Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frankfurter-Rundschau-Interview

Ringen um neuen Iran: Widerstandsrat-Präsidentin Rajavi erklärt Kritik an Pahlavi – und eigenen Anspruch

Kann der Iran das Mullah-Regime überwinden? Es scheint offen. Die Präsidentin des oppositionellen NWRI, Maryam Rajavi, hat Fragen der Frankfurter Rundschau beantwortet.

Die Iranerinnen und Iran im Land und in aller Welt hoffen auf einen Umsturz – auch wenn viele Experten an dieser Chance zweifeln. Ohnehin scheint aber eines noch nicht geklärt: Wer das Land in eine Zukunft in Freiheit führen könnte. In Stellung gebracht hat sich der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, auch mit Großdemonstrationen im Ausland. Die Präsidentin des „Nationalen Widerstandsrat Iran“ (NWRI), Maryam Rajavi, unterstützt etwa vom früheren EU-Ratschef Charles Michel und schon in den 70er-Jahren in der Anti-Schah-Bewegung aktiv, hat unterdessen eine „provisorische Regierung“ angekündigt.

Ein prominentes Gesicht der iranischen Opposition ist Maryam Rajavi. Die 72 Jahre alte Politikerin lebt im Exil in Paris und ist Präsidentin des „Nationalen Widerstandsrates im Iran“ (NWRI).

Beide Seiten haben sich demokratische Ziele und einen säkularen Staat auf die Fahnen geschrieben. Gegen beide gibt es Argwohn: Schah Ali Reza Pahlavi hat Verbrechen begangen, von denen sich sein Sohn Reza Pahlavi nicht distanziert; eine neue konstitutionelle Monarchie schließt er nicht aus. Der NWRI ist mit den Volksmudschaheddin (MEK) verknüpft, die im Irak-Iran-Krieg gegen den mullahgeführten Iran kämpften, auch autoritäre Strukturen werden ihm vorgeworfen.

Von außen sind Innenleben und Ziele dieser Oppositionsströmungen kaum zu bewerten. Die Frankfurter Rundschau von Ippen.Media hat auch deshalb die Gelegenheit ergriffen, ein schriftliches Interview mit Rajavi zu führen. Die NWRI-Präsidentin hat darin Fragen zum Blick des NWRI auf die Zukunft des Iran, die eigene Legitimation und auf Pahlavi beantwortet. Wichtig zu wissen ist: Nicht alle Zahlen und Fakten lassen sich überprüfen – eben weil im Iran keine freien Medien existieren. Und: Auch andere Gruppen, etwa kurdischen Hintergrunds oder die „Frau-Leben-Freiheit“-Proteste, haben im Iran trotz aller Gefahren gegen das Regime opponiert.

Ringen um Irans Zukunft: NRWI-Präsidentin Maryam Rajavi im Interview

Frau Rajavi, Sie stehen sicher mit Menschen in Kontakt, die im Iran leben. Wie ist die Lage der normalen Bevölkerung in den Tagen nach den ersten US-Angriffen?
Die Menschen im Iran, besonders Zivilisten, Kinder und ältere Menschen, befinden sich in einer schwierigen Lage. Deshalb habe ich betont, dass unter diesen Umständen alle beteiligten Seiten vor allem das Leben der Menschen schützen, den Betroffenen helfen und die zivile Infrastruktur bewahren müssen. Aber es gibt noch eine andere Realität: den festen Willen der Menschen im Iran, dieses Regime zu stürzen. Gerade in diesen Tagen sind die Widerstandskräfte trotz der schweren Kriegsbedingungen in unterschiedlicher Form aktiv. Diese Gesellschaft trägt sowohl angestauten Zorn als auch Hoffnung auf Veränderung in sich.
Warum haben Sie eine militärische Intervention von außen abgelehnt?
Wir haben einen grundsätzlichen Standpunkt, auf den wir immer bestanden haben. Veränderung im Iran ist nur durch das Volk und den organisierten Widerstand möglich. Es braucht keine ausländischen Truppen auf iranischem Boden. Die Menschen im Iran müssen ihr Schicksal selbst bestimmen.

Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg

Rauchsäule in teheran
Der Iran-Krieg beginnt am 28. Februar 2026 mit Angriffen aus Israel und den USA auf Teheran. Noch am ersten Tag wird auch Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet. Seit dem Angriff hat sich der Konflikt auf die gesamte Golfregion ausgeweitet. © AFP
Iran-Krieg - Iran
Immer wieder schlagen Raketen in der iranischen Hauptstadt Teheran und der Umgebung ein. Die Menschen vor Ort berichten von zitternden Fenstern, in sozialen Medien kursieren Bilder von Rauchschwaden. In Teheran leben rund 15 Millionen Menschen.  © Vahid Salemi/dpa
Angriff auf den Iran - Iran
Präzisionsschläge auf relevante militärische Ziele – erstmals auch mit Drohnen, die von den Shaheds kopiert worden sind: „LUCAS kostet etwa 35.000 US-Dollar pro Plattform und ist ein kostengünstiges, skalierbares System, das modernste Fähigkeiten zu einem Bruchteil der Kosten herkömmlicher US-Langstreckensysteme mit vergleichbarer Wirkung bietet“, sagt der Marineoffizier Tim Hawkins gegenüber dem Magazin The War Zone (TWZ). US-Präsident Trump hat sich für den Angriff gegen den Iran vermutlich von den Waffen seines Gegners inspirieren lassen: Erstmals haben die USA Kamikaze-Drohnen eingesetzt, veröffentlicht das „US Central Command“ (CENTCOM).  © dpa
Angriff auf den Iran - U.S. Navy
Die Angriffe gehen ohne Unterlass weiter. Dieses Standbild aus einem vom U.S. Central Command zur Verfügung gestellten Video zeigt den Start einer Rakete von einem Schiff der U.S. Navy zur Unterstützung der Operation „Epic Fury“. © dpa
Raketenabwehrsystem Iron Dome
Der Iran antwortet mit Gegenangriffen auf Israel. Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome fängt zahlreiche Geschosse ab. Über Tel Aviv kommt es zu entsprechenden Explosionen. © Jack Guez/AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Auch am Tag feuert das israelische Luftabwehrsystem, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
Dennoch kommt Israel nicht ungeschoren davon. Hier verbinden Rettungskräfte einen verwundeten Mann und leisten erste Hilfe am Ort eines direkten Einschlags einer iranischen Rakete in Tel Aviv. © Tomer Neuberg/dpa
Angriff auf den Iran - Tel Aviv
An einer anderen Stelle in Tel Aviv ist ein Feuerwehrmann dabei, ein brennendes Auto zu löschen. © Tomer Neuberg/dpa
USA Iran
Dieses offizielle Foto des Weißen Hauses, veröffentlicht am 28. Februar 2026 auf dem Account „White House X“, zeigt US-Vizepräsident JD Vance (Mitte), die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, Tulsi Gabbard (zweite von links), und US-Finanzminister Scott Bessent (rechts) im Lagezentrum in Washington, D.C. © AFP
Trump Iran
Ein weiteres offizielles Foto des Weißen Hauses zeigt Donald Trump im Gespräch mit Stabschefin Susie Wiles (rechts), während US-Außenminister Marco Rubio (Mitte) die Aktivitäten der „Operation Epic Fury“ gegen den Iran von einem nicht genannten Ort aus überwacht. „Chamenei, einer der bösartigsten Menschen der Geschichte, ist tot“, schrieb Trump später auf „Truth Social“. © AFP
Angriff auf den Iran - Israel
Was ist das Ziel der Operation Epic Fury (Einsatz Gewaltiger Zorn)? US-Präsident Trump begründet die Luftangriffe mit dem iranischen Atom- und Raketenprogramm und mit der iranischen Unterstützung für bewaffnete Milizen, wie etwa die Hisbollah im Libanon. Durch beides sieht Israel seine Existenz bedroht. Daneben will Trump aber auch die USA vor „direkten Bedrohungen“ durch den Iran schützen. © Leo Correa/dpa
Un-Sicherheitsrat
Der US-Angriff ruft die Vereinten Nationen auf den Plan: Der Sicherheitsrat ist zu einer Notfall-Sitzung zusammengekommen. UN-Generalsekretär António Guterres warnte die Botschafter, die Aktion berge die Gefahr, „eine Kette von Ereignissen auszulösen, die in der instabilsten Region der Welt niemand mehr kontrollieren kann“, wie die UN berichten. Israels Botschafter Danny Danon hatte die Angriffe als gerechtfertigt dargestellt und als einen notwendigen Akt, um eine existenzielle Bedrohung abzuwehren. © Spencer Platt/AFP
