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Buch erklärt die Entwicklung

So läuft Orbáns „Propaganda“-System: „Was in Ungarn passiert ist, kann auch anderswo passieren“

Viktor Orbáns Macht könnte mit der Wahl am Sonntag enden. Zementiert hat er sie jahrelang auch über die Medien, wie ein aktuelles Buch zeigt.

Am Sonntag wählt Ungarn ein neues Parlament – und zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt scheint eine Niederlage von Viktor Orbáns Fidesz mehr als greifbar. Umfragen sehen Herausforderer Peter Magyar und dessen Tisza-Partei in Führung. Doch selbst wenn Magyar die Stimmenmehrheit holt: Er wird Schwierigkeiten haben. Mit dem komplexen Wahlsystem, mit den ungarischen Institutionen. Und mit den Medien. Denn die hat Orbán seit 2016 in einer enormen Aktion auf seine Bedürfnisse getrimmt.

Viktor Orbán im Januar bei seiner jährlichen Pressekonferenz.

Wie das funktioniert und wohin es geführt hat, beschreibt der Journalist Ákos Toth in seinem aktuellen Buch „Nach der Eroberung“ (Wahrheitsperlen Verlag, 31 Euro). Klar macht Tóth: Es geht um ganz andere Fragen und Mechanismen als jene, über die in Deutschland mit Blick auf öffentlich-rechtliche Medien gestritten wird. Und Orbáns System wird nicht direkt zu den Akten zu legen sein, selbst wenn es sich nach einer Fidesz-Niederlage erledigen sollte – was ohnehin nur eines von mehreren denkbaren Szenarien in diesem Fall ist. Denn, so meint Tóth: Autoritäre Kräfte auf der ganzen Welt blicken interessiert auf diese Muster. Bis hin zu US-Präsident Donald Trump.

„Qualvolle Kosten“: Wie Orbán in Ungarn freie Medien eindämmte

Tóth hat viele Teile des Prozesses hautnah miterlebt: Er war Autor und Führungskraft in der mittlerweile aufgelösten Tageszeitung Népszabadság und später Chefredakteur der Wochenzeitung 168 Óra – die sich mittlerweile auf Unpolitisches konzentriert. Wie ist die Lage ungarischer Journalisten? „Zwar besteht keine direkte Lebensgefahr, doch hat dieses Regime eine Spur ruinierter und zerstörter Leben hinterlassen“, sagte Tóth unserer Redaktion zuletzt im Interview. Das Eintreten für die eigenen Prinzipien sei „oft mit qualvollen Kosten verbunden“.

Tóth beschreibt in seinem Buch, wie Anfragen, Hinweise, „Wünsche“ aus der Regierung Orbán und deren Umfeld auf Redaktionen einprasseln, teils bei unliebsamer Berichterstattung auch Köpfe gefordert werden. Der Unternehmer und Verleger Zoltán Varga stieg erst 2014 ins Geschäft ein und gibt Einblicke in eine weitere Ebene. Varga kaufte Zeitschriften und Onlinemedien von der finnischen Sanoma, darunter das unabhängige Portal 24.hu. Ausländische Investoren fürchteten den „politischen Konflikt“, sagt er. Entweder sie „fügten“ sich, klammerten Teile der Berichterstattung aus und erhielten im Gegenzug staatliche Werbung. Oder sie ließen sich aus dem Land drängen – eine Gefahr nicht nur für die Medienbranche.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Einst waren einige deutsche Häuser in Ungarn aktiv. Davon ist nachweislich nicht viel geblieben. Den offensichtlichsten und erstaunlichsten Eingriff erklärt der Autor auch mit Hilfe der Medienforscherin Agnes Urbán: 2018 wurde die „Zentraleuropäische Presse- und Medien-Stiftung“, KESMA, gegründet. Binnen kurzer Zeit übergaben ihr zahlreiche Unternehmer Mehrheitsanteile an Medienunternehmen. Was laut Tóth eigentlich nur einen Schluss zulässt: Sie waren nur Mittelsmänner der Regierung. Er zählt 470 Medienprodukte in Händen der Stiftung – und die wird geleitet von Gábor Liszkay, einem „nahen politischen Verbündeten Orbáns“, so Toth.

