Washington Post
Mamdanis Erfolgsfaktor – und Trump schadet mehr als ein SMS-Skandal: Fünf Lehren aus dem US-Wahlabend
Der Wahltag in den USA bringt Hoffnung für Trumps Gegner. Die Washington Post zieht fünf teils überraschende Lehren.
Die Demokraten haben am Dienstagabend wichtige Wahlen quer durch die USA gewonnen. Damit lieferten sie einen Dämpfer für Donald Trumps zweite Amtszeit aus und stärken die Hoffnungen der Partei vor den Zwischenwahlen.
In Virginia – traditionell ein Barometer im Jahr nach einer Präsidentschaftswahl – gewannen die Demokraten alle bundesstaatsweiten Wahlen. Abigail Spanberger lag in der Gouverneurswahl bei mehr als 90 Prozent ausgezählter Stimmen mit einer zweistelligen Prozentpunktezahl in Führung. In New Jersey schlug die demokratische Gouverneurskandidatin Mikie Sherrill eine starke republikanische Kandidatin mit Leichtigkeit. Sie hatte ihre Konkurrentin wegen derer Unterstützung für Trump attackiert.
In Kalifornien gewannen die Demokraten eine Volksabstimmung zur Neufestlegung ihrer Kongresswahlbezirke. Sie hatten den Schritt als Gegengewicht zu Trump ins Feld geführt – eine Reaktion auf das Bestreben des Präsidenten, den Republikanern mehr Sitze im Repräsentantenhaus aus den traditionell republikanischen Bundesstaaten abzuringen.
Bürgermeisterwahl in New York: Mamdani will Geschichte schreiben - Trump droht




„Wir waren heute Abend das Barometer dafür, wie die amerikanische Öffentlichkeit ein Jahr nach Beginn der zweiten Amtszeit von Trump denkt“, sagte der demokratische Senator Tim Kaine aus Virigina in einem Interview. „Wir haben im Grunde genommen die Botschaft gesendet, dass wir viel besser sein können, als wir es derzeit sind.“
In New York City wurde unterdessen der demokratische Sozialist Zohran Mamdani zum Bürgermeister gewählt. In einem Wahlkampf voller Überraschungen war es ins Zentrum der demokratischen Debatte über die Ausrichtung der Partei gerückt. Er sicherte sich die Nominierung der Demokraten überraschend gegen den ehemaligen Gouverneur Andrew M. Cuomo. Dieser kandidierte dann als Unabhängiger und erhielt in letzter Minute Unterstützung von Trump. Mamdani beeindruckte die Demokraten mit einer energiegeladenen, internetaffinen Kampagne. Er beunruhigte aber andere, die fürchten, moderate Wähler zu verprellen.
Die Republikaner rechneten in diesem Jahr mit einem schwierigen politischen Umfeld im ganzen Land. Umfragen zeigten, dass die Wähler Trump ablehnend gegenüberstanden, obwohl einige auf Überraschungen gehofft hatten. Die Demokraten konzentrierten einen Großteil ihrer Wahlkampagnen auf den Präsidenten. Sie gaben laut AdImpact rund 18 Millionen Dollar in Virginia und New Jersey allein für Wahlwerbung aus, in der Trump erwähnt wurde. Auf republikanischer Seite erwähnte nur Wahlwerbung im Gegenwert von 1,3 Millionen Dollar den Präsidenten. Hier einige der wichtigsten Erkenntnisse:
1. Die Demokraten gewinnen in New Jersey mit Leichtigkeit
Umfragen deuteten vor dem Dienstag auf einen engeren Wahlkampf hin, als es den Demokraten lieb sein konnte. Aber Mikie Sherrill gewann am Ende das Gouverneursamt mit Leichtigkeit, genau wie Abigail Spanberger in Virginia. Am späten Abend lag Sherrill mit mehr als drei Vierteln der ausgezählten Stimmen zweistellig in Führung.
