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„Salopp gesagt …“

Umfragen sehen Orbán vor der Ungarn-Wahl in Not – aber es könnte „anders kommen“

Die Opposition in Ungarn hofft auf den Machtwechsel bei der Wahl am Sonntag. Doch ein Experte sieht Stolpersteine – und warnt vor einer Täuschung.

Insgesamt 20 Jahre hat Viktor Orbán als Ungarns Regierungschef nun schon amtiert – und der „Illiberale“ hat sich das Land in seinem Sinne zurechtgebogen, wie Beobachter sagen: Die Medienlandschaft etwa, die Strukturen in Teilen der Wirtschaft, sogar das Wahlsystem. Nichtsdestotrotz könnte die Ungarn-Wahl am Sonntag (12. April) einen Machtwechsel bringen. Herausforderer Péter Magyar und seine Tisza-Partei führen in Umfragen deutlich. Diese Ausgangslage habe sich Orbán selbst zuzuschreiben, sagt Experte Lars-André Richter im Gespräch mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media. Mit einer Prognose zum Ergebnis hält sich der Leiter des Mitteleuropabüros der Friedrich-Naumann-Stiftung indes bewusst zurück.

Peter Magyar (im Vordergrund) hofft auf den Wahlsieg in Ungarn – im Hintergrund Wahlwerbung von Viktor Orbáns Fidesz.

Die Umfragedaten an sich hält Richter dabei für plausibel. „Sowohl in den traditionell der Opposition zugeneigten Städten als auch auf dem Land hat man mittlerweile genug von Orbán. Man kann – salopp gesagt – sein Gesicht einfach nicht mehr sehen“, schildert er. Ungarns Wirtschaftsdaten seien schlecht, die Inflation hoch, das Gesundheits- und Bildungssystem marode. Für den Experten der FDP-nahen Stiftung ein hausgemachtes Problem nach 16 Jahren Vetternwirtschaft. „Jeder, der zum Arzt und in den Supermarkt geht oder Kinder in der Schule hat, stellt fest: ‚Das Land ist aus den Fugen.’“ Abzuwarten bleibe dennoch, ob es am Ende für einen ersten Platz für Tisza reiche. „Am Ende könnte es doch wieder anders kommen“, sagt Richter.

Umfragen deuten auf Orbán-Niederlage bei Ungarns-Wahl – doch es bleiben Stolperfallen

Schon bei der Ungarn-Wahl 2022 lag die vereinigte Opposition lange Zeit in den Umfragen in Front. Am Ende holte Orbáns Fidesz doch wieder eine Zwei-Drittel-Mehrheit an Parlamentssitzen. „Das Wahlsystem ist derart kompliziert, dass Vorhersagen äußerst schwierig sind“, warnt Richter. Seit der Rückkehr an die Macht im Jahr 2010 – schon von 1998 bis 2002 amtierte er erstmals – habe sich Orbán das Wahlsystem quasi maßgeschneidert. So seien Wahlkreise so zugeschnitten, dass Fidesz in der Regel im Vorteil ist. Experten nennen das „Gerrymandering“. Ein gewichtiger Faktor sind zugleich die „Kompensationsstimmen“.

Deren Wirkweise ist komplex. Bei der ersten Stimme, jener für die 106 Wahlkreismandate, genügt zum Sieg eine relative Mehrheit. Aber der Vorsprung auf den Zweitplatzierten wird auf das Ergebnis der landesweiten Listenwahl aufgeschlagen – über sie werden weitere 93 Mandate vergeben. Auch die Verlierer bekommen zwar ihre Stimmen als „Kompensationsstimmen“ in die Listenwahl addiert. Aber: Wer große Vorsprünge in der Direktwahl einfährt, profitiert am meisten. So, wie Orbáns Fidesz über lange Jahre in den ländlichen Regionen Ungarns. 2022 erhielt sie über die Liste 54 Prozent der Stimmen. Im Parlament hatte sie dann aber rund 68 Prozent der Sitze inne.

Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands

Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten
Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Die GUS besteht aus ehemaligen Staaten der Sowjetunion, die bis heute zum Großteil eng verbunden mit Russland geblieben sind. Doch Moskau-Machthaber Putin hat nicht nur in den Sowjet-Gebieten Freunde. Putin findet auch nach mehreren Jahren Angriffskrieg in der Ukraine noch immer fast weltweit Verbündete. Eine Übersicht: © Imago
Alexander Lukaschenko und Wladimir Putin
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs steht ein Mann eng an der Seite Wladimir Putins: Alexander Lukaschenko. Das von ihm autoritär beherrschte Belarus teilt sich eine mehr als tausend Kilometer lange Grenze mit der Ukraine. Lukaschenko unterstützte Putins Truppen logistisch bei ihrer Invasion des Nachbarlandes. © Imago
Kim Jong-un und Wladimir Putin
Ein weiterer enger Verbündeter Wladimir Putins ist Kim Jong-un. Der Machthaber regiert ein totalitäres Nordkorea, das als sozialistische Diktatur historisch enge Beziehungen zu Russland pflegt. © Gavriil Grigorov/Imago
russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist
Im Lauf des Ukraine-Kriegs wurde aus der symbolischen Verbindung ein militärisches Bündnis. Kim Jong-un unterstützte Putins Feldzug mit Waffen, Munition und Soldaten. Laut Schätzungen könnten es mehr als 30.000 Mann aus Nordkorea sein, die an der Front im Ukraine-Krieg kämpfen. Auf dem Bild zu sehen ist ein russischer Soldat, der eine Gruppe nordkoreanischer Kameraden einweist.  © Imago
Xi Jinping zu Gast bei Wladimir Putin
Die Volksrepublik China pflegt sowohl mit Nordkorea als auch mit Russland enge Beziehungen. Das bewies Präsident Xi Jinping zuletzt durch seinen Besuch Moskaus am „Tag des Sieges“. An der Seite Putins begutachte Xi als Gast auf der Ehrentribüne die große Militärparade, die durch Russlands Hauptstadt rollte. Doch China unterstützt Russland nicht nur symbolisch durch Besuche, sondern auch ganz praktisch mit Seltenen Erden und Devisen. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist China der größte Importeur für russische Rohstoffe geworden. © Imago
Präsident Wladimir Putin mit To Lam
Der Dritte im Bunde der ostasiatischen Verbündeten Russlands ist Vietnam. Hier posiert Präsident Wladimir Putin mit Tô Lâm, Präsident Vietnams von Mai 2024 bis Oktober 2024, bei einem Besuch des russischen Staatschefs in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. © Kristina Kormilitsyna/Imago
Wladimir Putin und Narendra Modi
In Südasien, konkret auf dem indischen Subkontinent, findet sich mit Narendra Modi der nächste enge Verbündete Russlands. Indiens Premierminister pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Hier umarmen sich beide bei einem Treffen in Neu-Delhi im Jahr 2018. Indien ist durch mehrere internationale Organisationen und Bündnisse mit Russland verbandelt. Die wohl wichtigsten darunter sind die Zusammenkunft der sogenannten BRICS-Staaten und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
König Ibrahim Ismail von Johor aus Malaysia beim Besuch Putins in Russland
Auch Malaysia ist wie Russland Mitglied des BRICS-Staatenbundes. In Begleitung seiner Frau Raja Zarith Sofia reiste König Ibrahim Ismail von Johor nach Russland, um Putin im Kreml zu besuchen. © Imago
Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Präsident Wladimir Putin eine gute Beziehung
