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NATO-Sondersitzung

Russische Drohnen in Polen abgefangen: Merz spricht von „ernsthafter Gefährdung des Friedens“

In den polnischen Luftraum sind mehrere russische Flugkörper eingedrungen. Polens Militär neutralisiert die Drohnen. Die NATO berät. Der News-Ticker.

Update, 22:03 Uhr: Polens Staatschef Karol Nawrocki hat wegen des Eindringens russischer Drohnen in den polnischen Luftraum mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Dies sei Teil der Konsultationen, die er mit den Verbündeten geführt habe, schrieb Nawrocki auf X. „Die heutigen Gespräche haben die Einigkeit der Bündnispartner bestätigt.“

Update, 21:28 Uhr: Nach dem Eindringen zahlreicher russischer Kampfdrohnen in den polnischen Luftraum sieht Bundeskanzler Merz den Frieden in Europa gefährdet. Er teile die Einschätzung des polnischen Regierungschefs Donald Tusk, „dass dies eine ernsthafte Gefährdung des Friedens in ganz Europa ist“, sagte Merz. Es handele sich um eine „neue Qualität von Angriffen, die wir aus Russland sehen“, und er teile Tusks Einschätzung, dass „die russische Darstellung, dies sei ein Zufall oder ein Versehen gewesen, nicht glaubhaft ist“, betonte Merz. Innerhalb der Nato und der EU müssten nun die Konsequenzen des Vorfalls besprochen werden.

Es sei festzustellen, dass die Nato-Luftabwehr funktioniert habe, „aber selbstverständlich nicht so gut, wie sie hätte funktionieren müssen, um das Eindringen einer solch großen Zahl von Drohnen in den polnischen Luftraum frühzeitig zu verhindern“, sagte Merz. Dies werde Diskussionen innerhalb der Nato auslösen. Deutschland und die Nato blieben entschlossen, „die Verteidigungsbereitschaft und die Verteidigungsfähigkeit des europäischen Teils der Nato signifikant zu erhöhen“.

Russische Drohnen in Polen: Tusk berichtet von Hilfe der europäischen Partnern

Update, 20:23 Uhr: Polen hat nach Angaben von Ministerpräsident Donald Tusk von den europäischen Verbündeten konkrete Hilfsangebote zur Luftverteidigung erhalten. Tusk schrieb auf X, er habe mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem britischen Premier Keir Starmer, Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni sowie Nato-Generalsekretär Mark Rutte gesprochen. Er nannte aber keine Details zu der angebotenen Unterstützung.

Update, 19:33 Uhr: Der scheidende Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, rät zu größtmöglichen Anstrengungen beim weiteren Aufbau der Abwehr von Drohnen. Engpass sei dabei die Beschaffung neuer und auch schon bestellter Waffensysteme, sagte Mais in Berlin. „Eine unserer größten Schwächen momentan ist die nach wie vor nicht materialisierte Befähigung zur Abwehr von Drohnen, zur Abwehr aus dem bodennahen Luftraum“, sagte Mais, der auf eine Frage nach Schlüssen aus den Luftraumverletzungen in Polen reagierte.

Update, 18:15 Uhr: Donald Trump hat Russland die Verletzung von Polens Luftraum vorgeworfen. „Was ist mit Russland, das den polnischen Luftraum mit Drohnen verletzt?“ schrieb der US-Präsident auf Truth Social. Er fügte hinzu: „Los geht‘s!“ Was Trump damit genau meinte, blieb unklar.

Nach Angaben aus dem Weißen Haus wollte Trump wegen des Vorfalls mit dem polnischen Präsidenten Karol Nawrocki telefonieren. „Präsident Trump und das Weiße Haus verfolgen die Berichte aus Polen, und es gibt Pläne, dass Präsident Trump heute mit Präsident Nawrocki sprechen wird“, sagte ein Vertreter des Weißen Hauses der Nachrichtenagentur AFP. Trump hatte Nawrocki vor einer Woche im Weißen Haus empfangen und ihm Unterstützung für die Sicherheit Polens zugesichert. „Wir stehen vollständig zu Polen und werden Polen helfen, sich zu schützen“, sagte Trump. 

Donald Trump hat sich zu den abgefangenen russischen Drohnen in Polen geäußert.

Update, 17:45 Uhr: Polen hofft nach der Verletzung seines Luftraums durch russische Drohnen auf konkrete Unterstützung der Verbündeten. Das sagte Polens Direktor für internationale Sicherheitspolitik, Marcin Kazmierski, bei einem Treffen der E5-Verteidigungsminister in London. Zu der Gruppe gehören neben Deutschland und Großbritannien auch Frankreich, Italien und Polen.

Zur Frage, wie das aussehen könnte, äußerte sich Deutschlands Vertreter bei dem Treffen, Verteidigungsstaatssekretär Jens Plötner, jedoch nur zurückhaltend. Eine Stationierung weiterer Patriot-Luftabwehrsysteme in Polen wollte er nicht in Aussicht stellen. Die Bundeswehr hat bereits zwei der raren Systeme in dem östlichen Nachbarland in Betrieb. Weitere seien an die Ukraine abgegeben worden, sagte Plötner. Angesicht der „mörderischen Luftangriffe des russischen Militärs“ würden sie dort derzeit am meisten gebraucht.

