen die Türkei mit 355.000 aktiven Kräften, Frankreich mit etwas mehr als 200.000 Kräften und Polen mit ungefähr 200.000, wie The Military Balance 2025 ausweist.

Praktiker sehen einen Anspruch auf einen militärischen Dienst oder die Befragung über die Bereitschaft junger Menschen als zu wenig an in der derzeitigen Krisensituation. Um Deutschland in der Fläche zu verteidigen, würden 300.000 bis 350.000 Soldaten benötigt, sagte Patrick Sensburg gegenüber T-Online. Der Präsident des Reservistenverbands fügte hinzu: „Wir brauchen ein Massen-Heer, um in einem möglichen Krieg zu bestehen“ und kalkuliert mit der Notwendigkeit des Dreifachen der aktiven Kräfte an Reservisten, also insgesamt fast eine Million Soldatinnen und Soldaten.

Gefahr durch Putin: „Das bedeutet, dass die aktive Truppe auf bis zu 260.000 Soldaten aufwachsen müsste.“

Wüstner bleibt etwas bescheidener, macht aber deutlich, dass der vor der Corona-Pandemie geforderte Aufwuchs auf 203.000 Kräfte weiterhin zu gering sei. 40 bis 60.000 Kräfte müssten noch obendrauf kommen, je nach künftigen Aufgaben, die Deutschland in der Verteidigungsallianz überantwortet würden. „Das bedeutet, dass die aktive Truppe schrittweise auf bis zu 260.000 Soldaten aufwachsen müsste. Daraus muss dann gleichzeitig eine leistungsfähige Reserve entwickelt werden, um auf die vom Generalinspekteur genannte Zielgröße von insgesamt 460.000 Soldaten zu kommen“, wie er gegenüber dem RND äußert.

Unter der von ihm geforderten „Schubumkehr“ versteht André Wüstner, laut RND, insofern die zeitnahe Vorbereitung der Verwaltung von Wehrpflicht: Planung, Organisation und Umsetzung kalkuliert Wüstner mit 18 bis 20 Monaten und plädiert dafür, dass die Verwaltung schon anlaufen sollte, bevor eine politische Entscheidung getroffen würde; „und wir es uns nicht leisten können, nach einer politischen Entscheidung noch mal 20 Monate dafür ins Land gehen zu lassen“, wie er gegenüber RND-Autor Markus Decker äußerte.

Weiterhin allein auf weiter Flur? Die Bundeswehr schleppt sich mit ihrem Aufwuchs-Programm über die Runden. Der Bundeswehrverband fordert eine Stärke von ungefähr 260.000 Kräfte (Symbolfoto).

Wüstner treibt damit auf die Spitze, was gegenüber dem Reservistenmagazin die reserve im Februar Martin Sebaldt kritisiert hat: Das Fehlen der zivilen Wehrorganisation einhergehend mit einem Mangel an Wehrüberwachung. Zum 30. November 2012 waren diese Verwaltungsstellen abgeschafft worden, was sich inzwischen als Fehler herausstellt. Politikwissenschaftler und Oberst der Reserve Martin Sebaldt hätte präferiert, die Kreiswehrersatzämter auf Kopfstellen zu reduzieren, also in den Behörden zentrale Ansprechpartner beziehungsweise Experten zu belassen, was einen Neustart vereinfacht hätte, wie er gegenüber der reserve äußerte.

Bundeswehr hat Konjunktur: „Das Interesse am Soldatenberuf ist gestiegen“

Eine Hypothek, die durchaus dem Ex-Kanzler Olaf Scholz (SPD) angelastet wird: „Wie Sie wissen, geht es um eine Aufgabe, die überschaubar ist, die wir in Deutschland bewältigen werden müssen“, hat er noch Mitte 2024 gesagt in offenbar völliger Ignoranz der Situation, wie auch Sönke Neitzel, einer von Deutschlands prominentesten Militärhistorikern, urteilt: „Olaf Scholz entzog mit seiner Entscheidung der Bundeswehr auf absehbare Zeit die Personalgrundlage, um ihren Verteidigungsauftrag zu erfüllen“, schreibt Neitzel in seinem aktuellen Buch „Die Bundeswehr“.

