Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

X-Verbot in Brasilien

Großdemo in Brasilien: Rechtsradikaler Ex-Präsident Bolsonaro fordert „Freiheit“

Tausende protestieren in Brasilien gegen die Sperrung vom Onlinedienst X. Ex-Präsident Bolsonaro stellt sich auf die Seite der Demonstranten.

São Paulo – Vor dem Hintergrund der Sperrung des Onlinedienstes X in Brasilien waren am Samstag tausende Demonstranten auf der Straße. Mit dabei auch der rechtsextreme Ex-Präsident Jair Bolsonaro, der in São Paulo vor der Menschenmenge sprach. Gefordert wurde auf Transparenten auf der Demonstration „Demokratie“ und „Freiheit“. Ganz konkret solle auch der Richter Alexandre de Moraes von Brasiliens Oberstem Gerichtshof abgesetzt werden, der über die X-Sperrung verfügt hatte.

Auch Bolsonaro forderte ein Amtsenthebungsverfahren von dem Richter, den er bei einer Rede auf der Demonstration einen „Diktator“ nannte. Laut Angaben seiner Mitarbeiter habe selbst die Behandlung wegen einer „üblen Grippe“ ihn nicht von der Rede abgehalten. „Wir werden denen einen Riegel vorschieben, die die Grenzen unserer Verfassung überschreiten“, sagte Bolsonaro. „Möge dieses Meer von Menschen unseren Kongressabgeordneten als Inspiration dienen, damit wir unsere Freiheit zurückgewinnen können, damit es keine Zensur, keine Netzsperren und keine Übertreibungen gibt“, so der Ex-Präsident laut der brasilianischen Nachrichtenseite Carta Capital.

Ex-Präsident Bolsonaro hatte zu einer Demonstration am Unabhängigkeitstag angerufen.

Strategisch wichtig für Bolsonaro: Rechte Hassrede und Fake News auf X und Co.

Für die Strategie der Rechten in Brasilien ist das Verbot fatal. Vor allem während der Amtszeit Bolsonaros von 2019 bis 2022 nutzten die Anhänger Bolsonaros soziale Netzwerke für Falschinformationen und Hassreden. Ein sogenanntes Hass-Kabinett in Bolsonaros Präsidialamt soll durch organisierte Verleumdungskampagnen Zweifel am brasilianischen Wahlsystem gestreut und gegen politische Gegner gehetzt haben.

Moraes, der am 30. August die Stilllegung von X in dem südamerikanischen Land angeordnet hatte, warf X vor, nicht entschlossen genug gegen die Verbreitung von Hassrede und Fake News vorzugehen. Zuvor hatte der Richter die Sperrung von X-Konten rechtsgerichteter Aktivisten verlangt.

Musk bezeichnete dies als gesetzwidrig, die US-Plattform kam der Aufforderung nicht nach – und zahlte auch die verhängte Geldstrafe nicht. Auch der Forderung, einen gesetzlichen X-Vertreter in Brasilien zu benennen, kam Musk nicht fristgerecht nach. Im Gegenteil plante X sogar, sich aus Brasilien zurückzuziehen. Elon Musk, der Eigentümer von X, der selbst Positionen der politischen Rechten vertritt, versteht sich als Verteidiger der freien Rede und wirft Moraes Zensur vor. 

