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Außergewöhnliche Sportarten

Kalt, nass, frustriert – und heute Meister: Bogensport mit Profi-Anspruch in Waldkraiburg

Krzysztof Skrzydels (links) erste Erfahrung mit dem Bogensport war eher abschreckend – inzwischen ist er längst Bayerischer und Deutscher Meister. Warum er dem Bogenschießen noch eine Chance gegeben hat und ihn der Sport heute fast täglich begleitet.
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Krzysztof Skrzydels (links) erste Erfahrung mit dem Bogensport war eher abschreckend – inzwischen ist er längst Bayerischer und Deutscher Meister. Warum er dem Bogenschießen noch eine Chance gegeben hat und ihn der Sport heute fast täglich begleitet.

In 70 Metern Entfernung die goldene Mitte treffen: Dafür sind bei den Schützen-Zwergen Waldkraiburg Präzision und Körperspannung gefragt. Der kleine Verein trainiert mehrmals wöchentlich. Doch der Einstieg in den Bogensport birgt Hürden.

Waldkraiburg – Krzysztof Skrzydels erste Erfahrung mit Bogenschießen war alles andere als positiv. „Meine Tochter war damals 15 Jahre alt und wollte sportlich etwas anderes machen als Gleichaltrige”, erinnert er sich. Sie überredet ihn, zum Bogenschießen mitzukommen.

Krzysztof Skrzydel ist erster Vorstandsvorsitzender der Schützen-Zwerge Waldkraiburg. Heute ist Bogenschießen seine Leidenschaft und er tritt regelmäßig bei Turnieren an.

Zwanzig Jahre liegt das inzwischen zurück, März sei es damals gewesen und draußen hatte es geschneit. „Wir mussten die Pfeile im Schnee suchen, meine Hände und Füße waren nass und kalt – was für ein scheiß Sport habe ich damals gedacht.” Doch im Mai wagt er einen zweiten Versuch und da habe es Klick gemacht. „Ich habe mir dann relativ schnell einen Bogen bei Ebay gekauft, der natürlich nicht passte”, erzählt Skrzydel.

So oft wie möglich trainieren die Bogenschützen im Jahnstadion

Heute macht dem mehrfachen bayerischen Meister niemand so leicht etwas vor. Einmal gewann er zudem die Deutsche Meisterschaft, ein weiteres Mal gelang ihm der Erfolg im Team. Rund fünf Jahre schoss er in der Ersten Bundesliga. „Wir sind keine Hobbyschützen, auch unsere Satzung legt die Teilnahme an Turnieren fest”, betont Skrzydel. Wer also gelegentlich oder mit einem Holzbogen schießen möchte, ist bei den Schützen-Zwergen Waldkraiburg fehl am Platz.

Die OVB Heimatzeitungen stellen in den nächsten Wochen die Waldkraiburger Sportvereine vor. Heute: Die Schützen-Zwerge Waldkraiburg.

„Wir trainieren so oft wir können, vier- bis fünfmal pro Woche – wenn es nach uns ginge, wäre es noch mehr”, macht Skrzydel deutlich. Geübt wird am Jahnstadion. Der Platz ist von einem Gutachter zugelassen und die Trainingszeiten genau festgelegt, um niemanden durch das Schießen zu gefährden. Natürlich sind nicht immer alle acht Mitglieder des kleinen Vereins anwesend.

Die Aufnahme neuer Mitglieder ist nicht so einfach

Gegründet haben sich die Schützen-Zwerge erst vor knapp fünf Jahren. „Wir bauen langsam auf, auch weil wir alles aus Mitgliedsbeiträgen bezahlen müssen”, erklärt Skrzydel. Der Jahresbeitrag liegt bei 150 Euro pro Person, Wettkampfgebühren komme noch hinzu. Sponsoren oder Zuschüsse gibt es für den Verein nicht.

70 Meter entfernt steht die Zielscheibe, die Gabriel Nagy anvisiert. Bis man ein geübter Schütze ist, vergehen meist zwei bis drei Jahre.

