Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Überzogen oder berechtigt?

Alle Mühldorfer Stadträte stimmten für den Rufbus: Wie sie auf die Kritik der Bürger reagieren

Stadträte Mühldorf
+
Die Sprecher von Mühldorfs Stadtratsparteien (von oben links im Uhrzeigersinn): Stefan Lasner (CSU), Karin Zieglgänsberger (UM), Dr. Matthias Kraft (Grüne), Angelika Kölbl (SPD), Oliver Multusch (AfD) und Claus Debnar (Mühldorf Gemeinsam).

Einstimmig hatten Mühldorfs Stadträte den Rufbus eingeführt. Mit Kritik haben die Sprecher der sechs Parteien gerechnet. Wie sie damit umgehen und worum sie die Mühldorfer bitten.

Mühldorf – Den Rufbus haben Mühldorfs Stadträte im Mai 2023 einstimmig ins Rollen gebracht, auch wenn mancher Bedenken hatte. Seit zwei Monaten befördert der Bus seine Fahrgäste durch die Stadt. Dass das nicht immer problemlos klappt, haben die OVB-Heimatzeitungen bereits berichtet. Über Verspätungen, Umwege und gar nicht möglichen Buchungen hatten einige Mühldorferinnen geklagt. Andere Fahrgäste sind voll des Lobes.

Was sagen die im Stadtrat vertretenen Parteien zu dieser Kritik? Das OVB hat bei ihren Sprechern nachgefragt und wollte auch wissen, ob sie selbst ihren Rufbus nutzen.

Probleme analysieren, Ablauf verbessern

„Bei jedem Anlauf kann es zu Unregelmäßigkeiten kommen“, auch beim Rufbus, gibt Stefan Lasner (CSU) zu bedenken. Selbst hat er den Bus noch nicht genutzt. Beschwerden hätten ihn bisher nur vereinzelt erreicht. Insbesondere zu bestimmten Zeiten käme es zu Problemen, „die es zu analysieren gilt, um dies im späteren regulären Betrieb zu verbessern“. Er nennt als mögliche Lösung den Einsatz weiterer Rufbusse.

Die vielen möglichen Haltestellen sind für Lasner das besonders Positive. „Mit dem bestehenden Linienverkehr des Landkreises besteht ein zusätzliches Angebot, in die Innenstadt zu kommen“, betont er. „Diese Linien verkehren teilweise auch am Wochenende.“

Noch nichts in Stein gemeißelt

„Die Fraktion der UM ist der Ansicht, dass die Einführung des Rufbusses trotz der Kritik weiterverfolgt werden soll“, sagt Karin Zieglgänsberger (UM). „Die Erfahrungen, sowohl positiv als auch negativ, die im Testbetrieb gesammelt werden, fließen in die konkrete weitere Ausgestaltung des Rufbusses ein. Derzeit ist noch nichts in Stein gemeißelt. Wir nehmen alle Kritikpunkte ernst und versuchen diese zu berücksichtigen.“ Kritik und Beschwerden sollten direkt an die Stadtverwaltung gehen, nur dann könnten die Punkte verbessert werden. „Wir erwarten von der Verwaltung eine fundierte Auswertung im Stadtrat nach ungefähr drei bis vier Monaten Testbetrieb, um dann weiteres zu diskutieren. Jetzt ist dies noch zu früh.“ Sie habe den Rufbus auch bereits selbst genutzt, „bei mir hat alles gut funktioniert“.

Kritik ist Auftrag zum Handeln

„Wir nehmen die geäußerte Kritik sehr ernst“, sagt Angelika Kölbl (SPD). Der Bürgerinitiative „Verkehrwende“ dankt sie für ihr Engagement. „Ich möchte die Nutzer ermuntern, weiter ihre Erfahrungen zu schildern. Nur so können Abläufe weiter verbessert werden. Das ist uns allen im Stadtrat wichtig. Die Punkte zeigen ja auch, dass Bedarf und Interesse an Benutzung da ist.“

Verständnis habe sie „vor allem für Ärger, bei allen, die mangels Alternativen, dringend aus persönlichen oder beruflichen Gründen auf das Verkehrsmittel angewiesen sind. Hier gilt es möglichst rasch Abhilfe zu schaffen.“ Sie selbst hatte aus beruflichen Gründen noch keine Zeit, mit dem Rufbus zu fahren, will das aber im Herbst regelmäßig tun.

Viele Fahrtangebote sind nicht praktikabel

„Der Rufbus hat zweifellos seine Stärken, seine größte Stärke ist, dass er überhaupt fährt. Deshalb hat der Stadtrat auch zugestimmt“, äußert Dr. Matthias Kraft (Grüne) als seine persönliche Meinung. Er hat schon mehrere Fahrten mit dem Rufbus unternommen und dabei gute und schlechte Erfahrungen gesammelt. „Ein Problem stellen aber unplanbare Fahrten dar, insbesondere Rückfahrten von Arztterminen, Einkäufen und ähnlichen Aktivitäten, deren Dauer schwer vorhersehbar ist.“ Dazu zählt er auch Fahrten vom Bahnhof, die durch unpünktliche Züge noch erschwert würden. Lösung wäre eine Erhöhung der Kapazitäten und eine deutlich bessere App. „Wer die App nutzt, weiß, dass viele der Angebote nicht praktikabel sind, weil sie zu früh, zu spät, von einem falschen Startpunkt oder zu einem unpassenden Ziel fahren.“

Nicht schon in Probephase totreden

„Der Rufbus funktioniert wunderbar“, Kritik kann Oliver Multusch (AfD) nicht nachvollziehen, hält sie für „sehr überzogen“. Persönlich hat er den Rufbus noch nicht benutzt. Während des Probebetriebs könne das System nicht zu 100 Prozent perfekt sein: „Das wussten wir schon beim Stadtratsbeschluss.“

Die in der Probephase gesammelten Erkenntnisse werde die Stadt auswerten und den Rufbus optimieren. „Es ist nicht zielführend, den Rufbus schon in der Probephase totzureden und dem Stadtbus nachzuweinen“, so Multusch. „Wir müssen neue Wege gehen und der Rufbus kann den Stadtbus durchaus ersetzen, flexibler und umweltfreundlicher.“

Kritik Älterer ernst nehmen

„Es wäre naiv, nach der Einführung neuer und innovativer Konzepte einen reibungslosen und perfekten Ablauf zu erwarten“, kommentiert Claus Debnar (Mühldorf Gemeinsam) die aufgelaufene Kritik am Rufbus. Er war selbst noch nicht Fahrgast, hat es sich aber fest vorgenommen. „Grade in der Anfangsphase ist einerseits die vorgebrachte Kritik der Bürger:innen wichtig, aber auch die Bereitschaft der Stadt auf diese einzugehen und entsprechend nachzubessern. Im Fall des Mühldorfer Rufbusses scheinen besonders ältere Mitbürger:innen Kritik vorzubringen. Auf diesen Umstand sollte insbesondere eingegangen werden, um diesem Teil der Bevölkerung nicht den Eindruck zu vermitteln, dass er abgehängt wird.“

Kommentare