Zwei Menschen in Bayern erkrankt
Zecken übertragen die gefährliche Hasenpest – Wie ist die Lage im Landkreis Mühldorf?
Im Landkreis München sind zwei Menschen an Hasenpest erkrankt. Zecken sollen daran schuld sein. Aber nicht nur sie übertragen diese Krankheit. Was Jäger und das Landratsamt Mühldorf wissen.
Mühldorf/Neumarkt-St. Veit/Pleiskirchen/München – Zwei mit Hasenpest (Tulärmie) infizierte Menschen im Landkreis München, übertragen durch Zeckenbisse. Mehrere an Tulärmie verendete Feldhasen in den Landkreisen Freising, Dingolfing-Landau und Straubing im März und April 2025. Ende Mai verendeten einige Stallhasen in der Gemeinde Pleiskirchen (Landkreis Altötting) an der sogenannten chinesischen Hasenpest, der Viruserkrankung RHD (Rabbit Haemorrhagic Disease) – im Gemeinderat wurden Hasenbesitzer gewarnt.
Hasenpest ist nicht gleich Hasenpest
Auch wenn es sich bei RHD um eine andere Nagerseuche handelt, die nur im Volksmund ebenfalls Hasenpest genannt wird. „Die chinesische Hasenpest RHD ist hochansteckend für die Tiere, aber nicht für den Menschen“, kann der Pleiskirchner Tierarzt und Gemeinderat Dr. Aksel Ammelounx beruhigen. Ganz im Gegensatz zu der von ihm „deutsche Hasenpest“ genannten Erkrankung Tularämie, die eben auch auf den Menschen überspringen kann.
Jäger haben immer ein Risiko
Jäger und CSU-Landtagsabgeordnetem Sascha Schnürer, Vorsitzender im Jagdverband Mühldorf, sind keine Fälle von Tularämie und RHD im Landkreis Mühldorf bekannt. „Als aktiver Jäger und Hundeführer beobachtet man das natürlich aus einem ganz anderen Blickwinkel. Am Verhalten ändert das allerdings nichts.“ Als Jäger müsse er immer damit rechnen, mit Krankheitserregern in Berührung zu kommen. „Das Fach Wildkrankheiten und Hygiene ist eines der Schlüsselfächer der bayerischen Jagdausbildung.“
Soll man tot aufgefundene Hasen und andere Wildtiere melden? „Man sollte jedes tote Tier, insbesondere dann, wenn man sich die Todesursache nicht sofort erklären kann, der zuständigen Polizeidienststelle melden“, betont Schnürer. „Die Polizei informiert dann den Jäger. Es ist wichtig, möglichst genaue Ortsangaben zu machen.“
Einmal im Jahr gibt auf der Hegeschau das Landratsamt einen Überblick aktueller Themen, auch über Wildkrankheiten. „Die Jägerschaft ist untereinander und mit den Behörden sehr eng und gut abgestimmt“, so Schnürer. Eine Schlüsselfunktion haben dabei die Leiter der neun Hegegemeinschaften im Landkreis.
Gedanken wegen der Ansteckungsgefahr
Oliver Keller ist Jäger und Leiter der Hegegemeinschaft Neumarkt-St. Veit, die direkt an das Gemeindegebiet von Pleiskirchen angrenzt. Fälle von RHD bei Feldhasen sind ihm aktuell nicht bekannt. Tulärmie sei aber immer wieder ein Thema in der Jägerschaft, etwa im Herbst bei Treibjagden. Nach den Krankheitsfällen im Landkreis München, die durch Zeckenbisse ausgelöst wurden, macht sich Keller Gedanken wegen der Ansteckungsgefahr.
FSME, Borreliose, Borna und Tulärmie
Als Mitarbeiter des „InnKlinikums“, ist Keller für medizinische Themen sensibilisiert. „Ich nehme das persönlich sehr ernst. Zecken können ja schon FSME und Borreliose übertragen, jetzt heißt es auch noch auf die Symptome der Hasenpest zu achten“, sagt er. Hygiene sei für ihn bei der Jagd das A und O. Immer Handschuhe zu tragen, wenn man erlegtes Wild aufsbricht und ausnimmt, gehört dazu.
„Auch das Borna-Virus kann uns Jägern gefährlich werden. In den geschlossenen Jagdkanzeln nisten sich immer wieder Nagetiere ein.“ Bei der Reinigung dieser Kanzeln müsse man besonders vorsichtig sein, am besten mit Maske und Handschuhe arbeiten, um nicht über den Staub das Borna-Virus einzuatmen.
Auch Hunde können erkranken
Keller hat sich informiert: „Auch Hunde können Tulärmie bekommen, aber nicht dagegen geimpft werden.“ Er selbst hat zwei Jagdhunde, die wie ihr Herrchen bei der Jagd immer einem gewissen Risiko ausgesetzt sind. Dass diese Erkrankung auch dazu gehört, war ihm aber neu.
2024 auch ein Mensch im Landkreis infiziert
Wie das Landratsamt auf Nachfrage meldet, wurde im Landkreis Mühldorf seit Beginn der zentralen Aufzeichnung im Jahr 1995 noch nie Tularämie bei Tieren gemeldet. Allerdings: „2024 gab es einen Fall von Tularämie bei einem Erwachsenen“, teilt Pressesprecher Wolfgang Haserer mit. Der bis heute erste und einzige Fall in den vergangenen zehn Jahren.
Viele mögliche Übertragungswege
Laut Gesundheitsamt erfolgt die Übertragung beim Tier am häufigsten durch direkten Kontakt und durch Blutsauger wie Zecken. Ansteckung ist auch über Tröpfcheninfektion, kontaminiertes Wasser und Tierausscheidungen möglich. Gleich mehrere Tierarten können den Erreger in sich tragen. Veterinär Dr. Robert Kirmair, Leiter des Veterinäramts Mühldorf: „Das Wirtsspektrum erstreckt sich neben Hasen und Kaninchen auch auf Nagetiere, andere Säugetiere und Vögel.“ Bei Hasen kommt es zu Fieber, Apathie und struppigem Fell, Abmagerung und Geschwüren. Tularämie und RHD führen bei Hasen und Kaninchen meist zum Tod.
Menschen können sich mit dem hochansteckenden Erreger der Hasenpest (Francisella F. tularensis) infizieren über: Kontakt der Haut oder Schleimhäute mit infektiösem Tiermaterial oder mit kontaminiertem Wasser; Verzehr von nicht ausreichend erhitztem, kontaminiertem Fleisch (Hasen) oder anderen Lebensmitteln (durch Mäusekot kontaminiertes Getreide); Inhalation von kontaminiertem Staub oder Aerosolen (Rasenmähen, Heuarbeiten); Stich oder Biss von infizierten Blutsaugern wie Bremsen, Mücken, Zecken.
Keine Übertragung von Mensch zu Mensch
„Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt“, weiß Birgit Franz, kommissarische Leiterin des Gesundheitsamts Mühldorf. Bei Erkrankten zeigen sich grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- oder Muskelschmerzen oder geschwollene Lymphknoten. Festgestellt werden Erreger der Hasenpest über eine Speichelprobe, eine Biopsie (Gewebeprobe) oder über einen Antikörpernachweis im Blut. Infizierte können mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Franz: „Im Fall des Verdachts einer Infektion sollte unverzüglich der Hausarzt oder das Gesundheitsamt kontaktiert werden.“ Der Erregernachweis ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Eine Infektion mit RHD beim Menschen ist bisher nicht bekannt.