Die Republikaner hatten zuvor einigen Anlass zu Optimismus. Ihr Kandidat, der 63-jährige Geschäftsmann Jack Ciattarelli, lag 2021 nur drei Punkte hinter Gouverneur Phil Murphy (Demokraten). New Jersey hat sich im vergangenen Herbst stärker nach rechts bewegt als jeder andere Bundesstaat abseits von New York. Die Demokraten kontrollieren die Landesregierung seit fast acht Jahren. Ciattarelli machte sie für die hohen Lebenshaltungskosten verantwortlich – und argumentierte, dass seine Kontrahentin noch mehr davon bringen würde.
Trump unterstützte Ciattarelli und hielt am Abend vor der Wahl eine Telefonkonferenz für ihn ab. „Ihr Bundesstaat wurde von radikalen linken Demokraten ruiniert – jetzt ist es Zeit für eine Veränderung“, sagte er. Aber Ciattarellis Unfähigkeit, sich von Trump zu distanzieren, wurde ihm zum Verhängnis. Sherrill, eine 53-jährige Kongressabgeordnete und ehemalige Hubschrauberpilotin der Marine, sagte, sie werde sich gegen das Weiße Haus stellen. Sie warf Ciattarelli vor, dass er in einer Debatte gesagt hatte, Trump habe „in allem, was er tut, Recht“.
Ein besonders unangenehmer Moment für Ciattarelli war, als Trump erklärte, seine Regierung habe ein milliardenschweres Eisenbahntunnelprojekt zwischen New York City und New Jersey „beendet“. Die Demokraten kritisierten dies als Beispiel für Trumps Schaden für den Staat. Hohe Lebenshaltungskosten waren das zentrale Thema im Wahlkampf. Sherrill sagte, sie werde am ersten Tag ihrer Amtszeit die Versorgerpreise einfrieren. Ciattarelli sagte, er werde die Steuern senken und sich auch für eine Senkung der Energiekosten einsetzen.
2. Demokraten siegen in Virginia – trotz SMS-Skandal
Die Demokraten erwarteten einen guten Abend in Virginia – aber es war nicht klar, ob dies auch für ihren umstrittenen Kandidaten für das Amt des Generalstaatsanwalts, Jay Jones, gelten würde. Jones gewann schließlich. Weil viele mit Trump unzufriedene Wähler ihre Bedenken beiseite schoben.
Jones‘ Wahlkampf wurde durch Enthüllungen erschüttert. Er hatte in SMS aus dem Jahr 2022 davon fantasiert, einen führenden Politiker der Republikaner und ehemaligen Kollegen zu töten. Er stellte sich ein Szenario vor, in dem er zwei Kugeln hatte, um Adolf Hitler, den kambodschanischen Diktator Pol Pot oder den damaligen Sprecher des Repräsentantenhauses Todd Gilbert zu erschießen. „Gilbert, Hitler und Pol Pot“, schrieb Jones in den Kurznachrichten: „Gilbert bekommt zwei Kugeln in den Kopf.“
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Die Demokraten verurteilten die SMS, standen aber größtenteils hinter Jones. Sie hofften, dass die Gegenreaktion auf Trump ihn über die Ziellinie bringen würde. Die meisten Wähler in Virginia lehnten Trump ab, und 85 Prozent dieser Wähler unterstützten Jones, wie erste Exit-Umfragen zeigten. 43 Prozent der Wähler bezeichneten Jones‘ SMS in ersten Exit-Umfragen als disqualifizierend – aber einige sagten, sie hätten dennoch für ihn gestimmt.
Spanberger – eine 46-jährige Moderate, die 2018 einen umkämpften Sitz im US-Repräsentantenhaus gewann – wird die erste Gouverneurin von Virginia werden. „Wir haben eine Botschaft gesendet. (...) Wir haben unser Gemeinwesen dem Chaos vorgezogen“, sagte Spanberger in ihrer Siegesrede. Die Demokratin Ghazala Hashmi ist zugleich die erste muslimische Kandidatin, die in einer bundesstaatsweiten Wahl sieg. Am späten Dienstag lag sie im Rennen um den Vizegouverneursposten etwa 10 Punkte vor dem republikanischen Kandidaten John Reid.
