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Highline, Windböen und ein voller Maßkrug: Friedi Kühne sorgt in Mühldorf für Nervenkitzel und Volksfest-Stimmung.
Mühldorf – Manch einer hat schon Schwierigkeiten, seinen Maßkrug ohne Pritscheln ruhig zu halten, wenn er im Bierzelt sitzt. Friedi Kühne hält den seinen fest in Hand, als er 30 Metern Höhe über dem Mühldorfer Stadtplatz steht. Unter seinen Füßen nur ein dünnes Seil. Dessen eines Ende ist oben auf dem Naglschmiedturm verankert, das andere an einem Kran vor dem Rathaus.
Kurzes Wetterfenster genutzt
Weit darunter stehen hunderte Menschen, den Kopf fest in den Nacken gelegt. Die Stadt hat Glück. Denn für den wind- und wetteranfälligen Gang hoch oben über den Dächern, haben die Tiefdruckgebiete ein kurzes Zeitfenster gelassen.
Seit den Mittagsstunden bevölkern viele Menschen den Mühldorfer Stadtplatz. Die Jugendkapelle spielt, ein Ukulelenorchester aus Fünftklässlern der Mittelschule musiziert zusammen mit der Band Suspicious Dry, es gibt Essen, Bier und Cocktails an verschiedenen Ständen und in den Cafés. Vor allem Kinder versuchen ihr Balanciergeschick auf einer niedrig aufgehängten Leine, auf einer Showfläche zeigen Sportler ihr Können.
Mit dem Maßkrug über Mühldorf – Bad Aiblinger Friedi Kühne balanciert in 30 Meter Höhe
Immer wieder gehen die Blicke nach oben, wo sich die dünne Balancier-Leine im Wind wiegt. Es ist Lousie Kühne, die sich zuerst auf die Highline wagt, wie Slacklines genannt werden, wenn sie in größer Höhe gespannt sind. Barfuß und im Dirndl setzt sie kurz nach 16 Uhr ihren Fuß über die Zinnen des Naglschmiedturms und die Zuschauer erhalten einen ersten Vorgeschmack auf das, was an diesem Tag in Mühldorf geboten ist.
Louise Kühne bietet eine spektakuläre Show. Sie tänzelt, macht Schulterstände, lässt sich von der Leine fallen, verbeugt sich. Ihr Bruder kommentiert am Boden stehend im Gespräch mit Moderator Josef Enzinger ganz cool die Aktionen seiner Schwester. Er lässt keine Spur von Nervosität erkennen: weder darüber, was seine Schwester tut, noch vor dem eigenen Rekordversuch.
Munter macht sich Kühne nach seiner Schwester auf den Weg Richtung Rathauskran, denn den Rekordversuch unternimmt er erst auf dem Rückweg. Spielerisch unterhält der die vielen Besucher, zieht am Ende angekommen in aller Ruhe den Jutebeutel mit der Bierflasche und dem Maßkrug nach oben, gießt das alkoholfreie Weißbier in aller Seelenruhe ein, und geht los. Es ist 20 Minuten vor 6.
Der Wind hat aufgefrischt, die Slackline schaukelt bedenklich, manches Mal geht ein beunruhigtes Raunen durch die Menschenmenge. Allein Kühnes Schwester bleibt ruhig. „Nein, das sieht alles sehr gut aus“, sagt sie, „der fällt nicht runter.“ Auch nicht als er nach 20 oder 30 Metern den Maßkrug in die andere Hand nehmen muss. „Das ist ja wie Maßkrug stemmen“, sagt Louise, wer je an diesem Spiel teilgenommen hat, weiß, wie lange dabei ein paar Minuten werden können.
Oben sind es jetzt schon gut 10, als Kühne mitten auf der Strecke eine längere Zeit verweilen muss. Die Fahne über dem Nagelschmied weht jetzt im kräftigen Wind, oben pustet der Bad Aiblinger ein paar mal kräftig durch. Dann geht er weiter, die Zuschauer zählen die letzten der 100 Meter – dann ist es geschafft: Friedi Kühne ist der erste Mensch, der einen vollen Maßkrug 30 Meter weit über eine Highline getragen hat. Entspannt lässt er sich Punkt 18 Uhr auf der Highline nieder, grüßt mit seinem Maßkrug nach unten, genießt den Applaus. Er hat nicht gepritschelt, der Maßkrug ist noch so voll wie am Start. Einen Zweitjob auf dem Mühldorfer Volksfest steht also nichts mehr entgegen.