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Impfung schützt auch jetzt noch

Jetzt schon zwei Masernfälle im Landkreis Mühldorf – So reagiert die Realschule

An der Realschule Waldkraiburg ist ein Schüler an Masern erkrankt. Schullleiter Werner Groß berichtet über die Maßnahmen der Schule und die Pflicht zur Impfung.
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An der Realschule Waldkraiburg ist ein Schüler an Masern erkrankt. Schullleiter Werner Groß berichtet über die Maßnahmen der Schule und die Pflicht zur Impfung.

Nach dem Masernausbruch bei einem Schüler der Realschule Waldkraiburg gibt es jetzt einen zweiten Fall. Weitere Infektionen schließt das Landratsamt nicht aus.

Waldkraiburg/Mühldorf – Im Landkreis Mühldorf gibt es jetzt zwei Masernfälle. Das hat das Landratsamt am Dienstag (10. Juni) auf Anfrage mitgeteilt. Demnach ist einer der beiden offiziell bestätigt, der zweite noch nicht. Er sei aber höchstwahrscheinlich, weil der Erkrankte Kontakt zu einem Infizierten hatte und Symptome einer Masernerkrankung zeige. Der erste, offiziell bestätigte Fall ist außerhalb der Schule aufgetreten, der möglicherweise infizierte Realschüler, der klare Masernsymptome hat, hatte engen Kontakt zu dem ersten, bestätigten Fall.

Die erste Infektion war am Donnerstagabend (5. Juni) bekannt und der Schule mitgeteilt geworden, das Gesundheitsamt Mühldorf hatte am Freitag (6. Juni) die Öffentlichkeit informiert. Eine Person ist bereits auf dem Genesungsweg, die zweite Person ist fiebrig und bettlägrig mit Ausschlag“, teilte Sprecherin Karin Huber zum Gesundheitszustand der beiden mit.

Für die Realschule in Waldkraiburg liegt der Ausbruchszeitpunkt günstig. Denn die Infektion wurde am letzten Tag vor den Pfingstferien bekannt. „Für uns ist das gut, denn so können keine weiteren Kontakte stattfinden“, sagt Schulleiter Werner Groß. „Deshalb gab es wenig Aufregung in der Schule.“ Es hätten nur zwei oder drei Eltern angerufen, um sich zu erkundigen.

Genaue Kontaktverfolgung schwierig

Da die Ansteckungszeit aber vor dem Ausbruch liegt – laut Gesundheitsamt sind das vier Tage – könnte der Schüler weitere Jugendliche oder Lehrer angesteckt haben. Am Donnerstagabend nach Bekanntwerden der Infektion habe die Konrektorin deshalb zunächst die Eltern der Jahrgangsstufe 7 informiert, weil es dort die meisten Kontakte innerhalb der Klasse und beim gemeinsamen Unterricht mit anderen gegeben habe, sagt Groß. Später sei die Information an alle Eltern rausgegangen. „Damit nicht der Vorwurf kommt, wir wollten etwas verheimlichen.“ Der Schüler habe am Donnerstagabend noch keine Symptome gezeigt, aber vorher Kontakt zu einem Erkrankten außerhalb der Schule gehabt.

Eine genaue Kontaktverfolgung ist laut Groß schwierig. Viele Schüler benutzen gemeinsam Busse, im Unterricht würden die Gruppen im Fachunterricht zumindest auf Jahrgangsebene immer wieder gemischt, auch auf dem Schulhof gebe es Kontakte.

Der neue Rektor der Realschule Waldkraiburg: Werner Groß bei seiner Amtseinführung.

Nach ersten Erkenntnissen hätten etwa zehn Schüler keinen Impfschutz gegen Masern, sagt Groß, die Zahl sei später aber nach unten korrigiert worden. „Eigentlich darf niemand ohne Impfschutz zu uns kommen“, sagt der Schulleiter, denn in Deutschland gibt es eine Impfpflicht für Kinder. „Masernschutz ist ja fast das Wichtigste.“

Ein Kind wird gegen Masern geimpft.

Trotzdem gebe es immer wieder Fälle von Impfverweigerern oder Kindern, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden dürften. „Denen können wir wegen der allgemeinen Schulpflicht den Zutritt nicht verweigern“, sagt der Schulleiter. Es gebe aber eine Meldung ans Gesundheitsamt.

Die Realschule Waldkraiburg.

Fälle von Masern-Erkrankungen in Bayern

Derzeit gibt es im südlichen Bayern mehrere Fälle von Masernerkrankungen. So meldete das Landratsamt Freyung-Grafenau Anfang Juni vier Fälle nach einem Festival. Nach BR Informationen gehört der Landkreis Freyung-Grafenau zu denen mit der niedrigsten Impfquote.

Auch der Landkreis Mühldorf liegt unter dem bayerischen Durchschnitt. Bei Einführung der Impfpflicht 2020 lag sie bei bei 94,1 Prozent für die erste Impfung und 86,1 Prozent für zwei Masernimpfungen. Heute sagt Landratsamtssprecherin Huber, läge sie bei 95 Prozent. Genauere Zahlen gebe es aber nicht.

Seit 2020 muss die Masernimpfung am Beginn der Kita- oder Schulzeit nachgewiesen werden. Denn einen wirksamen Schutz gegen die Infektion gibt es außer der Impfung nicht.

Das Gesundheitsamt hat nach eigenen Angaben alle direkten Kontaktpersonen, die ermittelt werden konnten, persönlich informiert und über die Möglichkeit einer Impfung aufgeklärt. „Eine Impfung kann auch nach Kontakt mit einer erkrankten Person noch schützen“, betont Huber. Deshalb erneuert das Landratsamt die Aufforderung, den Impfschutz zu prüfen und gegebenenfalls nachzuholen.

Laut Gesundheitsamt liegt der letzte Masern-Fall im Landkreis bereits zehn Jahre zurück. „In Anbetracht größerer Ausbrüche in Österreich im letzten Jahr, anhaltend hoher Fallzahlen in anderen EU-Ländern (z.B. Rumänien) und vermehrten Fällen im Rahmen von Reiserückkehrern muss auch bei uns mit erneuten Fällen gerechnet werden“, erklärt Huber.

Eine gute Herdenimmunität mit einer Impfrate von mehr als 95 Prozent würde neben dem Eigenschutz auch einen Schutz für Säuglinge im ersten Lebensjahr, die noch nicht selbst geimpft werden können und für immunsupprimierte Personen bieten.

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