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FR-Expertengespräch

Orbán abgewählt – aber nicht weg: Was Magyar in Ungarn planen könnte und wo Probleme drohen

Das lange Zeit Unvorstellbare ist passiert: Ungarn hat Viktor Orbán abgewählt. Doch die Arbeit beginnt erst – ein Experte sieht Hürden für Nachfolger Magyar.

Die Umfragen aus Ungarn hatten es angedeutet, seit Langem – am Sonntagabend waren die Emotionen trotzdem groß: Die Ungarinnen und Ungarn haben Viktor Orbán an der Wahlurne aus dem Ministerpräsidentenamt vertrieben. Herausforderer Peter Magyar feierte vor beseelten Menschenmassen am Budapester Donauufer. Er kündigte an, Orbáns System der „illiberalen Demokratie“ abzubauen, „Stein für Stein“. Doch dabei könnte es Probleme geben, trotz Zweidrittelmehrheit für Magyars Partei Tisza.

Zeit, die EU-Flaggen glattzuziehen: Viktor Orbán (li.) am Wahlabend; ein Tisza-Mitarbeiter bereitet die Bühne für Péter Magyar.

„Der Kampf gegen die Folgen von 16 Jahren Viktor Orbán, von 16 Jahren Kleptokratie und Klientilismus wird kein leichtes Unterfangen“, sagt Experte Lars-André Richter am Tag nach der Ungarn-Wahl der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Der Leiter des Mitteleuropabüros der Friedrich-Naumann-Stiftung sieht (wie auch andere Beobachterinnen und Beobachter) ein großes Stück Arbeit vor Magyar liegen. Was der kommende Ministerpräsident nun planen und wo Orbán dazwischenfunken könnte:

Viktor Orbán in Ungarn abgewählt – die nahe Zukunft in vier Stichpunkten:

Magyars erste 100 Tage – Europa und Wirtschaft: Die gute Nachricht für Magyar: Seine Tisza hat laut dem ersten offiziellen Ergebnis tatsächlich eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erhalten. Mit ihr lassen sich gewichtige Weichenstellungen in Ungarn vollziehen. „Péter Magyars erste Schritte werden wahrscheinlich darauf zielen, die Umbauten von Orbán und seiner Partei zu revidieren“, sagt Richter. Der Experte hat dabei Gewaltenteilung oder Unabhängigkeit der ungarischen Medien im Blick. Auch die Wirtschaft werde Magyar wohl möglichst schnell wieder flottkriegen wollen. Ungarn litt zuletzt unter hoher Inflation und schlechten Wirtschaftskennzahlen. Bereits diese Punkte glichen einer „Mammutaufgabe“.

Gerade für einen Wirtschaftsboost kann Magyars Regierung Geld aus Brüssel dringend gebrauchen. Bislang sind über 17 Milliarden Euro an Transferzahlungen eingefroren – etwa wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit in Orbáns Regierungszeit. „Vermutlich wird er Schritte ins Auge fassen, die ihm die Sympathie und die Unterstützung der EU einbringen könnten – schließlich geht es um viel Geld“, erklärt Richter. Ein möglicher Schritt sei etwa, der Europäischen Staatsanwaltschaft beizutreten.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Ende für das System Orbán – wie schnell ist Besserung möglich? Viele Blicke in Ungarn dürften sich auf das Beispiel Polen richten, meint Richter. Dort war 2023 nach acht Jahren die rechte PiS-Regierung abgewählt worden. Acht Jahre weniger als Fidesz, wie Richter betont. Allerdings sei in Polen die Lage „vertrackter“ als in Ungarn. Premier Donald Tusk führt dort eine Viel-Parteien-Koalition, Magyars Partei hat die Zweidrittelmehrheit. Und in Polen gibt es einen vergleichsweise mächtigen Präsidenten aus PiS-Reihen als Gegengewicht.