Update, 17:15 Uhr: Friedrich Merz hat das aggressive russische Vorgehen gegen Polen mit scharfen Worten verurteilt. „Russland hat Menschenleben in einem Staat gefährdet, der der Nato und der EU angehört“, kritisierte der Bundeskanzler laut dpa in Berlin. „Die Bundesregierung verurteilt dieses aggressive russische Vorgehen auf das Schärfste“, betonte Merz. 

Der CDU-Chef bezeichnete den Vorfall als Teil einer langen Kette von Provokationen im Ostseeraum. Verteidigungsminister Pistorius (SPD) wies Kurskorrekturfehler zurück – die Drohnen seien gezielt gesteuert worden, um ukrainisches Gebiet zu erreichen.

Drohnen-Abschuss in Polen: Pistorius zieht Vergleich zum Beginn des Ukraine-Kriegs

Update, 15:57 Uhr: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat das Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum als beispiellose Verletzung und gezielte Provokation gegen die gesamte Nato verurteilt. Deutschland unterstütze alle Schritte zur Gewährleistung der Sicherheit Polens und Europas, sagte er nach seinem Bundestags-Auftritt.

Die wiederholten Luftraumverletzungen durch Russland seien „inakzeptabel“ und zielten darauf ab, Unsicherheit zu schüren, so Pistorius. „Aber ich kann Moskau versichern, diese Strategie wird nicht aufgehen“, betonte der Minister und verwies auf die Bedeutung der von Polen initiierten Nato-Konsultationen nach Artikel 4. „Das letzte Mal, dass dieser Prozess ausgelöst worden ist, war kurz nach dem Beginn der Vollinvasion in der Ukraine. Und das macht auch deutlich, dass wir hier nicht über eine Petitesse reden und dass die Nato sich dazu verhalten wird.“

Drohnen abgeschossen: Russland dementiert gezielten Angriff auf Polen

Update, 15:05 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium hat bestritten, gezielt Angriffe auf Polen geplant zu haben. Moskau erklärte, es habe einen erfolgreichen Großangriff mit Drohnen auf militärische Einrichtungen in der Westukraine durchgeführt, wie Reuters berichtet.

Die russische Seite verwies darauf, dass die Drohnen, „die angeblich die Grenze zu Polen überquert haben“, eine maximale Reichweite von nur 700 Kilometern besäßen. Dennoch zeigte sich Russland bereit zu Konsultationen mit dem polnischen Verteidigungsministerium über den Vorfall.

Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland

Menschen in Kiews feiern die Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion
Alles begann mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989. Die Öffnung der Grenzen zunächst in Ungarn leitete das Ende der Sowjetunion ein. Der riesige Vielvölkerstaat zerfiel in seine Einzelteile. Am 25. August 1991 erreichte der Prozess die Ukraine. In Kiew feierten die Menschen das Ergebnis eines Referendums, in dem sich die Bevölkerung mit der klaren Mehrheit von 90 Prozent für die Unabhängigkeit von Moskau ausgesprochen hatte. Im Dezember desselben Jahres erklärte sich die Ukraine zum unabhängigen Staat. Seitdem schwelt der Konflikt mit Russland. © Anatoly Sapronenkov/afp
Budapester Memorandum
Doch Anfang der 1990er Jahre sah es nicht danach aus, als ob sich die neuen Staaten Russland und Ukraine rund 30 Jahre später auf dem Schlachtfeld wiederfinden würden. Ganz im Gegenteil. Im Jahr 1994 unterzeichneten Russland, das Vereinigte Königreich und die USA in Ungarn das „Budapester Memorandum“ – eine Vereinbarung, in der sie den neu gegründeten Staaten Kasachstan, Belarus und der Ukraine Sicherheitsgarantien gaben.  © Aleksander V. Chernykh/Imago
Ukrainedemo, München
Als Gegenleistung traten die drei Staaten dem Atomwaffensperrvertrag bei und beseitigten alle Nuklearwaffen von ihrem Territorium. Es sah danach aus, als ob der Ostblock tatsächlich einen Übergang zu einer friedlichen Koexistenz vieler Staaten schaffen würde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs erinnern auch heute noch viele Menschen an das Budapester Memorandum von 1994. Ein Beispiel: Die Demonstration im Februar 2025 in München.  © Imago
Orangene Revolution in der Ukraine
Bereits 2004 wurde deutlich, dass der Wandel nicht ohne Konflikte vonstattengehen würde. In der Ukraine lösten Vorwürfe des Wahlbetrugs gegen den Russland-treuen Präsidenten Wiktor Janukowytsch Proteste  © Mladen Antonov/afp
Ukraine proteste
Die Menschen der Ukraine erreichten vorübergehend ihr Ziel. Der Wahlsieg Janukowytschs wurde von einem Gericht für ungültig erklärt, bei der Wiederholung der Stichwahl setzte sich Wiktor Juschtschenko durch und wurde neuer Präsident der Ukraine. Die Revolution blieb friedlich und die Abspaltung von Russland schien endgültig gelungen. © Joe Klamar/AFP
Wiktor Juschtschenko ,Präsident der Ukraine
Als der Moskau kritisch gegenüberstehende Wiktor Juschtschenko im Januar 2005 Präsident der Ukraine wurde, hatte er bereits einen Giftanschlag mit einer Dioxinvariante überlebt, die nur in wenigen Ländern produziert wird – darunter Russland. Juschtschenko überlebte dank einer Behandlung in einem Wiener Krankenhaus.  © Mladen Antonov/afp
Tymoschenko Putin
In den folgenden Jahren nach der Amtsübernahme hatte Juschtschenko vor allem mit Konflikten innerhalb des politischen Bündnisses zu kämpfen, das zuvor die demokratische Wahl in dem Land erzwungen hatte. Seine Partei „Unsere Ukraine“ zerstritt sich mit dem von Julija Tymoschenko geführten Parteienblock. Als Ministerpräsidentin der Ukraine hatte sie auch viel mit Wladimir Putin zu tun, so auch im April 2009 in Moskau. © Imago
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowitsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance.
Das Bündnis zerbrach und Wiktor Janukowytsch nutzte bei der Präsidentschaftswahl 2010 seine Chance. Er gewann die Wahl mit knappem Vorsprung vor Julija Tymoschenko. Amtsinhaber Wiktor Juschtschenko erhielt gerade mal fünf Prozent der abgegebenen Stimmen.  © Yaroslav Debely/afp
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014
Präsident Wiktor Janukowytsch wollte die Ukraine wieder näher an Russland führen – auch aufgrund des wirtschaftlichen Drucks, den Russlands Präsident Wladimir Putin auf das Nachbarland ausüben ließ. Um die Ukraine wieder in den Einflussbereich Moskaus zu führen, setzte Janukowytsch im November 2013 das ein Jahr zuvor verhandelte Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union aus.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Maidan-Proteste Ukraine
Es folgten monatelange Massenproteste in vielen Teilen des Landes, deren Zentrum der Maidan-Platz in Kiew war. Organisiert wurden die Proteste von einem breiten Oppositionsbündnis, an dem neben Julija Tymoschenko auch die Partei des ehemaligen Boxweltmeisters und späteren Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, beteiligt waren. © Sandro Maddalena/AFP
Proteste auf dem Maidan-Platz in Kiew, der Hauptstadt der Ukraine
Die Forderung der Menschen war eindeutig: Rücktritt der Regierung Janukowiysch und vorgezogene Neuwahlen um das Präsidentenamt. „Heute ist die ganze Ukraine gegen die Regierung aufgestanden, und wir werden bis zum Ende stehen“, so Vitali Klitschko damals. Die Protestbewegung errichtete mitten auf dem Maidan-Platz in Kiew ihr Lager. Janukowytsch schickte die Polizei, unterstützt von der gefürchteten Berkut-Spezialeinheit. Es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über mehrere Monate andauerten. © Sergey Dolzhenko/dpa
Der Platz Euromaidan in Kiew, Hauptstadt der Ukraine, ist nach den Protesten verwüstet.
Die monatelangen Straßenkämpfe rund um den Maidan-Platz in Kiew forderten mehr als 100 Todesopfer. Etwa 300 weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Berichte über den Einsatz von Scharfschützen machten die Runde, die sowohl auf die Protestierenden als auch auf die Polizei gefeuert haben sollen. Wer sie schickte, ist bis heute nicht geklärt. Petro Poroschenko, Präsident der Ukraine von 2014 bis 2019, vertrat die These, Russland habe die Scharfschützen entsendet, um die Lage im Nachbarland weiter zu destabilisieren. Spricht man heute in der Ukraine über die Opfer des Maidan-Protests, nennt man sie ehrfürchtig „die Himmlischen Hundert“. © Sergey Dolzhenko/dpa
Demonstranten posieren in der Villa von Viktor Janukowitsch, ehemaliger Präsident der Ukraine
Nach rund drei Monaten erbittert geführter Kämpfe gelang dem Widerstand das kaum für möglich Gehaltene: Die Amtsenthebung Wiktor Janukowytschs. Der verhasste Präsident hatte zu diesem Zeitpunkt die UKraine bereits verlassen und war nach Russland geflohen. Die Menschen nutzten die Gelegenheit, um in der prunkvollen Residenz des Präsidenten für Erinnerungsfotos zu posieren. Am 26. Februar 2014 einigte sich der „Maidan-Rat“ auf eigene Kandidaten für ein Regierungskabinett. Präsidentschaftswahlen wurden für den 25. Mai anberaumt. Die Ukraine habe es geschafft, eine Diktatur zu stürzen, beschrieb zu diesem Zeitpunkt aus der Haft entlassene Julija Tymoschenko die historischen Ereignisse.  © Sergey Dolzhenko/dpa
Ein Mann stellt sich in Sewastopol, eine Stadt im Süden der Krim-Halbinsel, den Truppen Russlands entgegen.
