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15 Prozent auf Einfuhren in die USA

EU-Zoll-Deal mit Trump: Unternehmen in Südost-Bayern zahlen die Zeche

Es wird für die deutsche Industrie nicht leichter: Auszubildende bei Siltronic, Wacker in Burghausen, IHK-Sprecher Florian Reil und Unternehmer Gerd Maas
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Es wird für die deutsche Industrie nicht leichter: Auszubildende bei Siltronic, Wacker in Burghausen, IHK-Sprecher Florian Reil und Unternehmer Gerd Maas

US-Präsident Trump senkt die Tarife, doch die Unsicherheit bleibt. Bayerns Unternehmen trifft der gefundene Zoll-Kompromiss mit der EU hart – besonders die Industrie im Südosten.

Mühldorf/Altötting/Rosenheim – Von einem klassischen Kompromiss im Zollstreit spricht Florian Reil von der IHK für München und Oberbayern, zu der auch die heimischen Landkreise gehören. „Donald Trump hatte einen Monsterzoll von 30 Prozent aufgerufen. Für die allermeisten Produkte – einschließlich Autos – ist es die Hälfte geworden“ sagt er über die Vereinbarung, die „die EU letztlich schlucken musste, weil Europa im Bereich der Verteidigung weiterhin die Unterstützung der USA braucht.“

Planungssicherheit fehlt trotz der Vereinbarung

Jetzt wüssten die Unternehmen in der Region, welche Zölle auf sie zukämen. „Aber der Deal garantiert keine Planungssicherheit.“ Es bleibe völlig offen, ob der Zolldeal unter einem Präsidenten Trump über einen längeren Zeitraum wirklich Stand halte oder nur eine Übergangslösung sein werde, warnt der IHK-Sprecher .

Ausbildung bei Siltronic
Produktionsanlage der WACKER Chemie AG in Burghausen.

Reil rechnet durch die Zölle mir einem Verlust von einer Milliarde Euro jährlich für ganz Bayern. Hauptbetroffen sei der Automobilsektor, der Maschinenbau und Firmen, die elektrische Ausrüstungen herstellten. „Aber auch die Chemieindustrie wird die Folgen der Zölle zu spüren bekommen“, sagt er mit Blick auf den Landkreis Altötting. Die bayerischen Exporte in die USA könnten auf Jahressicht um gut fünf Milliarden Euro auf rund 25 Milliarden Euro zurückgehen.

Florian Reil

„Die Landkreise Altötting und Mühldorf profitieren traditionell von guten Handelsbeziehungen in die ganze Welt und damit auch vom Export in die USA“, sagt Reil. Die Exportquote der Industriebetriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern im Landkreis Altötting lag nach seinen Angaben 2024 bei 43,1 Prozent, im Landkreis Mühldorf bei 40,8 Prozent.

„Vor allem die Industrieunternehmen im Landkreis Altötting verdanken dem Exportgeschäft große Umsätze“, betont Reil: In Summe seien es im vergangenen Jahr rund 4,6 Milliarden Euro gewesen, die im Ausland erwirtschaftet worden seien – deutlich mehr als der Großteil der anderen oberbayerischen Landkreise. Nur im Landkreis München und in der Landeshauptstadt sei der Auslandsumsatz noch höher. „Das zeigt, wie wichtig, ein funktionierender Freihandel für die heimische Industrie ist, und welche Folgen die Zölle haben können.“

Welche Maßnahmen können die Unternehmen ergreifen, um die Auswirkungen zu minimieren?

Die IHK empfiehlt Unternehmen, mit ihren Partnern und Kunden in den USA im Kontakt zu bleiben, Gespräche zu suchen und sich genau zu überlegen, was die Einigung für das eigene US-Geschäft bedeute.

Weniger Umsatz und Gewinn

Durch Zölle erhöhen sich die Preise und bei höheren Preisen sinkt die Nachfrage“, sagt Gerd Maas. Der Wasserburger ist Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler der Regionalgruppe Rosenheim-Ebersberg und im Regionalvorstand Südostoberbayern der Familienunternehmer. Er sagt: „Die bayerischen Unternehmer werden also definitiv erst einmal mit ihren Verkäufen in die USA weniger Umsatz und Gewinn mache.“

Gerd Maas (mitte) ist Vorsitzender des Bundes der Steuerzahler der Regionalgruppe Rosenheim-Ebersberg und als Mitglied im Regionalvorstand Südostoberbayern der Familienunternehmer aktiv.

Zölle werden nach seiner Ansicht diejenigen amerikanischen Produkte verteuern, für deren Herstellung Material oder Maschinen aus Bayern nötig seien. Und in diesem Bereich seien die bayerischen mittelständischen Unternehmen stark und nicht wenige von ihnen fungieren als Weltmarktführer und Hidden Champions, an denen die amerikanische Industrie nicht vorbeikönne, sagt der Wasserburger. „Aus Zöllen wird dann schnell ein Schuss ins Knie“, so Maas.

Der Wasserburger sieht in den Zöllen sogar eine Chance für die hiesige Wirtschaft. „Unsere Unternehmen sind jetzt gefordert, noch effizienter und kostengünstiger zu produzieren und damit neue, tiefgreifendere Wettbewerbsvorteile aufbauen können. So ärgerlich das Ganze ist, steckt darin also durchaus eine Chance“, erklärt Maas. Das könne auch für eine gute Wettbewerbssituation auf anderen Märkten, wie dem asiatischen, führen. 

Hürden im EU-Binnenmarkt und Bürokratie abbauen

Der Rosenheimer Unternehmer und IHK-Vertreter Andreas Bensegger fordert die Politik auf, Hürden im EU-Binnenmarkt endlich abbauen und Freihandelsabkommen mit anderen Staaten abschließen. Wir brauchen hier deutlich mehr Geschwindigkeit: Einfach mal machen, und dann im laufenden Betrieb verbessern. Trump brauchte nur wenige Monate, um weltweit wirtschaftliche Zusammenhänge zu verändern. Wenn man dann sieht, dass wir z. B. für das EU-Mercosur-Abkommen gut 20 Jahre gebraucht haben, dann fehlt mir hier die politische Ernsthaftigkeit, dem Europäischen Wirtschaftsraum Unabhängigkeit und Chancen zu schaffen.“

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