Überfall auf Bet3000-Filiale
Mutiger Coup oder dumme Tat? Räuber bleibt minutenlang in Waldkraiburger Wettbüro
Er sprüht, plündert und bleibt minutenlang im Laden: Beim Raubüberfall auf ein Waldkraiburger Wettbüro verhält sich der maskierte Täter seltsam. Für den Angestellten mehr als nur Psycho-Terror. War der Täter ein Kunde?
Waldkraiburg — Ein Raubüberfall muss schnell gehen, möchte man meinen. Doch der vermummte Täter, der am Sonntagabend, 25. Mai, das Wettbüro Bet3000 in Waldkraiburg neben der Oststraße heimsucht, bleibt etwa zweieinhalb Minuten im Laden. Er läuft auf und ab, greift sich an den Kopf und sprüht dem 28-jährigen Mitarbeiter Pfefferspray ins Gesicht. Er raubt die Einnahmen, vermutlich eine Summe im fünfstelligen Bereich, und kann unerkannt verschwinden.
„Solche Überfälle dauern meist nicht länger als zehn bis 20 Sekunden. Doch dieser Mann ist ungewöhnlich lange in der Filiale“, sagt Melina Borisic, Geschäftsführerin der Bet3000 Deutschland Management GmbH. Sie kennt die Videos der Überwachungskamera und hat sie der Polizei ausgehändigt. Die Kripo ermittelt und fahndet nun auch mit Fotos und Videos nach dem Täter.
Er trägt eine Sturmhaube und eine schwarze Kapuzenjacke. Auffällig sind die neongrünen Handschuhe und die Turnschuhe mit einem großen neongrünem Nike-Logo. Seine helle Arbeitshose hat weiße Malerflecken. Er ist schlank und etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß und wird als hellhäutig beschrieben.
Der Mann scheint zu wissen, wo sich die Kamera befindet und duckt sein maskiertes Gesicht weg. Er springt über das Absperrband, weil er die Schranke, die sich am Eingang befindet, nicht aufdrücken kann. Diese öffnet sich nur, wenn man seinen Mitgliedsausweis oder etwa den Personalausweis an den Scanner hält.
„Wir arbeiten, wie es für alle Wettbüros in Deutschland Pflicht ist, mit dem OASIS-System. Es dient dazu, Personen, die eine Spielersperre haben, vom Zugang zu Glücksspielen auszuschließen und somit der Glücksspielsucht vorzubeugen“, erklärt Borisic. Durch das Scannen wissen Betreiber auch immer, wer im Haus ist.
War der Täter ein Kunde?
Borisic vermutet, dass der Täter entweder ein Kunde ist, der die Räumlichkeiten kennt, oder dass er den Laden schon ein paar Tage zuvor ausgespäht hat. Wenige Schritte entfernt befindet sich eine zweite Bet3000-Filiale. Am Abend des Überfalls hielten sich dort kurz vor Ladenschluss um 23 Uhr noch etwa zehn Personen auf.
Darum, so denkt Borisic, habe der Täter zunächst die andere Filiale abgecheckt und sei dann weiter zum Tatort und habe dort zugeschlagen. Der Mitarbeiter war nämlich gegen 22.45 Uhr alleine in den Räumlichkeiten. Seine Aufgabe um diese Uhrzeit ist es, die Terminals auszuleeren. „Die Leute werfen ihr Geld in die Terminals und dann kommt der Wettschein raus“, erklärt Borisic.
Das Geld wird gezählt und in den Tresor gesperrt. Normalerweise sei immer eine zweite Person anwesend. „Doch ausgerechnet da war das nicht der Fall. Das führen wir nun verpflichtend ein“, so Borisic.
Tresor mehrfach gesichert
Der im Boden versteckte Tresor sei mehrfach gesichert. Jeder Mitarbeiter habe eine eigene PIN, die zweimal eingegeben werden muss. Erst nach zehn Minuten öffnet sich dann die Panzerschranktüre.
Der Unbekannte passt laut Geschäftsführerin also den Moment ab, als das Geld gezählt ist, bevor es in den Tresor wandert. Auf einem Video sehe man, wie der Täter dem Mitarbeiter, der hinter dem Tresen sitzt, mehrmals versucht ins Gesicht zu sprayen.
Stiller Alarm nicht erreichbar nach Attacke
„Unser geschulter Mitarbeiter hat seinen Kopf weggedreht und ist rückwärts gerutscht. So konnte er den Knopf für den stillen Alarm nicht mehr erreichen. Der stille Alarm ist mit der Polizei und einer Sicherheitsfirma verbunden. Auch saß unserem Mann der Schrecken in den Knochen“, so die Geschäftsführerin. Dennoch habe er sich richtig verhalten.
Der Täter spricht kein Wort, vermutlich, um nicht erkannt zu werden, so Borisic. „Er greift sich auch dauernd an den Kopf und scheint überfordert“, beschreibt sie die Videoaufnahmen. Am Ende erwischt er den Angestellten des Wettbüros doch noch mit dem beißenden Pfefferspray.
„Inzwischen geht es unserem Mitarbeiter zum Glück wieder gut, die schmerzenden Reizungen sind abgeklungen und er war beim Arzt. Auch den Schreck hat er verdauen können“, so Melina Borisic. Wieviel Geld der Räuber ihm entrissen hat, könne sie derzeit noch nicht beziffern, da Abrechnungen erst Mitte des Folgemonats gemacht werden. Sie gehe bei den Monatseinnahmen von einer fünfstelligen Summe aus. „Es war Ende des Monats, das hatte der Täter sicher auf dem Schirm.“
Nach Rücksprache mit der Polizei werde sie als weitere Sicherheitsmaßnahme zum sichtbaren Überwachungssystem auch versteckte Kameras installieren lassen.