Doch der mutmaßliche Frieden hielt nicht lange. Vor allem im Osten der Ukraine blieb der Jubel über die Absetzung Janukowytschs aus. Gouverneure und Regionalabgeordnete im Donbass stellten die Autorität des Nationalparlaments in Kiew infrage. Wladimir Putin nannte den Umsturz „gut vorbereitet aus dem Ausland“. Am 1. März schickte Russlands Präsident dann seine Truppen in den Nachbarstaat. Wie Putin behauptete, um die russischstämmige Bevölkerung wie die auf der Krim stationierten eigenen Truppen zu schützen. In Sewastopol, ganz im Süden der Halbinsel gelegen, stellte sich ein unbewaffneter Mann den russischen Truppen entgegen. Aufhalten konnte er sie nicht. © Viktor Drachev/afp
Bürgerkrieg in Donezk, eine Stadt im Donbas, dem Osten der Ukraine
Am 18. März 2014 annektierte Russland die Halbinsel Krim. Kurz darauf brach im Donbass der Bürgerkrieg aus. Mit Russland verbündete und von Moskau ausgerüstete Separatisten kämpften gegen die Armee und Nationalgarde Kiews. Schauplatz der Schlachten waren vor allem die Großstädte im Osten der Ukraine wie Donezk (im Bild), Mariupol und Luhansk. © Chernyshev Aleksey/apf
Prorussische Separatisten kämpfen im Donbas gegen Einheiten der Ukraine
Der Bürgerkrieg erfasste nach und nach immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine. Keine der Parteien konnte einen nachhaltigen Sieg erringen. Prorussische Separatisten errichteten Schützengräben, zum Beispiel nahe der Stadt Slawjansk. Bis November 2015 fielen den Kämpfen laut Zahlen der Vereinten Nationen 9100 Menschen zum Opfer, mehr als 20.000 wurden verletzt. Von 2016 an kamen internationalen Schätzungen zufolge jährlich bis zu 600 weitere Todesopfer dazu. © Michael Bunel/Imago
Trümmer von Flug 17 Malaysian Airlines nach dem Abschuss nahe Donezk im Osten der Ukraine
Aufmerksam auf den Bürgerkrieg im Osten der Ukraine wurde die internationale Staatengemeinschaft vor allem am 17. Juli 2014, als ein ziviles Passagierflugzeug über einem Dorf nahe Donezk abstürzte. Alle 298 Insassen kamen ums Leben. Die Maschine der Fluggesellschaft Malaysian Airlines war von einer Boden-Luft-Rakete getroffen worden. Abgefeuert hatte die Rakete laut internationalen Untersuchungen die 53. Flugabwehrbrigade der Russischen Föderation. In den Tagen zuvor waren bereits zwei Flugzeuge der ukrainischen Luftwaffe in der Region abgeschossen worden. © ITAR-TASS/Imago
Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident Francois Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk
Die Ukraine wollte den Osten des eigenen Landes ebenso wenig aufgeben wie Russland seine Ansprüche darauf. Im September 2014 kamen deshalb auf internationalen Druck Russlands Präsident Putin (l.), Frankreichs Präsident François Hollande, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Petro Poroschenko in Minsk zusammen. In der belarussischen Hauptstadt unterzeichneten sie das „Minsker Abkommen“, das einen sofortigen Waffenstillstand und eine schrittweise Demilitarisierung des Donbass vorsah. Die OSZE sollte die Umsetzung überwachen, zudem sollten humanitäre Korridore errichtet werden. Der Waffenstillstand hielt jedoch nicht lange und schon im Januar 2015 wurden aus zahlreichen Gebieten wieder Kämpfe gemeldet. © Mykola Lazarenko/afp
Wolodymyr Selenskyj feiert seinen Sieg bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019
Während die Ukraine im Osten zu zerfallen drohte, ereignete sich in Kiew ein historischer Machtwechsel. Wolodymyr Selenskyj gewann 2019 die Präsidentschaftswahl und löste Petro Poroschenko an der Spitze des Staates ab.  © Genya Savilov/afp
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj hatte sich bis dahin als Schauspieler und Komiker einen Namen gemacht. In der Comedy-Serie „Diener des Volkes“ spielte Selenskyj von 2015 bis 2017 bereits einen Lehrer, der zunächst Youtube-Star und schließlich Präsident der Ukraine wird. Zwei Jahre später wurde die Geschichte real. Selenskyj wurde am 20. Mai 2019 ins Amt eingeführt. Kurz darauf löste der bis dato parteilose Präsident das Parlament auf und kündigte Neuwahlen an. Seine neu gegründete Partei, die er nach seiner Fernsehserie benannte, erzielte die absolute Mehrheit.  © Sergii Kharchenko/Imago
Russische Separatisten in der Ost-Ukraine
Selenskyj wollte nach seinem Wahlsieg die zahlreichen innenpolitischen Probleme der Ukraine angehen: vor allem die Bekämpfung der Korruption und die Entmachtung der Oligarchen. Doch den neuen, russland-kritischen Präsidenten der Ukraine holten die außenpolitischen Konflikte mit dem Nachbarn ein. © Alexander Ryumin/Imago
Ukraine Militär
Im Herbst 2021 begann Russland, seine Truppen in den von Separatisten kontrollierte Regionen in der Ost-Ukraine zu verstärken. Auch an der Grenze im Norden zog Putin immer mehr Militär zusammen. Selenskyj warnte im November 2021 vor einem Staatsstreich, den Moskau in der Ukraine plane. Auch die Nato schätzte die Lage an der Grenze als höchst kritisch ein. In der Ukraine wurden die Militärübungen forciert. © Sergei Supinsky/AFP
Putin
Noch drei Tage bis zum Krieg: Am 21. Februar 2022 unterzeichnet der russische Präsident Wladimir Putin verschiedene Dekrete zur Anerkennung der Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk. © Alexey Nikolsky/AFP
Explosion in Kiew nach Beginn des Ukraine-Kriegs mit Russland
Am 24. Februar 2022 wurde der Ukraine-Konflikt endgültig zum Krieg. Russische Truppen überfielen das Land entlang der gesamten Grenze. Putins Plan sah eine kurze „militärische Spezialoperation“, wie die Invasion in Russland genannt wurde, vor. Die ukrainischen Streitkräfte sollten mit einem Blitzkrieg in die Knie gezwungen werden. Moskau konzentrierte die Attacken auf Kiew. Innerhalb weniger Tage sollte die Hauptstadt eingenommen und die Regierung Selenskyjs gestürzt werden. Doch der Plan scheiterte und nach Wochen intensiver Kämpfe und hoher Verluste in den eigenen Reihen musste sich die russische Armee aus dem Norden des Landes zurückziehen. Putin konzentrierte die eigene Streitmacht nun auf den Osten der Ukraine. © Ukrainian President‘s Office/Imago
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, bei einer Fernsehansprache aus Kiew
Seit Februar 2022 tobt nun der Ukraine-Krieg. Gesicht des Widerstands gegen Russland wurde Präsident Wolodymyr Selenskyj, der sich zu Beginn des Konflikts weigerte, das Angebot der USA anzunehmen und das Land zu verlassen. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, sagte Selenskyj. Die sollte er bekommen. Zahlreiche westliche Staaten lieferten Ausrüstung, Waffen und Kriegsgerät in die Ukraine. Hunderttausende Soldaten aus beiden Ländern sollen bereits gefallen sein, ebenso mehr als 10.000 Zivilpersonen. Ein Ende des Kriegs ist nach wie vor nicht in Sicht. © Ukraine Presidency/afp

