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FR-Umfrageanalyse

Gegen den rechten Trend: Warum Orbán, Schwedendemokraten und „Finnen“ schwächeln

Europa rutscht vielerorts weiter nach rechts – aber nicht überall. Drei prominente Beispiele für gegenläufige Trends.

Das scharf rechte Lager ist in vielen Teilen Europas weiter auf dem Vormarsch – das zeigt eine Umfrageanalyse der Frankfurter Rundschau von IPPEN.MEDIA: Im Stichproben-Durchschnitt der 29 betrachteten Länder lagen Rechtspopulisten und -radikale im Juni bei 30 Prozent. Knapp zwei Prozentpunkte mehr als Anfang 2024.

Teils legten Parteien explosionsartig zu; in Rumänien etwa. Doch der Trend ist nicht ungebrochen: Just Aushängeschilder der „Illiberalen“ und Migrationsfeinde haben erstaunliche Probleme. Viktor Orbán in Ungarn etwa oder Geert Wilders und seine PVV in den Niederlanden. Und in den nordischen Ländern, deren Rechtsrutsch auf Erstaunen und Entsetzen stieß, haben zwei Parteien plötzlich zu kämpfen. Ein genauerer Blick auf drei Fälle:

Viktor Orbán im Umfragesturz: Der König der Illiberalen muss um seinen Thron bangen

Bei der Ausgabe der IPPEN.MEDIA-Umfrageanalyse im Frühjahr 2024 war Ungarn noch Europas Hochburg der Rechtspopulisten (siehe Karte): Orbáns Fidesz und die teils noch radikaleren Mi Hazank und Jobbik lagen bei 55 Umfrage-Prozent. Nun, in den Daten aus dem Juni 2025, ist der Wert um verblüffende 20 Prozentpunkte gesunken. Skeptische ebenso wie bewundernde Blick wandern zu Orbáns neuem Herausforderer Peter Magyar. Womöglich gilt aber auch einfach: „It‘s the economy, stupid“ – am Ende kommt doch das Fressen zuerst.

Rechte Parteispitzen in Umfrage-Trouble: Riikka Purra (Finnen-Partei), Viktor Orbán (Fidesz) und Jimmie Åkesson (Schwedendemokraten, v.li.)

Schon seit 2022 sind die Werte der Fidesz mehr oder minder kontinuierlich im (langsamen) Sinkflug. Doch so richtig in Bewegung gerieten die Umfragen Ende 2024: Auf einmal übernahm Magyars Tisza-Partei in mehreren Erhebungen die Führung. Aktuell sehen nur noch mit der Fidesz verbandelte Institute – von denen es in Ungarn mehrere gibt – die Orbán-Partei in Front.

Magyar, einst selbst Fidesz-Strippenzieher und Ehemann von Orbáns Justizministerin, verließ Partei und seine Ämter öffentlichkeitswirksam nach dem Skandal um eine präsidentielle Begnadigung in einem Kindesmissbrauchs-Fall. Mit Anklagen gegen Doppelmoral der Fidesz und Korruption (ein ergiebiges Feld in Orbáns Ungarn) punktet Magyar offenbar bei den Wählerinnen und Wählern – laut einer Umfrage gerade bei jenen unter 40 Jahren. Magyar tourt durchs Land, wo Orbán oft unsichtbar bleibt. Und er schlägt „patriotische“ Töne an. Das gibt Anknüpfungspunkte zur Fidesz-Klientel. Und Kritik: Klára Dobrev, prominente Sozialdemokratin, sieht in Magyars Partei ein inhaltsleeres Konstrukt, nur ein „anderes Namensschild“ auf der Fidesz. In diesem Urteil kann Kalkül stecken – aber auch ein Funke Wahrheit.

Die andere Seite ist die Lebensrealität in Ungarn. Orbán verteilte zwar reichlich Wahlgeschenke – aber Infrastruktur und Schulen sind in betrüblichem Zustand, wie etwa die Autorin Petra Thorbrietz schildert. Die Agentur Reuters wies auf eine Umfrage der anderen Art aus dem November hin: Eine Erhebung des Thinktanks Policy Solutions zeige vor allem große Sorge um Inflation und geringe Löhne im Land. Die Probleme könnten sich verschärfen. Zölle und Druck von Orbáns Buddy Donald Trump könnten Ungarn hart treffen, die Auto- und Zulieferindustrie ist wichtig für Ungarn. Ebenso wie die Kooperation mit US-Kontrahent China.