Weitere Mosaiksteine: Die öffentlich-rechtlichen Medien – die zwar formal in Händen einer gemeinnützigen Gesellschaft liegen, die aber Urbán zufolge nur einen Mini-Etat von 5,2 Millionen Euro besitzt. Das eigentliche Sagen habe der „Fonds zur Förderung der Mediendienste und Vermögensverwaltung“ (MTVA). Sein Chef wird vom „Medienrat“ ernannt, der wiederum „ausschließlich aus Reihen der Fidesz gewählt“ werde. Und die Nachrichtenagentur MTI – die ihre Dienste kostenlos anbietet, schon mal unkommentiert russische Quellen zitiert, aber Mitteilungen der Opposition gerne ignoriert, wie Tóth zeigt.

„Was in Ungarn passiert ist, kann auch anderswo passieren“ – aber es gibt Widerstand gegen Orbán

Auch über Sendefrequenzen halte Orbáns Umfeld die Hand: über Unternehmen oder auch Behörden und die Gerichtsbarkeit, wie der Fall des populären, unabhängigen Klúbrádió zeigte. Und dann sind da natürlich die besagten Werbegelder. Regierungs- und staatseigene Unternehmen hätten seit 2015 rund 828 Millionen Euro an Mitteln fließen lassen, schreibt der Journalist unter Berufung auf eine Studie des Ökonomen und EU-Wettbewerbsexperten Kai-Uwe Kühn. Vorwiegend an regierungsnahe Medien – und laut Tóth teils ohne angemessene Rücksicht auf Reichweite, also Gegenleistung.

Auch in den sozialen Medien trommelt Ungarns Regierung mittlerweile in organisierter Form. Allein zwischen Juli und September 2025 – vor neuen Regeln zu politischer Werbung – seien bei Meta 5,7 Millionen Euro für politische Werbung geflossen, allein eine Million für Viktor Orbáns Facebook-Seite. Inhaltlich setzt man dabei über alle Medien und gerade in Plakatwerbung – das Gros der Flächen liegt in Händen von Vertrauten des Ministerpräsidenten – bekanntermaßen auf Polarisierung, Hass und „Schmutzkampagnen“, auch gegen frühere Verbündete. Etwa gegen den einstigen Orbán-Förderer George Soros. Aktuell warnt Orbán vor „Krieg“; ein bekanntes Muster der Angst aus Russlands Einflusssphäre.

„Man spürte mit einem Mal doch, dass sie einen rausschmeißen würden, wenn man über eine bestimmte Person oder Firma etwas ‚Schlechtes’ schriebe, sich eventuell in eine Sache verwickelte, die für Fidesz nicht günstig war.“

Csaba Lukács, einst Journalist der Magyar Nemzet, heute Geschäftsführer der unabhängigen Zeitung Magyar Hang im Gespräch mit Tóth.

Trotzdem, so schreibt Tóth in „Nach der Eroberung“, gibt es nach wie vor unabhängige Medien in Ungarn. Gäbe es sie nicht, „wüssten wir nichts über Viktor Orbans Privatimperium“. Über den großen Propaganda-Angriff seien ungarische Leserinnen und Leser sogar „medienbewusst“ geworden, selbst in der Provinz, wie die Expertin Urbán im Buch erklärt. Medien wie das Portal Telex oder der Youtube-Kanal Partizán bekämen Spenden von über einer Million Euro. Gerade durch die Heftigkeit der Botschaften habe das Kreuzfeuer begonnen, die Menschen „auf gewisse Weise zu bilden“. Der Experte Lars-André Richter sah im Gespräch mit unserer Redaktion auch Anzeichen dafür, dass wirtschaftliche Probleme mittlerweile nicht mehr zu ignorieren seien, allen Regierungsbotschaften zum Trotz.

Offen ist Urbán zufolge, wie es nach einer Wahlniederlage mit dem Propagandasystem weitergeht. Eine neue Regierung könne es einspannen, oder Fidesz für den Fall einer Rückkehr weiter Geld hineinpumpen. Oder die Finanzierung breche zusammen und es gebe „großes Erstaunen“ über das weitere Schicksal von aktuell gut ausgestatteten Medien. „Was in Ungarn passiert ist, kann auch anderswo passieren“, mahnt indes Tóth. Das habe die EU immerhin mittlerweile verstanden. In Donald Trump und seinem Umgang mit den Medien gebe es indes bereits Nachahmer. (Quellen: „Nach der Eroberung“, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © Marton Monus/picture alliance/dpa

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