Trump hatte wiederholt die republikanische Gouverneurskandidatin Winsome Earle-Sears brüskiert. Sie wäre die erste Schwarze Frau gewesen, die in einem Bundesstaat zur Gouverneurin gewählt worden wäre. Der Präsident weigerte sich, sie offiziell zu unterstützen, und vermied es, ihren Namen in seiner Wahlkampfveranstaltung für die Kandidaten in Virginia am Vorabend der Wahl zu erwähnen. Stattdessen konzentrierte er sich auf den republikanischen Generalstaatsanwalt Jason Miyares, der sich um eine Wiederwahl bemühte. „Geht morgen wählen und stimmt für Jason Miyares, das ist so wichtig – und für die Republikaner auf allen Ebenen“, sagte Trump.
3. Kalifornien wehrt sich gegen Trump
Die kalifornische „Proposition 50“ war für die Wähler die deutlichste Gelegenheit, sich gegen die Trump-Regierung zu wehren. Sie erhielt eine deutliche Mehrheit. Die Demokraten brachten sie als Gegengewicht zu einem außergewöhnlichen Vorstoß Trumps auf den Stimmzettel. Trump wollte vor den Zwischenwahlen 2026 mehr republikanisch geprägte Sitze im Repräsentantenhaus gewinnen – noch vor dem normalen Zeitplan für die Neufestlegung der Wahlbezirke im Zusammenhang mit der Volkszählung.
„Proposition 50“ forderte die Kalifornier auf, ihre unabhängige Wahlbezirkskommission vorübergehend zu überstimmen, um eine Wahlkreisekarte für das Repräsentantenhaus mit fünf weiteren demokratisch-ausgerichteten Sitzen erstellen. Das entspricht der Zahl an Sitzen mit republikanischer Ausrichtung, die die Republikaner in diesem Jahr in Texas hinzugefügt hatten.
Die Demokraten unter der Führung des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom stellten den Kampf um die Wahlmaßnahme in direkten Zusammenhang mit Trump. Die fünf weiteren Sitze könnte den Ausschlag für die Demokraten geben, wenn sie im nächsten Herbst die Kontrolle über das Repräsentantenhaus zurückgewinnen wollen – auch wenn die Republikaner landesweit immer noch größere Möglichkeiten haben, die Wahlkreiskarte zu ihren Gunsten neu zu gestalten.
Die Republikaner hatten Mühe, sich in einem so deutlich gegen Trump eingestellten Staat zu wehren. Sie mussten am Ende eine schwere Niederlage hinnehmen. Shawn Steel, Mitglied des Republikanischen Nationalkomitees und an den Bemühungen gegen Prop 50 beteiligt, sagte, die Lücke bei den Wahlkampfmitteln sei „überwältigend“ geworden. „Es ist wie beim San-Andreas-Erdbeben“, sagte er. „Die Verwerfung öffnet sich schließlich, du sieht diese riesige Kluft direkt unter deinen Füßen und sie wird immer größer.“
4. Jüngere Wähler verhalfen Mamdani zum Sieg
Zohran Mamdani, 34-jähriger Abgeordneter des Bundesstaates, wurde allgemein als Favorit der Bürgermeisterwahl in New York City gehandelt. Die Ergebnisse geben jedoch genaueren Einblick in die Meinung der Demokraten über ihn. Mamdani gewann nach vorläufigen Umfragedaten zwei Drittel der Wähler unter 45 Jahren – während Cuomo bei den Wählern über 45 Jahren mit zehn Punkten Vorsprung führte. Die Umfragen zeigten auch eine Kluft in Bezug auf den Bildungsstand: Hochschulabsolventen unterstützten Mamdani zu 55 Prozent, während Wähler ohne Hochschulabschluss Cuomo knapp bevorzugten.
Laut der New Yorker Wahlkommission wurden bis 15 Minuten vor Schließung der Wahllokale zwei Millionen Stimmen bei der Bürgermeisterwahl abgegeben. Dies sei das erste Mal seit 1969, dass zwei Millionen New Yorker an Kommunalwahlen teilgenommen hätten.