Ob Magyar bei der Wahl 2026 tatsächlich als Sieger durchs Ziel gehen kann, bleibt abzuwarten. Orbán setzte zuletzt auf pro-russische und anti-europäische Gefühle im Land: Die EU und die Ukraine wollten eine „Marionettenregierung“ in Ungarn installieren, behauptete er zuletzt. Neue monetäre Wohltaten könnten ihm ebenfalls helfen. Allerdings könnte eine Wirtschaftskrise diese Option durchkreuzen – und sich final rächen, dass Orbán EU-Gelder oft in die Taschen von Strohmännern und Günstlingen geschaufelt hat. Selbst dann bliebe aber noch das Wahlrecht, das Orbán massiv zugunsten der Fidesz umgestaltet hat.

Auf und Ab im hohen Norden: Skandale schaden den „Wahren Finnen“ kaum – aber das liebe Geld?

Im April 2023 übernahm eine rechtskonservative Koalition in Finnland die Regierungsmacht aus den Händen von Sanna Marin – mit dabei war die „Finnen-“ oder „Wahre Finnen“-Partei. Schnell kamen Nazi-Bande ans Licht. Deutlich unter das Wahlergebnis von 20,1 Prozent rutschten die Partei in den Umfragen aber erst ab Sommer 2024. Jüngst kam der nächste Einbruch. Nun auf gut zehn Prozent.

Die Helsinki Times führt die Probleme auf unpopuläre Sparmaßnahmen der Regierung von Petteri Orpo zurück. Das scheint nicht unplausibel: Gerade „Arbeiter“ sind laut Analysen auf Distanz gegangen. Oder auch überhaupt die arbeitende Bevölkerung: Eine erst Anfang Juli veröffentlichte Umfrage des finnischen Unternehmerverbands sah die „Wahren Finnen“ in dieser Gruppe ebenfalls nur noch bei zehn Prozent – unter arbeitenden Männern bei 15, bei Frauen gar nur bei fünf Prozent.

Größte Umfrageverluste im rechten Lager in 29 europäischen Ländern:

Verluste seit 1/24*Gesamtwert**
Ungarn - Fidesz, Mi Hazank, Jobbik-2035%
Finnland - Wahre Finnen-911%
Niederlande - PVV, BBB, FvD, Ja21-530%
Kroatien - DP-53%
Estland - EKRE-514%

*Angabe in Prozentpunkte; **Umfrage-Stichproben aus dem Juni 2025.

Beim Leib- und Magenthema Migration hatte die Partei dabei reichlich Einfluss geltend gemacht, wie etwa die Bundeszentrale für politische Bildung analysierte. Als Finnland wegen eines mutmaßlich gesteuerten Zustroms von Migrantinnen und Migranten Grenzen zu Russland schloss, seien sich Parteichefin Riikka Purra und ihre Ministerin in den Armen gelegen, erinnert die finnische Politikwissenschaftlerin Minna Alander im Gespräch mit der FR: „Da kann keiner sagen, dass die Freude nur in der nationalen Sicherheit begründet war.“ Den Umfragewerten entscheidend zu helfen scheint diese Art von Politik aber nicht.

Die „Finnen“ kennen die Probleme von Koalitionsregierungen: Schon 2015 waren sie an der Regierung beteiligt – es folgte eine Spaltung, der gemäßigte Flügel verschwand in der Bedeutungslosigkeit. Es scheint, als schade der Schritt in die Verantwortung auch diesmal. Doch zu bedenken ist: Den Diskurs in Finnland hat die Partei wohl ein Stück weit verschoben. Die Partei und ihre extremen Positionen könnten durch die offiziellen Posten ein gutes Stück „normalisiert“ sein. Vor diesem Effekt warnte jedenfalls Populismus-Forscher Vicente Valentim im FR-Interview.

Die gläserne Decke der Extremen: Die Schwedendemokraten wollen seriös werden – hängen aber fest

Über viele Wahlperioden waren die – trotz des harmlos wirkenden Blümchens im Logo mit teils nazistischen Wurzeln ausgestatteten – Schwedendemokraten auf dem Vormarsch. Zuletzt ging es nur noch marginal voran, trotz einer zwischenzeitlichen Umfrage-Spitzenposition im Mai 2024. Bei der Europawahl gab es sogar einen massiven Dämpfer, wohl auch wegen Skandalen um Diffamierungskampagnen aus der Partei. Und in aktuellen Umfragen liegt die Partei zumindest unter den Werten aus dem Jahr 2024.