Polen schießt erstmals russische Drohnen ab – Wadephul warnt vor gefährlicher Eskalation

Update, 14:39 Uhr: Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat das Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum als gefährliche Eskalation scharf kritisiert. „Russland hat damit leichtfertig eine gefährliche Eskalation in Kauf genommen“, sagte der CDU-Politiker. Bei einem Treffen mit seinem niederländischen Amtskollegen David van Weel in Berlin betonte er, dass die NATO-Partner zusammenstehen und sowohl polnische als auch niederländische Kampfjets für Sicherheit gesorgt hätten.

Moskau sei nicht bereit, über Frieden zu verhandeln, sondern wolle die Ukraine unterwerfen, führt der Minister weiter aus. Man wolle den Sanktionsdruck auf Moskau signifikant erhöhen. Dies sei Ziel des geplanten 19. Sanktionspakets der EU. Wadephul kündigte an, dass Deutschland bei ähnlichen Vorfällen rechtliche Möglichkeiten zur Luftraumverteidigung nutzen werde. Die Bundesregierung bereite gesetzliche Klarstellungen vor, um Drohnen elektronisch oder kinetisch bekämpfen zu können, sagte der Minister.

Update, 14:07 Uhr: Belarus hat nach eigenen Angaben Polen und Litauen in der Nacht über die Drohnen informiert, die auf deren Hoheitsgebiete zufliegen. Grund hierfür seien elektronische Störungen gewesen. Während des nächtlichen „Austauschs von Drohnenschlägen zwischen Russland und der Ukraine“ habe Belarus Flugapparate, die vom Kurs abgekommen seien, verfolgt und teilweise zerstört, sagte der belarussische Generalstabschef Pawel Murawejko in einer bei Telegram verbreiteten Erklärung. Das habe Polen bei der Abwehr geholfen. Die Rede ist dabei von „verirrten Drohnen“, ohne ihre Herkunft zu nennen.

NATO-Generalsekretär Rutte mit Statement zu Vorfall in Polen

Update, 13:47 Uhr: Die Nato hat sich noch nicht endgültig zu dem Vorfall geäußert, bei dem russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen sind. Generalsekretär Mark Rutte erklärte bei einem kurzfristig einberufenen Pressetermin in Brüssel, dass die Untersuchung des Vorfalls noch andauere. Das Verhalten Russlands sei jedoch völlig unverantwortlich, unabhängig davon, ob die Verletzung des Luftraums absichtlich geschehen sei oder nicht. Rutte richtete eine klare Botschaft an Kremlchef Wladimir Putin: Die Verletzungen des Luftraums müssten aufhören. Er betonte, dass die Vorfälle der letzten Nacht kein isoliertes Ereignis gewesen seien.

