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Umfrage unter heimischen Bierbrauern

„Trend ist voll angekommen“: Bei dieser heimischen Brauerei ist jede vierte Halbe alkoholfrei

Sächsische Brauereien
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Anfangs wurde es noch belächelt, inzwischen ist es voll im Trend: alkoholfreies Bier. Das merken auch die heimischen Brauereien – und eine ganz besonders.

Wie kommt das alkoholfreie Bier bei der Bevölkerung an? Während der Absatz beim herkömmlichen Bier rückläufig ist, nimmt die Nachfrage nach der 0-Prozent-Variante zu. Bei einer Brauerei aus der Region nimmt das Alkoholfreie einen besonders hohen Stellenwert ein.

Erharting/Haag/Oberbergkirchen/Mühldorf – Bei der noch sehr jungen Brauerei Innbräu um Geschäftsführer Max Vetter aus Oberbergkirchen, wird seit 2023 auch alkoholfreies Bier angeboten. Max Vetter braut das 0-Prozent-Bier selbst. Allerdings nicht etwa in Forsting, wo Vetter seine Bierprodukte braut, sondern in einer Brauerei im Landkreis Erding, wo auch sein Cola Mix hergestellt wird. Ein alkoholfreies Bier erfordere andere technische Voraussetzungen im Brauprozess, erklärt er.

Max Vetter vom Innbräu braut auch alkoholfreies Bier. Den meisten Umsatz macht aber auch er immer noch mit dem herkömmlichen Bier.

In der Landeshauptstadt ist der Trend stärker

Die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier steige, „aber nur ganz langsam“, ergänzt Vetter, der mit seinen Produkten 2019 auf den Markt gekommen ist. Der Anteil seiner alkoholfreien „Sportlerhoibe“ am Gesamtumsatz liege zwischen 6 und 9 Prozent an. Das sei vergleichsweise wenig, findet Vetter, und er verweist auf die Landeshauptstadt, wo das alkoholfreie Bier stärker trenden würde. Nicht zuletzt, nachdem die Brauerei Augustiner ihr alkoholfreies Bier auf den Markt gebracht hatte.

Zwar braut die Brauerei Erharting kein eigenes alkoholfreies Bier. Aber sie bietet natürlich auch eines an, und zwar das alkoholfreie Bier von „Graf Arco“. Die Prozesse wären zu aufwendig, das rechnet sich nicht bei den Mengen, die die Erhartinger Traditionsbrauerei vertreibt, erklärt eine der beiden Bräuinnen, Marlies Röhrl.

Angebot als Ergänzung des Sortiments

Warum sie überhaupt alkoholfreies Bier anbieten, liege daran, dass man die Kunden, die Gaststätten unterhielten oder Vereine, die Feste ausrichten, gerne ein komplettes Sortiment anbieten wolle, so Röhrl. Die Nachfrage speziell nach alkoholfreiem Bier steige zwar an, aber nur sehr langsam. Der Anteil am Gesamtumsatz gibt die Bräuin mit einem Prozentsatz unter dem zweistelligen Bereich an.

„Eine größere Nachfrage ist erkennbar, aber die ganz große Rolle spielt der Verkauf von alkoholfreiem Bier bei uns nicht“, sagt Annemarie Kammhuber-Hartinger von der Brauerei Stierberg bei Obertaufkirchen, die auch eine eigene Gaststätte betreibt. Dort wird aktuell das alkoholfreie von Löwenbräu ausgeschenkt, aber das soll sich ändern, verrät die Brauereichefin.

In Stierberg braut sich was zusammen

Ihr Sohn Martin tüftelt gerade am Verfahren, damit auch in Stierberg bald alkoholfreies Bier gebraut werden kann. Kammhuber-Hartinger spricht von einigen Monaten, die noch ins Land ziehen werden, bevor das erste alkoholfreie Stierberger Bier eingeschenkt werden kann. Sie verhehlt nicht, dass weniger Bier getrunken werde, diese von antialkoholischen Getränke abgelöst worden seien. „Tagsüber ist inzwischen die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier gestiegen, etwa beim Mittagstisch oder bei einem Trauermahl.“

Die Brauerei-Familie aus Stierberg (von links): Martin Hartinger senior, Annemarie Kammhuber-Hartinger und Martin Hartinger junior.

In Haag geht der Absatz durch die Decke

„Der Trend ist voll angekommen. Das Alkoholfrei ist also tatsächlich vom belächelten Randprodukt zum Türöffner geworden“, feiert dagegen Alois Unertl von der Unertl Weißbier GmbH in Haag den Boom des alkoholfreien Bieres. „Dabei hat uns geholfen, dass wir der einzige Weißbierspezialist in der Region sind.“ Dass das alkoholfreie Weißbier so gut angenommen wird, und zwar nicht nur in den Gaststätten der Region, sondern mittlerweile auch auf fern gelegenen Almhütten, liege daran, dass Weißbier grundsätzlich über mehr Aromen verfüge. „Es ist von Haus aus g‘schmackiger“, ist Unertl überzeugt.

Der Trick mit der besonderen Hefe

Die Erklärung: Beim alkoholfreien Bier fehle naturgemäß der wichtige Geschmacksträger Alkohol, deshalb seien diese Biere früher etwas fad dahergekommen, so der Haager Bräu. „Wir Weißbierbrauer haben hierfür eine elegante Lösung: Die Weißbierhefen produzieren als Nebenprodukt der Gärung viele Ester und Phenole, die dem Bier Noten von Früchten oder Nelke geben.“ Das Unertl schmecke deshalb richtig vollmundig.

Und zum Schluss der Kronkorken auf die Flasche. In Erharting läuft die Produktion für die Sommermonate und die damit verbundenen Feste auf Hochtouren. Alkoholfreies Bier muss die Brauerei zukaufen. Das Verfahren zur Herstellung ist umständlich, steht nicht im Verhältnis zum dann erwartbaren Absatz.

Coronajahre waren schwierig

Alois Unertl verhehlt nicht, dass es der Weißbierbräu aus Haag während der Corona-Pandemie nicht leicht hatte. „Da haben wir massiv verloren.“

Während der Corona-Jahre hätten alle Weißbiersorten mit Alkohol stark an Absatz verloren. „Die Gastronomie durfte nicht öffnen und somit saßen die Leute in Garagen, Bauwägen und Kellern beim Flaschenbier zusammen. Hierfür war Helles einfach besser geeignet.“ Durch Fachkräftemangel und reduzierte Öffnungszeiten in der Gastronomie, sei das Vor-Corona-Niveau im Weißbierabsatz leider noch nicht wieder erreicht worden, erklärt Unertl. „Das Alkoholfreie jedoch hatte seit Einführung jedes Jahr ein schönes Plus zu verzeichnen.“

Diplombraumeister Alois Unertl kann sich über mangelndem Absatz nicht beschweren: Das alkoholfreie Weißbier ist heiß begehrt, umfasst ein Viertel des Umsatzes. Es wird mittlerweile sogar aus dem Fassl ausgeschenkt.

In Haag bereits 25 Prozent Anteil am Gesamtausstoß

2012 wurde das Alkoholfrei eingeführt, 2019 habe es bereits bei 10 Prozent gelegen und 2024 bei unglaublichen 25 Prozent des Gesamtausstoßes. Bereits 2016 wurde es von der Süddeutschen Zeitung in einem großen Biertest zu Deutschlands bestem alkoholfreien Weißbier gekürt. Die Nachfrage steigt stetig, seit 2023 gibt es das alkoholfreie Unertl auch vom Fass.

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