Eine mögliche Erklärung für das Austrudeln des langen Aufwärtstrends lieferte Ende 2024 eine Analyse der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung: In den vertretenen Werten, „Gleichheit“ etwa, unterscheide sich der Mainstream in Schweden deutlich vom Klientel der Schwedendemokraten. Womöglich ist das Wählerpotenzial also jedenfalls beim aktuellen Kurs eher ausgereizt. Andererseits meint der schwedische Populismusforscher Niklas Bolin, die Schwedendemokraten seien jedenfalls in Teilen immer noch stigmatisiert. Auch das könne Wähler vom Kreuzchen bei den Rechten abhalten.

Die AfD-Spitze im Wandel der Zeit: von Bernd Lucke bis Alice Weidel

Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle. Anders als jahrelang üblich, gab es bei ihrem Bundesparteitag im Januar 2025 in Riesa kaum große Streitthemen. Auch die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands verbreiteten Harmonie (von links nach rechts): Carsten Hütter, Alice Weidel, Tino Chrupalla, Peter Boehringer und Heiko Scholz. In Riesa beschloss die AfD ihr Wahlprogramm.  © Sebastian Kahnert/dpa
Auf dem Parteitag wurde Parteichefin Alice Weidel zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Im Mittelpunkt des Parteitags stand Alice Weidel, die die AfD mit einer schrillen Rede auf den Wahlkampf einschwor. Vor allem mit ihrer rigorosen Wortwahl schien sie den Nerv der Partei zu treffen. So forderte sie Rückführungen im großen Stil: „Wenn es dann Remigration heißen soll, dann heißt es eben Remigration.“ Zuvor hatte sie diesen Begriff vermieden.  © Jens Schlüter/AFP
AfD-Bundesparteitag in Riesa
Tatsächlich ist nach Riesa rhetorisch kein Unterschied mehr zwischen Weidel und den Rechtsextremen auszumachen. Immer wieder gelang es ihr, die düstere AfD-Seele mit ihrer scharfen Wortwahl zu massieren. So prägte sie auch den irren Begriff ,,Windmühlen der Schande“.  © Sebastian Kahnert/dpa
AfD Parteitag 2013 in Berlin
Wie aber kam es zum Aufstieg der AfD? Los ging alles am 6. Februar 2013, als 18 Menschen im hessischen Oberursel (Taunus) die Partei „Alternative für Deutschland“ gründeten. Der erste AfD-Parteitag fand bereits am 14. April 2013 statt (im Bild). Bei der Bundestagswahl im selben Jahr erzielte die neue Partei aus dem rechten Spektrum auf Anhieb 4,7 Prozent – das beste Ergebnis, das eine neu gegründete Partei jemals bei ihrer ersten Bundestagswahl erzielen konnte.  © imago
Landesparteitag der AfD am 11. Januar 2014 in Gießen
Nahezu von Anfang begleiten Gegendemonstrationen die AfD-Veranstaltungen - wie hier der Landesparteitag am 11. Januar 2014 in Gießen. Der rechtspopulistischen Partei werden immer wieder Demokratie- und Europafeindlichkeit vorgeworfen. © imago stock&people
Dr. Konrad Adam, Journalist und Mitgebründer der Alternative für Deutschland (AfD)
Als einer der Gründungsväter der AfD gilt Konrad Adam. Der 1942 in Wuppertal geborene Journalist arbeitete für die Tageszeitungen FAZ und Welt. Zunächst war er Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde noch im selben Jahr einer von drei Bundessprechern der neu gegründeten AfD. Wie viele andere war Adam ursprünglich CDU-Mitglied, ehe er – vermutlich aus Enttäuschung über die als linksliberal wahrgenommene Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – eine neue Heimat in der AfD fand. Zwei Jahre blieb Adam Bundessprecher, doch bereits im Dezember 2015 begann er, sich von der Partei zu distanzieren. 2020 kündigte er seinen Austritt aus der AfD an, der am 1. Januar 2021 in Kraft trat. © imago
Konrad Adam, Bernd Lucke und Alexander Gauland auf dem ersten Parteitag der AfD in Berlin.
Das bekannteste Gesicht der AfD-Gründungsphase gehört dem Mann mit erhobenen Armen: Bernd Lucke. Geboren 1962 in West-Berlin und aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen, studierte Lucke Volkswirtschaftslehre und wurde später in Hamburg Professor. Mit 14 Jahren trat Lucke in die CDU ein und verließ die Union 33 Jahre später, weil er mit der Eurorettungspolitik nicht einverstanden war. Der Euro und die EU wurden zu den zentralen Kritikpunkten, die Lucke in den folgenden Jahren bezogen auf die Bundespolitik äußerte. Ergebnis dieser Kritik war zunächst die eurokritische Wahlalternative 2013, aus der am 14. April 2013 die AfD hervorging. © imago
rof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD
Bereits im September 2013 engagierte sich Prof. Dr. Bernd Lucke im Wahlkampf für die AfD, wie hier auf einer Veranstaltung in Magdeburg. © IMAGO/Zoonar.com/Axel Kammerer
Bernd Lucke als Vorsitzender der AfD auf einem Parteitag
