Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies.
Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Weitere Informationen
Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.
Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für
. Danach können Sie gratis weiterlesen.
Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.
US-Präsident fand es „great“
Selenskyj korrigiert Kurs: Fünf Dinge verhindern Eklat im Oval Office
Selenskyjs Gespräch mit Trump verlief am Montag wesentlich angenehmer als das erste Treffen im Oval Office. Der Ukraine-Präsident bewies Geschick.
Washington, D. C. – Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sich gefühlt hat, als er am Montag die Stufen zum Weißen Haus in Washington hinaufging, weiß nur er. Doch die Nervosität war Selenskyj anzusehen vor seinem Ukraine-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump.
Ukraine-Verhandlungen in Washington: Trump-Gipfel mit Merz und Co. in Bildern
Auch bei Beobachtern kamen Erinnerungen hoch an das letzte Treffen der beiden im Oval Office: Damals herrschte unverhohlene Aggression gegenüber Selenskyj im Weißen Haus. Der Präsident, dessen Land sich seit dreieinhalb Jahre im Krieg mit Russland befindet, wurde verbal angegriffen und verhöhnt.
Schon Empfang durch Trump am Weißen Haus war anders als beim ersten Besuch von Selenskyj
Doch sofort zeichnete sich am Montag in Washington ab, dass es diesmal besser laufen könnte. Trump empfing Selenskyj vor dem Weißen Haus offen und freundlich und erklärte auf Zurufe von Journalisten, er „liebe“ die Ukraine. Der US-Präsident schien um eine gute Atmosphäre bemüht.
Dennoch blieb die Aufregung groß: Direkt nach seiner Ankunft wurde Selenskyj erneut ins Oval Office geführt, wo Heerscharen an Journalisten und Kameraleute auf ihn warteten und es sogleich wieder losging mit einer Diskussion zum Ukraine-Krieg live vor den Augen der Welt. Auch Vize-Präsident JD Vance war wieder dabei, der Selenskyj beim letzten Besuch in den USA besonders aggressiv angegangen war.
Gute Stimmung statt Eklat: Das machte Selenskyj am Montag im Oval Office anders
Doch was gut begann, ging für Selenskyj gut weiter: Ein neuer Eklat blieb aus, stattdessen herrschte recht gute Stimmung im Oval Office mit Trump. Das lag auch daran, dass der ukrainische Präsident gleich mehrere Dinge anders machte als beim ersten Treffen mit Donald Trump im Weißen Haus. Folgende Punkte fielen auf:
Selenskyjs Outfit
Selenskyjs besonderes Geschenk an Trump
Selenskyjs Bezugnahme auf verschleppte ukrainische Kinder
Selenskyjs Dankeshymne an Trump
Selenskyjs Crash-Kurs in Trump-Diplomatie mit europäischen Regierungschefs
„Beautiful“: Trump gefiel Selenskyjs Outfit bei Ukraine-Gipfel im Weißen Haus in Washington
Was Selenskyj bei seinem zweiten Besuch im Weißen Haus tragen würde, war mit Spannung erwartet worden. Der Grund: Selenskyj war bei seinem Besuch bei Trump im März spöttisch darauf angesprochen worden war, dass er nicht Anzug und Krawatte trage. Dies wurde ihm als mangelnder Respekt ausgelegt, die Stimmung war auf Anhieb im Eimer. Dabei hatte der fehlende Anzug von Selenskyj einen Grund: Der ukrainische Präsident hat seinem Volk versprochen, bis zum Ende des Ukraine-Kriegs aus Solidarität mit seinen Soldaten keinen Anzug mehr zu tragen.
Am Montag beim Gipfel in Washington trug Selenskyj zwar auch keine Krawatte, aber ein weitaus eleganteres und formelles Outfit als beim ersten Mal, als er in Militärkleidung kam. Trump gefiel das: Als Selenskyj aus dem Auto ausstieg, sagte er sofort, dass Selenskyj „beautiful“ und „great“ aussehen.
Es mag verrückt klingen, dass der Erfolg eines Ukraine-Gipfels auch davon abhängt, was ein Staatsgast trägt. Doch bei Trump ist das offenbar so – und Selenskyj spielte diesmal mit.