Anfragen von Interessierten gebe es durchaus, doch mit der Aufnahme neuer Mitglieder sind sie zurückhaltend. „Das ist problematisch, weil sie erst Kurse belegen und Ausrüstung ausleihen müssten”, sagt Skrzydel. Die Ausbildung zu einem geübten Schützen dauere in der Regel zwei bis drei Jahre. „Anders ist es, wenn Leute schon viel Erfahrung mitbringen und keine permanente Betreuung brauchen.”

Bogenschießen geht ins Geld

Prinzipiell sei der Sport aber für alle geeignet. „Solange man fit genug ist, kann man Bogenschießen”, sagt er. Vor allem der Oberkörper werde dabei beansprucht, doch im ganzen Körper sei Spannung nötig. Locker bleiben sollen nur das Handgelenk der Zughand und die Handfläche, die den Bogen hält. Da die Muskeln einseitig belastet werden, ist Ausgleichssport wie Training im Fitnessstudio notwendig. Oder man schießt beidseitig. „Aber wir haben praktisch alle ein zielendes Auge, beim Seitenwechsel besteht die Gefahr zu verschießen”, erklärt Skrzydel.

Außerdem sei dann in der Regel ein zweiter Bogen notwendig. Das geht ins Geld: Ein Bogen der mittleren Klasse kosste zwischen 1500 und 2000 Euro. Pro Saison brauchen Schützen zudem ein bis zwei Sätze mit jeweils 15 neuen Pfeilen, dafür kämen in der Mittelklasse um die 200 Euro zusammen. Ein guter Pfeil koste allein schon 70 Euro. „Es ist kein billiger Sport, aber wenn man so schießt wie wir, braucht man eine gewisse Ausrüstung”, verdeutlicht Skrzydel.

Ein Vereinshaus würde mehr Möglichkeiten bieten

Im Training bringen sich die Schützen hinter einer Schusslinie in Stellung. 70 Meter ist diese für Herren standardmäßig von den Zielscheiben entfernt. Dann heißt es Konzentration, bevor der Pfeil mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde davon saust. Mit einem Fernglas schaut Gabriel Nagy, wo er getroffen hat. Sind alle Pfeile verschossen, gehen die Schützen nach vorne und notieren die Punkte anhand der Ringe auf der Zielscheibe. „Mir macht das Spaß und ich erlebe zusammen mit der Mannschaft schöne Momente”, erzählt Nagy.

Nach dem Schießen werden die Treffer notiert: Gabriel Nagy hält fest, wo auf der Zielscheibe er aus 70 Metern Entfernung getroffen hat.

Gerne würde der Verein seine Aktivitäten ausbauen und in ein bis zwei Jahren eine Jugendeinheit aufbauen. Denn Bogenschießen sei je nach Entwicklung des Kindes schon ab etwa zehn Jahren möglich. „Aber dafür brauchen wir ein Vereinshaus”, betont Skrzydel. Dann werde es insgesamt einfacher, neue Mitglieder aufzunehmen. Denn die Schützen-Zwerge könnten Ausrüstung und Werkzeuge dort lagern und so eine Basis schaffen. „Für uns selbst können wir die Sachen mitbringen, aber das geht nicht für viele Teilnehmer.”

Für die richtige Technik braucht es einen guten Trainer

Wer Bogenschießen einmal ausprobieren möchte, sollte sich einen Verein oder Händler suchen, der Kurse anbietet. „Es ist wichtig, bei guten Trainern zu lernen, wenn man den Sport langfristig machen möchte – ansonsten kann es passieren, dass man schnell die Lust verliert”, meint Skrzydel. Von Erlebnis-Gutscheinen wie vom Anbieter Jochen Schweizer rät er ab: „Da kann man sich verletzen und lernt gar nichts.”

Mark Vrolijk schätzt am Bogenschießen das Training an der frischen Luft und die technischen Herausforderungen der Sportart.

Für manche sei der Sport vielleicht langweilig, man müsse es schon mögen und beim Lernen dranbleiben. So wie Vereinsmitglied Mark Vrolijk, der das Training an der frischen Luft genießt. Er sagt: „Bogenschießen ist ein technisch sehr schwieriger Sport, bei dem man immer mehr lernen und verbessern kann.”

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