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Gipfel in Washington
Europa besteht „Intensivkurs in Trumpologie“ – Merz zeigt Wackelmoment
Europa demonstrierte beim Ukraine-Gipfel ihre Trump-Kompetenz. Die Regierungschefs meisterten die Herausforderung. Merz hatte einen kritischen Moment.
Washington, D. C. – Der Ukraine-Gipfel in Washington war auch eine bemerkenswerte Demonstration diplomatischer Finesse: Am Montag versammelten sich europäische Staats- und Regierungschefs, darunter Friedrich Merz, im Weißen Haus. Es ging um das bitterernste Thema des Ukraine-Kriegs.
Ukraine-Verhandlungen in Washington: Trump-Gipfel mit Merz und Co. in Bildern
Um bei den Verhandlungen im Weißen Haus erfolgreich zu sein, mussten Europas Staatenlenker ihre neu erworbenen Fähigkeiten im Umgang mit US-Präsident Donald Trump unter Beweis stellen. Das Treffen zeigte, wie die Regierungschefs in Europa inzwischen gelernt haben, Trumps Empfindlichkeiten zu berücksichtigen, um ihre Ziele zu erreichen.
Wie bei Ukraine-Gipfel mit Trump umgehen? Europas Regierungschef hatten Lektion gelernt
Friedrich Merz, Emmanuel Macron, Keir Starmer und die anderen Vertreter hatten dabei eine steile Lernkurve zu bewältigen. Seit dem Amtsantritt Trumps hatte jeder von ihnen schon mindestens eine persönliche Begegnung mit ihm. Europas Staatenlenker lernten dabei, wie man am besten mit dem oft unberechenbaren Mann im Oval Office umgeht.
Über Friedrich Merz ist bekannt, dass er sich akribisch auf sein Treffen im Juni mit Trump im Weißen Haus vorbereitet hatte, bevor er in die USA flog: Der deutsche Kanzler sah sich Videos von Begegnungen anderer Staatschefs mit Trump an und analysierte, wann die Stimmung gut blieb und wann sie kippte.
Friedrich Merz (r.), Keir Starmer (l.) und Emmanuel Macron versammelten sich unter anderem im East Room des Weißen Hauses, um mit Donald Trump über die Ukraine zu sprechen.
Selenskyj legte bei Gipfel mit Trump zum Ukraine-Krieg steile Lernkurve hin
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte eine besonders eindrucksvolle Entwicklung durch: Bei seinem letzten Besuch bei Trump im März war Selenskyj noch für seine informelle Kleidung kritisiert und als respektlos eingestuft worden. Im Oval Office kam es zu einem Eklat.
Diesmal erschien Selenskyj in einem formelleren schwarzen Outfit, das Trump sichtlich beeindruckte. „Ich kann es nicht glauben“, sagte Trump, als er den ukrainischen Präsidenten bei dessen Ankunft am Weißen Haus musterte. „Ich liebe es. Sieh dich an.“ Dass Selenskyj sich diesmal an Trumps Wünsche angepasst hatte, setzte den Ton für ein deutlich positiveres Treffen.
Selenskyj zeigte nicht nur modisches Geschick, sondern auch diplomatisches Feingefühl. Er brachte einen Brief seiner Frau mit, adressiert an First Lady Melania Trump – eine Geste, die Trump erkennbar gefiel. „Er ist nicht für Sie, er ist für Ihre Frau“, erklärte Selenskyj charmant, als Trump den Brief entgegennahm. Der US-Präsident lachte herzlich.
Merz, Macron, Selenskyj und Co. flochten ihre Anliegen gegenüber Trump behutsam ein
Die anderen europäischen Regierungschefs schienen ebenfalls ihre Lektion gelernt zu haben, darunter Macron, Starmer, Finnlands Präsident Alexander Stubb, Italiens Regierungschefin Georgia Meloni, Nato-Generalsekretär Mark Rutte und EU-Repräsentantin Ursula von der Leyen. Während einer großen öffentlichen Runde im Weißen Haus dankten sie Trump reihum überschwänglich für seine Bemühungen. Die Regierungschefs betonten immer wieder, dass es allein an Trump liege, dass Bewegung in die Ukraine-Verhandlungen komme und flochten dabei behutsam ihre Anliegen bezüglich des Ukraine-Kriegs ein.
Heikler Gipfel-Moment von Merz im Weißen Haus – Trump gefriert das Lächeln
Trotz der allgemein recht positiven Stimmung gab es auch heikle Momente. Merz bestand im „East Room“ nachdrücklicher als andere auf der Notwendigkeit eines Waffenstillstands und stellte sich damit offen gegen Trumps Position. Kurzzeitig verschwand das Lächeln aus Trumps Gesicht. Kurz drohte die Stimmung zu kippen. Doch nachdem Trump seine Position zu einem Waffenstillstand klargestellt hatte, blieben weitere kritische Augenblicke aus.
Der Moment zeigte, wie schwierig die Balance war, die die europäischen Staatenlenker gegenüber dem US-Präsidenten halten mussten. Einerseits mag Trump keinen Widerspruch – andererseits scheint er Politiker zu verachten, die in seinen Augen schwach und weich sind. Merz lobt er bei ihrem ersten persönlichen Treffen als „schwierig“ und harten Verhandler, was er aber als Kompliment meinte, wie Trump gleichzeitig betonte.
„Intensivkurs in Trumpologie“ trägt Früchte im Weißen Haus
Am Ende des Tages schien der „Intensivkurs in Trumpologie“, wie die New York Times die Lernkurve der Europäer beschreibt, Früchte getragen zu haben. Trump äußerte sich danach positiv über das Treffen und schrieb in den sozialen Medien: „Ich hatte ein sehr gutes Treffen mit distinguierten Gästen.“ Trump liebt nun einmal historisch einmalige Moment, bei denen er selbst im Mittelpunkt steht. Dass ganz Europa nach Washington eilte, um seine Ukraine-Verhandlungen mit Wladimir Putin zu begleiten, muss ihm gefallen haben.
Die Erwartungen an den Gipfel waren gering, Trump trat dann aber doch überraschend Ukraine- und Europa-freundlich auf, sogar von einem Durchbruch bei Sicherheitsgarantien ist jetzt die Rede. Selenskyj fasste die Stimmung zusammen: „Inakzeptable Entscheidungen wurden nicht getroffen. Ich denke, dass jeder von uns seine Arbeit getan hat.“ (smu)