Am Einsatz zur Abwehr der Luftraumverletzung waren nach Angaben von Rutte polnische F-16-Kampfjets, niederländische F-35, italienische Flugzeuge sowie deutsche Patriot-Flugabwehrsysteme beteiligt. Er erwähnte auch ein Awacs-Spezialflugzeug der Nato zur Überwachung des Luftraums sowie militärische Tank- und Transportflugzeuge. „Ich spreche den Piloten und allen, die zu dieser schnellen und professionellen Reaktion beigetragen haben, meine Anerkennung aus“, äußerte Rutte. Die Geschehnisse der Nacht hätten gezeigt, dass die Nato und ihre Verbündeten erfolgreich reagiert hätten.

Pistorius bei Regierungsbefragung über die Verletzung des polnischen Luftraumes durch Russland

Update, 13:22 Uhr: Bei einer Regierungsbefragung im Bundestag sagte Boris Pistorius über die Verletzung des polnischen Luftraums durch Russland: „Es gibt definitiv keine Anlässe zu vermuten, dass es sich hier um Kurskorrekturfehler oder dergleichen handelt.“ Die Drohnen seien gezielt nach Polen, „offensichtlich von belarussischem Gebiet aus auf ihren Weg geschickt“ worden. Darüber hinaus seien die Drohnen auch entsprechend munitioniert gewesen.

Update, 13:04 Uhr: Russlands oberster Diplomat in Warschau, Andrej Ordasch, erklärte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, dass die Drohnen aus Richtung der Ukraine gekommen seien. „Wir wissen eines: Diese Drohnen flogen aus Richtung Ukraine.“ Bisher laufen noch die polnischen Untersuchungen der Drohnen. Polen, die Ukraine und die NATO hatten jedoch bestätigt, dass es sich um russische Drohnen gehandelt hatte, die für die Verletzung des polnischen Luftraumes verantwortlich waren.

Update, 12:49 Uhr: Der britische Premierminister Keir Starmer hat das Eindringen russischer Drohnen in den polnischen Luftraum als „ungeheuerlich und beispiellos“ kritisiert. „Das war ein extrem rücksichtsloser Schritt von Russland und ist eine Erinnerung daran, wie offenkundig Präsident Putin den Frieden missachtet (…)“, sagte der Labour-Politiker einer Mitteilung zufolge. 

Er habe Polens Ministerpräsident Donald Tusk die Unterstützung Großbritanniens zugesichert, so Starmer weiter. Man werde gemeinsam mit den Verbündeten den Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin erhöhen. Der britische Verteidigungsminister John Healey sprach von einem „neuen Level der Feindseligkeit“ aus Moskau. Die Verteidigungsminister der E5-Gruppe (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen) treffen sich heute in London zu Gesprächen. Dabei solle es auch um Unterstützung für Warschau gehen, so Healey laut einer Mitteilung. 

19 Drohnen dringen in Polens Luftraum ein – NATO sieht vorsätzliche Aktion

Update, 12:31 Uhr: Insgesamt sollen 19 Drohnen in den Luftraum Polens eingedrungen sein, wie das polnische Medium Onet berichtet. Das Portal stützt sich auf Quellen innerhalb der polnischen Regierung. Weiter heißt es: „Einige waren unbewaffnet. Wir haben aber noch keine vollständigen Daten.“ Donald Tusk bestätigte die Anzahl der Drohnen ebenfalls. Man sei sich jedoch sicher, dass es sich um keinen „Unfall“ Russlands gehandelt habe. Dafür sei das Ausmaß zu groß gewesen. Eine von Reuters zitierte NATO-Quelle erklärte ebenfalls, dass vorläufige Daten darauf hindeuten würden, dass das Eindringen der russischen Drohnen vorsätzlich erfolgte.

Update, 12:08 Uhr: Russland dementiert unterdessen die polnischen Vorwürfe, russische Drohnen seien in den polnischen Luftraum eingedrungen. Russlands ständiger Geschäftsträger in Polen, Andrej Ordasch, sagte der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti: „Wir betrachten die Anschuldigungen als haltlos.“ Es seien bisher keine Beweise vorgelegt worden, dass die Drohnen russischer Herkunft sind, so Ordasch.

Bisher wurden insgesamt sieben Drohnen und weitere Trümmer geborgen, wie eine Sprecherin des polnischen Innenministeriums mitteilte. In der Stadt Wyhalew sollen die Überreste eines Geschosses gefunden worden sein, wie das polnische Portal Onet berichtet.

Selenskyj äußert sich zu Russlands Verletzung des polnischen Luftraums

Update, 11:45 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte auf Russlands Verletzung des polnischen Luftraums und erklärte auf X: „Die Ukraine ist bereit, Polen alle verfügbaren Daten zu diesem russischen Angriff zur Verfügung zu stellen. Die Ukraine ist auch bereit, Polen beim Aufbau eines wirksamen Warn- und Schutzsystems gegen solche russischen Bedrohungen zu unterstützen.“ Es sei klar, dass die russische Aggression eine Gefahr für jede unabhängige Nation in der Region darstelle.

