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„Viele Stellvertreterkriege“ Irans
Drohnenkrieg im Irak: Iranische Milizen attackieren US-Stützpunkte, Israel schlägt zurück
Die Lage im Irak eskaliert: Iranische Milizen attackieren US-Stützpunkte und Israel reagiert mit Luftangriffen – Drohnenangriffe heizen den regionalen Flächenbrand an.
Selbst für das Weiße Haus wird der Krieg im Iran zunehmend unübersichtlich, wie der US-Präsident zuletzt selbst postulierte: Die britische Zeitung Independent berichtete, der US-Präsident habe tatsächlich Personen gefunden, die für eine Übernahme des Iran infrage kämen. Ärgerlicherweise war der Angriff jedoch „so erfolgreich, dass er die meisten Kandidaten ausgeschaltet hat“, erklärte Trump gegenüber ABC. Auch innenpolitisch nimmt der Druck zu: Der Präsident, der einstmals ankündigte, sich aus internationalen Konflikten heraushalten zu wollen, konnte Stand Mittwoch bereits sechs getötete und fünf verwundete US-Soldaten verzeichnen.
Zuletzt verstärkten auch besonders vom Iran unterstützte Milizen im Nahen Osten ihre Angriffe gegen Israel, die USA und deren Verbündete als Vergeltung für die anhaltende gemeinsame Offensive der USA und Israels gegen Teheran. Wie der Guardian nun berichtet, drohen dem Krieg bereits neue bewaffnete Akteure – womit weiteres Chaos und Gewalt drohen.
Irak wird zur nächsten Front – Drohne trifft Hotel in Erbil
Der Irak gerät zur Front einer neuen Operation: In Erbil, der Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nordosten des Irak, wurde gestern Abend eine Drohne abgefangen. Herabfallende Trümmerteile hätten ein Hotel getroffen, sagten Kurdenvertreter der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Videos nach dem Angriff zeigten Rauchwolken an dem Hotel und Einsatzfahrzeuge. Opfer gab es örtlichen Berichten zufolge nicht. Kurz zuvor hatte die US-Botschaft im Irak gewarnt, dass Iran-treue Milizen im Land Hotels in der Kurdenregion angreifen könnten.
Bereits seit Beginn des Krieges haben Milizen im Irak Dutzende Angriffe gestartet, die sich gegen Israel und US-Stützpunkte in Jordanien und im Irak selbst richteten. In den vergangenen Tagen wurde auch die Infrastruktur iranisch-kurdischer Oppositionsgruppen ins Visier genommen, die im selbstverwalteten, kurdisch dominierten Nordirak ansässig sind. Drei Ziele „separatistischer Gruppen“ seien am Morgen getroffen worden, erklärten die Revolutionsgarden der islamischen Republik nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim: „Sollten separatistische Gruppen in der Region auch nur die geringste Handlung gegen die territoriale Integrität des Iran unternehmen, werden wir sie zerschlagen“, erklärten die Revolutionsgarden demnach weiter.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg
Kurden wollen keine Startrampe für Trumps Kriege werden – US-Regierung dementiert Pläne
Die Angriffe folgen auf teils widersprüchliche Berichte: Am Dienstag deuteten Beamte in Washington gegenüber dem Guardian an, dass sie erwägen, die oppositionellen Kurden zu mobilisieren, möglicherweise für eine Invasion der nordwestlichen Region des Iran. Laut dpa betrachten irakische Kurden diese Pläne aber mit großer Skepsis: Sie erklärten, ihr Gebiet dürfe nicht zur Startrampe für Angriffe auf benachbarte Länder werden. Das Weiße Haus hat die Berichte indes als falsch zurückgewiesen.
In Bagdad beabsichtige die irakische Regierung, sich nach eigener Darstellung an ein bestehendes Sicherheitsabkommen mit dem Iran zu halten und zu verhindern, dass Kämpfer aus dem Irak die Grenze überwinden. Örtlichen Berichten zufolge trafen an der irakischen Grenze auch irakische Grenzsoldaten ein. Diese hatten den Auftrag, jegliche Versuche zu verhindern, in den Iran vorzudringen. Das sei nur bedingt gelungen, wie aktuelle Berichte zeigen.
Geheime Gegenoffensive im Irak: Selbstmorddrohnen töten 15 Kämpfer
Ein Sprecher des israelischen Militärs bestätigte am Mittwochabend, dass Drohnen aus dem Irak auf Israel abgefeuert worden seien, jedoch „nicht in nennenswerter Zahl“. Michael Knights, Irak-Experte bei Horizon Engage, einer strategischen Beratungsfirma mit Sitz in New York, erklärte gegenüber dem Guardian, dass vom Iran unterstützte irakische Gruppen auf diese Weise versuchten, auf die Ermordung von Ayatollah Ali Chamenei zu reagieren.
In einer offenbar geheimen Gegenoffensive wurden Milizstützpunkte südlich von Bagdad und in der Nähe der Städte Nasariya und Basra von kleinen „Selbstmorddrohnen“ angegriffen, die Berichten zufolge 15 Kämpfer getötet haben. Knights erklärte: „Im Irak werden Kurzstrecken-Drohnensysteme eingesetzt, die nicht den ganzen Weg von Israel aus geflogen sein können. Genau das haben wir während des letzten Krieges [zwischen dem Iran und Israel im letzten Jahr] gesehen, was darauf hindeutet, dass vor Ort eine Art verdeckte Aktion im Gange ist. Es finden viele Stellvertreterkriege statt.“
Auch die Hisbollah-Brigaden wurden zum Ziel: Am Mittwoch schlug eine Rakete in der Nähe einer Basis im Südirak ein und tötete einen Kommandeur sowie zwei Kämpfer. Es war kein Einzelfall. Seit dem Wochenende wird das Hauptquartier der Miliz im Südirak unter Beschuss genommen, auch aus der Provinz Anbar melden Quellen schwere Explosionen.
Besonders brisant: Mysteriöse Detonationen machten die irakische Luftüberwachung blind. Die Radarsysteme der Regierung fielen zeitgleich aus. Während israelische Geheimdienstkreise die Spekulationen über eine eigene Beteiligung als „glaubwürdig“ einstufen, sehen andere Beobachter die Handschrift des US-Militärs. Der Angriff trifft das Herz von Irans strategischem Schutzschild: Seit Jahrzehnten investiert das Land in eine Koalition militanter Gruppen, die sich vom Indischen Ozean bis zum Mittelmeer erstreckt und sowohl Angriffe auf den Iran selbst abwehren als auch Einfluss in der gesamten Region ausüben soll.
Irans Verteidigungsrat droht „alle Einrichtungen“ der kurdischen Regionen ins Visier zu nehmen
Bereits am Freitag hatte der Iran vor einem Eindringen kurdischer Kämpfer aus dem Irak in den Iran gewarnt. Der Verteidigungsrat drohte nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr für diesen Fall damit, „alle Einrichtungen“ der Kurdenregion im Irak ins Visier zu nehmen.
Die USA und Israel hatten am Samstag vergangener Woche massive Luftangriffe auf den Iran gestartet. Dabei wurden das geistliche Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei und zahlreiche weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion greift der Iran seither Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region an. (Quellen: dpa, AFP, Independent, Horizon Engage, Guardian, ABC, Tasnim, Mehr, frühere Berichterstattung) (kox)