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Wasserburger und Mühldorfer Experten warnen

Glas Sekt zur Firmung? Warum „begleitetes Trinken“ für Teenies ab 14 verboten werden sollte

Wie sich Alkohol auf das Gehirn von Jugendlichen auswirkt und wie Prävention funktionieren kann erklären Dr. Aljoscha Spork, Chefarzt am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg, und Carola John-Hofmann, Sozialpädagogin beim Gesundheitsamt in Mühldorf.
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Wie sich Alkohol auf das Gehirn von Jugendlichen auswirkt und wie Prävention funktionieren kann, erklären Dr. Aljoscha Spork, Chefarzt am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg, und Carola John-Hofmann, Sozialpädagogin beim Gesundheitsamt in Mühldorf.

Das „begleiteteTrinken“ für Jugendliche ab 14 Jahren sollte verboten werden. Das finden Dr. Aljoscha Spork, Chefarzt am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg, und Carola John-Hofmann, Sozialpädagogin beim Gesundheitsamt in Mühldorf. Warum Alkohol besonders in jungen Jahren gefährlich ist.

Wasserburg am Inn/Mühldorf – Das erste Glas Sekt zur Firmung oder mal ein kleines Bier für den 15-Jährigen. Alkohol ist zwar für unter 16-Jährige laut Jugendschutzgesetz verboten, in Beisein einer beziehungsberechtigten Person dürfen Jugendliche aber bereits ab 14 Jahren legal Alkohol in Gaststätten trinken. Die Regeln zum sogenannten „begleiteten Trinken“ könnten sich jedoch bald ändern. Denn die Gesundheitsminister der Länder haben bei ihrer Konferenz im Juni laut Medienberichten beschlossen, dass das „betreute Trinken“ abgeschafft werden soll. Warum dieser Vorstoß in ihren Augen gut ist und wie sich Alkohol bereits in jungen Jahren auf das Gehirn auswirkt, wissen Dr. Aljoscha Spork, Chefarzt im Fachbereich Suchtmedizin am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg, und und Carola John-Hofmann, Sozialpädagogin beim Gesundheitsamt im Landratsamt Mühldorf.

Auf zu viel Alkohol können Gehirnschäden folgen

Alkohol in jungen Jahren könne die Reifung des Gehirns beeinträchtigen, erklärt Spork. „Das Gehirn von Jugendlichen befindet sich bis etwa zum 25. Lebensjahr in der Entwicklung – insbesondere jene Areale, die für Impulskontrolle, Entscheidungsfindung und soziales Verhalten verantwortlich sind“, so der Chefarzt. Studien würden zeigen, dass regelmäßiger oder exzessiver Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu Gedächtnisproblemen, verminderter Lernfähigkeit, erhöhter Risikobereitschaft oder emotionaler Instabilität führen könne. „Nicht zu unterschätzen ist zudem, das deutlich höhere Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln, wenn in jungen Jahren regelmäßig Alkohol konsumiert wird, betont Spork.

Auch aus sucht-präventiver Sicht sei das „begleitete Trinken“ kritisch zu sehen, führt der Experte weiter aus. Die Forschung zeige, dass die Idee, einen kontrollierten Umgang mit Alkohol einzuführen, keineswegs aufgehe. Im Gegenteil: „Jugendliche, die früh unter elterlicher Aufsicht Alkohol trinken, greifen statistisch häufiger und früher auch außerhalb elterlicher Begleitung zu Alkohol“, erklärt Spork. Es könne Alkohol normalisieren, möglicherweise entstehe der Eindruck, es sei für ein geselliges Beisammensein gar notwendig. Dies könne problematische Konsummuster begünstigen, warnt der Chefarzt.

Dr. Aljoscha Spork, Chefarzt im Fachbereich Suchtmedizin am kbo-Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg.

„Schon die aktuellen Zahlen zum Alkoholkonsum von Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren sind alarmierend“, sagt er. Demnach würden rund sieben Prozent der Mädchen und rund 12 Prozent der Buben zwischen 12 und 17 Jahren angeben, in der Woche vor der Befragung Alkohol getrunken zu haben. Gerade weil sich pubertäre Jugendliche in einer wichtigen Reifungsphase befänden und ihr Gehirn noch nicht vollständig entwickelt sei, sollte früher Alkoholkonsum kritisch hinterfragt und nicht durch gesetzliche Regelungen unterstützt werden.

Ein Glas Sekt oder ein kleines Bier zur Formung oder zur Geburtstagsfeier des Onkels: Das „begleitete Trinken“ soll abgeschafft werden.

Aus medizinischer und such-präventiver Sicht sei ein konsequentes Alkoholverbot sinnvoll und unterstützenswert, betont der Chefarzt. „Es setzt ein klares gesellschaftliches Signal und schützt Jugendliche vor den gesundheitlichen und entwicklungsbezogenen Risiken frühzeitigen Alkoholkonsums.“ Nicht der gesetzlich legitimierte niederschwellige Zugang, sondern Prävention und Aufklärung seien der Schlüssel zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol, so Spork.

Sensibler Umgang dank alkoholfreier Cokctailbar

Auf Prävention setzt beispielsweise das Landratsamt Mühldorf. Mit der alkoholfreien Cocktailbar „By Jimmy“ sollen Alternativen aufgezeigt werden, heißt es auf der Website. Etwa 15 Mal im Jahr wird die Cocktailbar ausgeliehen, erklärt Carola John-Hofmann, Sozialpädagogin beim Gesundheitsamt im Landratsamt Mühldorf. Rund dreimal im Jahr biete die Behörde zudem ein Mixtraining an, bei dem die Teilnehmenden Tipps beim Zubereiten von alkoholfreien Cocktails bekämen, erklärt John-Hofmann.

Carola John-Hofmann, Sozialpädagogin beim Gesundheitsamt im Landratsamt Mühldorf.

Auch die Sozialpädagogin befürwortet ein Verbot des „begleiteten Trinkens“ und weist auf die schädliche Wirkung des Alkohols bei Jugendlichen hin. „Diese ist nicht anders, nur weil Erwachsene dabei sind“, betont John-Hofmann. Jungen Menschen seien heute die Gefahren von Alkohol bewusster und auch der regelmäßige Konsum falle bei Jugendlichen geringer aus als noch vor 20 Jahren. Dennoch habe das sogenannte „Rauschtrinken“, das während der Corona-Pandemie eher zurückgegangen sei, wieder deutlich zugenommen.

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