Minab-Mädchenschule
Das UN-Menschenrechtsbüro hat nach den Berichten über einen Angriff auf eine Mädchenschule im Iran mit fast 200 Toten eine umfassende Untersuchung verlangt. Nach Angaben einer Sprecherin könne es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Bei dem Angriff in Minab im Süden des Landes waren nach iranischen Angaben mindestens 168 Schülerinnen im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, 26 Lehrerinnen sowie vier Eltern ums Leben gekommen. Vertreter des israelischen Militärs hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der Region bekannt.  © Ali Najafi/AFP
Proteste in London
Weltweit gehen noch am ersten Abend des Iran-Kriegs Exil-Iranerinnen und -Iraner auf die Straßen und feiern den Tod von Ajatollah Chamenei. Dieses Bild zeigt eine Demonstration vor der iranischen botschaft in London. © Vuk Valcic/Imago
Angriff auf den Iran - Berlin
Auch auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor in Berlin gehen die Menschen spontan auf die Straße. © Christophe Gateau/dpa
Demo in der Türkei
Anders sieht es in der Türkei aus: Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul machen Demonstranten Donald Trump und Israel für die Eskalation verantwortlich. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Iran und die Tötung von Ajatollah Chamenei, indem sie eine US-Flagge verbrennen. © Ozan Kose/AFP
Angriff auf den Iran - Indien
578889050.jpg © Mukhtar Khan/dpa
Angriff auf den Iran - Dubai
Der Iran-Krieg zieht auch die arabischen Länder mit in den Konflikt hinein. Mit Hunderten Raketen und Drohnen greift der Iran seit Ende Februar unter anderem Kuwait, Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Hier steigt Rauch nach einem iranischen Drohnenangriff im Hafengebiet von Dubai auf. © Fatima Shbair/dpa
Angriff auf den Iran – Katar
Folgen der Rache des Iran: Die USA betreiben in al-Udeid eine Militärbasis. Die liegt im Fokus des Iran – allerdings befindet sich rund 30 Kilometer entfernt die Stadt Doha; und die wird kaum durch die Luftabwehr der US-Basis abgedeckt.  © dpa
Iran-Krieg - reaktionen
US-amerikanisch-israelische Luftschläge – Schockwellen in der gesamten Welt: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hätten Demonstranten im pakistanischen Karatschi vor dem Konsulat „Tod Amerika! Tod Israel!“ skandiert; Reuters-Reporter hätten Schüsse gehört und in den umliegenden Straßen Tränengas wahrgenommen. Die Nachrichtenagentur spricht von mindestens 23 getöteten Demonstranten; davon zehn im Hafen von Karatschi, wo Sicherheitskräfte des US-Konsulats gefeuert hätten auf Demonstrierende nach deren Durchbruch durch die äußere Mauer. Elf Menschen seien demnach in der nördlichen Stadt Skardu ums Leben gekommen – die Menge soll ein UN-Büro in Brand gesetzt haben; zwei Tote verzeichnet Reuters in Pakistans Hauptstadt Islamabad. © Imago
Weitere Bilder der Straßenschlachten, die sich in Teilen Pakistans nach dem US-Angriff auf den Iran ereigneten.
Explosionen im Iran, Beben in Pakistan: „Pakistans Westgrenzen befinden sich im Kriegszustand“, sagt Muzzammil Aslam gegenüber Arab News. Der Finanzminister der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa an der Grenze zu Afghanistan fürchtet wirtschaftliche Verwerfungen, sollte der Iran seine Rachegelüste gegenüber dem Westen ausleben und damit den gesamten Nahen Osten in den Abgrund reißen. Die Wirtschaftskraft des Landes hängt an den Arbeitern in den Golfstaaten, die im Visier des Iran liegen und Anschläge auf ihre Energieindustrie befürchten müssen.  © dpa
Angriff auf den Iran - Irak
578899115.jpg © Hadi Mizban/dpa
Beirut