Die G20: Die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in einer Gruppe

19 Staaten und die Europäische Union bilden die G20. Sie repräsentieren mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, erwirtschaften über 85 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und sind für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Diese Staaten gehören dazu:
19 Staaten und die Europäische Union bilden die G20. Sie repräsentieren mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, erwirtschaften über 85 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts und sind für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Diese Staaten gehören dazu: © Lars Berg/dpa
g20 staaten mitglieder usa
In Sachen Bevölkerung nur auf Platz Drei, doch bei der Wirtschaftsleistung ganz oben: Die Vereinigten Staaten von Amerika. © Michael Brochstein/dpa
Bill Clinton 1997
imago472024753.jpg © imago
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-volksrepublik-china
Das bevölkerungsreichste Land unter den G20 ist die Volksrepublik China. Regiert wird der autoritäre Staat von Präsident Xi Jinping, der seine Macht auf dem Parteitag 2022 endgültig festigte. Die 1,3 Milliarden Menschen in China sind für 15 Prozent der Wirtschaftsleistung der G20-Gruppe verantwortlich. © Jade Gao/afp
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-deutschland-hamburg-2017
Die Gründungskonferenz der G20 fand 1999 in Berlin statt. Bis 2008 firmierten die Gipfel unter der Bezeichnung „Finanzministertreffen“. 2017 kehrte die Gruppe der G20 nach Deutschland zurück und kam in Hamburg zusammen. Der Gipfel wurde von massiven Protesten begleitet. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen von Sicherheitskräften und Demonstranten. Zentrum des Konflikts war der Stadtteil Sankt Pauli. © Michael Kappeler/dpa
Deutschland ist als drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ebenfalls Mitglied der G20. 2017 fand der Gipfel in Hamburg statt - und wurde begleitet von massiven Protesten und einem gigantischen Polizeiaufgebot.
Deutschland ist als drittgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ebenfalls Mitglied der G20. 2017 fand der Gipfel in Hamburg statt - und wurde begleitet von massiven Protesten und einem gigantischen Polizeiaufgebot. © imago
Gastgeber des G20-Gipfels 2017 war der damalige Bürgermeister Hamburgs und spätere Bundeskanzler Deutschlands, Olaf Scholz. Er begrüßte unter anderem US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania in der Hansestadt.
Gastgeber des G20-Gipfels 2017 war der damalige Bürgermeister Hamburgs und spätere Bundeskanzler Deutschlands, Olaf Scholz. Er begrüßte unter anderem US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania in der Hansestadt. © imago
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-japan-tokio
Die viertgrößte Wirtschaftsleistung bei den G20 erzielt Japan. Der ostasiatische Staat besteht aus 6.852 Inseln. Bewohnt sind davon 425, auf denen mehr als 125 Millionen Menschen leben. Der Ballungsraum Tokio ist mit 37,3 Millionen Einwohner die größte Stadt der Welt. © Philip Fong/afp
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-großbritannien-united-kingdom-england
Großbritannien ist nach dem Brexit zwar kein Mitglied der EU mehr, dafür aber immer noch vertreten bei der G20. Staatsoberhaupt des Königreichs ist seit dem Tod von Königin Elisabeth II. ihr Sohn Charles III. Bei der G20 wird das Land aber durch die Regierung vertreten. © Aaron Chown/dpa
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-frankreich-cannes-gipfel
Frankreich ist eines der drei EU-Länder, das auch mit einer eigenen Vertretung bei der G20 teilnimmt. Das einzige Treffen der Gruppe in der „Grande Nation“ fand im Jahr 2007 in der Hafenstadt Cannes statt. Aktivisten von Oxfam karikieren das Teilnehmerfeld: Angela Merkel, Nicolas Sarkozy, Barack Obama, David Cameron, usw. © Martin Bureau/afp
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-indien-dehli
Indien ist das Land unter den G20 mit der zweitgrößten Bevölkerung. Im Jahr 2002 fand in Dehli der einzige Gipfel der Gruppe in dem Land statt. Chili gilt als Grundnahrungsmittel in Indien, das offenbar auch von diesen beiden als indische Götter verkleideten Kindern geschätzt wird. © Avishek Das/dpa
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-brasilien-rio-de-janeiro
Brasilien ist das größte Land Südamerikas und eines der zwei Länder des Kontinents, die auch in der G20 vertreten sind. Das Land der Strände wie hier Ipanema in Rio de Janeiro erlebte kurz vor dem G20-Gipfel in Bali einen Regierungswechsel. Präsident Jair Bolsonaro wurde abgewählt und Lula da Silva feierte sein Comeback. © Jose Lucena/dpa
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-kanada-justin-trudeau
