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Woher kommen die Milliarden?

Reichensteuer oder Bürgergeld-Reform: CDU und SPD rüsten zum „heißen Herbst“

Kampf gegen leere Kasse: Die Merz-Regierung muss Milliarden beschaffen. Die CDU will beim Bürgergeld ansetzen. Doch die SPD hält dagegen. Wer gewinnt?

Berlin – Reiche gegen Arme – wer muss am Ende am meisten Geld in die leere Staatskasse pumpen? Diese Frage rollt ungelöst auf die Bundesregierung von Friedrich Merz (CDU) zu. Angesichts eines Milliardenlochs im Bundeshaushalt ist CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann jetzt am Wochenende mit einer Antwort nach vorne geprescht – und hat knallharte Einsparungen bei der Bürgergeld-Auszahlung angekündigt. Für die SPD ist das eine rote Linie. Der Koalitionspartner beharrt stattdessen auf einer Reichensteuer. Doch wer hat recht? Der Koalition steht auf jeden Fall ein „heißer Herbst“ bevor.

„Paradigmenwechsel“ beim Bürgergeld: Linnemann will Jobverweigerern die Auszahlung streichen

Der Koalitionsstreit um das Haushaltsdefizit schwelt seit Wochen. Befeuert wurde er jetzt von Linnemann, der in einem Zeitungsinterview eine Reform beim Bürgergeld versprach: „Wir arbeiten an einem echten Paradigmenwechsel: Wenn jemand wiederholt eine zumutbare Arbeit nicht annimmt, dann muss der Staat davon ausgehen, dass er nicht bedürftig ist. Entsprechend darf er dann keine Hilfe mehr bekommen“, sagte der Generalsekretär in der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) und drohte Jobverweigerern damit eine Kürzung bei der Auszahlung der Arbeitslosenhilfe an.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

„Niemand muss in Deutschland arbeiten, aber wer Sozialleistungen erhält und arbeiten kann, der kann nicht erwarten, dass das Menschen bezahlen, die jeden Tag arbeiten gehen“, fügte Linnemann hinzu. Es gäbe allein rund 200.000 Menschen im Bürgergeld, die nicht einmal ein Vermittlungshemmnis hätten. „Wir können stolz sein auf unser Sozialsystem. Es ist aber für Menschen da, die unsere volle Unterstützung wirklich brauchen. Aber wir erleben, dass es zu einfach ist, es auszunutzen. Und das müssen wir abstellen“, sagte Linnemann.

Auszahlung vom Bürgergeld: Wie hoch ist der Regelsatz?

Bürgergeld-Empfänger erhalten derzeit einen monatlichen Regelsatz von 563 Euro, wenn sie alleinstehend oder alleinerziehend sind. Für Paare in einer Bedarfsgemeinschaft beträgt der Satz jeweils 506 Euro pro Person. Zusätzlich zum Regelsatz übernimmt das Jobcenter die angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung sowie die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Vom Regelsatz müssen alle Kosten des täglichen Lebens bestritten werden. Für Kinder gibt es eigene gestaffelte Sätze je nach Alter. Das Bürgergeld wurde zuletzt zum 1. Januar 2024 um 61 Euro erhöht – für 2025 gab es erstmals eine „Nullrunde“ ohne Anpassung. Zum Vergleich: Ein alleinstehender Vollzeit-Arbeitnehmer hat laut DGB beim Mindestlohn nach Abzug aller Kosten etwa 564 Euro mehr zur Verfügung als ein Bürgergeld-Empfänger.

Herbst der Entscheidung: Merz-Regierung muss Loch im Haushalt stopfen

Insgesamt klafft im Bundeshaushalt ein Loch von 30 Milliarden Euro bis 2027. Wie die Lücke geschlossen werden soll, ist in der Merz-Regierung umstritten. Klar ist bislang nur, dass es bei der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme Reformen braucht. Kanzler Merz hatte bereits vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause einen Herbst der Entscheidungen angekündigt. In den Koalitionsverhandlungen hatten sich SPD und CDU in diesem Punkt vage gehalten und sich darauf geeinigt, mehrere Kommissionen einzusetzen. Den Auftakt machte Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) in der vergangenen Woche mit einer Bürgergeld-Kommission.