Auch Bernd Luckes Zeit in der AfD war nur eine kurze. 2014 ging er noch als Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ in den Wahlkampf für die anstehende Europawahl. Bis 2019 war Lucke im Anschluss Mitglied im Europäischen Parlament. Doch bereits 2015 deutete sich an, dass Lucke im internen Machtkampf in der AfD den Kürzeren ziehen könnte. Führende Köpfe der AfD wie Björn Höcke gerieten in Konflikt mit dem Vorsitzenden. Lucke ging und trat 2015 aus der AfD aus. Er gründete die nächste Partei: die Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA). © imago
Olaf Henkel GER Berlin 20150112 Alternative für Deutschland Prof Hans Olaf Henkel Veranstaltun
Anfang 2014 wurde die AfD-Mitgliedschaft von Professor Hans-Olaf Henkel bekannt. Einen Namen machte sich Henkel als erfolgreicher Manager bei IBM. Später wechselte er auf die Verbandsebene und wurde Präsident des BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie). 2014 zog er für die AfD ins Europaparlament ein. Für ein Jahr war Henkel sogar stellvertretender Bundessprecher der „Alternative für Deutschland“. 2015 trat Hans-Olaf Henkel wieder aus der AfD aus. © imago
Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut
Seinen Bruch mit der AfD begründete Hans-Olaf Henkel, hier mit Ehefrau Bettina und ihrer Zwillingsschwester Almut beim Bundespresseball 2019, mit dem Rechtsruck der Partei. Gegenüber dem WDR bezeichnete Henkel die AfD im Jahr 2015 als „eine Art NPD-light, vielleicht sogar identisch mit der NPD“. Sein Engagement bei der AfD sieht Henkel mittlerweile offenbar kritisch: „Wir haben ein Monster erschaffen.“ © VISTAPRESS / G. Chlebarov via www.imago-images.de
Deutschland Essen Grugahalle 4 Ausserordentlicher AfD Parteitag Bernd Lucke nach der Wahl von F
Auf Bernd Lucke folgte an der Parteispitze der AfD Frauke Petry. Die studierte Chemikerin wurde 1975 in Dresden geboren. 2013 war sie bereits neben Lucke eine der drei Parteisprecherinnen der AfD. Außerdem wurde sie im selben Jahr zur Vorsitzenden der AfD Sachsen gewählt.  © imago
Frauke Petry AfD
Im Juli 2015 schließlich kam es zum internen Machtkampf in der AfD, den Petry für sich entscheiden konnte. Doch schon zwei Jahre später war auch für sie wieder Schluss. Ende September 2017 trat sie aus der AfD aus und gründete wie Lucke ihre eigene kleine Partei: Petry nannte sie „Die blaue Partei“. © Michael Kappeler/dpa
Prof. Dr. Jörg Meuthen (M.), Bundessprecher der AfD, Deutschland, Berlin, Bundespressekonferenz, Thema: AfD - Zu den Bu
Ein ähnliches Schicksal wie Petry und Lucke ereilte auch Jörg Meuthen (Mitte). Der 1961 in Essen geborene studierte Volkswirt wurde 2015 zu einem der zwei Bundessprecher der AfD gewählt. 2019 gelang ihm der Sieg bei der Wahl zum ersten Bundesvorsitzenden der AfD. Doch schon 2021 erklärte Meuthen, nicht erneut für den Vorsitz kandidieren zu wollen. 2022 folgte dann der endgültige Austritt aus der Partei. Der ließ sich auf seine Niederlage im Machtkampf mit Björn Höcke und den rechtsextremen Kräften innerhalb der AfD zurückführen. © M. Popow/Imago
Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA)
Auftrieb erhielt die AfD auch durch ihre Nähe zur Pegida-Bewegung. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) demonstrierten ab 2014 in Dresden und später in weiteren Städten. Immer wieder schlossen sich AfD-Leute den Demonstrationen an, darunter 2018 in Chemnitz auch Björn Höcke. © Ralf Hirschberger/dpa
Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg
Auch Adel findet sich unter den Führungspersönlichkeiten der AfD: Beatrix von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, war einst bei der FDP und gehörte 2013 zu den Gründungsmitgliedern der AfD. Sie war von Dezember 2019 bis Juni 2022 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei. Seit Oktober 2017 ist sie eine der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. © Moritz Frankenberg/dpa
Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein im Sitzungssaal des schleswig-holsteinischen Landesverfassungsgerichts.
Auch Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein wurde aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein soll für einen rechtsextremistischen Verein geworben haben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD stand. Doch die 1954 geborene Rechtsanwältin wehrte sich erfolgreich gegen den Parteiausschluss, den ein Bundesschiedsgericht 2019 beschlossen hat. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass der Ausschluss aufgrund formaler Fehler unwirksam sei. Damit war sie wieder Parteimitglied. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht zurück, wodurch das Urteil rechtskräftig geworden ist.  © Marcus Brandt/dpa
