Vor den Midterms
Leere Geldbeutel „größte Schwachstelle“: Trump könnte über den US-Preisschock stolpern
In den USA steigen die Lebensmittelpreise – trotz Trumps Versprechen sinkender Kosten. Das geht an seinen Anhängern nicht spurlos vorüber.
In den USA stehen die Feiertage vor der Tür. Ob für Halloween, Thanksgiving oder Weihnachten – die Menschen müssen für Süßigkeiten, Truthähne und Geschenke tief in die Tasche greifen. Einige teilen auf Social Media ihre Sorge, dass sie die Feierlichkeiten dieses Jahr ausfallen lassen müssen, weil das Geld vorne und hinten nicht reicht. Denn neben Lebensmittelkosten steigen auch die Preise für Strom, Benzin und Krankenversicherung.
Gleichzeitig erhalten Millionen US-Bürger aufgrund des Shutdowns der Regierung derzeit kein Gehalt. Auch sollen Lebensmittelbeihilfen für einkommensschwache Familien eingestampft werden. Und die Landwirte erleiden hohe Verluste durch den Zollstreit mit China und die harsche Migrationspolitik, was die Preise zusätzlich in die Höhe treibt. Das US-Arbeitsministerium warnt sogar vor einer möglichen Lebensmittelkrise im Zusammenhang mit den Einwanderungsrazzien.
Donald Trump spricht von sinkenden Preisen – die Realität sieht anders aus
Kurz gesagt: Von Trumps Versprechen, dass die Preise in den Supermärkten nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus spürbar sinken werden, ist nichts zu sehen. Und doch stellt sich US-Präsident Donald Trump vor die Kamera und behauptet das Gegenteil; spricht von einer „aufstrebenden“ US-Wirtschaft und sinkenden Energie- sowie Lebensmittelpreisen.
Laut dem USA-Kenner Brandon Born könnte die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Realität vor allem unabhängige Wählende „wachrütteln“. Denn gerade dieser Gruppe sei die „Reparatur“ der US-Wirtschaft ein zentrales Anliegen gewesen. Nun deuten die meisten Wirtschaftsindikatoren eher auf eine Stagnation oder sogar eine Verschlechterung hin, wie der Experte der Bertelsmann Stiftung der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media sagt.
Protest gegen Trump-Politik in Washington – und Sorge wegen Nationalgarde




Vor allem Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen spüren die negativen Folgen von Trumps Wirtschaftspolitik. Rund zwei Drittel der US-Amerikaner lehnen die Handelspolitik der Regierung laut Born ab. Dabei stehe die Zeit des Jahres, in der Haushalte traditionell am meisten ausgeben, erst noch bevor. Und: „Wer die Belastung bisher noch nicht gespürt hat, wird sie im vierten Quartal dieses Jahres deutlich merken.“
„Gravierende Fehleinschätzung“ der Trump-Regierung könnte Folgen haben
Das könnte selbst Trumps tief loyale Hardcore-Anhängerschaft zum Nachdenken anregen. Born sieht erste Anzeichen für eine Abschwächung der Unterstützung und nennt als Beispiel die Sonderwahlen zum Repräsentantenhaus im Jahr 2025. Dort konnte zwar keine Partei einen Sitz hinzugewinnen, doch die Republikaner verzeichneten in Florida – insbesondere in den Wahlkreisen 1 und 6 – deutliche Verluste beim Stimmenanteil.
„Insgesamt blieb das parteipolitische Gleichgewicht stabil, doch die Ergebnisse zeigen eine wachsende Konkurrenz in traditionell republikanischen Wahlkreisen“, sagt Born. Doch warum sollte es die Trump-Regierung „riskieren“, die so wichtigen unabhängigen Wählenden in den sogenannten Swing States zu verärgern? Born sieht dahinter kein strategisches Kalkül, sondern eher eine „gravierende Fehleinschätzung“.
In Bezug auf Zölle und Handelskriege habe Trump seine eigene Linie durchgesetzt, „und kaum jemand in seinem Umfeld konnte oder wollte ihm widersprechen“, meint Born. In Washington gebe es den Eindruck, dass hinter den Kulissen Chaos herrscht: „Die Rhetorik des Präsidenten überholt oft die tatsächliche Politik. Ich glaube nicht, dass dies Trumps Absicht war, aber er hat sich mit Loyalisten umgeben, die ihn kaum noch steuern können.“
USA: Experte fordert „einheitlichere Berichterstattung“ zur Wirtschaftslage
Viele republikanische Abgeordnete würden sich hinter verschlossenen Türen kritisch zu Trumps Zollpolitik äußern, nimmt der USA-Experte an. Aber diese kritischen Stimmen dringen nicht an die Öffentlichkeit. Kaum einer wage es, sich gegen die Regierung zu stellen – und damit zu riskieren, von Trump oder seinen Verbündeten in den Vorwahlen angegriffen zu werden.
Um Trumps treu ergebenes MAGA-Lager dazu zu bewegen, die Wirtschaft kritisch zu hinterfragen, müsste das Land laut dem US-Professor Christopher Faricy in eine tiefe, anhaltende Rezession fallen. Zusätzlich bräuchte es eine „einheitlichere Berichterstattung“ in den Medien, die die Wirtschaftskrise auf die Politik von Trump zurückführt, sagt er auf Anfrage der Frankfurter Rundschau. „Zum Beispiel, wenn das Wall Street Journal oder sogar Fox anfangen würden, Trump die Schuld zu geben.“
Aus Sicht des Politikwissenschaftlers von der Syracuse University fällt es vielen Menschen in den USA derzeit schwer, basierend auf Fakten politische Entscheidungsträger zu loben oder zu kritisieren. Als Grund nennt er die politische Atmosphäre und parteiische Berichterstattung der Medien. Die Lager haben sich verfestigt und viele informieren sich nur noch in ihrer sogenannten „medialen Blase“. „Und doch könnte die Wirtschaft erneut zu Trumps größter Schwachstelle werden“, prognostiziert Born.
Midterms 2026: Demokraten könnten von Trumps „Big Beautiful Bill“ und Zollpolitik profitieren
Aus seiner Sicht bieten Trumps „Big Beautiful Bill“ und Zollpolitik gute Wahlkampfvorlagen für die Demokraten – vor allem, wenn die negativen Auswirkungen anhalten sollten. Derzeit rechnen Umfragen sowie Experten den Demokraten gute Chancen zu, im nächsten Jahr das Repräsentantenhaus zurückzugewinnen.
Auch Faricy betont, dass historisch gesehen die Partei des Präsidenten bei den Zwischenwahlen Sitze verliert. „Eine schlechtere Wirtschaftslage würde zu einem größeren Verlust an Sitzen führen“, sagt er. Trumps Partei versucht, dem mit dem Neuschnitt von Wahlkreisen entgegenzuwirken, „Gerrymandering“ wird diese Praxis genannt. Im US-Bundesstaat North Carolina hat das Parlament ein Gesetz zur Neuaufteilung der dortigen Wahlkreise verabschiedet. Das soll den Republikanern bei den Midterms 2026 Vorteile verschaffen. Ähnliche Vorstöße gibt es auch in Texas. (Quellen: Brandon Born, Christopher Faricy, eigene Recherchen)
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