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Alle Kinder profitieren von Sprachbildung

Früh fördern, besser starten: Wie Waldkraiburger Sprach-Kita jedem Kind gleiche Startchancen bietet

In der Waldkraiburger Sprach-Kita Maria Schutz werden Kinder früh beim Deutschlernen unterstützt. Warum das so wichtig ist.
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In der Waldkraiburger Sprach-Kita Maria Schutz werden Kinder früh beim Deutschlernen unterstützt. Warum das so wichtig ist.

Sprache entscheidet über Bildungserfolg. In der Waldkraiburger Sprach-Kita Maria Schutz werden Kinder von Anfang an begleitet – individuell, spielerisch und mit dem Ziel, jedem Kind einen fairen Start zu ermöglichen.

Waldkraiburg – Sprache ist der Schlüssel zur Welt –  und vor allem der Schlüssel zu Bildungsgerechtigkeit. So begründet das Bundesprogramm die Förderung sogenannter Sprach-Kitas. Seit 2011 hat die Kita Maria Schutz in Waldkraiburg dieses Prädikat – ein Signal für die Bedeutung sprachlicher Bildung von Anfang an.

Gerade in einer Stadt wie Waldkraiburg, in der Menschen aus rund 100 Nationen zusammenleben, ist frühe Sprachförderung ein zentraler Baustein für gelingende Integration. Sie schafft die Grundlage für Chancengleichheit – heute mehr denn je. Denn das Bundesprogramm richtet sich vorrangig an Einrichtungen, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit sprachlichem Förderbedarf besucht werden.

Fast von Beginn an dabei ist Dagmar Burger, die lange Zeit als Sprachkraft allein für die Kita Maria Schutz und deren Außenstelle im Föhrenwinkel zuständig war. Aber schon lange ist der Bedarf zu groß, die Arbeit allein nicht mehr zu stemmen. Mit Theresa Brummer hat die Kita seit Jahren eine zweite Sprachkraft, die in der Krippe eingesetzt wird. Denn: Je früher Kinder sprachlich begleitet werden, desto besser ihre Startchancen.

Sprachförderung im Alltag – ganz selbstverständlich

Ob beim Spielen, beim Malen oder beim Händewaschen: Sprachbildung passiert in vielen alltäglichen Situationen. Auch in solchen, in denen man sich nur über Gesten oder wenige Worte verständigt. Genau das ist das Ziel: Sprache soll passieren – spielerisch, alltagsnah und mit Freude. Kinder werden ermutigt, sich mitzuteilen, Fragen zu stellen, Geschichten zu erzählen.

Die Kita Maria Schutz setzt dabei auf vielfältige Methoden: Bücher in unterschiedlichen Sprachen, Sprachkarten, gemeinsames Singen und digitale Projekte wie selbst gestaltete Videos oder Bilderbücher. „Sprache spielt dabei immer eine Rolle”, erklärt Kita-Leiterin Cornelia Reichthalhammer. Eine kleine Bücherei bringt die Sprache sogar mit nach Hause – ein wichtiger Schritt, um auch die Eltern einzubeziehen.

Um Kinder beim Sprachenlernen zu unterstützen, gibt es vielfältige Möglichkeiten: Bücher in unterschiedlichen Sprachen, Sprachkarten, gemeinsames Singen und digitale Projekte wie selbst gestaltete Videos oder Bilderbücher.

Denn ohne die Unterstützung der Eltern wird es schwierig, Kinder mit Sprach-Defiziten zu unterstützen. „Wenn Eltern nicht wollen oder sich selbst damit schwertun, tun sich auch die Kinder schwer. Die Auswirkungen ziehen sich bis in die Schulzeit”, sagt die Kita-Leiterin. Solche Defizite sollen Sprach-Kitas wettmachen. „Es geht um Chancengleichheit, darauf liegt der Fokus”, sagt Dagmar Burger. 

Viele Eltern sind laut Dagmar Burger engagiert, sind offen für Gespräche mit den Erziehern und Erzieherinnen. „Wir wollen sie begleiten und Tipps geben, was sie selbst tun können”, sagt Theresa Brummer.

Sprache verbindet – unabhängig von Herkunft 

Von Sprachbildung profitieren alle Kinder – ob mit oder ohne Migrationshintergrund.  Doch es gibt Kinder mit gravierenden sprachlichen Defiziten, etwa weil sie bislang ausschließlich ihre Muttersprache gehört haben. „Wie gut sie sich in einer neuen Sprache zurechtfinden, hängt auch von ihren kognitiven Fähigkeiten ab“, erklärt Reichthalhammer. 

Bei all der Sprachförderung, die Muttersprache soll dabei „nicht vernachlässigt werden”. „Das ist ein Privileg. Unsere Erfahrung: Kinder, die ihre Muttersprache gut beherrschen, lernen eine Zweitsprache oft leichter”, sagt die Kita-Leiterin. Je früher, desto besser. „Für Kinder ist es von Vorteil, wenn sie schon in der Krippe die wichtigsten Begriffe lernen”, weiß Theresa Brummer aus Erfahrung. 

Doch ob Kinder schon früh eine Einrichtung besuchen oder vielleicht erst kurz vor der Einschulung, bleibt Entscheidung der Eltern. „Es ist schwierig, in nur einem Jahr einen sprachlichen Grundstock zu legen”, sagt Cornelia Reichthalhammer. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: In manchen Kulturen sei der Besuch eines Kindergartens nicht so wichtig oder der Zuzug nach Deutschland sei erst kürzlich erfolgt. Für viele Familien, insbesondere Geflüchtete, ist die Eingewöhnung in das neue Umfeld ein Kraftakt. „Ein Jahr reicht meist nicht aus, um sprachlich sicher in die Schule zu starten“, warnt Reichthalhammer.

Sprachkräfte stärken das ganze Team

Sie und ihre Kollegin sind als Sprachkraft keiner Gruppe fest zugeordnet, sondern arbeiten gruppenübergreifend und gehören als zusätzliche Mitarbeiterinnen zum Team. Sie verstehen sich als Impulsgeberinnen, geben ihr Wissen weiter, unterstützen bei der Umsetzung sprachlicher Bildungsangebote und setzen gezielte Förderschwerpunkte. Das schafft zusätzliche Kapazitäten und verbessert die Qualität der pädagogischen Arbeit insgesamt.

Je früher, desto besser: Schon die Kleinen unterstützt eine Erzieherin in der Waldkraiburger Kita Maria Schutz dabei, die Sprache zu lernen.

Doch trotz aller Erfolge ist ungewiss, wie es mit den Sprach-Kitas weitergeht: Die Finanzierung ist vorerst nur bis Jahresende gesichert. Für die Fachkräfte bedeutet das Planungsunsicherheit. Der Träger der Kita Maria Schutz sieht laut der Kita-Leiterin den Bedarf jedoch klar und plant, die Sprachförderung auch unabhängig vom Bundesprogramm fortzuführen.

„Der Wandel durch die Flüchtlingskrise ist groß. Durch die politische Situation hat sich viel geändert, viele Familien leben in großer Unsicherheit. Das hat es in dieser Dimension früher nicht gegeben”, sagt Dagmar Burger. 

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