Der Iran-Krieg führt auch zu einer neuen Eskalation zwischen Israel und der Hisbollah. Die Schiiten-Miliz feuert als Reaktion auf die Tötung von Ajatollah Ali Chamenei Raketen in Richtung Israel ab. Daraufhin greift das israelische Militär zahlreiche Ziele im Libanon an, vor allem im Süden des Landes und in den Vororten der Hauptstadt Beirut (im Bild). Diese Gebiete gehören zum Einflussgebiet der Hisbollah. © AFP
Angriff gegen den Iran - Luftverkehr
Der Iran-Krieg legt zu Beginn auch den Flugverkehr teilweise lahm. Hier prüft ein Reisender die Abflugzeiten am internationalen Flughafen Beirut Rafik Hariri, da viele Fluggesellschaften nach den Angriffen auf den Iran ihre Flüge gestrichen haben.  © Hassan Ammar/dpa
Stra0ße von Hormus
Dieses Satellitenbild, aufgenommen von 2026 Planet Labs PBC am 2. März 2026, zeigt Rauchwolken, die nach einer Explosion im Hafen von Bandar Abbas an der Straße von Hormus von einem Schiff aufsteigen. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggashandels läuft, ist weitgehend zum Erliegen gekommen.  © 2026 Planet Labs PBC/AFP
Aber Sie sehen jetzt dennoch eine Chance für Widerstand und eine demokratische Wende?
Die „Chance auf Veränderung“ entsteht aus der explosiven Lage der Gesellschaft, der Schwächung des Regimes, der Bereitschaft der Bevölkerung sowie der Ausweitung und Geschlossenheit des Widerstands. Der Januaraufstand war das Ergebnis dieser grundlegenden Faktoren. Dabei spielten die Widerstandseinheiten der Volksmojahedin eine entscheidende Rolle. Auch in den letzten Tagen haben sie viele Unterdrückungszentren in verschiedenen Städten angegriffen. Eine ihrer bedeutendsten Operationen war der Zusammenstoß von 250 Kräften der MEK mit Sicherheitskräften im schwer geschützten Hauptquartier Khameneis und den Führungszentren des Regimes im Pasteur-Viertel in Teheran. Der eigentliche Krieg ist der Krieg zwischen dem iranischen Volk und dem Regime der Mullahs.
Sie fordern „patriotisches Personal der Armee“ auf, sich vom Regime abzuwenden. Und Sie fordern die Revolutionsgarden auf, ihre Waffen niederzulegen. Wie realistisch ist das, wenn viele dieser Menschen die – mehr als verständliche – Wut des iranischen Volkes fürchten könnten?
Wir unterscheiden zwischen dem Volk, der Basis der bewaffneten Kräfte und den kriminellen Führern des Regimes. Ich rufe das patriotische Personal der Armee dazu auf, an der Seite des Volkes zu stehen. Die Mitglieder der Revolutionsgarden und andere Kräfte, die das Regime schützen, habe ich aufgefordert, die Waffen niederzulegen und sich dem Volk zu ergeben. Das ist ein politischer und nationaler Aufruf, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. Der NWRI und seine provisorische Regierung streben keine Vergeltung an. Wir haben ausdrücklich klargestellt, dass nur diejenigen, deren Hände mit Blut befleckt sind, sich vor der Gerechtigkeit verantworten müssen. Sie werden alle Rechte haben, insbesondere das Recht auf Verteidigung, und diese Verfahren werden unter Anwesenheit internationaler Beobachter stattfinden. Sie wissen, dass unser Programm die Abschaffung der Todesstrafe vorsieht. Das ist eine Initiative, die keine andere Bewegung in einer Phase des Widerstands ergriffen hat.
Sie haben diese provisorische Regierung angekündigt. Was ist aus Ihrer Sicht Ihre Legitimation dafür?
Aus unserer Sicht beruht Legitimität auf den Stimmen des Volkes. Aber in einer Situation, in der es keine Möglichkeit gibt, die öffentliche Meinung in freien und fairen Wahlen einzuholen, und in der eine blutige Diktatur herrscht, ist das einzige Kriterium der Legitimität der Widerstand. Deshalb leitet sich die Legitimität dieses Schrittes aus dem langen und ununterbrochenen Kampf dieser Bewegung gegen dieses Regime ab. Sie beruht auf mehr als hunderttausend Mitgliedern und Unterstützern dieses Widerstands, die ihr Leben für die Freiheit Irans geopfert haben.

