Lage im Israel-Iran-Konflikt
Irans Macht bröckelt: SPD warnt vor Teherans Schwäche – „Am Machtvakuum ist niemandem gelegen“
Seit Tagen toben die Kämpfe im Krieg zwischen Israel und dem Iran. Inzwischen zeigt sich die Schwäche Teherans immer mehr. Die SPD mahnt zur Deeskalation. Eine Analyse.
Tel Aviv/Teheran – Die Nacht zum 13. Juni 2025 markiert einen Wendepunkt im Nahen Osten: Mit rund 200 Kampfjets griff Israel iranische Atomanlagen und militärische Einrichtungen an. Der Codename der Operation: „Rising Lion“. Teheran antwortete prompt mit Raketenangriffen auf israelische Städte. Seitdem spitzt sich die Nahost-Eskalation weiter zu. Seit Tagen rasselt auch US-Präsident Donald Trump mit dem Kriegssäbel und droht dem Regime in Teheran offen mit Gewalt. Zu einem direkten Eingreifen der Vereinigten Staaten kam es bislang allerdings noch nicht.
Seit Jahren schon schwelte der Konflikt zwischen Israel und dem Iran – zuletzt allerdings durch iranische Stellvertreter wie die Hamas oder Hisbollah ausgetragen. Inmitten des aktuellen Kriegs zwischen den beiden Kontrahenten offenbart sich jetzt allerdings auch die Schwachstelle Teherans: Die vermeintliche Stärke des Regimes entpuppt sich nach Einschätzung von Andres Böhm, Nahost-Experte an der Universität St. Gallen, inzwischen als Bluff, die sogenannte Achse des Widerstands bröckelt. Für Deutschland und seine Nahostpolitik entstehen dadurch neue Herausforderungen – aber auch Chancen für diplomatische Initiativen.
Iran im Krieg mit Israel: Nahost-Eskalation birgt laut SPD große Gefahr
„Zweifelsohne ist das Regime in Teheran geschwächt. Auch hat die Achse der iranischen Unterstützer in der Region an Bedeutung verloren“, sagte der Außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Das betrifft nicht nur die Hamas und Hisbollah, sondern ebenso die proiranischen Milizen im Irak sowie die Huthi-Rebellen im Jemen, die sich bislang zurückhalten.“ Zugleich machte der Politiker aber deutlich, dass dies nur eine aktuelle Momentaufnahme in einem dynamischen Geschehen sei, „über dessen Dauer und Ausgang man nur spekulieren kann“.
Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert




Die Schwächung des Iran kam nicht über Nacht. Schon nach dem Hamas-Überfall 2023 begannen Hamas und Hisbollah an Schlagkraft zu verlieren – militärisch wie symbolisch. Auch die Huthi-Rebellen im Jemen wurden immer wieder empfindlich getroffen. Für Teheran, das über die Achse des Widerstands jahrzehntelang als Schattenmacht agierte, kam das einer geopolitischen Isolierung gleich. Mit dem Umsturz in Syrien brach für die Regierung in Teheran zudem ein zentraler Waffenkorridor weg.
„Am Machtvakuum ist niemandem gelegen“ – SPD blickt mit Sorge auf Nahost-Eskalation
Wie endet ein Konflikt, der längst zum Stellvertreterkrieg mutiert ist? Die Region steht – einmal mehr – am Rand des Abgrunds. „An einem regionalen Machtvakuum ist niemandem gelegen“, warnte Ahmetović. Der Irak sei ein mahnendes Negativ-Beispiel dafür. Als die USA damals Saddam Hussein stürzten, öffneten sie eine „Büchse der Pandora“, wie die Bundeszentrale für Politische Bildung schreibt. Das entstandene Machtvakuum führte zu mehr als 120.000 getöteten Zivilisten, dem Aufstieg des sogenannten Islamischen Staates und einem jahrelangen Konfessionshader zwischen Schiiten und Sunniten.
Was damals im Irak als Demokratieförderung gedacht war, hinterließ die Überreste eines zerfallenen Staates und regionale Instabilität, die bis heute nachwirkt. Vor dem Hintergrund dieser Historie mahnte Ahmetović: „Jetzt geht es darum zu deeskalieren, und den Konflikt einzugrenzen. Alle, die dazu einen Beitrag leisten können, sollten daran mitwirken, damit dieser Konflikt nicht zu einem regionalen Flächenbrand wird.“
Keine Deeskalation im Israel-Iran-Krieg: SPD pocht auf Deeskalation
Eine Deeskalation scheint derzeit kaum denkbar. SPD-Politiker Ahmetović setzt allerdings weiter auf einen diplomatischen Ansatz: „Zunächst muss alles unternommen werden, um eine weitere Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Hierzu sollte Deutschland weiterhin eng im Rahmen von E3 diplomatisch aktiv sein. Aber klar ist auch, dass durch den aktuellen Konflikt das Ziel eines atomwaffenfreien Iran nicht leichter zu erreichen sein wird.“
Unter den E3-Staaten werden in der Regel Deutschland, Frankreich und Großbritannien verstanden, die während früheren Formaten wichtige Rollen bei Verhandlungen mit dem Iran eingenommen haben. Diplomatie scheint im Moment ein schwieriges Unterfangen. Mehrere internationale Akteure hatten seit dem Zeitpunkt, an dem Israel im Krieg mit dem Iran ist, eine Eindämmung des Konflikts gefordert. Erst am Dienstag, dem 17. Juni, verurteilten arabische Staaten und die Türkei die Angriffe Israels und forderten eine Feuerpause.
Was machen die USA? Weitere Eskalation im Israel-Iran-Krieg befürchtet
Die jüngste Eskalation in Nahost stellt also nicht nur westliche, sondern auch arabische Staaten vor eine Zerreißprobe. Erschwert werden die aktuellen Bemühungen durch die unklare Haltung der USA. Berichten der New York Times zufolge warnen Geheimdienste vor iranischen Schlägen gegen US-Ziele. Präsident Trump hatte zuletzt unmittelbar klargemacht, dass ein solches Vorgehen, eine amerikanische Reaktion nach sich ziehen würde.
Deutschland steht dabei vor einem Dilemma: Es muss Israel als demokratischen Partner unterstützen, wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erst jüngst im ZDF-Interview implizit zum Ausdruck brachte: Mit Blick auf Israels Krieg gegen den Iran sprach der Politiker von „Drecksarbeit“. Und weiter: „Ich kann nur sagen, größten Respekt davor, dass die israelische Armee den Mut dazu gehabt hat, die israelische Staatsführung den Mut dazu gehabt hat, das zu machen.“ Die Aussagen des Kanzlers sorgen aktuell für scharfe Kritik. SPD-Politiker Ralf Stegner sprach gegenüber dem Spiegel von einer „befremdlichen“ Rhetorik.
Sorge vor Flächenbrand wegen Nahost-Eskalation – und zweitem Irak-Szenario
Dennoch scheint das Gebot der Stunde zu sein, den Krieg zwischen Israel und dem Iran zu deeskalieren und nicht zum Flächenbrand werden zu lassen. In einem Machtvakuum, wie es nach dem Kollaps des iranischen Regimes und seiner „Achse des Widerstands“ entstehen könnte, ist die Gefahr groß, dass es nur Verlierer gibt. Denn wie groß das Risiko werden könnte, mahnt nicht nur der Blick in den Irak. Die E3-Gruppe könnte dabei in der kommenden Zeit in eine Schlüsselrolle rücken. Vorausgesetzt, alle Beteiligten zeigen den politischen Willen zur Deeskalation – bevor es zu spät ist. (fbu)
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