Unterdessen dankte Ministerpräsident Donald Tusk dem polnischen Einsatzkommando und den verbündeten NATO-Piloten. „Taten sagen mehr als Worte“, schrieb Tusk auf X.

Update, 11:11 Uhr: Ulrich Kühn, Nato-Experte vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, interpretiert die Verletzung des polnischen Luftraums durch Russland als „volle Absicht“. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagt er: „Wenn es stimmt, dass bis zu 20 russische Drohnen teilweise bis nach Zentralpolen geflogen sind, dann handelt es sich nicht mehr um irgendein lapidares Versehen“. Den vollständigen Artikel können Sie hier nachlesen.

Polen beantragt Nato-Artikel-4: Tusk mit Statement in Warschau

Update, 10:47 Uhr: Nach dem Abschuss von mehreren Drohnen hat Polen Konsultationen nach Artikel 4 des Nato-Vertrags beantragt. Das sagte Regierungschef Donald Tusk in Warschau. Der Artikel sieht Beratungen mit den Verbündeten vor, wenn sich ein Nato-Staat von außen gefährdet sieht.

Update, 10:37 Uhr: Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter hat nach den Verletzungen des Luftraums über Polen „Konsequenz und Härte“ gefordert. „Russische Drohnen fliegen nach Polen und Moldau. Solidaritätsbekundungen sind fehlplatziert“, schrieb Kiesewetter auf dem Kurznachrichtendienst X.

Er forderte, die Ukraine nun militärisch massiv zu unterstützen und den deutschen Marschflugkörper Taurus an das von Russland angegriffene Land zu liefern, damit die Ukraine militärisch relevante Ziele in Russland angreifen kann. „Gesülze von Friedensverhandlungen muss aufhören“, schrieb Kiesewetter. Frieden und Freiheit in Selbstbestimmung würden „von Russland ausgetestet und sind massiv in Gefahr“.

Unterstützung für Polen nach Luftraumverletzung durch Russland von Tschechien

Update, 10:12 Uhr: Nach dem Vorfall mit mehreren Drohnen im polnischen Luftraum hat der tschechische Premierminister Petr Fiala seine Unterstützung für das benachbarte Polen und den NATO-Partner zum Ausdruck gebracht. Der liberalkonservative Politiker kritisierte auf X, dass der russische Präsident Wladimir Putin ganz Europa bedrohe und systematisch auslote, wie weit er gehen könne. Fiala unterstrich: „Wir stehen hinter Polen, denn die Polen sind unsere Verbündeten an der Frontlinie.“

Der nächtliche Drohnenangriff sei ein Test für die Verteidigungsbereitschaft der Nato gewesen. „Es ist schwer zu glauben, dass dies nur ein reiner Zufall war“, warnte Fiala. Der tschechische Außenminister Jan Lipavsky forderte konkrete Maßnahmen. Die Nato müsse umgehend ihre Luftverteidigungskapazitäten an der Ostflanke stärken. „Putin wird nicht aufhören, solange wir ihn nicht Hand in Hand stoppen – mit den härtesten Sanktionen“, erklärte der Chefdiplomat.

Polens Verteidigungsminister über die Luftraumverletzung durch Russland

Update, 9:57 Uhr: Der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz bezeichnete das Eindringen von über einem Dutzend russischer Drohnen in den polnischen Luftraum als äußerst provokant. Am Morgen erklärte er vor Journalisten, dass er kontinuierlich mit seinen Kollegen in den Bündnisstaaten in Kontakt stehe. „Wir haben die Situation unter Kontrolle“, versicherte er.

Innenminister Tomasz Siemoniak forderte die Bürger auf, Ruhe zu bewahren und die Informationen der Behörden genau zu beachten. Er warnte zudem davor, sich von Emotionen, Manipulationen und Falschinformationen beeinflussen zu lassen. Auch Regierungschef Donald Tusk hatte nach einer Krisensitzung in seiner Erklärung vor russischer Desinformation in sozialen Netzwerken gewarnt.

Kallas mit schweren Vorwürfen gegen Russland: „absichtliche“ Verletzung von Polens Luftraum

Update, 9:45 Uhr: Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Polen hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Möglichkeit einer absichtlichen Verletzung des polnischen Luftraums in Betracht gezogen. Kallas schrieb am Mittwoch im Onlinedienst Bluesky, es gebe „Anzeichen, dass es absichtlich war, nicht aus Versehen“. Zudem betonte sie, dass es sich um die „schwerwiegendste Verletzung des europäischen Luftraums durch Russland“ seit Beginn des Ukraine-Krieg handele.

Update, 09:25 Uhr: Nach dem Eindringen von über einem Dutzend Drohnen in den polnischen Luftraum finden zwischen Polen und der NATO Gespräche über das weitere Vorgehen statt. NATO-Sprecherin Allison Hart erklärte, dass NATO-Generalsekretär Mark Rutte in engem Austausch mit der polnischen Führung stehe. Sie bestätigte zudem, dass sowohl polnische als auch NATO-Luftverteidigungskräfte bei der Abwehr der Drohnen beteiligt waren.