Selenskyjs Geschenk an Trump war ein Brief seiner Frau an Melania und brach das Eis
Als Selenskyj und Trump am Montag im Oval Office vor der versammelten Presse Platz nahmen, holte der Ukrainer sogleich ein Papier hervor, um es Trump als Geschenk an dessen Frau zu überreichen. Es sei ein Schreiben seiner Frau Olena Selenska an Melania Trump, erklärte der ukrainische Präsident.
Er nahm damit Bezug auf den Brief, den Trump im Namen seiner Ehefrau wiederum Wladimir Putin bei deren Gipfel in Alaska überreicht hatte. Melania Trump hatte in dem Schreiben an Putin appelliert, verschleppte Kinder zu ihren Familien in der Ukraine zurückzubringen.
Nun also ein Brief von der First Lady der Ukraine an die First Lady der USA. Bei Trump schien das anzukommen: Er nahm den Brief mit Wohlwollen in Empfang, das Geschenk war ein weiterer Eisbrecher.
Selenskyj stellte beim Gipfel mit Trump Lage der ukrainischen Kinder in den Fokus
Den Brief von Melania Trump an Putin nutzte Selenskyj auch danach geschickt: Er brachte am Montag im Weißen Haus immer wieder das Drama der im Ukraine-Krieg verschleppten Kinder zur Sprache. Putin ist wegen deportierter ukrainischer Kinder beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag angeklagt worden. Wegen dieses Verstoßes gegen das Völkerrecht läuft ein internationaler Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten.
Selenskyj brachte das emotionale Thema im Verlauf des Nachmittags in Washington mehrfach auf den Tisch. Und Trump konnte gar nicht anders, als zuzustimmen. Schließlich war es seine eigene Ehefrau Melania, die das Thema prominent platziert hatte.
Danke, danke, danke: Selenskyj verhindert neuen Eklat mit JD Vance im Oval Office
Vielen ist es in Erinnerung: Beim Eklat im Oval Office im März warf JD Vance Selenskyj vor, dass er den USA nicht genug Dank ausspreche für ihre bisherige Unterstützung im Ukraine-Krieg. Vance ging Selenskyj aggressiv mit den Worten an „Haben Sie einmal Danke gesagt?“ und warf ihm dann wieder und wieder mangelnde Dankbarkeit vor.
Selenskyj hat daraus gelernt: Er sagte in der Pressekonferenz mit Trump und Vance fast in jedem Satz mindestens einmal „Danke“. Sein Lob an den US-Präsidenten und dessen Einsatz war überschwänglich. JD Vance saß daneben – und blieb diesmal ruhig. Mangelnden Dank konnte er dem Ukraine-Präsidenten diesmal nun wirklich nicht vorwerfen.
Selenskyj bekam vor Treffen Crash-Kurs in Trump-Diplomatie von europäischen Regierungschefs
Selenskyj ist zwar ein ehemaliger Schauspieler. Beim ersten Besuch im Oval Office fiel es ihm dennoch schwer, seine Fassade zu wahren. Die Attacken aus Trumps Regierung brachten ihn aus der Fassung, er reagierte emotional.
Das sollte diesmal anders werden: Selenskyj wurde vor seinem zweiten Besuch im Oval Office am Montag intensiv gebrieft, wie er mit Trump umzugehen habe. Vor dem Besuch in den USA war er bei Friedrich Merz und in Brüssel zu Gast, diskutierte intensiv die Strategie gegenüber Trump.
Auch direkt bevor Selenskyj am Montag ins Weiße Haus fuhr, soll er in Washington nochmal mit den europäischen Staatschefs um Merz zusammengekommen sein. Dabei wurde ihm wohl eingebläut, dass er diesmal ruhig bleiben müsse, egal wie sehr Trump ihm unter Druck setze. Der Plan funktionierte – eben auch, weil Trump und Vance diesmal nicht im Angriffsmodus waren. Wären sie Selenskyj erneut angegangen wie beim ersten Besuch, wer weiß, was dann geschehen wäre.
Doch letztlich ist nicht die Stimmung beim Gipfel entscheidend für die Ukraine, sondern was an konkreten Ergebnissen des Treffens herauskommt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist nicht optimistisch, dass Putin wirklich Frieden will. Als nächsten Schritt in den Ukraine-Verhandlungen soll es wohl ein trilaterales Treffen mit Putin, Selenskyj und Trump geben. (smu)