Zur Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) zählt neben Russland unter anderem die Ex-Sowjet-Republik Kasachstan. Das Land teilt sich mit 7644 Kilometern die längste Landgrenze der Welt mit Russland. Präsident Kassym-Schomart Tokajew unterhält zu Putin eine gute Beziehung. Kasachstan bezieht 90 Prozent seiner Waffenimporte aus Russland, das wiederum den in Kasachstan gelegenen Weltraumbahnhof Kosmodrom Baikonur mietet. Beide Länder sind außerdem Mitglied in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). © Imago
Putin und Traoré
Zu Putins engen Verbündeten gehört auch Burkina Fasos Regierungschef Inbrahim Traoré. Am 9. Mai 2025 besuchte er Putin in Moskau (im Bild). „Wir glauben, dass der Terrorismus, den wir heute erleben, vom Imperialismus herrührt, und wir bekämpfen ihn“, sagte er bei einem bilateralen Treffen. In Erinnerung geblieben ist auch eine virale Rede beim Afrika-Gipfel im Jahr 2023 in Russland. Im Beisein Putins machte er damals den Westen dafür verantwortlich, dass Afrika trotz seiner Rohstoffe der ärmste Kontinent sei.  © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool
Ägypten Militärband Moskau
Mehr als 80 Jahre Diplomatie verbinden Ägypten und Russland. Das Land am Nil ist wirtschaftlich von Moskau abhängig. Auch Putin profitiert von den Verbindungen nach Kairo. Der russische Präsident betrachtet Ägypten als Tor nach Afrika. Im August 2022 war eine ägyptische Militärband in Moskau zu Gast (im Bild). Auch bei der Militärparade zum 80. Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 marschierte eine Einheit aus Ägypten über den Roten Platz.  © Sergei Bobylev/Imago
Laos-einheit in Moskau
Am „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland am 9. Mai 2025 paradierte auch eine Einheit aus Laos durch Moskau. Angeblich arbeitet Putin derzeit intensiv daran, das Land in den Krieg gegen die Ukraine einzubinden. Im Sommer 2025 begrüßte er den laotischen Präsidenten Thongloun Sisoulith in Moskau. © Ricardo Stuckert/Imago
Turkmenistan Moskau Parade
Turkmenistan schickte ebenfalls eine Einheit nach Moskau. Die zentralasiatische Republik Turkmenistan am Kaspischen Meer gehört auch Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu den am meisten abgeschotteten Staaten der Welt.  © Ricardo Stuckert/Imago
Aleksandar Vucic Putin Netanjahu
Auch der serbische Staatschef Aleksandar Vučić nahm 2025 – wie auch schon 2018 (im Bild) – in Moskau an der Parade vor rund 10.000 Soldaten teil. Die Beziehungen zwischen Serbien und Russland gelten als traditionell freundschaftlich. Belgrad verweigert sich den Sanktionen gegen Russland und hat den Westen für den Ukraine-Krieg verantwortlich gemacht. Zuletzt gab es trotzdem zwischen Moskau und Belgrad Verstimmungen, als der russische Auslandsgeheimdienst Serbien den Verkauf von Munition an die Ukraine vorwarf. © Mikhail Metzel/Imago
Milorad Dodik
Putins wichtigster Mann am Balkan heißt Milorad Dodik (2. von rechts). Der bosnisch-serbische Separatistenführer betreibt seit Jahren die Abspaltung des Landesteils Republika Srpska vom bosnischen Staat. Dodik stimmt sich dabei regelmäßig mit dem russischen Präsidenten ab. © Alexei Nikolsky/Imago
Salva Kiir Putin
Im September 2023 traf sich Putin mit Salva Kiir Mayardit, dem Präsidenten von Südsudan. „Die Welt diktiert, dass niemand allein überleben oder Erfolg haben kann“, sagte Salva Kiir. Zu Putin gewandt meinte er, dass sein Land starke Freunde brauche: „Sie sind einer von ihnen.“ © Valery Sharifulin/Imago
Orban Putin