Mamdanis Kandidatur hat innerhalb der Demokratischen Partei zu Spaltungen geführt. Hakeem Jeffries, der demokratische Fraktionsvorsitzende aus Brooklyn, zögerte bis zu den letzten Wochen des Wahlkampfs, Mamdani zu unterstützen. Der demokratische Senatsvorsitzende Charles E. Schumer – ebenfalls ein New Yorker – unterstützte ihn nie. Laura Gillen, eine Demokratin aus einem umkämpften Wahlbezirk des Bundesstaates, bezeichnete Mamdani als „ungeeignet“. Er hatte sich geweigert zu sagen, dass die militante Gruppe Hamas im Gazastreifen entwaffnet werden sollte.
Andere Demokraten stellten sich hinter Mamdani als überzeugende neue Stimme in einer Partei, die darum kämpft, ihre Wähler zu begeistern. Sie lobten seinen Fokus auf die wirtschaftlichen Probleme der Wähler und seinen kreativen Einsatz sozialer Medien. Auch wenn einige mit seinen Lösungen, wie beispielsweise staatlich geführten Lebensmittelgeschäften, nicht einverstanden waren
Die Republikaner sehen Mamdanis demokratischen Sozialismus indes als nützliche Gegenfolie und sind bestrebt, ihn zum Gesicht der Demokratischen Partei zu machen. Trump bezeichnete Mamdani als „eines der besten Dinge, die unserer großartigen Republikanischen Partei je passiert sind“ und drohte ihm „Probleme mit Washington wie kein Bürgermeister in der Geschichte unserer einst so großartigen Stadt“ an. Mamdanis Sieg lässt eine Konfrontation mit Trump erwarten. Am Abend vor der Wahl forderte der Präsident die New Yorker auf, für Cuomo zu stimmen. Er sagte, dass es im Falle eines Sieges von Mamdani „höchst unwahrscheinlich ist, dass ich meinem geliebten ersten Zuhause mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmittel aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung stellen werde“.
5. Klare Anzeichen für Schwierigkeiten für Trump und die Republikaner
Die Demokraten versuchten, die Wahl zu einem Referendum über Trump zu machen. Sie hoffen, dass diese Strategie ihnen auch bei den Midterm-Wahlen zugutekommen wird. Die Republikaner argumentierten in Erwartung einer schwierigen Wahlnacht bereits vor Bekanntgabe der Ergebnisse, es sei schwierig, Schlussfolgerungen zu ziehen.
Die meisten Wähler in Virginia und New Jersey lehnten Trump ab. Mindestens 9 von 10 dieser Menschen unterstützten laut Umfragen demokratische Kandidaten für das Amt des Gouverneurs. Bei der Gouverneurswahl in Virginia war der Anteil jener, die angaben, ihre Wahl sei gegen Trump gerichtet, etwa doppelt so hoch wie der Anteil derjenigen, die angaben, ihre Wahl solle Trump unterstützen.
Ein ermutigendes Zeichen für die Demokraten: Sie schienen bei den Wählern mit Migrationshintergrund deutlich besser abzuschneiden als bei den Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr. Damals konnte Trump fast die Hälfte der lateinamerikanischen Wähler für sich gewinnen und verdoppelte seine Unterstützung unter den schwarzen Wählern auf 15 Prozent. Sherrill gewann am Dienstag mehr als 90 Prozent der Schwarzen Wähler und lag in der vorläufigen CNN-Wahltagsbefragung mit mehr als 30 Punkten vor den lateinamerikanischen Wählern. Spanberger erzielte ähnliche Zahlen.
Theodoric Meyer, Alec Dent und Scott Clement haben zu diesem Bericht beigetragen.
Zur Autorin
Hannah Knowles ist Reporterin für nationale Politik und berichtet über Wahlkampagnen für die Washington Post. Zuvor war sie für die allgemeine Redaktion der Post tätig.
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Dieser Artikel war zuerst am 5. November 2025 in englischer Sprache bei der „Washingtonpost.com“ erschienen – im Zuge einer Kooperation steht er nun in Übersetzung und leicht gekürzter Fassung auch den Lesern der IPPEN.MEDIA-Portale zur Verfügung.
Rubriklistenbild: © Anadolu Agency/Imago