„In der heutigen politischen Lage im Iran ist der Maßstab für Vertrauen nicht nur eine Behauptung“

Sie betonen, dass der Nationale Widerstandsrat und die „provisorische Regierung“ nicht nach Macht streben. Reza Pahlavi sagt das ebenfalls. Der NRWI äußert aber grundlegende Zweifel an diesem Anspruch Pahlavis.
Vertrauen ist das Ergebnis des Preises, den jede politische Strömung im Kampf gegen das Regime zahlt. Der Nationale Widerstandsrat Iran und die ihn tragenden Organisationen und Persönlichkeiten haben einen hohen Preis im Kampf für den Sturz des Regimes bezahlt, darunter hunderttausend Todesopfer und Hunderttausende politische Gefangene. Der Sohn eines Diktators, der vom iranischen Volk ein für alle Mal gestürzt wurde, verleiht niemandem Glaubwürdigkeit. Wie sollen die Menschen jemandem vertrauen, der nicht nur nicht bereit ist, das Einparteiensystem und die Verbrechen seines Vaters zu verurteilen oder sich wenigstens davon zu distanzieren, sondern sogar stolz auf dessen Bilanz ist?
Aber warum sollten die Menschen im Iran eher Ihrer Initiative vertrauen? 
In der heutigen politischen Lage im Iran ist der Maßstab für Vertrauen nicht nur eine Behauptung; entscheidend sind Struktur, Programm, schriftliche Verpflichtung, Rechenschaft und tatsächliche Leistung. Der NWRI hat ein klares Programm für die Übergangszeit vorgelegt: eine provisorische Regierung, Wahlen innerhalb von höchstens sechs Monaten zu einer verfassungsgebenden Versammlung, und anschließend wird die Macht an die gewählten Vertreter des Volkes übergehen.
Warum glauben Sie, dass der Nationale Widerstandsrat im Iran mehr Unterstützung als Pahlavi hat – und den nötigen Rückhalt?
Zunächst möchte ich betonen, dass es in Zeiten einer Diktatur, in denen es keine Möglichkeit gibt, die Bevölkerung an die Wahlurne zu rufen, keine üblichen demokratischen Maßstäbe gibt, um die Popularität einer politischen Strömung zu messen. Wer unter solchen Bedingungen so etwas behauptet, betreibt Scharlatanerie. Schauen Sie auf die Listen der von diesem Regime Hingerichteten in den vergangenen mehr als vier Jahrzehnten. Beim Massaker an 30.000 politischen Gefangenen im Jahr 1988 gehörten mehr als 90 Prozent von ihnen der Organisation der Volksmojahedin an, der tragenden Kraft des NWRI. Schauen Sie auf die Gefängnisse Irans heute: Gegenwärtig stehen 18 Angehörige der MEK in der Todeszelle, und viele weitere sitzen im Gefängnis und werden gefoltert. Die Widerstandseinheiten der MEK haben im vergangenen Jahr 3.000 Anti-Unterdrückungs-Operationen durchgeführt.
Dennoch sehen wir Videoaufnahmen von Menschen, die „Lang lebe der Schah“ rufen.
Unter den gegenwärtigen Bedingungen erleben wir eine politische und mediale Inszenierung zur Einführung künstlicher Alternativen – etwas, von dem das iranische Regime der Hauptnutznießer ist. Ganz abgesehen davon gibt es zahlreiche Belege und Hinweise, darunter auch forensische Untersuchungen (Link auf Nachfrage vom NWRI als Beispiel zur Verfügung gestellt; Anm. d. Red.), dass viele der von Ihnen genannten Bilder und Videos gefälscht und nachvertont sind. Es gibt auch unwiderlegbare Beweise dafür, dass das iranische Regime zur Spaltung der Bevölkerung solche Inszenierungen betrieben und genau diese Erzählung verbreitet hat.
