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Expertinnen geben Ausblick

Trumps uninformierter Trugschluss – und eine große Gefahr: Wie es im Iran weitergehen könnte

Was kommt nach dem Krieg im Iran? Expertinnen aus den USA haben große Sorge. Aber auch Hoffnungen – auf die Frauen im Iran. Und auf Europa.

Der Iran-Krieg läuft: Israel und die USA nehmen weiter das Regime in Teheran ins Visier. Am Dienstag meldete Israel die Tötung von Irans Sicherheitschef Ali Laridschani durch einen „Präzisionsangriff“. Doch unklar ist, wohin die Operation führen soll. US-Präsident Donald Trump scheint keinen klaren Plan zu haben. US-amerikanische Expertinnen sehen die Menschen im Iran nun in einem schmerzlichen Zwiespalt – und warnen vor schweren Fehlern angesichts der Debatten um hohe Öl- und Benzinpreise.

Wie geht es im Iran weiter? Ein regimetreuer Polizist und Männer auf einem Dach in Teheran, Donald Trump zeigt ein Stealthbomber-Modell (v.li.).

„Die Nachrichten aus dem Iran sind herzzerreißend. Viele sagen: Wir fürchten den Moment, in dem die Bomben aufhören zu fallen – denn das könnte bedeuten, dass das Regime dann nicht entfernt und entwurzelt ist“, sagte Gissou Nia, Expertin des Atlantic Council, am Montag in einem Panel der US-Menschenrechtsorganisation Freedom House. Die Sorge vor blutiger Rache des Regimes an den Iranerinnen und Iranern sei groß. Ihre Mitdiskutantinnen erklärten auch die Lage in der Opposition und mahnten Europa, Maßnahmen zu ergreifen. Auch ohne Beteiligung an Trumps Krieg.

Trump und Israel im Krieg gegen Iran: Expertin erklärt die Strategien beider Seiten

Trump habe sich möglicherweise verspekuliert, erklärte die Iran-Expertin Holly Dagres vom Thinktank Washington Institute: Der US-Präsident scheine auf einen „Deal“ mit „jemandem aus dem Regime“ nach dem Muster Venezuelas gehofft zu haben. „Und er hat gesagt, er sei überrascht, dass der Iran nicht kapituliert“ – dabei müsse allen klar sein, dass das „ideologische Regime“ das eigene Land lieber in Flammen sehe, als es den USA zu überlassen. Trumps Regierung, klagte Dagres, habe offenbar keine Fachleute konsultiert. „Das beunruhigt mich.“

Der Iran habe bei seinen Gegenschlägen wiederum auf drei Effekte gesetzt: Auf Druck der Golf-Staaten, den Krieg zu beenden, auf einen Rückzug Trumps bei den ersten Toten unter US-Soldaten – und auf den Effekt steigender Öl-Preise. Bislang habe Trump nicht nachgegeben, sagte Dagres. „Aber das kann sich in den kommenden Tagen und Wochen natürlich sehr schnell ändern.“

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP

Genau das könne gefährlich werden. „Es gibt die echte Sorge, dass wir eine in den vergangenen 47 Jahren noch nicht gesehene Repression erleben werden“, warnte Dagres. Dabei habe das Regime schon mit dem „beispiellosen Massaker im Januar“ einen Punkt ohne Rückkehr überschritten, es habe sich mit bis zu 30.000 Getöteten um eines der schlimmsten Massaker weltweit gehandelt. Nun könne es um Massengreuel auf dem Niveau von Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehen. „Wir müssen an die Menschen im Iran denken“, mahnte sie. „Denn unglücklicherweise werden sie vergessen werden, wenn der aktuelle Nachrichten-Zyklus zum Erliegen kommt.“

Offen ist aber auch, wer einen demokratischen Wandel im Iran bewerkstelligen könnte. Ladan Boroumand, Historikerin und Menschenrechtlerin, sieht drei Hauptströmungen – aber auch viel „Verwirrung“. Die wichtigste Rolle spiele derzeit Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Schahs. „Er hat ein Projekt, er wurde von Demonstranten im Iran gefordert, er erhält auch wachsenden Zuspruch aus der Diaspora.“ Die „Monarchisten“ seien momentan die Hauptkraft. Man müsse Pahlavis Pläne aber genauer analysieren, mahnte Boroumand, unter anderem das Vorhaben, für zwei bis drei Jahre alle drei Gewalten auf sich zu vereinen.

Pahlavi, Kurden, neue Bündnisse, Überläufer: Hoffnungen im Iran – ganz vorne stehen die Frauen

Unterdessen versuchten auch „republikanische“ Kräfte, sich zu formieren. „Wir wissen nicht, was dabei herauskommt, das ist eine sehr neue Entwicklung“, erklärte die Expertin. Ein dritter Faktor seien kurdische Kräfte an den Grenzen des Landes. Auch Trump hatte zwischenzeitlich über eine Bewaffnung der Kurden gesprochen. Dagres warnte aber vor zu großen Hoffnungen. „Sie sind eine kleine Gruppe und ich fürchte, dass ein solches Vorhaben dazu führen könnte, dass sie getötet werden.“

Bewaffneter Widerstand sei generell denkbar, wenn der Repressionsapparat aufgelöst sei, sagte Boroumand. „Es könnte die Möglichkeit geben, die Bevölkerung zu bewaffnen. Aber das muss organisiert sein. Es braucht Führung vor Ort, ein wenig militärisches Training. Ich weiß nicht, ob das schnell geschehen kann“, warnte sie. Gute Optionen seien rar. Dass es unter den Helfern des Regimes auf Sicht Überläufer und Abtrünnige geben könnte, schloss sie nicht aus. Solche Hilfe könne ganz unterschiedliche Gesichter haben, ergänzte Dagres: Sie könne sich in Krankmeldungen vom Dienst zeigen oder darin, „nicht den Abzug zu drücken, wenn man auf Protestierende zielt“. Aktuell sei die Präsenz von Sicherheitskräften auf den Straßen aber riesig.

Hoffnungen der Expertinnen ruhen indes auf den Frauen im Iran – und teils auf Europa. „Frauen waren im Iran immer an vorderster Front“, sagte Dagres. Zuletzt in Form der „Frau, Leben, Freiheit“-Proteste. Auch in den vergangenen Wochen hätten viele Frauen aus der Gen Z protestiert: „Wir sollten unsere Hoffnungen auf iranische Frauen richten, insbesondere auf die jungen.“ Leider sei 2022 eine Chance verstrichen, sagte Nia. Dass das Mullah-Regime damals Frauen und Kinder misshandelte, habe selbst Sympathisanten verstört. Aber die iranische Opposition sei nicht geeint gewesen und die weltpolitische Aufmerksamkeit schnell wieder geschwunden.

Europa könne diesmal helfen – mit strafrechtlichen Ermittlungen und indem es Vermögen beschlagnahme, erklärte sie. Boroumand verwies auf europäische Erfahrungen mit dem Wandel zur Demokratie. Europa habe Verfassungsexperten, die beim Erstellen „wesentlich besserer“ Übergangsprogramme unterstützen könnten. „Und es kann die Exilkräfte unter Druck setzen, zusammenzukommen, zu arbeiten – und sicherstellen, dass es eine demokratische Vision gibt.“ (Quellen: Online-Panel Freedom House, dpa, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © Vahid Salemi/Stringer/Julia Demaree Nikhinson/picture alliance/dpa/AP

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