7,1 Millionen Euro Verlust im Jahr 2022
Das sind die Gründe für den Millionen-Verlust: Jetzt spricht Mühldorfs Stadtwerke-Chef
Stadtwerke-Chef Alfred Lehmann und Bürgermeister Michael Hetzl äußern sich jetzt genauer zum Millionen-Verlust der Mühldorfer Stadtwerke im Jahr 2022. Gibt es Auswirkungen auf das geplante Hallenbad?
Mühldorf – Stadtwerkechef Alfred Lehmann nennt mehrere Gründe, die zu dem hohen Verlust im Jahr 2022 geführt haben: „Damals mussten mehr Haushaltskunden als geplant in die Grundversorgung aufgenommen werden, weil andere Anbieter insolvent waren“, erklärt er schriftlich auf Anfrage der OVB Heimatzeitungen. „Auch mussten Strommengen zu extrem hohen Preisen eingekauft werden.“ Teilweise sei der Börsenpreis mehr als zehnmal höher als in Vorjahren, die Strommenge durch Lieferverpflichtungen gegenüber Kunden aber „noch nicht eingedeckt“ gewesen. „Dies führte erstmalig zu einem negativen Jahresergebnis“, betont Lehmann. „Dieses ist entsprechend nicht die Folge einzelner Geschäfte, sondern in eben diesem Gesamtzusammenhang zu bewerten.“
So sind die Ergebnisse anderer Stadtwerke
In einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage von SPD-Stadträtin Claudia Hungerhuber erklärt Mühldorfs Bürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Michael Hetzl, dass die sonst „gewinnbringenden Sparten das Defizit nicht mehr auffangen“ konnten. „Und auch der Stromvertrieb selbst geriet in die Verlustzone. Dies führte insgesamt erstmals zu einem negativen Jahresergebnis.“
Hetzl weist auf andere Stadtwerke, konkret die Strotög in Töging hin, die im 2022 ebenfalls ein erhebliches Defizit erwirtschaftet hätten, schreibt er an Hungerhuber und weitere Stadträte. Die E-Mail liegt auch den OVB Heimatzeitungen vor. In ihrem Jahresbericht, veröffentlicht im Unternehmensregister, gehen die Töginger Stadtwerke für das Jahr 2022 allerdings entgegen den Aussagen von Bürgermeister Hetzl von einem Gewinn von 124.000 Euro aus. Für 2023 verzeichnen sie ebenfalls einen Gewinn von 138.000 Euro.
Stadtwerke Waldkraiburg machen auch 2022 Gewinn
Auf Anfrage bestätigt die Geschäftsführung der Stotög, dass es 2022 anders als von Hetzl behauptet keine Verluste gab. Damit relativiert sich Hetzls Aussage in seiner E-Mail an Hungerhuber: „Die Entwicklung dort zeigt exemplarisch, wie branchenweit und strukturell die Auswirkungen der Energiekrise waren.“ Noch besser schnitten die Stadtwerke Waldkraiburg ab, die 2022 laut dem Unternehmensregister einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro ausgewiesen haben.
Besseres Ergebnis für Mühldorf noch möglich
Auch die Zahlen für die Mühldorfer Stadtwerke könnten sich für 2022 noch deutlich verbessern. Geschäftsführer Lehmann weist auf Nachfrage darauf hin, dass der Verlust deutlich niedriger ausfallen könnte, als derzeit angenommen. Grund seien Verhandlungen mit der Versicherung, die nach Ansicht der Stadtwerke einen Teil der Verluste ausgleichen muss. Eine Einigung über die Anerkennung des Schadens und die Höhe ist laut Lehmann aber noch nicht erfolgt. Deshalb liegt nach seinen Angaben auch noch kein Jahresabschluss vor, den ein Wirtschaftsprüfer bestätigt hat. Aufsichtratsvorsitzender Hetzl betont: „Da sich die Versicherung aktuell weigert, die Ansprüche anzuerkennen, wurde ein Rechtsanwalt mit der weiteren Prüfung beauftragt.“
Laut Lehmann handelt es sich bei dem Verlust um ein auf das Jahr 2022 beschränktes Ereignis, seitdem würden die Stadtwerke wieder Gewinne machen, die das Unternehmen für 2023 mit 2,8 Millionen Euro angibt. Für 2024 und das laufende Jahr gibt es noch keine öffentlichen Zahlen. Lehmann sagt aber: „Stand heute haben wir die Verluste fast wieder ausgeglichen.“ Deshalb betont der Geschäftsführer: „Der Verlust in 2022, hat keine Auswirkung auf die wirtschaftliche Substanz der Stadtwerke. Auch nicht auf einen eventuellen Neubau des Hallenbades.“ Eine Kreditaufnahme zum Ausgleich der Verluste habe es nicht gegeben.
Bürgermeister: Keine negativen Auswirkungen auf das Hallenbad
Mühldorfs Bürgermeister rechnet wegen dieser Entwicklung nicht mit negativen Auswirkungen auf das geplante Hallenbad: „Das einmalige Defizit im Krisenjahr 2022 ändert nichts an der grundsätzlich gesunden Struktur unserer Stadtwerke“, schreibt er an Stadträtin Hungerhuber. „Der gesamte Vorgang zeigt allerdings deutlich, wie komplex, volatil und risikobehaftet das Geschäft der Energiewirtschaft inzwischen geworden ist.“
Der Konflikt um die Verluste 2022 und die Informationspolitik von Bürgermeister Michael Hetzl dürfte weitergehen. Es gäbe noch zu viele offene Fragen, heißt es aus Stadtratskreisen. Vor allem die Frage der Informationspolitik gegenüber dem Stadtrat und die künftige Einbindung in Entscheidungen der städtischen Gesellschaften sei offen.
Aber auch die Sorge um das geplante Hallenbad besteht fort, verbunden mit der Frage, wie die Stadtwerke das hohe Defizit ausgeglichen haben und ob die Rücklagen für die Finanzierung des Hallenbads noch vorhanden sei. Derzeit überlegen Stadträte fraktionsübergreifend, eine Sondersitzung zu dem Thema zu beantragen.