„Das Interesse am Soldatenberuf ist gestiegen“

„Ergebnisse des sicherheits- und verteidigungspolitischen Meinungsbilds aus dem Jahr 2024 zeigen: Bei Personen unter 30 Jahren halten 41 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen die Einführung einer Wehrpflicht für notwendig. Über alle Altersgruppen hinweg befürworten 54 Prozent aller Männer und 44 Prozent aller Frauen eine allgemeine Wehrpflicht, die sowohl für Frauen als auch für Männer gilt. Die Umfragen aus den Jahren 2023 und 2022 zuvor zeigen ähnliche Zahlen.“

Die Umfrage von 2024 erfasst auch, wie viele Personen sich tatsächlich eine Arbeit bei der Bundeswehr vorstellen können. Bei den Männern zwischen 16 und 29 Jahren sind es 29 Prozent, die als Soldat zur Bundeswehr gehen würden. Das sind zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. 35 Prozent können sich vorstellen, als Zivilist bei der Bundeswehr zu arbeiten. Bei den Frauen in diesem Alter sind es acht beziehungsweise 22 Prozent. „Das Interesse am Soldatenberuf ist gestiegen“, sagt Timo Graf, Militärsoziologe am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaft der Bundeswehr in Potsdam.

Quelle: Elena Oberholzer, Neue Zürcher Zeitung

Neitzel fordert von Parlament und Regierung die Erfüllung ihrer Pflicht, nämlich die Bundeswehr in die Lage zu versetzen, ihren Verteidigungsauftrag zu erfüllen – was ihr, nach seiner Darstellung, in ihrer gesamten Geschichte selten genug gelungen sei. Der Grund sei tatsächlich ein gewisses Fremdeln der deutschen Gesellschaft gegenüber ihren Streitkräften. Prinzipiell versucht André Wüstner aufs Neue, dass ihm Rahmenbedingungen geschaffen würden, die ihm die Ausübung seines Berufes ermöglichen – Neitzel erinnert in seinem Buch an den Zeitabschnitt der Konsolidierung der deutschen Streitkräfte zwischen 1972 und 1990.

In dieser Phase versuchte die Bundeswehr selbst, die Streitkräfte in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. „Und sie unternahm beachtliche Anstrengungen, um ihre jungen Rekruten davon zu überzeugen, dass es sich lohne, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu verteidigen“, schreibt Neitzel. Während die Bundeswehr sogar zusammen mit Beratern der Bundesagentur für Arbeit dafür wirbt, die Bundeswehr auch als Arbeitgeber wahrzunehmen, wissen altgediente Berufssoldaten, dass ihr Auftrag prinzipiell lediglich darin besteht zu kämpfen und zu fallen.

Merz gefordert: Wehrpflicht kein Thema für die politische Alltagskommunikation einer fragilen Regierung?

Zumal der Bundeswehr schon in Friedenszeiten kaum gelungen ist, als Arbeitgeber einen hohen Aufmerksamkeitswert zu erlangen und ihre Mannschaftsdienstgrade aufzufüllen, geschweige denn ihre Offiziers- oder Unteroffizierskorps, wird das in Zeiten einer akuten Bedrohung möglicherweise um so schwieriger. Wie die Tagesschau vor rund einem Jahr berichtete, wollte die SPD die Wehrpflicht um jeden Preis verhindern: Mit einem kostenlosen Führerschein und Hilfe bei Ausbildungsplätzen hätten die Sozialdemokraten die Truppe attraktiver machen wollen – auf freiwilliger Basis. Die Realisierbarkeit jedweder Maßnahmen hänge von der Stärke der Regierung ab, hat im Januar Hans-Peter Bartels deutlich gemacht:

Dass das Thema Wehrpflicht abgebügelt worden war, begründet der Autor des Thinktanks Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik damit, dass sich das „aus nachvollziehbaren Gründen vielleicht nicht für die politische Alltagskommunikation einer fragilen Regierungskoalition“ geeignet habe. Die Bundeswehr von morgen brauche von allem mehr, fordert Bartels: „Ohne ein Wiederaufleben einer angepassten Form der Wehrpflicht wird dieser notwendige Aufwuchs allerdings nicht gelingen. Materiell wie personell kann ‚Masse‘ ein ausschlaggebender Faktor werden.“

Rubriklistenbild: © IMAGO / Funke Foto Services / Maurizio Gambarini

Kommentare