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Passbilder nur mehr digital möglich

„Wir nennen ihn Pauli“: Wie ein Automat im Rathaus Waldkraiburg Fotos macht – und eine Existenz bedroht

Im Waldkraiburger Rathaus können nun Lichtbilder über einen Fotoautomaten erstellt werden. In Manuel Schindlers Fotostudio kommen so nun weniger Kunden.
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Im Waldkraiburger Rathaus können nun Lichtbilder über einen Fotoautomaten erstellt werden. In Manuel Schindlers Fotostudio kommen so nun weniger Kunden.

Über einen neuen Foto-Automaten können Bürger ihr Passbild nun direkt im Rathaus in Waldkraiburg erstellen lassen. Im Fotostudio 11 von Manuel Schindler bleiben somit jedoch die Kunden aus. Was das neue Gerät kann und wer seine Passbilder wohl dennoch weiter beim Fotografen machen muss.

Waldkraiburg – Nun ist er da. Der Automat für digitale Passbilder im Waldkraiburger Rathaus. Am 19. August ist das PointID-System in der Behörde eingetroffen. „Wir nennen das Foto-Gerät einfach Pauli. Das ist einfacher“, erklärt Bettina Franz, stellvertretende Leiterin des Einwohnermeldeamts.

Nur mehr digitale Passbilder erlaubt

Ab jetzt werden nur noch digitale Fotos angenommen, wenn ein neuer Reisepass oder Ausweis beantragt wird, erklärt Franz. Dadurch soll das Risiko von gefälschten Passbildern verringert und der Antragsprozess vereinfacht werden, heißt es dazu vom Bundesinnenministerium.

„Pauli“ der PointID, ein Automat für digitale Passbilder, steht nun im Foyer des Waldkraiburger Rathauses.

Bürger könnten das Lichtbild nun direkt in der Behörde erstellen lassen. Dadurch erhöhe sich die Sicherheit vor einem Missbrauch der Ausweisdokumente, heißt es von der Stadt in einer Pressemitteilung. Das Foto in der Behörde zu machen, kostet sechs Euro und wird laut Franz direkt auf die Antragsgebühr für das jeweilige Dokument draufgeschlagen. .

Das Foto zu erstellen, dauert nur wenige Minuten und ist während der Öffnungszeiten des Rathauses möglich. Das PointID-System führt einen Schritt für Schritt. Auf dem Fotoautomaten befindet sich ein Touch-Screen, der mit dem Finger bedient wird. Das System startet mit einer Berührung und erklärt die Parameter, die ein Lichtbild erfüllen muss. Dann fragt es ab, ob es sich um ein Foto einer erwachsenen Person, eines Kindes oder eines Kleinkindes handelt.

Bettina Franz, stellvertretende Leiterin des Einwohnermeldeamtes in Waldkraiburg, steht neben „Pauli“, dem neuen Foto-Automaten.

Die Kamera stellt sich anschließend automatisch auf die Größe der Person ein. Dann verlangt der Fotoautomat, den Kopf nach hinten, vorne, links und rechts zu bewegen. „So überprüft das System, ob ein Mensch vor ihm steht“, erklärt Franz. Noch ein weiterer Klick, schon startet die Aufnahme. Der Blick muss auf den Stern in der Mitte des Bildschirms gerichtet werden. Dann knipst PointID zwei Fotos zur Auswahl.

Fotos werden 96 Stunden gespeichert

Eines davon speichert das System. Nur die Mitarbeiter im Einwohner-, Pass- und Meldeamt haben laut Franz über das Antragsprogramm Zugriff auf die Fotos. 96 Stunden würden diese gespeichert werden. Über das Gerät könnten zwar auch Fingerabdrücke genommen und die Unterschrift eingescannt werden, das müssten Bürger in Waldkraiburg jedoch weiterhin während des Antrags bei einem Ratshausmitarbeiter abgeben. Grund ist, dass der Fotoautomat von keiner Person betreut werde, erklärt Franz. „Beim Termin kontrollieren wir dann, ob die Person auf dem Foto des Automaten auch vor uns sitzt. Und so stellen wir auch sicher, dass ein Abdruck des richtigen Fingers genommen wird“, erklärt die stellvertretende Leiterin.

Der Foto-Automacht zwei Bilder, aus denen man auswählen kann.

Die ersten Bürger hätten das System bereits benutzt und es habe gut funktioniert, sagt Franz. Auch beim Testlauf der Redaktion mit dem PointID-System hat alles geklappt. Wo es schwieriger werde, sei bei Fotos von Kleinkindern, erklärt Franz. „Sie lassen sich schnell ablenken und bewegen sich zu viel“, erklärt sie. Hier könne ein Fotograf mit Kamera im richtigen Moment besser abdrücken.

Passbilder von Fotograf mittels QR-Code

Das bestätigt auch Manuel Schindler, Inhaber des Studio 11 am Stadtplatz in Waldkraiburg. Ein Foto von einem Baby könne besser mit einer Kamera geschossen werden, erklärt er. Im Studio 11 können Bürger auch weiterhin Passfotos erstellen lassen. Bei dieser Methode werden die Bilder laut Bundesinnenministerium auf einer sicheren Cloud gespeichert und der Kunde bekommt einen QR-Code auf Papier. Den Code könnten die Mitarbeiter im Amt dann scannen und hätten so Zugriff auf die Passfotos, so die Bundesbehörde.

Dafür habe sich Schindler einen neuen Apparat für rund 5000 Euro kaufen und ein neues Programm installieren müssen. Das Problem dabei sei, dass dieses keine Bild-Retusche mehr zulasse. „Früher war es nämlich so: Die Eltern haben das Kind gehalten, während ich ein Foto gemacht habe. Wenn dann doch ein Finger der Mutter oder des Vaters darauf war, dann konnte ich diesen wegretuschieren“, erklärt der Fotograf. Da sich Kleinkinder oft viel bewegen würden, sei es oft schwierig, von ihnen ein biometrisches Bild zu machen. Nun dauere es länger, bis das Kind still halte und auch kein Teil der Hand der Eltern abgebildet sei.

Weniger Kunden bei Fotostudio

Außerdem würden ihm nun viele Kunden ausbleiben. „Seit der Automat im Rathaus aufgestellt ist, kam niemand mehr zu mir“, sagt Schindler. Passbilder seien jedoch eine wichtige Einnahmequelle. Bereits vor einem Jahr sprach Schindler mit der Redaktion über seine Existenz-Bedenken. Mit dem Preis im Amt könne er nicht mithalten. Der Fotograf habe nicht nur die Kosten für das neue Gerät zu tragen, sondern auch die Instandhaltung davon. Als großer Posten hinzukommen würde noch die Raummiete. Zudem zahle der Fotograf zwei Euro pro QR-Code. „Am Ende bleibt mir vom Preis für ein Passbild nicht mehr viel übrig“, sagt er.

Manuel Schindler, Inhaber des Studio 11, hat nun weniger Kunden, die ein Passfoto bei ihm machen.

Wie es für Manuel Schindler und das Studio 11 weitergeht, wird sich zeigen. Seit 20 Jahren macht der Fotograf Passbilder und betreibt seit 2017 sein eigenes Studio. Den Standort mitten in der Stadt habe er auch wegen der Nähe zum Rathaus gehalten, sagt er. „Die Passfotos waren eine sichere Einnahmequelle.“ Vor gut einem Jahr habe das Geschäft mit Passbildern rund 80 Prozent ausgemacht, erklärte Schindler damals.

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