Neben den USA ist auch der andere nordamerikanische Staat Teil der G20: Kanada. Das Land hoch im Norden wurde von 2015 bis 2025 von Premierminister Justin Trudeau regiert. Zweimal hintereinander trafen sich die Mitglieder der G20 in Kanada: Im Jahr 2000 in Montreal und im Jahr 2001 in Ottawa. Mit gerade einmal 35 Millionen Menschen stellt Kanada die drittkleinste Bevölkerung innerhalb der G20. © Chris Roussakis/dpa
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-sued-korea-seoul
Südkorea ist neben China und Japan das dritte Land aus Ostasien, das bei der G20 dabei ist. Die Hauptstadt Seoul wurde kurz vor dem G20-Gipfel in Bali von einer Tragödie erschüttert. Mehr als 150 Menschen starben bei einer Massenpanik. Tausende kamen in den Straßen zusammen, um der Opfer zu gedenken. © Anthony Wallace/afp
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-russland-moskau-wladimir-putin
Russland ist eigentlich auch Mitglied der G20. Ob Präsident Wladimir Putin aber am G20-Gipfel in Bali teilnehmen wird, das steht noch nicht fest. Das Land ist aufgrund des Kriegs mit der Ukraine international zunehmend isoliert, hat mit Ländern wie China und Indien aber auch unter den G20-Staaten noch Verbündete. © Alexander Nemenov/afp
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-australien-sydney
Australien ist mit Blick auf die Bevölkerung das kleinste Land der G20. Der Staat „Down Under“, berühmt für das Opernhaus in Sydney, ist auch das einzige Land aus Ozeanien in der Gruppe der Zwanzig. © Bai Xuefei/dpa
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-mexiko
Mexiko ist wie der Nachbar im Norden, die USA, Mitglied der G20. Der mittelamerikanische Staat ist mit einer Einwohnerzahl von 127 Millionen der achtgrößte der G20. Viele Menschen in Mexiko feiern wie hier jedes Jahr den Tag der Toten, mit aufwendigen und gruseligen Kostümen. © Eduardo Verdugo/dpa
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-indonesien
Indonesien ist ebenfalls Mitglied der G20. Der Inselstaat beheimatet 257 Millionen Menschen und 128 Vulkane. 80 davon gelten als aktiv. Ausbrüche wie hier beim Vulkan Merapi gehören in Indonesien zum Alltag. © Slamet Riyadi/dpa
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-türkei-istanbul-bosporus
Ein Land auf zwei Kontinenten und ebenso Mitglied der G20: die Türkei. Die Bosporus-Meerenge in Istanbul, der größten Stadt der Türkei, ist der Zugang zum Schwarzen Meer, über das wiederum Getreide für die ganze Welt aus den Häfen von Odessa und Mariupol verschifft wird. © Ozan Kose/afp
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-saudi-arabien-mohammed-bin-salman
Saudi-Arabien ist, was Wirtschaftsleistung und Bevölkerungszahl angeht, eines der kleinsten Länder der G20. Doch aufgrund der großen Rohstoff-Reserven, hauptsächlich Erdöl, kommt dem Land eine strategisch wichtige Bedeutung zu. Regiert wird das Königreich von Salman ibn Abd al-Aziz. Doch als eigentlicher Strippenzieher in dem absolutistisch regierten Land gilt Kronprinz Mohammed bin Salman (im Bild). © Uncredited/afp
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-suedafrika
Südafrika ist das einzige afrikanische Land in der Gruppe der Zwanzig. Es hat außerdem die geringste Wirtschaftleistung aller G20-Staaten. Das Land am Kap der Guten Hoffnung gilt mit seinen Städten wie Johannesburg und Kapstadt als eine Hochburg der Mode - vom Minimalismus bis zur Haute Couture. © Kim Ludbrook/dpa
Italien ist ebenfalls Teil der G20 und wird aktuell durch Premierministerin Giorgia Meloni, hier beim Gipfel in Rio de Janeiro und im Gespräch mit dem ehemaligen Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, vertreten.
Italien ist ebenfalls Teil der G20 und wird aktuell durch Premierministerin Giorgia Meloni, hier beim Gipfel in Rio de Janeiro und im Gespräch mit dem ehemaligen Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, vertreten. © imago
g20-gruppe-der-zwanzig-mitgliedsstaaten-europaeische-union-eu
Eine Sonderrolle in den G20 kommt der Europäischen Union zu. Sie ist als Staatenbund mit einer eigenen Delegation bei den G20 vertreten. Die EU weist die zweitgrößte Wirtschaftsleistung und die zweitgrößte Bevölkerung in der G20 aus. Mit Deutschland, Frankreich und Italien sind drei EU-Mitgliedsländer auch als Einzelstaaten in der G20 vertreten. © Dragan Tatic/dpa
Neben der EU ist auch die Afrikanische Union beim G20-Gipfel 2025 in Südafrika mit einer Delegation vertreten.
Neben der EU ist auch die Afrikanische Union beim G20-Gipfel 2025 in Südafrika mit einer Delegation vertreten. © imago
2025 findet der G20-Gipfel in Johannesburg statt - unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. Die Regierung Südafrika gab bekannt, mehr als 3.500 zusätzliche Polizisten einzusetzen.
2025 findet der G20-Gipfel in Johannesburg statt - unter massiven Sicherheitsvorkehrungen. Die Regierung Südafrika gab bekannt, mehr als 3.500 zusätzliche Polizisten einzusetzen. © imago