Steuerreform statt Bürgergeld-Kürzung: Merz-Regierung droht Zoff

Vor allem die Union pocht seit Monaten auf Einsparungen und Kürzungen beim Bürgergeld. Doch bei der SPD zeigt man sich skeptisch. Juso-Chef Türmer drohte in der Stuttgarter Zeitung mit Widerstand: „Wenn die Idee hinter einem Herbst der Reformen Sozial- und Leistungskürzungen sind, kann ich nur klipp und klar sagen: Die SPD darf da keinen Zentimeter mitgehen“, sagte er. „Eine Verringerung des Leistungsniveaus in der Krankenversicherung oder auch in der Rente sind rote Linien für die SPD.“ Und auch bei der Bürgergeld-Reform: „Jeder Abgeordnete sollte gut prüfen, welcher Änderung er zustimmen kann“, sagte der Juso-Chef. „Die Gewissensfreiheit der Abgeordneten gilt auch bei sozialen Themen.“

Um der Union etwas entgegensetzen zu können, hat die SPD ihrerseits einen Gegenvorschlag eingebracht. Statt beim Bürgergeld einzusparen, sollte der Spitzensteuersatz reformiert werden. Vor allem Einkommen ab 100.000 Euro sollen wohl stärker als bislang belastet werden. „Menschen, die sehr hohe Vermögen und Einkommen haben, sollten ihren Teil dazu beitragen, dass es in dieser Gesellschaft gerechter zugeht. Gerade in diesen extremen Zeiten“, forderte SPD-Chef und Finanzminister Lars Klingbeil – und kassierte prompt ein geballtes Nein von CDU und CSU.

Steuerreform vs. Bürgergeld: Wie viel Einsparpotenzial steckt darin?

Doch was rettet jetzt den Haushalt? Die Union beziffert allein beim Bürgergeld das Einsparpotenzial auf immerhin drei Milliarden Euro. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bezweifelt das jedoch. Es sei „mehr als fraglich, ob die Milliarden-Einsparungen gelingen“, schrieb das Institut kürzlich in einer Mitteilung auf seiner Homepage. Angesichts der schwachen Konjunktur könnten eher mehr Menschen in die Grundsicherung rutschen, hieß es weiter. Ohnehin decken die drei Milliarden bei weitem den Finanzbedarf nicht ab.

Bliebe noch der Steuerplan der SPD. Nach einer Berechnung vom Focus würde der Klingbeil-Plan rund vier Prozent der Einkommen in Deutschland belasten – in Summe vielleicht auch zu wenig. Doch im Parteiprogramm liebäugelt die SPD neben der Spitzensteuerreform auch mit Änderungen bei der Vermögenssteuer, der Erbschaft- und Schenkungssteuer, dem Einkommen aus Kapital sowie der Finanztransaktionssteuer vor. Wie Euronews unter Berufung auf Experten berichtet, könnten damit wohl bis zu 30 Milliarden zusammengekratzt werden.

Streiten sich um das Bürgergeld: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Kanzler Friedrich Merz (CDU).

Union trägt Klingbeil-Plan nicht mit – Experte: „Alle müssen über Schatten springen“

Doch im Koalitionsvertrag sind die Punkte wegen der Union nicht verankert – und deswegen so wohl auch nicht umsetzbar. Das stellte Linnemann am Wochenende klar. Das Land stehe „mit dem Rücken zur Wand“, weil der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar sei. Steuerentlastungen für mittlere und niedrige Einkommen könne es aber vorerst nicht geben. Linnemann sagte: „Die Einkommensteuer muss runter. Und das soll im Laufe der Legislatur auch kommen, aber dazu müssen wir jetzt ins Wachstum kommen.“ Ähnlich äußerte sich auch Merz.

Doch was dann? Aus Sicht von Finanzexperte Stefan Bach können weder Sozialkürzungen noch Steuererhöhungen alleine das Problem lösen, das Geheimnis wäre wohl eher ein Mix aus beiden Komponenten. „Da müssen alle über ihren Schatten springen“, sagte er kürzlich in einem Gespräch mit Euronews. „Die SPD bei den Sozialleistungen und bei den Rentnern, die Union bei Steuererhöhungen für die Schönen und Reichen.“

Doch so weit ist die Koalition noch nicht. Das entscheidet sich dann wohl erst nach der Sommerpause. Im heißen Herbst. (jek)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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