Ein relativ starkes Staatsoberhaupt oder auch eine zweite Parlamentskammer gebe es in Ungarn nicht. „Das heißt, es könnte sein, dass Magyar schnell einiges umsetzen kann, was die EU dann durch die Freigabe von Mitteln guten Gewissens honorieren kann.“ Der Rückbau des Systems Orbán werde „harte Arbeit“ sein, sagte auch Wissenschaftler Ulf Brunnbauer der FR. „Enttäuschungen werden angesichts hoher Erwartungen und eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds nicht ausbleiben.“ Probleme könnten eher von den Seitenlinien kommen – von Verbündeten Orbáns. „Wir werden niemals, niemals, niemals aufgeben“, sagte der Wahlverlierer.

Fidesz hat noch die Parlamentsmehrheit – und Orbán ein „Netzwerk“

Machtübergabe in Ungarn – Orbán kann noch eingreifen: Das Ergebnis der Wahl steht, die Machtübergabe wird allerdings etwas Zeit beanspruchen. Erst in 30 Tagen muss sich das neue Parlament spätestens konstituieren – bis dahin kann das alte mit der Fidesz-Zweidrittelmehrheit der neuen Regierung noch viele Steine in den Weg legen, wie Richter betont. Der Wiener Historiker Péter Techet hielt etwa für möglich, dass sie den Präsidenten stärkt, oder höhere Hürden für Gesetzesänderungen festlegt.

Zugleich gilt: Orbán hat seine Niederlage zwar eingestanden – „das hat er immerhin noch hinbekommen“, sagt Richter, „selbstverständlich war das für ihn nicht“ – aber Spitzenpositionen in Ungarn sind mit Anhängern und Verbündeten des Langzeit-Regierungschefs gespickt.

So gebe es die Befürchtung, dass Orbán versuchen wird, „mithilfe seines Netzwerkes auf allen Ebenen der Verwaltung und staatlichen Unternehmen seinem Nachfolger das Leben schwer zu machen“, sagte Richter unserer Redaktion kurz vor der Wahl: „Auch, um im Falle eines Scheiterns von Magyars zurückkehren zu können.” Er glaubt aber, dass es unter den von Fidesz geförderten Funktionsträgern viele Opportunisten gibt, die „schnell das Lied der neuen Regierung singen werden“. Für Magyar könnte es nun darum gehen, das polarisierte Land schnell zu einen.

Der mächtige Unbekannte – was will Magyars Partei überhaupt? Richter warnte schon vor dem Wahltag vor einem Trugschluss. Tisza sei eher eine „Catch-it-all-Bewegung“, die „alle hinter sich versammelt, die Orbán untergehen sehen wollen“, sagte er. Magyar selbst kommt ursprünglich aus dem Fidesz-Umfeld. Im Wahlkampf könnte das ein Vorteil gewesen sein. Der frühere Regierungsinsider Magyar sei einfach glaubwürdig gewesen, als er versicherte, „dass das System von innen verdorben sei“, erklärte Politologe Andrzej Sadecki der Agentur AFP.

Wie sich Tisza in der Praxis schlägt, bleibt aber wohl abzuwarten. 138 Mandate kann die einstige Kleinpartei Partei nun besetzen, dank zahlreicher Siege in den Wahlkreisen – und dank Orbáns komplexem Wahlsystem: 53,2 Prozent der Stimmen reichten für die Zweidrittelmehrheit. Anders als noch bei der Wahl 2022 handelte die Opposition nicht im Bündnis aus, wer in welchem Wahlkreis antritt, so Richter. „Diesmal ist Tisza allein angetreten – und angesichts der Vorgeschichte gab es keine verdienten und langjährigen Parlamentarier in ihren Reihen.“ Viele Kandidaten hätten eine politische Vorgeschichte. Das könne der Parlamentsarbeit noch eine „gewisse Lebendigkeit bescheren“. (Quellen: Lars-André Richter, Ulf Brunnbauer, AFP, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © Montage: Attila Kisbenedek/AFP/fn

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