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Waldkraiburgerin unterstützt Wissenschaft

Parkinson bremst sie nicht – nach ihrem Tod möchte Inge Schnabl ihr Gehirn spenden

Inge Schnabl aus Waldkraiburg leidet am atypischen Parkinson-Syndrom PSP. Nach ihrem Tod möchte sie ihr Gehirn der Wissenschaft spenden. PD Dr. med. Georg Nübling, Facharzt für Neurologie am LMU Klinikum, erklärt, wie eine solche Körperteil-Spende hilft und warum sie auch für Gesunde infrage kommt.
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Inge Schnabl aus Waldkraiburg leidet am atypischen Parkinson-Syndrom PSP. Nach ihrem Tod möchte sie ihr Gehirn der Wissenschaft spenden. PD Dr. med. Georg Nübling, Facharzt für Neurologie am LMU Klinikum, erklärt, wie eine solche Körperteil-Spende hilft und warum sie auch für Gesunde infrage kommt.

Parkinson macht ihr das Leben schwer – doch Inge Schnabl aus Waldkraiburg bleibt stark. Warum sie sich nicht unterkriegen lässt und sie nach ihrem Tod ihr Gehirn spenden will.

Waldkraiburg – Vor drei Jahren war Inge Schnabl noch sportlich fit. Heute ist sie froh, wenn sie beim Gehen nicht stürzt. Ihre Schritte setzt sie mit Bedacht, ihre Beine sind zittrig, der Rollator vor ihr dient als Stütze. „Fußball, Tennis – heute geht das alles nicht mehr”, sagt Schnabl. Sie ist an einer seltenen Form von Parkinson erkrankt.

Angefangen hatten die Beschwerden vor rund drei Jahren, die Diagnose habe sie selbst gestellt. „Ich habe in einer Arztpraxis gearbeitet. Als es mit dem Zittern losging, war mir klar, ich habe Parkinson”, erinnert sie sich. Ihr behandelnder Arzt wollte das erst gar nicht glauben. Doch dann stürzte sie beim Einkaufen, musste operiert werden, zur Reha fahren.

Ihr Parkinson-Syndrom kommt mit unheilbarem Zittern

Dass sie stürzt, kommt häufiger vor. „Das Zittern ist leider schlimm, schreiben kann ich gar nicht mehr, aber wenigstens am PC arbeiten.” Für sie sei das erträglich. „Aber wenn ich geistig nicht mehr fit wäre, das wäre scheiße”, sagt die Rentnerin und entschuldigt sich sogleich für ihre Wortwahl.

Inge Schnabl aus Waldkraiburg hat ein atypisches Parkinsonsyndrom. Sie ist zittrig unterwegs und das Gehen bereitet ihr Mühe, aber geistig ist sie nach wie vor fit – und ehrenamtlich in der Stadt engagiert.

Mit kleinen Dingen versucht sie, sich den Alltag zu erleichtern. Einem Greifer etwa, mit dem sie Gegenstände vom Boden aufheben kann. „Der ist mein größtes Gut.” Heilen lässt sich ihre Erkrankung nicht. Zweimal im Jahr fährt sie zur Behandlung nach München, wo sie am Klinikum Großhadern zudem an wissenschaftlichen Studien teilnimmt.

Facharzt unterscheidet drei Parkinson-Syndrome

Bei der „Describe-Studie” werden Teilnehmende jährlich untersucht und ihre Symptome dokumentiert. So gewinnen die Forscher Erkenntnisse, wie Krankheiten entstehen und ablaufen. Durch die Untersuchung von Blutproben und bildgebende Untersuchungen sollen Merkmale – sogenannte Biomarker – gefunden werden. Diese unterstützen dabei, die Diagnose zu stellen und das Voranschreiten der Erkrankung abzuschätzen.

Privatdozent Dr. med. Georg Nübling, Facharzt für Neurologie am LMU Klinikum, unterscheidet grundsätzlich zwischen drei Ausprägungen der Parkinson-Syndrome. Unter einem Syndrom versteht man allgemein, wenn verschiedene Störungen oder Befunde zusammen auftreten und wahrscheinlich auf eine gemeinsame Ursache zurückzuführen sind. Die klassische Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) tritt am häufigsten auf und führt zu Steifheit in Armen und Beinen, einem Zittern und dass alle Bewegungen in ihrem Umfang reduziert sind.

Bei dem atypischen Parkinsonsyndrom PSP, von dem Inge Schnabl betroffen ist, handelt es sich eigentlich um eine eigenständige Erkrankung, die aber trotzdem häufig als klassische Parkinson-Krankheit fehldiagnostiziert werde. Die Symptome unterscheiden sich nicht immer klar und treten individuell auf. Die dritte Form, die sogenannten sekundären Parkinson-Syndrome, treten als Begleiterscheinung von Medikamenten oder beispielsweise einem Schlaganfall auf.

