An Waldkraiburger Kläranlage angeschlossen
Neue Pumpe sorgt für Abwasser-Sicherheit in Ebing – wäre da nicht ein Alltagsprodukt im WC
Ein neues Pumpwerk sorgt im Waldkraiburger Ortsteil Ebing für mehr Versorgungssicherheit. Denn die alte Kläranlage ist in die Jahre gekommen. Doch ein Produkt im Abwasser verursacht Ärger – und das deutschlandweit.
Ebing – In einer unspektakulär anmutenden grauen Kiste am Straßenrand am Ortsausgang von Ebing befindet sich eine geballte Ladung Technik. Die alte Kompaktkläranlage war in die Jahre gekommen und stellte die Stadtwerke vor die Wahl: Entweder in die kleine Anlage investieren und sie ertüchtigen oder das Abwasser gleich in die Hauptkläranlage in Waldkraiburg leiten. „Ein Pumpwerk ist am Ende wirtschaftlicher, trotz der Betriebskosten”, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Lechner.
Darum investierten die Stadtwerke rund 1,4 Millionen Euro für die Planung sowie zwei Pumpwerke und vier Kilometer Druckleitung. Oberirdisch sieht man davon wenig, doch seit Anfang Juni fließt bereits das Abwasser aus Ebing direkt nach Waldkraiburg. Auch der Ortsteil Rausching kann sein Abwasser nun per Pumpwerk entsorgen, das Innthal könnte noch angeschlossen werden. „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet”, versichert Christian Erdösi, Geschäftsbereichsleiter Abwasser.
Weniger Aufwand, mehr Sicherheit
Eine zusätzliche Trinkwasserleitung sorgt für doppelte Versorgungssicherheit und auch wenn Löschwasser gebraucht wird, sei man nun bestens gewappnet. Das Pumpwerk ist zudem notstromfähig. Gleichzeitig ist es weniger wartungsintensiv: Zuvor sei jeden Tag ein Mitarbeiter zur Kläranlage gefahren und einmal wöchentlich musste die Anlage gereinigt werden. „Jetzt haben wir erheblich weniger Aufwand”, sagt Erdösi.
Gleichzeitig handle es sich um die sauberste Lösung, da die große Kläranlage eine andere Reinigung ermögliche und die Kapazitätsgrenze höher liege. „Das Pumpwerk ist ein Schritt in die richtige Richtung”, sagt Bürgermeister Robert Pötzsch bei der offiziellen Inbetriebnahme. Stündlich schaltet sich die 250 kg schwere Pumpe einmal automatisch ein und transportiert so über den Tag fortlaufend Abwasser nach Waldkraiburg. 20 bis 30 Kubikmeter kommen dabei täglich in Ebing zusammen.
Feuchttücher bleiben im Klär-System
Sieben Meter unter der Erde liegen die entsprechenden Rohre. „Das neue Pumpwerk ist wirklich ein Meilenstein”, sagt Lechner. In Waldkraiburg ist es beinahe eine Seltenheit: Durch die Lage der Stadt läuft ein Großteil des Abwassers im freien Gefälle – was sich positiv auf die Betriebskosten auswirkt. Nur sechs Pumpwerke gibt es im gesamten Stadtgebiet. Im September sollen die Bauarbeiten mit der Asphaltierung der Straße abgeschlossen werden. Dann wird auch die alte Kompakt-Kläranlage zurückgebaut.
Ein Problem aber bleibt bestehen, dem auch moderne Technik nichts entgegensetzen kann: Dinge, die unsachgemäß über das Abwasser entsorgt werden – insbesondere Feuchttücher. „Es ist Wahnsinn, was das deutschlandweit an Kosten und Ärger verursacht”, betont Erdösi. Große Pumpen seien zwar weniger stark betroffen, aber man bekomme die sich nicht zersetzenden Tücher nur schwer aus dem Klär-System wieder heraus. Da sie nicht verrotten, würden sich schnell ganze Zöpfe von vier bis fünf Meter Länge bilden. „Feuchttücher in der Toilette zu entsorgen, ist bequem, aber nicht zu Ende gedacht.”