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Technologisches Katz-und-Maus-Spiel
Proteste im Iran: Wie Starlink autoritäre Regime herausfordert – „Haben nichts mehr zu verlieren“
Die Proteste im Iran dauern an. Während das Regime das Internet blockiert, droht der Verlust des Informationsmonopols – da Demonstrierende die Zensur umgehen.
Update vom Dienstag, 10:31 Uhr: Nach einer tagelangen Kommunikationsblockade können Iranerinnen und Iraner erstmals wieder ins Ausland telefonieren. Das Internet bleibt unterdessen weiter gesperrt, wie Kontakte aus der iranischen Hauptstadt Teheran berichteten. Irans Sicherheitsapparat hatte die Bevölkerung angesichts von Massenprotesten seit Donnerstagabend von der Außenwelt abgeschnitten.
Bewohner der Millionenmetropole berichteten nun von schrecklichen Tagen. Ein junger Mann sagte: „Wir hören, dass täglich Hunderte Opfer – Tote und Verletzte – in die Krankenhäuser gebracht werden. Die Lage ist nicht gut.“ Und weiter: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen.“
Update von Montag, 12:18 Uhr: Offenbar ist es dem Mullah-Regime gelungen, mithilfe von militärischen Störsendern Starlink-Verbindungen zu unterbrechen. „Trotz Berichten, wonach Zehntausende Starlink-Einheiten im Iran in Betrieb sind, hat der Ausfall auch Satellitenverbindungen betroffen“, berichtet Iran Wire. Zuvor hatte Donald Trump, der Teheran zuvor mit Einmischung gedroht und den Demonstrierenden seine Unterstützung zugesagt hatte, erklärt, dass er Demonstranten mit Satelliteninternet unterstützen wolle. Dazu kündigte er ein Gespräch mit Tech-Milliardär Elon Musk an, dessen Firma SpaceX den Dienst Starlink betreibt.
Nach Einschätzung von Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour könnte Satelliteninternet den Demonstranten im Iran eine Hilfe sein. Mit Blick auf US-Präsident Donald Trump sagte Nouripour im ZDF-heute journal: „Wenn Trump jetzt am 16. Tag hintereinander sagt ‚Ich werde euch helfen‘, dann würde es extrem helfen, wenn die jetzt beispielsweise über Starlink und über Internet den Menschen im Iran die Möglichkeit geben, dass sie kommunizieren.“ Das würde den Demonstranten laut Nouripour helfen, bestimmte Gegenden, in denen auch scharf geschossen werde, meiden zu können. Und sie könnten sich damit Aufmerksamkeit verschaffen.
Erstmeldung: Teheran – Die Proteste im Iran weiten sich immer weiter aus. Videos in sozialen Medien zeigten Menschenmassen in der Hauptstadt. Augenzeugen berichteten von Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Aktivisten dokumentieren in Aufnahmen brennende Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Teheran. Wie dramatisch die Lage im Iran ist, zeigte sich auch in der Millionenstadt Maschhad. Es sei „wie Krieg“, beschrieben Einwohner die Szenen auf den Straßen. US-Präsident Donald Trump solidarisierte sich mit den Demonstrierenden und drohte der Führung in Teheran erneut.
Inmitten der Proteste im Iran reagierte das Regime nach gewohnter Manier und kappte den Internetzugang für die Bevölkerung: Das Land befinde sich in einem „Internet-Blackout“, berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. Am Sonntag (11. Januar 2026) hielt die Regierung die Blockade bereits den vierten Tag in Folge aufrecht, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Ein kleiner Teil des Militär- und Machtapparats dürfte das Internet weiter frei nutzen können. Auch per Telefon waren Kontakte im Iran zunächst nicht mehr erreichbar. Bereits in der Vergangenheit setzte die iranische Führung auf die bewährte Repressionstaktik. Doch die Demonstrationen sind längst zu einem technologischen Katz-und-Maus-Spiel geworden. Und dem Regime droht nicht nur der Verlust der Kontrolle über die Straße – sondern über die Information selbst.
Proteste im Iran eskalieren: Regime schaltet Internet ab – Konter mit Starlink folgt
Die Lösung heißt Starlink. SpaceX hat im Iran das Starlink-Satelliteninternet aktiviert, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten. So erhalten Nutzer Zugang zum unzensierten Internet und können staatliche Beschränkungen umgehen. Dies könnte die Machtbalance verschieben: Inmitten der Proteste entgleitet dem Regime sein Informationsmonopol. Die Stimmung im Land scheint sich zu drehen, wie auch Raza Pahlavi in einer Ansprache erklärte und auf „Hunderttausende von Starlink-Geräten“ im Iran verwies. Angesichts des Ausmaßes der Proteste sei das Regime „zutiefst verängstigt“.
Mit zunehmenden Protesten zeigten die Daten zur Internetverbindung am Donnerstagnachmittag einen abrupten und nahezu vollständigen Einbruch der Verbindungszahlen im Iran. Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten einen nahezu vollständigen Einbruch des Web-Traffics. Die vollständige Internetsperre erinnert an das Vorgehen des Staates vor rund sechs Jahren: Damals protestierten vor allem Menschen wegen steigender Benzinpreise. Der Staat verhängte eine fast einwöchige Sperre, während der Schätzungen von Menschenrechtlern zufolge Hunderte Demonstrierende getötet wurden. Präsident Massud Peseschkian hatte die Sicherheitskräfte am Mittwoch noch zur Zurückhaltung aufgerufen.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran
Zuletzt hatte Trump seine Drohungen gegen das Regime im Iran erneuert. „Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihrer Unruhen, die ja häufig vorkommen, gerne tun“, sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten Folge des Podcasts The Hugh Hewitt Show. Die US-Regierung verfolge die Situation aufmerksam. Trump lobte die Iraner als „mutige Menschen“. Unklar war zunächst, wann das Gespräch aufgezeichnet wurde.
