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Experten mahnen schon lange
Lektion aus der Ukraine: Wie selbst Putins zerstörte Drohnen eine Nato-Schwäche vorführen
Putin testet offenbar die Nato. Die verhindert das Schlimmste – hat aber Lektionen des Drohnenkriegs noch nicht gelernt. Eine Analyse.
Polen ist in Sorge, Europa ist in Sorge, die Nato ist in Sorge: Plusminus 20 russische Flugobjekte – Drohnen – sind in der Nacht auf Mittwoch in Polens Luftraum eingedrungen. Die Regierung um Donald Tusk in Warschau hat Nato-Artikel 4 gezogen. Die Bündnispartner treffen sich nun zu Beratungen wegen einer ernsten Sicherheitsbedrohung.
Der Vorfall dürfte ein „gefährlicher Test“ Wladimir Putins für die Reaktionsfähigkeit der Nato gewesen sein, wie Sicherheits- und Nato-Experte Ulrich Kühn von der Uni Hamburg Ippen.Media sagt. Fragt sich: Haben die nordatlantischen Partner ihn bestanden? Positiv scheint, dass polnische Kampfjets mehrere Drohnen zerstörten. Unvorbereitet oder gar schutzlos ist die Nato also mitnichten. Dennoch zeigt sich eine Schwäche – auf die Fachleute und Politiker schon seit Monaten hinweisen.
Russische Drohnen über Polen: Lektionen aus dem Ukraine-Krieg noch nicht gelernt?
Denn eigentlich gewährt der Ukraine-Krieg den westlichen Partnern genügend Lektionen über Russlands Vorgehen. Neben enorm zerstörerischen Gleitbomben gehören Drohnen seit Langem zu den wichtigsten Werkzeugen des Kreml-Terrors. Nicht nur an der Front, wo sich drohnenbedingt eine kilometerbreite „Todeszone“ gebildet hat. Sondern gerade bei Angriffen über große Distanzen, etwa auf Kiew.
Ein Grund für die Wahl dieses Mittels: Drohnen sind wesentlich günstiger als Mittelstreckenraketen. Sie bereiten den Verteidigern neben Tod und Zerstörung aber auch ein weiteres Problem. Man erlebe in der Ukraine, wie „mit sehr teuren Raketen sehr einfache Drohnen abgeschossen werden, weil es keine anderen Mittel gibt – oder zu wenige Mittel dazwischen“, sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter Ippen.Media bereits im März.
Mit Raketen auf Drohnen? Nato ist noch nicht auf Stand – „Drohnen-Mauer“ im Gespräch
Sprich: Russland erschöpft mit seinen preisgünstigen Angriffen die Lagerbestände an sehr teuren Waffen und beschäftigt mit geringstem Aufwand die Verteidiger. Genau das ist wohl nun auch in Polen passiert. Polnische F16- und niederländische F35-Kampfjets waren nach Angaben aus Warschau und Brüssel an der Abwehr der Drohnen beteiligt, dazu mehrere Hubschrauber. Ein deutsches Patriot-System soll an der Identifizierung der Flugobjekte beteiligt gewesen sein, aber keine Raketen abgefeuert haben.
Schon aus der Auflistung wird deutlich, welch massiven Einsatz Russland mit ferngesteuerten Waffen ausgelöst hat. Der mag auch ein Signal der Bereitschaft gewesen sein. Offenkundig aber ist, dass es keine Option gab, etwa Drohnen mit Drohnen zu bekämpfen. Des Problems ist man sich jedenfalls in Brüssel bewusst: „Wir müssen dem Ruf unserer baltischen Freunde folgen und eine ‚Drohnen-Mauer‘ errichten“, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Mittwoch. Eine solche könnte wohl aus „Zehntausenden Kampfdrohnen“ bestehen.
Der Drohnenkrieg ist eine entscheidende Entwicklung. „Eine Drohne ist das ultimative Werkzeug, um was-auch-immer zu erreichen“, sagte der schwedisch-litauische NGO-Gründer Jonas Öhman unserer Redaktion. Er steht regelmäßig in Kontakt mit ukrainischen Soldaten an der Front. Und er warnte Deutschland und die Nato-Partner vor Trugschlüssen: Man brauche keine extravaganten Waffensysteme, um Effekt zu erzielen. Wichtig sei, dass Ausrüstung benutzbar sei – und anpassbar. Drohnentechnik entwickle sich „jede“ Woche weiter, darauf müsse man flexibel reagieren können. Das dürfte eine größere Hausaufgabe für die Nato werden.
Putins billige Gefahr aus der Luft: Das Baltikum ist besorgt – auch über Drohnen
Hinzu kommt: Polens Armee gehört zu den stärksten auf europäischem Boden. Anders sieht es in anderen EU-Nachbarländern Russlands aus. Verteidigungsexpertin Minna Ålander lenkte im Interview den Blick etwa auf die baltischen Staaten. Diese investierten gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten zwar viel in die eigene Sicherheit. Aber mit geringen Gesamtbudgets sei auf einigen Feldern auch nicht viel auszurichten: „Vor allem was teure Systeme wie Luftverteidigung und Flugabwehr angeht.“ Auch Deutschland, in Litauen mit einer im Aufbau befindlichen Brigade vertreten, müsse sich da „Gedanken machen“.
Das ist wohl tatsächlich zu empfehlen: Berichten zufolge waren schon im Sommer in Trümmern russischer Drohnen SIM-Karten polnischer Betreiber gefunden worden. Das könne dafür sprechen, dass Russland schon damals mit der Anbindung der Drohnen an europäische Mobilfunknetze experimentierte. In einem Fall sei auch eine litauische SIM-Karte gefunden worden, heißt es.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
In dunkleren Teilen des Internets kursieren unterdessen Unterstellungen, die Ukraine könne die in polnischen Luftraum eingedrungenen Drohnen gestartet haben – um den Konflikt mit Russland zu eskalieren. Das wagt allerdings nicht einmal Belarus zu behaupten, aus dessen Richtung die Flugobjekte gekommen sind. Die Luftverteidigung habe „unbemannte Flugobjekte überwacht, die aufgrund der eingesetzten Mittel der elektronischen Kampfführung ihren Kurs verloren haben“, sagte Vizeverteidigungsminister Pawel Murawejko der staatlichen Agentur Belta.
Und selbst das dürfte nur ein fadenscheiniger Versuch der Rechtfertigung sein. Wie die Welt erfahren haben will, geht Polen nach ersten Ermittlungen davon aus, dass mindestens fünf Drohnen Kurs auf einen Nato-Stützpunkt genommen hatten – von dem aus Militärgüter in die Ukraine geflogen werden. Ein Treffer dort wäre eine noch wesentlich größere Blamage gewesen. (Quellen: Eigene Interviews, Regierung Polen, Nato, Belta, Welt)