Entwurf der Machbarkeitsstudie
Beerdigt, bevor’s beginnt? – Fernwärme mit Geothermie spaltet Pollings Gemeinderat
Ist die Fernwärme mit Geothermie in Polling noch zu retten? Bürgermeister Lorenz Kronberger stützt sich auf den Entwurf der Machbarkeitsstudie und hat ein klares Urteil. Die Gemeinderäte widersprechen.
Polling – Geht es nach Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG), dann ist eine Fernwärme mit Geothermie „tot“, weil zu teuer. Das machte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung mehrfach deutlich. „Du hast es vorsätzlich an die Wand gefahren“, warf ihm dagegen Stefan Mooshuber (CSU) vor.
Kronberger stützt sich dabei auf den Entwurf der überarbeiteten Machbarkeitsstudie. Allerdings lag diese bis dahin nur ihm vor. Die Gemeinderäte hatten ihn auch nicht in ihren Sitzungsunterlagen.
„Machbarkeitsstudie ist der Tod der Geothermie“
„Wann bekommen wir die Studie?“, fragte Mooshuber. Die Antwort von Kronberger: „Heute.“ Er wolle sie präsentieren und sein Urteil im Verlaufe der Sitzung schon vorweg: „Die Machbarkeitsstudie ist der Tod der Geothermie. Der Entwurf ist vernichtend.“
Als Kronberger die Ergebnisse vorstellen wollte, war schon nach wenigen Sätzen deutlich: Räte und Bürgermeister waren sich uneins, was die Studie überhaupt untersuchen sollte.
Gemeinderäten bestehen auf Ausbauvarianten
So geht die Studie von einem vollständigen Fernwärmenetz für Polling, Flossing und die dazwischenliegenden Ortsteile Monham und Unterflossing aus.
Das sei aber „von Haus aus utopisch“, grätschte Reinhard Oberstarr (CSU) dazwischen. Dass sich das nicht rechne, „haben wir schon immer gewusst.“ Dafür brauche es keine Studie. „Wir haben immer von unterschiedlichen Szenarien gesprochen. Gibt es noch andere Ausbauvarianten?“ Die Studie sollte doch aufzeigen, was „machbar und sinnvoll“ ist, sagte Alfred Wagner (CSU).
Fernwärmenetz nur für Polling selber realistisch
Allen sei „mit gesundem Menschenverstand“ klar, dass nur Polling, die „einzig realistische Chance“ für Fernwärme habe, unterstrich Mooshuber. „Wir haben beschlossen, dass Du Varianten berechnen lässt.“
„Wir haben nur die“, sagte Kronberger und keine fünf Varianten.
„Das war so nicht beschlossen“, entgegnete auch Wolfgang Schweiger (parteilos). Es sei immer klar gewesen, „dass wir nur einen Teil ausbauen wollen.“ Eine Wärmeplanung für das Gemeindegebiet sei nur wegen der Förderung beschlossen worden, ein Fernwärmenetz käme aber nur für Polling selber in Betracht.
Für Kronberger ist der vorliegende Entwurf aber das Ergebnis der Ausschreibung. „Da ist alles drin.“ Auf Vorschlag von Mooshuber versuchte er dann doch noch die Inhalte des Entwurfs vorzustellen.
Nach bisherigen Berechnungen ist Fernwärme doppelt so teuer wie Alternativen
Für Polling, Monham, Unterflossing und Flossing würden sich die Gesamtkosten auf 34 Millionen Euro belaufen; nach den Förderungen blieben netto 20,6 Millionen Euro. Die Wärmegestehungskosten würden dann 34,38 Cent je Kilowattstunde betragen. Ein typisches Einfamilienhaus mit einem Wärmebedarf von 20 Megawattstunden hätte einmalige Anschlusskosten von 25.000 Euro, jährliche Fixkosten von knapp 4.500 Euro und einen Wärmepreis von 28,6 Cent je Kilowattstunde.
Zum Vergleich gab es auf der Leinwand im Saal Kosten für eine Pelletheizung (14,3 Cent je Kilowattstunde), für eine Wärmepumpe (16,3 Cent) und für Heizöl (17,9 Cent). Da seien auch die Kosten für die Heizung und die Gestehung beinhalten, sagte Kronberger auf Nachfrage von Schweiger. Kronbergers Fazit: Die Fernwärme sei „fast doppelt so teuer“, die Wirtschaftlichkeit sei „nicht mehr gegeben“.
Gemeinderäte geben nicht auf
Auf dieser Basis wollten die Gemeinderäte die Fernwärme noch nicht beerdigen. Deshalb hatten sie zuvor im Finanzplan bis 2028 auch jährlich eine halbe Million Euro für den Leitungsbau eingestellt. Nicht als realistische Kosten hatte dazu Grit Berdel (FW) gesagt: „Wir wollen ein Zeichen setzen. Es liegt uns am Herzen.“
„Wir stochern im Dunkeln“, fasste Schweiger die vorliegenden Informationen zusammen. „Die gute Rechnung, die vielleicht gehen könnte, die haben wir jetzt gar nicht“, sagte auch Oberstarr.
Diskussion in den Bauausschuss verlagert
Auch Jobst wollte die Geothermie noch nicht abhaken. Er und Schweiger regten an, dass die Räte den Entwurf ebenfalls bekommen und ihn dann im Bauausschuss diskutieren. Jobst: „Sonst bekommt die Fernwärme den Stempel tot und beerdigt, weil zu teuer.“
Einstimmig beschlossen die Gemeinderäte, dass es eine entsprechende Sitzung des Bauausschusses geben soll – mit vorbereiteten Varianten für den Ausbau.
Schweiger wollte noch wissen, wann die Machbarkeitsstudie denn fertig sei. „Das weiß ich nicht“, sagte Kronberger. Er habe das bisher schon nicht beeinflussen können und es auch weiterhin „nicht können“.
