Diskussion im Gemeinderat
„Leblose Batteriespeicher“ oder „lukrative Einnahmen“: Stromspeicher statt Gewerbegebiet in Aschau?
Große Mengen Strom speichern und damit das Netz stabilisieren: Das könnte künftig ein stationärer Batteriegroßspeicher in Aschau am Inn. Doch die Frage ist: Beansprucht dieses Projekt Bauland in bester Lage?
Aschau am Inn – Stationäre Batteriegroßspeicher können konventionelle Kraftwerke ersetzen, wenn es darum geht, das Netz hinsichtlich Spannungs- und Frequenzregelung zu stabilisieren. Sie sind schnell verfügbar und können große Mengen an Strom speichern. So lassen sich Schwankungen erneuerbarer Energiequellen ausgleichen und das Risiko von Stromausfällen verringern.
Solche Batteriespeicher könnten zukünftig auch in Aschau zur Energieversorgung beitragen. Dazu hat die ib vogt Entwicklung Deutschland GmbH einen Antrag auf Vorbescheid bei der Gemeinde eingereicht, über den jüngst der Gemeinderat diskutierte.
Ohne Pachtvertrag Batteriespeicher nur eine Überlegung
Konkret geht es um eine Fläche von 0,7 Hektar an der Industriestraße, auf der dann Containergebäude stehen könnten. Es handelt sich also um ungefähr die Größe eines Fußballfeldes in der Nähe des Umspannwerks. Die Anlage soll aus der Ferne gesteuert werden, sodass nur einmal monatlich ein Mitarbeiter vor Ort sein muss und während des Betriebes kein zusätzlicher Verkehr zu erwarten ist.
Anders während der Bauarbeiten, die bis zu sechs Monate dauern können – wenn denn der Gemeinderat ein positives Signal gibt. „Es geht um eine immense Menge Strom, die verarbeitet wird”, führt Bürgermeister Christian Weyrich (CSU) aus. Zunächst gehe es nur um einen Vorbescheid. „Es passiert gar nichts, bevor ein Pachtvertrag geschlossen ist.” Vorerst handle es sich lediglich um einen Entwurf, der noch mit Fachstellen und Behörden weiterzuentwickeln sei, wie der Bürgermeister betont.
Begrünung der Anlage lässt sich vertraglich regeln
„Was sind das für Container, wie schauen die aus?”, wollte Gemeinderat Lorenz Salzeder (CSU) wissen. Die Container haben standardmäßig eine Länge von 6,05 Metern, eine Breite von 2,44 Meter und eine Höhe von 2,90 Metern. Die zudem erforderlichen Trafostationen haben ähnliche Abmessungen.
„Die Container sollen eingegrünt werden”, versicherte Weyrich. Das lasse sich leicht über den Pachtvertrag mit einer entsprechenden Bedingung regeln. „Sowas werden wir irgendwo brauchen, da werden wir nicht drum rumkommen”, zeigte sich Salzeder zugewandt. Auch Weyrich bestätigte, dass es mehrere Anfragen von Projektentwicklern gebe und ein regelrechter Run auf Umspannwerke bestehe.
Kapazität des Umspannwerks nutzen
„Das ist im Außenbereich und ein privilegiertes Vorhaben”, ergänzte Gemeinderat Klemens Schneider (AWG). „Dann haben wir es da hinten auf unserem Grund.” Dem schloss sich Bürgermeister Weyrich an: „Wenn wir Grundstückseigentümer sind, können wir über den Pachtvertrag Einfluss nehmen.” Zudem seien Anlagen zu Energieerzeugung und -speicherung privilegiert und könnten sonst im Zweifelsfall an anderer Stelle gebaut werden.
Anders sieht das Gemeinderätin Daniela Reingruber (CSU): „Das Argument lasse ich nicht gelten – wenn wir jetzt bauen, schließt das nicht aus, dass ein anderer auch vorhat einen Energiespeicher zu bauen.” „Wenn wir dahin bauen, ist die Kapazität des Umspannwerks mit Sicherheit ausgeschöpft”, meint dagegen Schneider.
Beeinträchtigt der Energiespeicher ein Gewerbegebiet?
„Wer sagt das: Gibt es Berechnungen?”, erwiderte Reingruber. Das seien alles Annahmen. „Grundsätzlich gehört eine Batteriespeicheranlage für mich nicht in ein Gewerbegebiet: Wir haben uns doch vorgenommen, wir siedeln tolle Unternehmen an, und jetzt geben wir bestes Bauland her für leblose Batteriespeicher.”
Dass es sich bisher nicht um ein Gewerbegebiet, sondern um Außenbereich handelt, machte Weyrich deutlich. „Außerdem gibt es Vorschriften zu Abständen zum Umspannwerk, die es zu beachten gilt”, fügte er hinzu. Dabei gehe es auch um dauerhafte und zeitweise Arbeitsplätze. „Noch haben wir kein Gewerbegebiet”, legte Reingruber nach. „Du legst auch Wert auf Fakten: Das ist nicht beste Lage und ein Speicher an dieser Stelle verspricht lukrative Pacht- und Gewerbesteuereinnahmen, von daher sind zwei Kriterien erfüllt”, erklärte Weyrich.
Gemeinderat spricht sich für Batteriespeicher aus
Auch Karl-Heinz Jekler (Bündnis Aschau) kann sich mit der Anlage nicht vollständig anfreunden. Auch er sagt: „Wir hatten doch mal vor, größere Firmen dort anzusiedeln und dazu dieses Land gekauft – und wussten, dass die Hochspannungsleitung dort liegt.” Gemeinderat Martin Höpfinger (SPD) hält dem neben ökonomischen Argumenten auch die Nachhaltigkeit entgegen, die man sich mit dem Gewerbegebiet als Kriterium gesetzt hatte. „Ich sehe es auch nicht als Premium-Lage: Das Gelände war zwar für eine größere Firma gedacht, aber da auch nur als Parkplatz”, argumentiert er. Es gebe durchaus dümmere Überlegungen, wie man das Grundstück verwenden könne.
Diese Meinung teilte auch das Gremium und stimmte letztlich für den Vorbescheid zur Errichtung eines Batteriespeichers. Vier Gemeinderäte lehnten das Vorhaben ab.

