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50.000 Geräte im Einsatz
Musk gegen Mullah-Regime: Starlink-Internet wird während der Proteste im Iran zum Hoffnungsträger
Das Satelliten-Internet Starlink ist zum wichtigsten Instrument inmitten der Iran-Proteste geworden. Das Mullah-Regime geht mit Härte gegen Nutzer vor.
Teheran – Seit drei Wochen leben Millionen von Iranern im Ausland in quälender Ungewissheit über das Schicksal ihrer Familien in der Heimat. Die beispiellose Internetblockade, die das Mullah-Regime am 8. Januar als Reaktion auf die eskalierenden Massenproteste verhängte, hat 99 Prozent des Datenverkehrs im Land gekappt und 90 Millionen Menschen von der Außenwelt abgeschnitten.
Was als Proteste im Iran gegen die schwere Wirtschaftskrise begann, hat sich zu einem fundamentalen Aufstand gegen das autoritäre Herrschaftssystem entwickelt – und zu einem technologischen Katz-und-Maus-Spiel. Bei dem Elon Musks Satelliten-Internet Starlink inmitten der Iran-Proteste zum Symbol des digitalen Widerstands geworden ist. Doch die Technologie ist limitiert: Das Satellitensystem kann die Blockade punktuell durchdringen – aber nicht die lahmgelegte Infrastruktur ersetzen.
Proteste im Iran: Internet via Starlink für viele Iraner entscheidend
Die iranische Regierung hat seit dem 8. Januar eine beispiellose Internetblockade verhängt, die 99 Prozent des Datenverkehrs im Land unterbunden hat. Während die Behörden den Schritt mit einer Bedrohung der Staatssicherheit begründen, sehen Kritiker darin den Versuch, die Organisation von Protesten zu erschweren und zu verhindern, dass Bilder der tödlichen Gewalt durch Sicherheitskräfte an die Öffentlichkeit gelangen.
Für die etwa 90 Millionen Einwohner des Landes ist das Satelliten-Internet Starlink von Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX zur wichtigsten Verbindung zur Außenwelt geworden. „Satelliten-Internet hat sich während dieses totalen Blackouts als einzige Möglichkeit erwiesen, wie die Menschen an Informationen gelangen konnten“, erklärte Ahmad Ahmadian, Geschäftsführer der Organisation Holistic Resilience, gegenüber NBC News.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran
Das System funktioniert über ein Netzwerk aus Tausenden Satelliten und benötigt lediglich eine Empfangs- und Sendeeinheit mit integrierter Routerfunktion. SpaceX hat den Zugang im Iran kostenlos freigeschaltet, nachdem viele Terminals zuvor nicht funktionierten, da die üblichen Abonnements oft kein Geld von iranischen Banken und Kreditkarten akzeptieren. Doch die nötigen Geräte kosten auf dem Schwarzmarkt mehr als 1000 Dollar – für viele unbezahlbar, zumal die iranische Währung Rial auf ein Allzeittief gefallen ist. Internet während der Iran-Proteste ist also längst zu einem Privileg für einen kleinen Kreis geworden.
Starlink im Iran: Internet während Proteste „wichtiger als Brot“
Schätzungen zufolge sind etwa 50.000 Terminals im Iran im Einsatz, die auf verschiedenen Wegen ins Land geschmuggelt wurden. „Im Moment ist es wichtiger als Brot“, zitierte die Times vergangene Woche eine anonyme Quelle aus dem Iran über die Bedeutung des Internets für die Bevölkerung.
Die Nutzung von Starlink ist im Iran jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Ein Gesetzentwurf vom Herbst 2025 sieht Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zwei Jahren vor. Drastischere Strafen sind möglich: „Wenn eine dieser Handlungen in der Absicht begangen wird, gegen das System vorzugehen oder Spionage zu betreiben, und der Täter als feindlicher Agent eingestuft wird, ist die Strafe der Tod“, fasste Iran International Teil des Gesetzentwurfs zusammen.
Wegen Iran-Proteste: Behörden gehen gegen Starlink-Nutzer vor
Inmitten der jüngsten Proteste im Iran gingen die Sicherheitsbehörden systematisch gegen Starlink-Nutzer vor. So wurden unter anderem militärische Störsender eingesetzt, die Starlink-Verbindungen unterbrechen können. Zudem wird Überwachungstechnologie eingesetzt, um Satellitenschüsseln aufzuspüren. „Wir wissen, dass die Nutzung von Starlink laut Gesetz eine schwere Straftat darstellt“, sagte Amir Rashidi, ein Geflüchteter aus dem Iran und Direktor der Miaan Group, einer gemeinnützigen Organisation für digitale Rechte mit Fokus auf den Nahen Osten, laut NBC News. „Dennoch bin ich mir nicht sicher, ob dies eine weitere Form der Zensur sein könnte.“
Trotz der Repressionen zeigen die Proteste neue Dynamik. „Aber wir haben nichts mehr zu verlieren“, sagte eine 37-jährige Transportmanagerin und Influencerin zuletzt gegenüber der Times. Informieren konnten sich die Menschen in dem Land mit etwa 90 Millionen Einwohnern in den vergangenen Tagen teilweise über Exilsender, die ihre Programme über Satellitenfernsehen ausstrahlen. In mehreren Teilen der Hauptstadt Teheran haben Sicherheitskräfte jedoch bereits begonnen, Satellitenschüsseln von den Hausdächern zu beschlagnahmen – eine alte Praxis aus der Zeit vor dem Internet.
Wann das Internet wieder funktioniert, ist derweil unklar. Deswegen gibt es nun auch politische Vorstöße in den USA. Laut NBC News haben Online-Aktivisten dazu aufgerufen, bei Abgeordneten dafür zu werben, dass Unternehmen, darunter SpaceX, direktes Satelliten-Internet zu den Mobiltelefonen ermöglichen, um die Blackout-Maßnahmen des Regimes zu umgehen. Während die Welt weiter auf regelmäßige Nachrichten aus dem abgeschotteten Iran wartet, hat sich Starlink von einem Internetdienst zu einem geopolitischen Akteur gewandelt. Für die Demonstranten, die ihr Leben für eine Verbindung zur Außenwelt riskieren, ist es mehr als Technologie – es ist die letzte Hoffnung auf eine Stimme. (Quellen: NBC News, dpa, Times, Iran International) (fbu)