Trotz Krankheit ehrenamtlich engagiert

Wie Inge Schnabls Krankheit weiter verlaufen wird, darüber lassen sich keine Aussagen machen. „Wenn es noch länger so bleibt wie jetzt, bin ich glücklich”, sagt sie, die sich als Kämpferin bezeichnet. Ihre Ehrenämter macht sie weiter: Egal ob beim Verein Sterntaler, dem Tennis-Verein oder Faschingsgesellschaft Waldburgia – nach wie vor bringt sich Schnabl im Waldkraiburger Stadtleben ein und erhielt dafür vor Kurzem die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste.

Damit das noch lange so bleibt, nimmt sie fünfmal am Tag Tabletten, um die Auswirkungen der Krankheit im Zaum zu halten. „Zumindest sollte ich so die Krankheit ein bisschen besser in den Griff kriegen, aber wirklich das Gefühl habe ich nicht”, sagt sie. Viel Unterstützung erhält sie von ihrem Mann, den alleine kann sie den Alltag heute nicht mehr bewältigen. Trotzdem ist sie überzeugt: „Man sollte nicht verzweifeln, es gibt immer noch Schlimmeres.”

Schnabl möchte Gehirn zu Forschungszwecken spenden

In wenigen Tagen wird die Seniorin 79 Jahre alt. Sie hofft, dass ihr noch viele Lebensjahre bleiben. In jedem Fall steht bereits fest, was nach ihrem Tod mit ihrem Körper passieren wird: Sie möchte ihren Schädel an die Wissenschaft spenden. „Wenn ich beerdigt werde, habe ich also keinen Kopf mehr – aber das macht nichts, den brauche ich ja auch nicht mehr”, erzählt Schnabl schmunzelnd. Die Entscheidung stand für sie schnell fest, als sie von der Möglichkeit erfuhr, und ihre Angehörigen hätten den Wunsch akzeptiert.

Dr. Nübling entwarnt an dieser Stelle: „Wenn man sein Gehirn nach dem Tod spendet, wird das heute so gemacht, dass man von außen nicht viel sieht – der Eingriff ist nicht entstellend und wenn gewünscht, kann man anschließend trotzdem aufgebahrt werden.” Anhand des Gehirns und gegebenenfalls auch des Rückenmarks können Wissenschaftler sicherstellen, ob die Diagnose zu Lebzeiten tatsächlich zutreffend war. „Das kann man nur am Hirngewebe selbst festmachen und auch andere Untersuchungen lassen sich nur so durchführen”, erklärt Nübling.

Auch an gesunden Gehirnen lässt sich forschen

Besonders wertvoll ist in Nüblings Augen die Kombination der beiden Untersuchungsmethoden: Durch eine bestenfalls mehrjährige Beobachtung schon zu Lebzeiten und anschließende Untersuchung des Gehirnmaterials ließen sich viel detailliertere Rückschlüsse ziehen.

PD Dr. med. Georg Nübling ist Facharzt für Neurologie am LMU Klinikum. Er erklärt, wie eine Spende von Körperteilen die Forschung unterstützt.

Derartige Untersuchungen sind in der Regel an wissenschaftliche Zentren gebunden, eines davon befindet sich in München. „Wie die Gehirn-Spende von den Patienten angenommen wird, ist sehr unterschiedlich, aber es ist auch kein Muss”, betont Nübling. Sorgen müssen sich Studienteilnehmer jedenfalls nicht machen oder gar bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Die Entnahme des Gehirns erfolgt erst nach dem tatsächlichen Tod, dann allerdings zeitnah.

Krank muss man nicht zwangsläufig sein, um sich für eine solche Körperteilspende zu entscheiden: Die DZNE Brain Bank freue sich auch über Vergleichsmaterial von gesunden Menschen. „Das ist durchaus angestrebt”, sagt Nübling.

Wissenschaft ist der Seniorin wichtig

Inge Schnabl hofft, dass ihre Spende der Forschung und anderen Erkrankten etwas bringt und gewissenhaft damit umgegangen wird. „Für mich steht fest: Wissenschaft ist wichtig”, sagt die Rentnerin. Derzeit verbringt sie einige Tage in einer speziellen Parkinson-Klinik und hofft, so gesundheitlich noch ein bisschen was rausholen zu können. Trotz Rollator stürzt sie häufig, ist dankbar um den Hausnotruf, den sie am Handgelenk trägt. Abhalten lässt sie sich davon nicht und erzählt, dass sie selbst mit Rollator schon beim Sterntaler-Benefizlauf gestartet ist.

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