Längerer Rechtsstreit: „Tropen-Trump“ Bolsonaro und Elon Musk im Fokus

Bereits im April hatte Moraes wegen Behinderung der Justiz und Anstiftung zu Straftaten ein Ermittlungsverfahren gegen Musk selbst eingeleitet. Auch damals hielt Bolsonaro daraufhin eine Kundgebung „zur Verteidigung der Meinungsfreiheit“ am Copacabana-Strand in Rio de Janeiro ab, zu der Tausende Anhängern erschienen. Außer der Bolsonaro-Anhänger schien die letztendliche X-Sperre allerdings nur wenige zu stören.

Zu der Demonstration am brasilianischen Unabhängigkeitstag hatten rechte Politiker bereits vor der Entscheidung zur landesweiten Sperrung des Onlinedienstes X aufgerufen. Sie fand einen Monat vor den Kommunalwahlen in Brasilien statt und sollte den Rückhalt der rechten Politiker in dem gespaltenen Land zeigen. Unter anderem forderte der Ex-Präsident auch zum wiederholten Mal eine Amnestie für seine Anhänger, die wegen des Angriffs auf das Regierungsviertel in Brasília am 8. Januar 2023 zu Haftstrafen verurteilt worden waren.

Auch gegen den als „Tropen-Trump“ bekannten Ex-Präsidenten Bolsonaro laufen mehrere Ermittlungsverfahren. Unter anderem wirft die Polizei ihm vor, an Plänen für einen Staatsstreich beteiligt gewesen zu sein, um sich nach seiner Wahlniederlage im Oktober 2022 an der Macht zu halten. Im Januar 2023 hatten Anhänger des rechten Ex-Präsidenten Regierungsgebäude gestürmt und ohne Belege behauptet, Bolsonaro sei der Wahlsieg gestohlen worden. Er ist bis 2030 für öffentliche Ämter gesperrt, ebenfalls durch Verfügung von Moraes. So handelt es sich wohl auch um eine persönliche Fehde. (lismah/dpa/AFP)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Allison Sales

Kommentare