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„Keine harmlose Kinderkrankheit“

Windpocken breiten sich auch im Landkreis Mühldorf rasant aus: Warum das Gesundheitsamt warnt

Impfung
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Impfung

Im Landkreis Mühldorf häufen sich in diesem Jahr die Windpocken-Fälle. Warum das Gesundheitsamt warnt und betont: „Windpocken sind keine harmlose Kinderkrankheit“.

Landkreis Mühldorf – Das Landratsamt Erding schlägt Alarm: Hier häufen sich seit Jahresbeginn die Windpocken-Fälle. Das Gesundheitsamt beobachte eine deutliche Zunahme dieser hochansteckenden Virusinfektion, die nicht nur unangenehm verlaufen, sondern auch schwerwiegende Folgen haben könne, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Windpocken sind keine harmlose Kinderkrankheit“, betont darin das Gesundheitsamt. Sie könnten zu Narben, Lungen- oder Hirnentzündungen führen und Jahre später eine Gürtelrose auslösen – eine oft schmerzhafte Entzündung, die vor allem bei geschwächtem Immunsystem auftrete. Ein weiterer Aspekt: Erkrankte Kinder sowie ungeimpfte Geschwister dürften Schulen und Kindergärten für längere Zeit nicht besuchen, was Familien organisatorisch stark belaste. Droht die Infektionswelle auch auf Nachbarregionen überzuschwappen?

Die Entwicklung der Windpocken-Fälle im Landkreis Mühldorf.

Starker Anstieg auch im Landkreis Mühldorf

Tatsache ist: Auch im Landkreis Mühldorf steigen die Windpocken-Fälle deutlich, teilt das Gesundheitsamt der Behörde auf Anfrage mit. Besonders auffällig sei der Anstieg von 2023 auf 2024: von 82 auf 170 Fälle. Dieser Trend geht heuer weiter: In diesem Jahr, das erst halb vorbei ist, hat das Landratsamt Mühldorf nach eigenen Angaben schon 176 Meldungen erhalten (Stand 8. Juli), also bereits jetzt mehr als im gesamten Jahr 2024. Zum Vergleich: 2020 gab es laut Pressestelle nur 51 gemeldete Fälle, 2021 sogar nur 34.

Auch das Gesundheitsamt Mühldorf warnt: „Windpocken sind eine hochansteckende Krankheit, die vor allem bei Kindern auftritt, aber auch Erwachsene können betroffen sein.“ Windpocken könnten zwar oft mild verlaufen, aber in manchen Fällen auch Komplikationen verursachen, wie zum Beispiel bakterielle Infektionen, Lungenentzündungen oder sogar schwere Hautinfektionen. „Besonders für Säuglinge, Schwangere sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Krankheiten kann eine Windpocken-Infektion gefährlich werden.“

Impfung nicht verpflichtend

Dass die Fälle zunehmen, könne verschiedene Ursachen haben, etwa saisonale Faktoren oder lokale Ausbrüche. Schließlich sei es eine hochansteckende Krankheit. Das Gesundheitsamt empfiehlt deshalb auch bei Windpocken die Impfung. Sie sei jedoch anders als bei Masern nicht verpflichtend, wenn beispielsweise Kinder eine Kita oder Schule besuchen sollten.

77 Prozent aller Mädchen und Buben, die 2024 im Landkreis Mühldorf an der Schuleingangsuntersuchung teilgenommen hätten, würden einen vollständigen Impfschutz gegen Windpocken aufweisen. Die Grundimmunisierung erfolgt laut Gesundheitsamt mit zwei Impfstoffdosen, die Erste im Alter von elf Monaten, die Zweite werde im Alter von 15 Monaten empfohlen. „Durch die Impfung kann man das Risiko einer Erkrankung deutlich senken“, so die Behörde. „Das trägt dazu bei, Ausbrüche zu vermeiden und die Gesundheit aller zu schützen.“

Personen, die nach ärztlichem Urteil erkrankt seien oder bei denen ein Verdacht auf Windpocken bestehe, dürfen nach Angaben des Gesundheitsamts Mühldorf weder Einrichtungen wie Kitas und Schulen besuchen noch hier arbeiten. Die mittlere Inkubationszeit betrage 16 Tage.

Masern noch gefährlicher

Gefährlicher als Windpocken sind die Masern. Die Impfung ist für Kinder in Deutschland seit 2020 verpflichtend, wenn sie an einer Kita oder Schule angemeldet werden. Im Landkreis Mühldorf waren jüngst an der Realschule Waldkraiburg Fälle aufgetreten. Weltweit– und auch in Deutschland – kommt es weiterhin zu Ausbrüchen, warnen die Gesundheitsämter. Aufgrund der hohen Mobilität könne das Virus jederzeit eingeschleppt werden.

„Masern zählen zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten und verlaufen oft schwerer als erwartet. Mögliche Komplikationen sind unter anderem Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen oder akute Gehirnentzündungen, die bleibende Schäden hinterlassen oder sogar tödlich verlaufen können. Besonders gefürchtet ist die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) – eine seltene, aber tödlich verlaufende Spätfolge, die Jahre nach einer Maserninfektion auftreten kann“, warnt das Gesundheitsamt Erding.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Masernimpfung für alle Kinder sowie für nach 1970 geborene Erwachsene mit unklarem oder unvollständigem Impfstatus.

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