Polen könnte theoretisch ein Verfahren nach Artikel 4 des NATO-Vertrags einleiten, da dieser Konsultationen vorsieht, wenn ein Mitgliedsstaat sich von außen bedroht fühlt. In diesem Zusammenhang heißt es konkret: „Die Parteien werden einander konsultieren, wenn nach Auffassung einer von ihnen die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit einer der Parteien bedroht ist.“ Seit der Gründung des Bündnisses im Jahr 1949 wurde dieser Artikel siebenmal aktiviert. Zuletzt geschah dies am 24. Februar, dem Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine, auf Antrag von Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Tschechien und der Slowakei.

Update, 8:59 Uhr: Die im Luftraum über Polen abgeschossenen Drohnen stammen nach Angaben der polnischen Regierung aus Russland. Es sei das erste Mal, dass russische Drohnen über dem Territorium der Nato abgeschossen worden seien, sagte Regierungschef Donald Tusk. Alle Bündnispartner nähmen den Vorfall sehr ernst.

Update, 8:31 Uhr: Am Warschauer Chopin-Flughafen, dem größten Flughafen Polens, können Flugzeuge wieder starten und landen. Nach dem Eindringen von mehr als einem Dutzend Drohnen in den Luftraum des Landes war der Flugbetrieb an vier Flughäfen eingestellt worden. Mehrere Flüge wurden an andere Flughäfen des Landes umgeleitet. Am Morgen gab die Führung der Streitkräfte das Ende der Maßnahme bekannt. Reisende müssten sich allerdings auf Verzögerungen einstellen, bis sich die Abläufe wieder normalisiert hätten. Auch an den anderen drei Flughäfen konnte der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden.

Update, 8:08 Uhr: Kiew hat das Vorgehen Moskaus scharf kritisiert. Kreml-Chef Wladimir Putin werde nicht aufhören, „den Westen zu testen“, solange er „keine entschiedene Antwort“ auf die Aggressionen Russlands erhalte, erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am Mittwoch im Onlinedienst X. Der russische Präsident „weitet seinen Krieg weiter aus“, fügte er hinzu.

Nach Ansicht Sybihas wird eine „schwache Reaktion jetzt Russland noch mehr provozieren und dann werden russische Raketen und Drohnen noch weiter nach Europa hineinfliegen“.

Russische Drohnen in Polen abgeschossen: Sondersitzung einberufen

Update, 7:45 Uhr: Nachdem mehrere mutmaßlich russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen sind, hat Polens Ministerpräsident Donald Tusk eine Sondersitzung der Regierung einberufen. Tusks Regierungssprecher erklärte, dass die Minister um 8.00 Uhr zusammen kommen sollen.

Erstmeldung: Warschau – Polen hat zum ersten Mal seit Beginn des Ukraine-Kriegs mutmaßlich russische Drohnen über seinem eigenen Staatsgebiet abgeschossen. Das polnische Militär hat Waffen eingesetzt, um mehrere unbemannte Flugobjekte zu neutralisieren, die aus der benachbarten Ukraine in den polnischen Luftraum eingedrungen waren.

„Bei dem heutigen Angriff der Russischen Föderation auf Ziele in der Ukraine wurde unser Luftraum wiederholt von Drohnen verletzt“, teilte das polnische Militärkommando in einer Erklärung mit. Die polnischen Streitkräfte reagierten umgehend auf die Bedrohung. Der polnische Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz bestätigte den Einsatz von Waffen: „Die Flugzeuge haben ihre Waffen gegen feindliche Objekte eingesetzt“. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Bewohner in den Woiwodschaften Podlachien, Masowien und Lublin aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben.

Die Situation hatte erhebliche Auswirkungen auf den zivilen Luftverkehr in Polen. Laut Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA wurden vier Flughäfen vorübergehend geschlossen. Zu den betroffenen Flughäfen gehörten der Chopin-Flughafen in Warschau und der Flughafen Rzeszow-Jasionka. Letzterer ist besonders wichtig, da er als zentrales Drehkreuz für Waffenlieferungen an die Ukraine dient.

Die Schließung des Warschauer Flughafens Chopin wurde mit „ungeplanten militärischen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Gewährleistung der Staatssicherheit“ begründet. Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz erklärte: „Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Nato-Kommando“. Diese Kommunikation unterstreicht die potenzielle Tragweite des Vorfalls für die gesamte Allianz.

Russland verletzt polnischen Luftraum regelmäßig, doch neue Eskalationsstufe

Es ist nicht das erste Mal, dass Polen mit Sicherheitsbedrohungen aus der Luft konfrontiert wird. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 haben Polen und die baltischen Staaten immer wieder Verletzungen ihres Luftraums durch russische Drohnen gemeldet. Der aktuelle Vorfall stellt jedoch eine neue Eskalationsstufe dar, da es das erste Mal ist, dass Polen aktiv gegen russische Flugkörper in seinem Luftraum vorgegangen ist.

Die erhöhte Alarmbereitschaft in Polen, die seit dem tragischen Vorfall im Jahr 2022, bei dem eine verirrte ukrainische Rakete in einem polnischen Dorf einschlug und zwei Menschen tötete, besteht, wird wahrscheinlich weiter verstärkt werden. (red mit Agenturen)

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