Alexander Gauland, heute AfD-Mitglied, früher Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung
Ein Urgestein der AfD, das all die personellen Wechsel überstanden hat und immer noch da ist: Alexander Gauland. Geboren 1941 in Chemnitz, war Gauland vor seiner aktiven politischen Karriere Herausgeber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). CDU-Mitglied wurde der gelernte Jurist bereits 1973, ab 1987 übernahm er verschiedene politische Ämter, vor allem für die Union in Hessen. CDU-Mitglied blieb Gauland bis 2013, ehe er die AfD mitgründete. Im Jahr 2017 wurde Gauland Bundessprecher der AfD (bis 2019). Von 2017 bis 2021 war er neben Alice Weidel einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Bundestagsfraktion. 2021 gab er dieses Amt wieder ab, blieb der Partei aber als Ehrenvorsitzender erhalten. © imago
AfD-Chefin Alice Weidel
Alice Weidels Aufstieg in der AfD begann mit ihrem Parteieintritt im Jahr 2013. Zwei Jahre später wurde sie bereits in den Bundesvorstand gewählt. 2017 ernannte sie die Partei zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl. Im selben Jahr wurde Weidel neben Alexander Gauland Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die sie vier Jahre lang führte. © Sebastian Kahnert/dpa
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard
Alice Weidel wohnt mit ihrer Partnerin Sarah Bossard in einer eingetragenen Partnerschaft zusammen. Das Paar hat zwei Söhne. (Archivbild) © Michael Buholzer/dpa
Tino Chrupalla bei der AfD
Neben Alice Weidel machte in den vergangenen Jahren vor allem Tino Chrupalla bei der AfD von sich reden. Einst Mitglied der Jungen Union und nach eigenen Angaben langjähriger CDU-Wähler, trat Chrupalla 2015 in die AfD ein. 2017 zog er für die Rechtspopulisten in den Bundestag ein. Im selben Jahr wurde er zu einem von fünf stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion gewählt. © imago
Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen
Im Jahr 2019 wurde Tino Chrupalla neben Jörg Meuthen zum Bundesvorsitzenden der AfD.  © Julian Stratenschulte
Alice Weidel und Tino Chrupalla
In den Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 zog die AfD mit einer Doppelspitze, bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla. Beide stehen seitdem als Bundessprecherin und Bundessprecher an der Spitze der Partei.  © Kay Nietfeld/dpa
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD,
Björn Höcke war zwar nie Vorsitzender der AfD, gilt aber dennoch als einer der einflussreichsten Personen innerhalb der rechtspopulistischen Partei. Wie Chrupalla gibt auch er an, einst überzeugter Anhänger der CDU und Mitglied der Jungen Union gewesen zu sein. 2013 trat er der AfD bei. © Christoph Soeder/dpa
Björn Höcke den AfD-Landesverband
Ebenfalls 2013 gründete Björn Höcke den AfD-Landesverband in Thüringen. Kurze Zeit später kam es zum Streit mit dem damaligen Bundesvorstand der AfD, der 2017 sogar den Parteiausschluss Höckes beantragte. Den Machtkampf mit der alten Garde der AfD gewann aber Höcke. Er ist weiterhin Parteimitglied, während Widersacher wie Bernd Lucke, Frauke Petry oder Jörg Meuthen die Partei verlassen haben. © Sebastian Kahnert/dpa
André Poggenburg in Leipzig
Anders erging es da einem einstigen Verbündeten von Björn Höcke: André Poggenburg. Gemeinsam mit Höcke hatte der ehemalige Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt 2015 ein Positionspapier des „AfD-Flügels“ verfasst und damit wie Höcke den Ärger der Parteiführung auf sich gezogen. 2019 plante der AfD-Bundesvorstand, Poggenburg für zwei Jahre von allen Parteiämtern auszuschließen. Dazu kam es nicht, denn Poggenburg trat kurz darauf aus der AfD aus und gründete in alter Tradition ehemaliger AfD-Politiker eine eigene Partei unter dem Namen „Aufbruch deutscher Patrioten – Mitteldeutschland“. Inzwischen ist er parteilos. © Sebastian Willnow/dpa
AfD-Parteitag Riesa - Proteste
Mit dem Aufstieg der AfD zur bundesweiten Größe und dem Einzug in zahlreiche Landesparlamente sowie den Deutschen Bundestag mehrte sich auch der Protest gegen die Rechtspopulisten. Der AfD-Bundesparteitag in Riesa im Januar 2025 wurde von zahlreichen Demonstrationen begleitet. © Daniel Wagner/dpa
AfD-Bundesparteitag in Riesa mit Alice Weidel
Die Proteste hielten die Delegierten auf dem AfD-Bundesparteitag aber nicht davon ab, Alice Weidel zur Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zu ernennen. Die AfD stellt damit erstmals in ihrer Geschichte eine eigene Kanzlerkandidatin. © Sebastian Kahnert/dpa