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán ist Putin im Ukraine-Krieg stets treu geblieben. So hat er während der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2024 den bis dahin weitgehend isolierten Kremlchef zum Ärger vieler EU-Länder überraschend in Moskau besucht und sich als Vermittler inszeniert (im Bild). Zugleich nutzt Orbán jede Gelegenheit, um gegen die Ukraine auszuteilen.  © Valeriy Sharifulin/Imago
Putin und Ramaphosa
Ende Juli 2023 war Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa bei Putin zu Gast. Der Kremlchef hatte seine Gäste zum Abschluss eines zweitägigen Afrika-Gipfels in St. Petersburg eingeladen, den er in der russischen Ostsee-Metropole veranstaltete. Südafrika, das mit Russland, China, Indien und Brasilien die Brics-Staatengruppe bildet, wird wegen seiner Russland-Nähe vom Westen mit Skepsis betrachtet.  © Sergei Bobylev/Imago
Peseschkian Putin
Im Januar 2025 war Massud Peseschkian in Moskau zu Besuch. Dabei unterzeichnete Irans Präsident gemeinsam mit Putin ein Abkommen über eine strategische Partnerschaft. Russland und der Iran vertieften damit ihre militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit für die nächsten 20 Jahre.  © Imago
Putin Ortega
Seit vielen Jahren steht Nicaragua an der Seite Putins. Nach dem Aufstand der russischen Privatarmee Wagner gegen die eigene Staatsführung im Juni 2023 schickte auch Präsident Daniel Ortega (hier ein Bild aus dem Jahr 2014) eine Botschaft nach Moskau. In der offiziellen Mitteilung hieß es, Ortega und seine Ehefrau sowie Vizepräsidentin Rosario Murillo übermittelten Putin „unsere Zuneigung in revolutionärer Bruderschaft“. © Cesar Perez/afp
Maduro
Venezuelas Präsident Nicolás Maduro tat es ihm gleich. „Wir senden unsere Umarmung der Solidarität und der Unterstützung an den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, dem es gelungen ist, einen Versuch des Verrats und des Bürgerkriegs zu bewältigen und seinem Volk den Sieg und den Frieden zu garantieren“, twitterte er damals. © Alexandr Kryazhev/Imago
Putin Goita
Im Juni 2025 verständigten sich Putin und Malis Militärmachthaber Assimi Goïta auf eine bilaterale Kooperation. Russland ist enger Verbündeter von Goïta, der gegen Terrormilizen in Mali auch auf russische Wagner-Söldner setzte. Das Militär hatte sich 2020 und 2021 an die Macht geputscht, die Zusammenarbeit mit Ex-Kolonialmacht Frankreich beendet und sich Moskau zugewandt. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Sassou Nguesso Afewerki
Ende Juli 2023 war Putin gemeinsam mit Denis Sassou Nguesso, dem Präsidenten der Republik Kongo (rechts), und dem eritreischen Präsidenten Isaias Afewerki (links) beim Tag der Marine auf der Newa in St. Petersburg unterwegs. Mit ihrem Besuch beim Russland-Afrika-Gipfel konnten die beiden Staatsmänner die Achse zwischen Russland und ihren Ländern noch einmal stärken. © Alexander Kazakov/Imago
Putin Raúl Castro
Ein besonders inniges Verhältnis pflegt Russland zu Kuba. Für die hoch verschuldete Karibikinsel ist Russland einer der engsten Verbündeten und wichtigsten Geldgeber. Der Kreml bezeichnete den sozialistischen Karibikstaat, der den Ukraine-Krieg nicht verurteilt hat, als „sehr wichtigen Partner“. Im Jahr 2014 war Putin beim vormaligen Präsidenten Raúl Castro zu Gast. © Imago
Putin
Der Kremlchef ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 im Westen weitestgehend isoliert. Umso wichtiger ist ihm der Kontakt zu seinen Verbündeten – den sucht er in vielen Fällen auch per Video. Im Mai 2025 nahm er an einer Sitzung der Kommission für militärisch-technische Zusammenarbeit mit ausländischen Staaten teil.  © Alexander Kazakov/Imago