Iran-Regime gegen Starlink: Technologie steht schon länger unter Strafe
Dass Starlink im Iran als potenzielle Gefahr für das Regime gesehen wird, ist nicht neu. Erst im Herbst 2025 hatte die Regierung einen neuen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Nutzung der Technologie von Elon Musk unter harte Strafe stellt. Wie Iran International schrieb, habe die Führung veranlasst, dass Starlink und ähnliche Technologien für den privaten Gebrauch ausdrücklich verboten sind. Verstöße werden mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zwei Jahren geahndet. Auch drastischere Strafen sind möglich: „Wenn eine dieser Handlungen in der Absicht begangen wird, gegen das System vorzugehen oder Spionage zu betreiben, und der Täter als feindlicher Agent eingestuft wird, ist die Strafe der Tod“, heißt es weiter.
Doch trotz der Repressionen und Strafen scheinen die Proteste im Iran immer mehr Dynamik zu gewinnen. Auch, weil die Demonstranten aus vergangenen Versammlungen gelernt haben. „Früher trafen wir uns immer an einem Wahrzeichen. Aber wir wurden leicht niedergeschlagen, getötet, verhaftet, unterdrückt. Diesmal schafften wir es, in jeden einzelnen Bezirk zu gehen – das Regime kann sich nicht leisten, sie alle zu bewältigen“, zitiert die Times Rozita, eine 37-jährige Transportmanagerin, die inzwischen zu den bekanntesten Influencerinnen des Landes zählt und Menschen zeigt, wie sie sich der Bereitschaftspolizei des Regimes entgegenstellen können.
Rozita beschreibt zugleich die Brutalität, mit der sich das Regime an die Macht klammert. „Wenn man ihnen gegenübersteht, versuchen sie, einen zu berühren. Sie greifen an. Es ist unheimlich beängstigend. Aber wir haben nichts mehr zu verlieren. Ich kann es nicht mehr ertragen, mit ihnen die gleiche Luft zu atmen. Ich will nicht, dass es sie gibt. Ich hasse sie“, sagte sie laut Times. Die 37-Jährige steht exemplarisch für eine Generation von Social-Media-erfahrenen Demonstranten, denen es gelingt, die Methoden des Regimes zu unterwandern.
Reaktion auf Iran-Proteste: Chamenei attackiert Gegner
International wächst inzwischen die Sorge, dass die autoritäre Staatsführung wie bei früheren Protesten im Iran den Widerstand gewaltsam bricht. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei stellte einen harten Kurs gegen die Demonstrierenden in Aussicht. In einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach der 86-Jährige von „Unruhestiftern“ und „dem Land schädlichen“ Menschen. „Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist“, sagte er. Sie richteten Zerstörung an, „nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut“, sagte das Staatsoberhaupt mit Blick auf Trump.
Menschenrechtsorganisationen zufolge sind schon jetzt Dutzende Menschen von Sicherheitskräften getötet worden. Auch auf Seite der Staatskräfte soll es Todesopfer geben. Wegen der Internetsperre war am Freitag zunächst unklar, wie sich die Proteste im Land weiterentwickeln. Airlines strichen vorübergehend Flüge in das Land. In sozialen Medien kursierten Videos von Aktivisten, die verletzte und blutüberströmte Demonstrierende zeigen sollen. Unabhängig überprüfen ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht.
Kein Ende der Proteste im Iran: Regime könnte Kontrolle verlieren
Derweil ist ein Ende der Proteste im Iran unwahrscheinlich. Obwohl sie ihren Ursprung in den Basaren Teherans hatten, fanden Aufstände und Demonstrationen in allen Teilen des Landes statt, von der nordöstlichen schiitischen Pilgerstadt Maschhad über die südwestliche Stadt Abadan nahe der irakischen Grenze bis zum Golfhafen Bandar Abbas. Und sie haben eine neue Dynamik entwickelt. Im ganzen Land rufen viele den Namen Reza Pahlavi, des Sohnes des letzten Schahs von Iran und großen Hoffnungsträgers für die Restauration der Monarchie. Pahlavi, der in pro-israelischen Kreisen in Amerika gefeiert wird, galt im Iran selbst lange Zeit als wenig einflussreich.
„Heute haben wir einen Anführer namens Reza Pahlavi, und die Hoffnung der Menschen ist enorm gewachsen, dass wir den Erben der Pahlavi-Dynastie zurück in den Iran holen können, denn er ist der Einzige, der das Land wieder aufbauen kann“, sagte Ebrahim Eshaghi, ein bekannter iranischer Ringer, der nach den Protesten von 2022, einer der größten Protestwellen gegen das Regime bis dahin, aus dem Land floh. Doch auch Pahlavi als Erbe des Schahs ist bei Teilen der iranischen Bevölkerung nicht unumstritten.
Zugleich setzen Teile der Demonstranten auf den US-Präsidenten. „Wir lieben Trump“, sagte Rozita laut Times. „Als er diesem Regime drohte, waren wir alle glücklich, wir fühlten uns stärker.“ Sie würden wissen, dass er seinen Worten Taten folgen lässt – auch der iranischen Führung wäre dies bewusst. „Natürlich töten, foltern und verhaften sie immer noch – aber ich vermute, sie haben Angst.“ Was sich derzeit im Iran abzeichnet, ist mehr als eine Protestwelle. Es ist ein Testfall dafür, ob autoritäre Systeme ihre wichtigste Waffe verlieren: die Kontrolle über Information. (Quellen: Times, Iran International, New York Times, dpa, afp) (fbu)