Serie: Mein Lieblingsplatz im Landkreis Mühldorf
Erinnerungen an die Jugend: Mit dem Moped auf die Ludwigshöhe von Neumarkt-St. Veit
Jeder Mensch hat seinen Lieblingsplatz. Einen Ort, wo er Kraft schöpft, zur Ruhe kommt. In unserer Serie „Mein Lieblingsplatz“ führt uns der Neumarkter Richard Hirschberger auf die Ludwigshöhe. Und schwelgt dabei in Erinnerungen an die Jugendzeit.
Neumarkt-St. Veit – Plötzlich ist Richard Hirschberger ziemlich aufgeregt. „Ich war selbst schon lange mehr dort oben. Jetzt bin ich richtig neugierig, wie sich die Ludwigshöhe verändert hat!“ Obwohl der 61-Jährige Neumarkter schon lange nicht mehr an diesem ganz besonderen Ort war, bezeichnet er ihn als seinen Lieblingsort in Neumarkt-St. Veit. „Weil so viele schöne Erinnerungen an die Jugend damit verbunden sind.“
Wer nach der „Ludwigshöhe“ im Internet sucht, wird nicht viele Hinweise auf den exponierten Platz auf einem der Hügel rund um Neumarkt-St. Veit finden. 488 Meter über dem Meeresspiegel und damit knapp 50 Meter über dem Rottal erhebt sich dieser Ort zwischen Bubing und Straß. Die Sicht ist entsprechend gut, und das in alle Richtungen. Mit dem SUV ist es kein Problem, die Kiesstraße bis zur Ludwigshöhe zu befahren.
Oben angekommen ist der Weg, der früher einmal zu Hirschbergers Lieblingsplatz führte, nur noch schemenhaft zu erkennen. Direkt an der Straße stellt er seinen Geländewagen ab. Dort wo ein sogenanntes Neunerkreuz eines der Soldatengräber der berühmten Schlacht von 1809 markiert. Als sich Franzosen, Bayern und Österreicher rund um den Georgitag im Gefecht gegenüberstanden. Ein geschichtsträchtiges Plätzchen also, und mystisch obendrein.
Die OVB Heimatzeitungen berichteten im Jahr 2019 exklusiv darüber, dass es wohl rund um die Ludwigshöhe sogenannte „Erdställe“, ein unterirdisches Tunnelsystem gegeben haben soll. Geheimnisvolle Gänge, ein paar Meter unter der Erdoberfläche, deren Bedeutung nach wie vor Rätsel aufgeben. Von Seelenkammern aus grauer Vorzeit ist die Rede.
Mystisch und geschichtlich interessant
Hirschberger weiß von diesen Legenden. „Als Ministrant habe ich davon mal gehört. Dass es einen Höhlengang nach Elsenbach gegeben haben soll. Und auch zur Ludwigshöhe. Mehr aber nicht.“ Es sind auch nicht die Höhlen, die ihn faszinieren. „Hier auf der Ludwigshöhe haben wir uns getroffen. In unserer Jugendzeit, sechs bis acht Jungs, die alle schon ihr erstes Geld verdient haben. Und sich dann von ihrem ersten Ersparten ihr erstes Moped gekauft haben.“ Damit seien sie dann immer losgezogen, die Ludwigshöhe als gern gewähltes Ziel.
„Das war Anfang der 80er Jahre. Ich hatte eine Zündapp, andere fuhren Herkules, es war aber auch eine Puch Ranger dabei. Wir waren mächtig stolz auf unsere Mopeds“, schwärmt Hirschberger. Ein eigenes Moped, das habe auf dem Land ein „Stück Freiheit“ bedeutet, sagt Hirschberger, den man als einen der Initiatoren des St. Veiter Bieres kennen dürfte.
Freiheit mit dem eigenen Moped. Bei Hirschberger und seinen Kumpels war es damals das höchste der Gefühle, mit dem Moped nach Perach zu fahren und am See zu zelten. „Für teure Urlaube fehlte schlichtweg das Geld, mehr brauchte man damals aber auch nicht“, sagt Hirschberger, der heute umso mehr unterwegs ist. Der abwechslungsreiche Ausfahrten mit seiner Harley Davidson macht, teilweise heute noch mit den Freunden von damals, und auch viel in der Weltgeschichte herumreist.
Ein Stück Freiheit auf der Ludwigshöhe
„Da oben hat uns niemand kontrolliert. Natürlich hatten wir damals auch Bier dabei!“, erinnert er sich, wenn er die Zeit um 45 Jahre zurückdreht. Der schöne Ausblick von der Ludwigshöhe aus, über das Rottal. Das habe damals kaum jemanden interessiert, gibt Hirschberger zu. Man habe sich getroffen, ein kleines Feuer gemacht und das gemacht, wozu die jungen Leute heute wohl „chillen!“ sagen würden.
Umso mehr genießt er jetzt den Blick hinunter ins Rottal, wo Baumreihen den Weg des Flüsschens nachzeichnen. Wo der Blick von Teising über die Werkssiedlung und dem markanten ehemaligen Raiffeisenlagerhaus hinüber zur Johanneskirche und nach St. Veit schweift, das ähnlich hoch liegt wie die Ludwigshöhe.
Mächtige Eichen und uralte Linden
Die Bäume sind gewachsen, mächtige Eichen sind ins Bild gewachsen. Betonfüße deuten darauf hin, dass hier früher mal eine Bank stand, damit sich Menschen ausruhen und die Aussicht genießen konnten. Aber die Sitzfläche ist längst schon verwittert. Die beiden augenscheinlich uralten Linden dahinter haben sich einen Betonfuß schon einverleibt. Nach dem Besuch seines Lieblingsortes grinst Hirschberger. „Das war jetzt richtig schön!“ Ein willkommener Ausflug. Nicht nur auf die höchste Stelle der Stadt Neumarkt. Sondern auch eine Reise zurück in die Jugend.