Aus dem OVB-Zeitungsarchiv
Tauchunglück von Kraiburger im Jahr 1975: „Kollegen gingen bei Suche an Grenze der Belastbarkeit“
Vor 50 Jahren verunglückte der 32-jährige Sporttaucher Dieter Esterbauer bei einem Unfall im Achensee in Tirol. In der Folge begann eine dramatische Suchaktion, bei der seine Taucherkameraden alles gaben. Wir blicken darauf an Hand von Berichten aus dem OVB-Zeitungsarchiv zurück.
Kraiburg am Inn – „Vor den Augen seiner Freunde ertrank der 32-jährige Sporttaucher Dieter Esterbauer aus Kraiburg im Achensee in Tirol“, musste das Oberbayerische Volksblatt (OVB) am 18. März 1975 berichten, „Bis gestern blieb die Suche nach der Leiche des 32-Jährigen erfolglos. Zusammen mit vier Freunden aus dem Landkreis Mühldorf war Esterbauer zum Achensee gefahren. Die Wassersportler kamen dort ihrem Hobby, dem Sporttauchen, nach. Als alle fünf gleichzeitig auftauchten, kam Esterbauer zwar nahe an die Oberfläche heran, sackte dann aber urplötzlich ab.“
„Seine Freunde alarmierten die Gendarmerie und suchten bis in die Dunkelheit hinein ergebnislos nach dem 32-jährigen. Ein weiterer Sporttaucher aus Waldkraiburg, der mit zur Gruppe gehörte, erlitt einen Schock. Er liegt nach den Angaben des Gendarmeriepostens Achenkirch in einem Krankenhaus, Dieter Esterbauer war einen Tag vor seiner Fahrt zum Achensee vom Skiurlaub nach Kraiburg zurückgekehrt. Er wollte ursprünglich zu Hause bleiben. Seine Freunde konnten ihn jedoch zur Mitfahrt überreden“, schließt der Bericht an jenem Tag.
Tragisches Tauchunglück von Kraiburger 1975: „Kollegen gingen bei Suche an Grenze der Belastbarkeit“
„Er war in Kraiburg beim roten Kreuz und bei der DSV“, berichtet Franz Genzinger, ehrenamtlicher Archivpfleger in Kraiburg am Inn. „Den Taucherkollegen konnte kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Alle notwendigen Sicherungen waren erfüllt“, heißt es in einer Gedenkschrift der Wasserwacht, welche er auf unsere Anfrage hin zur Verfügung stellte, „Im Gegenteil: Getrieben durch die Tragik gingen die Kollegen an die Grenzen der eigenen Belastbarkeit, wie sich später herausstellte sogar darüber hinaus. Einige der Tauchfreunde hatten erhebliche gesundheitliche Störungen durch das Nichteinhalten von Dekompressionszeiten, wegen der vielen aufeinander folgenden Rettungsversuche!“
Die übrigen Taucher hätten am Unglückstag sofort mit der Suche begonnen, betont auch ein Bericht in den Mühldorfer Nachrichten, dem heutigen Anzeiger, vom 21. März. „Einer von ihnen war derart entkräftet, dass er mit einem Boot aus dem See geborgen werden musste. Da sich bei ihm außerdem Anzeichen der gefürchteten Taucherkrankheit bemerkbar machten, wurde er umgehend in die Druckkammer nach Fürstenfeldbruck gebracht.“ Auch die ganzen folgenden Tage über sei die Suche unermüdlich fortgesetzt worden. „Das Wasser erwies sich als ausgesprochen trüb und in der Tiefe stark mit Webstoffen durchsetzt, sodass die Sicht nur über einige Meter reichte.“
Fast unübersehbare Zahl an Trauergästen
Am 29. März dann berichtet das OVB: „Mit einer Unterwasser-Fernsehkamera haben zwei Brüder die Leiche ihres dritten Bruders, des 34-jährigen Dieter Esterbauer, in 65 Meter Tiefe im österreichischen Achensee entdeckt.“ Die Anteilnahme am tragischen Tod des Kraiburgers war groß. Archivpfleger Franz Genzinger hat Traueranzeigen der Familie, der Wasserwacht-Ortsgruppe, seiner Freunde und Tauchkameraden sowie des BRK-Kreisverbandes in der Sammlung des Archivs. „Eine fast unübersehbare Anzahl von Trauergästen gab bei der Beerdigung dem auf tragische Weise verunglückten Dieter Esterbauer in Kraiburg die letzte Ehre“, setzt auch ein Artikel vom 10. April in den Mühldorfer Nachrichten an.
„Bereits vor einer Woche bei der Trauerfeier war die Pfarrkirche voll besetzt. Verbandspfarrer Josef Hamberger würdigte in seiner Traueransprache das selbstlose, stets hilfsbereite Leben des Verunglückten, der immer eine Hilfe für seine Angehörigen und ein Vorbild für seine Freunde, Kollegen und Sportsfreunde war“, so der Bericht weiter, „Nach dem Seelengottesdienst in der Kraiburger Pfarrkirche, die nochmals voll besetzt war, versammelten sich die Vereine mit Fahnen und die vielen Trauergäste am Grabe. Die Vereine und Organisationen sowie der Betrieb, für die alle der Verstorbene ein unersetzbarer Verlust ist, legten als letzten Gruß Kränze nieder.“
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Der Bericht schließt mit einem Rückblick auf das Leben des 1941 geborenen, der das Spenglerhandwerk gelernt und verhältnismäßig früh die Meisterprüfung ablegte. „Der Zierbrunnen an der neuen Kraiburger Schule ist in Entwurf und Ausführung sein Werk und bezeugt sein künstlerisches Empfinden. Esterbauer hat sich damit in seinem Heimatort ein bleibendes Denkmal gesetzt.“ Er sei in zahlreichen Vereinen aktiv gewesen. „Seine Leidenschaft war dabei der Schwimmsport und das Tauchen. Esterbauer war nicht nur einer der besten Schwimmer, auch als Schwimmlehrer hat er vielen Schulkindern das Schwimmen gelernt.“ Am 26. Juli veranstaltete der TV Kraiburg dann zu Ehren des Verunglückten ein Gedächtnisschwimmen, wie wir aus einer Zeitungsmeldung an jenem Tag erfahren.