Manche Kritiker betrachten den NWRI und die MEK mit Skepsis – teils aus historischen Gründen, teils wegen angeblich sehr strenger und hierarchischer Strukturen innerhalb der Organisation. Was antworten Sie darauf?
Der iranische Widerstand und die MEK waren nicht nur das Hauptopfer der physischen Repression des iranischen Regimes, sondern in den gesamten vergangenen vier Jahrzehnten auch Ziel systematischer, staatlich gelenkter Lügenpropaganda und Dämonisierung. Viele unserer Mitglieder wurden auch außerhalb Irans, unter anderem in Europa, ermordet. Disziplin ist in einem solchen Kampf eine Notwendigkeit. Wenn es im NWRI keine demokratischen Strukturen gäbe, wäre es unmöglich gewesen, dass verschiedene politische Strömungen innerhalb des Widerstandsrates 44 Jahre lang gemeinsam kämpfen.
Der Maßstab für ein Urteil darf weder die Propaganda des Regimes noch pauschale Urteile sein, sondern muss die tatsächliche Leistung des NWRI und seiner Mitglieder sein. Die Mitglieder der iranischen Widerstandsbewegung sind allesamt Freiwillige, die sich bewusst dafür entschieden haben, im Kampf gegen das Regime der Mullahs auf viele persönliche Annehmlichkeiten, Privilegien und Vorteile eines normalen Lebens zu verzichten – auch in westlichen Ländern. Der Widerstand für die Freiheit ist das Ergebnis einer solchen bewussten Entscheidung. Kein bewusster Freiwilliger kann durch Zwang zum Kampf gebracht werden.
Sie fordern einen demokratischen Prozess zur Bildung einer neuen Regierung im Iran. Wie könnte dieser Prozess aussehen? Und wann könnte er praktisch beginnen?
Unser Fahrplan ist klar. Erstens: die Etablierung der provisorischen Regierung auf iranischem Boden. Zweitens: die Durchführung freier und fairer Wahlen innerhalb von höchstens sechs Monaten zur Bildung einer gesetzgebenden und verfassungsgebenden Versammlung. Drittens: das Ende der provisorischen Regierung und die Übertragung der Macht an die gewählten Vertreter des Volkes. Viertens: die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und die Festlegung der künftigen demokratischen Republik. Fünftens: die Bildung einer Regierung, die auf Grundlage der neuen Verfassung und unter Aufsicht der aus dem Volkswillen hervorgegangenen Institutionen die Verantwortung für das Land übernimmt. Aus unserer Sicht kann dieser Prozess unmittelbar beginnen, sobald die Voraussetzungen für die Etablierung einer Übergangsstruktur im Inneren Irans gegeben sind.
Wie gefährlich ist es denn in diesen Tagen für Iranerinnen und Iraner, zu protestieren und möglicherweise gegen das Regime aufzustehen?
Die Erwartung, dass sich die Menschen während schwerer Bombardierungen massenhaft auf die Straßen begeben, ist unrealistisch. Hinzu kommt, dass das Regime aus Angst vor der Wut der Bevölkerung die Sicherheitsmaßnahmen in den Städten verschärft hat. Dieses Regime hat gegenüber Protesten immer wieder gezeigt, dass es zu Massakern, Repression und zur Unterbrechung aller Kommunikationswege bereit ist. Das iranische Volk hat zugleich gezeigt, dass es sich mit nichts weniger als dem Sturz des Regimes zufriedengeben wird. (Interview: Florian Naumann und Silvia Bielert)

Rubriklistenbild: © imago

Kommentare