Allerdings haben sich die Vorzeichen etwas verschoben. „Lange Zeit hat sich die Opposition überhaupt nicht so richtig in die Fidesz-Hochburgen in der Provinz getraut“, sagt Richter. Die liberale Momentum-Partei habe dann eine Strategie gefasst, auf dem Land Präsenz zu zeigen. Momentum hat letztlich auf eine Wahlteilnahme verzichtet, um Oppositionskräfte zu bündeln. Aber Orbáns Herausforderer Magyar sei nun tatsächlich aufs Land gegangen – „konsequent, engmaschig und offenkundig erfolgreich“, wie Richter sagt.

Vor vier Jahren hatte auch ein Sondereffekt die Ungarn-Wahl beeinflusst: Wenige Wochen vor der Wahl hatte Russland seine Vollinvasion in die Ukraine begonnen – für Orbán „wie bestellt“, wie Richter sagt. Damals habe sich der Dauer-Ministerpräsident als „Friedensapostel“ dargestellt. Nun versuche er wieder, diesen Trumpf zu ziehen. Wolodymyr Selenskyj und die Ukraine hat die Regierungswahlkampfmaschinerie als Hauptfeind ausgemacht, Magyar werde als Kriegstreiber stigmatisiert. Die Situation werde „propagandistisch komplett umgedeutet“, so Richter. Ob der faktenfreie Kniff funktionieren werde, lasse sich schwer sagen. Richters Einschätzung: „Orbán scheint zu merken, dass das nicht gelingt. Auch deshalb wird er immer schriller.“

Selbst wenn Orbán die Wahl verliert: „Mammutaufgabe“ in Ungarn – und weitere Sorgen

Eine ganz andere Frage ist, was nach dem Wahltag passieren wird. Kritiker fürchten, Orbán könnte eine Niederlage nicht anerkennen und tricksen. Aber selbst bei einem Machtwechsel könnte Magyar eine „Mammutaufgabe“ ins Haus stehen, wie Richter sagt. „Die klientilistischen Strukturen in der Wirtschaft, in den Medien und in der Justiz sind zum Teil anderthalb Jahrzehnte alt“, betont er. Es werde mehr als eine Legislaturperiode verlangen, „Ungarn wieder zu einem liberalen, demokratischen Land zu machen“. Zumal Orbán über seine Netzwerke einem Nachfolger das Leben schwer machen könne. Wie schwierig eine solche Aufgabe ist, erlebe gerade Donald Tusks Regierung in Polen – dort hatte acht Jahre lang die PiS regiert.

Der Experte warnt zugleich davor, Magyar falsch einzuschätzen. Der Politiker komme ursprünglich aus Orbans engerem Umfeld. Der Bruch sei nicht aus „hehren ideologischen Gründen“ geschehen. Magyar prangere zwar Korruption und Vetternwirtschaft an. Aber: „Er vertritt nicht in allen Kernpunkten der Politik einfach das Gegenteil von Orbán.“ Tisza sei eher eine „Catch-it-all-Bewegung“, die „alle hinter sich versammelt, die Orbán untergehen sehen wollen“. Insofern bleiben Unsicherheiten über den künftigen Kurs.

Mandate laut Umfrage/HochrechnungMandate bislang
Tisza138-1420
Fidesz49-55135
Mi Hazank5-66
Egységben Magyarországért*057

Quelle: Schätzung des Instituts Median auf Basis von fünf Umfragen aus Februar und März mit insgesamt 5.000 Befragten. (*in weiten Teilen zerfallenes Oppositionsbündnis u.a. aus Sozialdemokraten, Sozialisten, Liberalen, Grünen, Rechten)

Die ungarische Sozialdemokratin Klára Dobrev sprach im Interview gar von Magyar als einem „jüngeren Orbán“. Richter hofft, dass die konservative EVP, der Tisza auf Europa-Ebene angehört, die Partei auf einen „demokratischen Mitte-Rechts-Kurs“ einnordet. Allerdings war auch Fidesz dort lange Mitglied. Ein frappierender politischer Effekt der vergangenen Jahre, von Zuspitzung oder auch Restriktionen für die Opposition überdies: Liberale oder sozialdemokratische Parteien werden Ungarns neuem Parlament nicht angehören. Chancen auf den Einzug hat neben Tisza und Fidesz nur die rechtsradikale „Mi Hazank“. Sie könnte theoretisch sogar zum Königsmacher werden.

So oder so: „Die EU sollte natürlich klare Forderungen an einen möglichen Wahlsieger Magyar richten“, mahnt Richter. Er könne sich aber vorstellen, dass die ungarischen Querschüsse nach einem Regierungswechsel seltener werden. Sollte hingegen Orbán seine Macht sichern, werde sich sein Kurs wohl nicht ändern. Möglicherweise werde er versuchen, die wirtschaftliche Lage zu bessern – um „Druck aus dem Kessel zu lassen“. Auch ein Verlust der Zwei-Drittel-Mehrheit wäre aber ein Rückschlag für Orbán, so Richter. „Er müsste verstehen: Auch für ihn wachsen die Bäume nicht in den Himmel.“ Zudem könnte ihm doch noch Ungemach aus Brüssel drohen. (Quellen: Lars-André Richter, Bundeszentrale für politische Bildung, eigene Recherchen)

Rubriklistenbild: © Marton Monus/Attila Kisbenedek/picture alliance/dpa/AFP

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