Aktuell dulden die Schwedendemokraten die Mitte-Rechts-Koalition von Ulf Kristersson. Regierungsämter haben sie nicht. Aber durch das für die Koalition überlebenswichtige Gewicht ihrer Stimmen Einfluss: So wurden etwa Integrationsprojekte massiv zusammengekürzt, mit bitteren Folgen, wie etwa eine Arte-Dokumentation aus Südschweden zeigte. „Die Politik ist insgesamt sehr viel restriktiver geworden, vor allem bei der Migrations- und Integrationspolitik. Die Klimapolitik ist zuletzt hingegen ziemlich vernachlässigt worden“, sagte Nordeuropa-Experte Tobias Etzold der FR schon 2024. Schweden sei auch ein Vorbild für die AfD.

Bolin sieht die etablierten Parteien nun in einer Zwickmühle, wie er Anfang 2024 schrieb: Die Schwedendemokraten auszugrenzen gewähre ihnen einen willkommenen Opferstatus. Sie noch stärker einzubinden, normalisiere sie weiter. Eine eher skurrile Randnotiz: Schwedendemokraten-Chef Jimmie Åkesson reiste dereinst schon nach Finnland, um den „Wahren Finnen“ Lektion im Übergang zur seriösen Catch-All-Partei zu geben – und musste sich einen Rüffel der Göteborgs-Posten anhören. Die „Wahren Finnen“ wollten schließlich das Schwedische im traditionellen Zwei-Sprachen-Land Finnland zurückdrängen. Grenzüberschreitende Freundschaft unter Nationalisten bleibt ein Paradoxon.

Polen, Rumänien, UK: „Der rechtsextreme europäische Populismus wird nicht verschwinden“

Ungebrochen ist der Rechts-Trend in Europa also nicht. Aber Patentrezepte bleiben Mangelware. Und ein Umschwung steht wohl nicht in Aussicht, wie der prominente US-Politologe Ian Bremmer meint. Er verweist in einem Beitrag für sein Projekt GZero Politics auf rechtsextreme Erfolge in Rumänien, Polen oder UK. Die bestätigt auch die FR-Analyse. Ungarn könnte künftig weniger ein Dorn im Fleisch der EU sein – „aber wenn europäische Zentristen meinen, das sei ein Ende ihrer Probleme, werden sie ein böses Erwachen erleben“, warnt Bremmer. „Der rechtsextreme europäische Populismus wird nicht verschwinden.“ (fn)

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