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So übersteht man heiße Tage gut

Was bei Schwitzen und Hitzschlag hilft – Notfallmediziner gibt wichtige Tipps für Hitze-Tage

Badesee Dr. Matthias Pfersdorff
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Heiße Tage am Wasser verbringen, ist immer gut. Dr. Matthias Pfersdorff, Chefarzt des Notfallzentrums am „InnKlinikum“ hat noch mehr Tipps auf Lager, wie man Hitze überstehen kann.

Die einen lieben die Hitze, die anderen leiden. Wer bei Temperaturen über 30 Grad besonders gefährdet ist und was man tun kann, um besser durch heiße Sommertage zu kommen, verrät Dr. Matthias Pfersdorff, Chefarzt des Notfallzentrums am „InnKlinikum“, im OVB-Exklusiv-Interview.

Mühldorf/Altötting – Der Sommer hat gerade erst angefangen und das Quecksilber hat schon mehrmals die 30 Grad Celsius-Marke übersprungen. Weil sich nur die wenigsten tagelang in den Schatten flüchten können, gibt Dr. Matthias Pfersdorff, Chefarzt des Notfallzentrums am „InnKlinikum“ Altötting, Tipps, wie sich Hitzetage am besten überstehen lassen.

Kleinkinder, Senioren, Arbeiter im Freien sind gefährdet

Welche Menschen sind an Hitzetagen besonders gefährdet und warum?

Dr. Matthias Pfersdorff: Zu den besonders gefährdeten Personengruppen zählen Kleinkinder, ältere Menschen, Menschen mit hellem Hauttyp und Berufsgruppen, die im Freien bei körperlicher Anstrengung arbeiten.

Wie schützt man sich am besten vor Hitze?

Pfersdorff: Man kann sich durch verschiedene Maßnahmen gut vor zu starker Hitzeeinwirkung schützen. Hierzu zählen eine ausreichende Trinkmenge von mindestens 2 bis 3 Liter; das Vermeiden von praller Sonne an Schattenplätzen wie im Freibad oder am Badesee; das Vermeiden der Mittagshitze; das Tragen einer Kopfbedeckung sowie der Verzicht auf Sport im Freien. Wenn überhaupt, dann sollte man an heißen Tagen frühmorgens oder in den Abendstunden Sport treiben.

Körper versucht zu regulieren

Reguliert der Körper zu viel Hitze nicht einfach durch mehr Schwitzen?

Pfersdorff: Bis zu einem gewissen Grad kann der Körper durch vermehrtes Schwitzen und Zurückhalten von Salzen gegenregulieren. Langfristig kann sich der Körper auch gut an das Klima in heißen Regionen anpassen. Akut kann es aber ab einem bestimmten Punkt dazu kommen, dass die Thermoregulation des Körpers dies nicht mehr schafft. Hierdurch entsteht ein Missverhältnis zwischen Wärmeaufnahme und Wärmeabgabe. Dies kann in der Kombination mit einem Flüssigkeitsmangel und einer gestörten Vasomotorik, also der Durchblutung, zu verschiedenen Hitzeerkrankungen bis zum Hitzschlag führen.

Ein Hitzschlag ist lebensbedrohlich

Was ist ein Hitzschlag? Wie bemerkt man ihn?

Pfersdorff: Unter einem Hitzschlag versteht man die Überhitzung des gesamten Körpers mit gestörter Temperaturregulation und Schweißproduktion. Es kommt zu einem Anstieg der Körperkerntemperatur auf über 40 Grad Celsius. Dies ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild. Erste Symptome können Kopfschmerzen und Übelkeit sein, die Haut ist heiß und gerötet, Kreislaufbeschwerden mit Herzrasen und niedrigem Blutdruck können auftreten. Im weiteren Verlauf kann es zu Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und einem Organversagen kommen. Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall. Die Körpertemperatur muss umgehend gesenkt werden und eine (intensiv)medizinische Überwachung ist erforderlich.

Was soll man trinken?

Wie wichtig ist Trinken bei Hitze?

Pfersdorff: Grundsätzlich kommt es vor allem auf die ausreichende Menge an Flüssigkeit an, die man zu sich nimmt. Das ideale Hitze-Getränk gibt es nicht. Gut geeignet sind Leitungs- oder Mineralwasser, Saftschorlen oder Tee. Die Getränke sollten nicht zu stark gesüßt sein. Auf besonders heiße oder umgekehrt zu stark gekühlte Getränke sollte verzichtet werden. Eiskalte Getränke in größeren Mengen können beispielsweise dem Körper das falsche Signal vermitteln, dass mehr Wärme erzeugt werden muss. 

Ältere Menschen zum Trinken anhalten

Gerade ältere Menschen schaffen oft nur geringe Trinkmengen, was können sie sonst zur ausreichenden Flüssigkeitsversorgung tun?

Pfersdorff: Ältere Menschen trinken häufig weniger und brauchen in Hitzephasen, insbesondere bei bestehender Demenz die durchgehende Unterstützung durch Angehörige und Freunde. Man muss ältere Menschen regelmäßig zum Trinken ermutigen und auch daran erinnern, immer ein gefülltes Glas mit beispielsweise Wasser anbieten und beim Trinken unterstützen. Zusätzlich auch beim Essen auf leichtes Essen achten und wasserreiches Obst oder Gemüse anbieten. 

Sind zusätzliche Mineralien wie Magnesium sinnvoll?

Pfersdorff: Grundsätzlich kann man in der Regel durch eine ausreichende Trinkmenge sowie durch eine ausgewogene Ernährung und den Verzehr mineralstoffreicher Lebensmittel wie Obst (Wassermelone, Beeren, Banane) und Gemüse (Gurke, Tomate, grüne Salate) den Verlust an Mineralstoffen durch vermehrtes Schwitzen gut ausgleichen. Bei besonders starkem Schwitzen kann auch etwas mehr Salz zugegeben werden. Eine ergänzende Einnahme von Mineralstoffpräparaten ist aber generell nicht erforderlich.

Ist eine Kopfbedeckung anzuraten, evtl. mit speziellem UV-Schutz?

Pfersdorff: Bei Aufenthalt im Freien ist insbesondere für Risikogruppen unbedingt eine Kopfbedeckung zu empfehlen, idealerweise unter Einbeziehung des Nackenbereichs und der Ohren. UV-Schutzkleidung ist gerade auch für Arbeiter im Freien sinnvoll und wichtig.

Immer wieder „Hitzeopfer“ in der Klinik

Wie viele „Hitzeopfer“ hat das „InnKlinikum“ im Jahr 2024 behandelt?

Pfersdorff: Stationär behandlungsbedürftige Hitzeerkrankungen sind zum Glück in den letzten Jahren selten gewesen. Am „InnKlinikum“ waren es 2024 weniger als zehn Patienten, die überwiegend älter und vorerkrankt waren. Es erfolgte eine Senkung der Körpertemperatur, ein Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes mit Infusionslösungen und eine engmaschige Überwachung der Vitalfunktionen, bedarfsweise auf der Intensivstation. In der Regel ist die stationäre Behandlung nur über wenige Tage erforderlich.

Sind alle Häuser und Bereiche des „InnKlinikums“ klimatisiert?

Pfersdorff: Alle kritischen Bereiche unserer Häuser in Mühldorf und Altötting sind klimatisiert, beispielsweise die Intensivstationen, die IMC-Stationen, die OP-Säle und die Aufwachräume sowie die Endoskopie.

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