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NATO berät sich
Russland-Drohnen in Polen: Deutscher Heereschef warnt vor „einer unserer größten Schwächen“
Russische Drohnen über Polen sorgen für Spannungen. Die Nato reagiert, doch Deutschland warnt vor Lücken in der eigenen Verteidigung.
Berlin/Warschau – Der massive Einsatz russischer Drohnen im polnischen Luftraum hat nicht nur in Polen, sondern auch in Deutschland und der NATO für Alarmstimmung gesorgt. Polens Regierungschef Donald Tusk sprach von einer „Provokation großen Ausmaßes“, während der scheidende Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, in Berlin eindringlich vor Defiziten in der Drohnenabwehr warnte. „Eine unserer größten Schwächen momentan ist die nach wie vor nicht materialisierte Befähigung zur Abwehr von Drohnen“, sagte Mais.
Die Nato wächst und kämpft: Alle Mitgliedstaaten und Einsätze des Bündnisses
Gezielte Provokation gegen die NATO: Polen „näher denn ja an offenem Konflikt“
In der Nacht zum Mittwoch drangen fast 20 russische Drohnen in den polnischen Luftraum ein. Die polnische Armee schoss mit Unterstützung von NATO-Verbündeten mindestens drei Drohnen ab, während Trümmer von weiteren sieben Drohnen im Osten Polens gefunden wurden. Nach Angaben des polnischen Innenministeriums wurde dabei auch ein Wohnhaus zerstört. Verletzte oder Todesopfer gab es laut Regierungschef Tusk nicht. Dennoch warnte er, Polen sei „näher denn je an einem offenen Konflikt“.
Die NATO verurteilte das Vorgehen Russlands scharf. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach von einem „absolut gefährlichen“ Verhalten und betonte, die Allianz sei bereit, „jeden Zentimeter“ ihres Territoriums zu verteidigen. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisierte das „rücksichtslose Vorgehen“ Russlands und bezeichnete die Drohnenangriffe als „gezielte Provokation gegen die NATO und die EU“. Polens Außenminister Radoslaw Sikorski sprach von einem „beispiellosen Angriff“, der nicht unbeabsichtigt geschehen könne.
Heereschef fordert schnelle Maßnahmen nach Polen-Vorfall: „Eher schlechter ausgeprägt“
Die Vorfälle in Polen werfen ein Schlaglicht auf die Schwächen der europäischen Luftverteidigung. Generalleutnant Mais, der Anfang Oktober in den Ruhestand geht, betonte, dass die Fähigkeit zur Drohnenabwehr in Deutschland noch nicht ausreichend entwickelt sei. „Vor allen Dingen ganz unten ist sie eher schlechter ausgeprägt noch als ganz oben“, erklärte Mais. Er hatte vor zwei Jahren entschieden, die aufgelöste Heeresflugabwehrtruppe wiederaufzustellen, doch die Beschaffung neuer Waffensysteme sei ein Engpass. Als Beispiel nannte er den Einsatz der 30-Millimeter-Kanone des Schützenpanzers Puma zur Drohnenabwehr.
Die Luftraumverletzungen mit russischen Drohnen in Polen machen auch deutlich, wie schwer die unbemannten Systeme zu bekämpfen sind. Auch Deutschland ist schwach aufgestellt, meint Heereschef Alfons Mais.
NATO reagiert mit verstärkter Präsenz auf Drohnen-Vorfall – Polen aktiviert Artikel 4 des Bündnisses
Die NATO beriet am Mittwoch auf Antrag Polens unter Artikel 4 des Bündnisses über die Bedrohung eines Mitgliedsstaates. Neben den Abschüssen durch polnische und niederländische F-35-Kampfjets wurden auch deutsche Patriot-Luftabwehrsysteme in Alarmbereitschaft versetzt. Ein italienisches Frühwarnflugzeug unterstützte die Operation. NATO-Vertreter deuteten an, dass zusätzliche Truppen und Systeme in den Osten Europas verlegt werden könnten, um die Verteidigungsfähigkeit zu stärken.
Russland und Belarus provozieren weiter
Russland selbst bestritt, dass die Drohnen gezielt auf polnisches Staatsgebiet gelenkt wurden. Das Verteidigungsministerium erklärte, es habe „nicht die Absicht bestanden, Ziele auf polnischem Staatsgebiet anzugreifen“. Gleichzeitig warf Moskau Polen vor, durch „Mythen“ die Ukraine-Krise zu verschärfen. Die Drohnen sollen laut polnischen Angaben jedoch von Belarus aus gesteuert worden sein, wo Russland und Belarus ab Freitag ihr gemeinsames Manöver „Sapad 2025“ abhalten.
Ein Weckruf für Europa und die Nato: Es ist schnelles Handeln angesagt
Die Angriffe unterstreichen die Dringlichkeit einer besseren Luftverteidigung in Europa. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte erneut eine gemeinsame Luftabwehr der Ukraine und ihrer europäischen Verbündeten. Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bezeichnete die Vorfälle als „Prüfung“ für die Solidarität und Geschlossenheit Europas.
Während die NATO sich als handlungsfähig präsentierte, bleibt die Frage, wie schnell Länder wie Deutschland ihre Schwächen in der Drohnenabwehr beheben können. Generalleutnant Mais machte unmissverständlich klar: „Diese Notwendigkeit der Wiederherstellung einer durchgehenden Befähigung zur Abwehr von Bedrohungen aus dem Luftraum, die haben wir noch nicht.“ (nak/AFP/dpa)