Kein Sommermärchen
Bluthungrige Mücken heuer eine echte Plage: Ist das Wetter an allem schuld?
Der schönste Sommerabend taugt nichts, wenn er von surrenden Stechmücken gestört wird. Sogar die Fußballnationalmannschaft kann kaum zum Trainieren raus. Warum es heuer so viele Mücken gibt und wie man sich dagegen wehren kann.
Mühldorf – Den lauen Sommerabend gemütlich im Freien auf Balkon oder Terrasse verbringen? Mit Freunden draußen Fußball-EM schauen? Klingt herrlich entspannend, endet aktuell aber meist mit wildem Fuchteln und Schlagen und genervtem Rückzug ins Hausinnere. Denn: Die Mücken sind unterwegs. Und das, so scheint es nicht nur vereinzelt, sondern in ganzen Geschwadern. Ist eine erlegt, surrt schon die nächste um die Ohren.
Mücken lieben stehendes Wasser
„Wir hatten in letzter Zeit viel Regen, viele Überschwemmungen und damit in Pfützen und Senken stehendes Wasser“, erklärt Dr. Andreas Zahn vom Bund Naturschutz im Landkreis Mühldorf. „Das ist die ideale Brutstätte für Mücken. Hier können sie sich explosionsartig vermehren.“ Denn in diesen Wasserstellen auf Zeit halten sich keine Fressfeinde der Mücken auf, wie etwa Libellenlarven oder Molche.
Weibchen brauchen Blut für ihre Eier
Sind aus den Larven die Mücken geschlüpft und haben sie sich gepaart, fangen die Weibchen an zu stechen. „Die Mücken ernähren sich nicht von Blut, sondern von Pflanzensaft und Nektar“, erklärt Dirk Reichle, der wissenschaftliche Direktor von KABS (Kommunale Aktionsgemeinschaft zur biologischen Stechmückenbekämpfung). Das eiweißhaltige Blut brauchen die Stechmückenweibchen nur für die Entwicklung ihrer Eier.
Nur in der prallen Sonne sicher
Dabei stechen Mücken draußen nicht nur in den Abendstunden oder nachts im Schlafzimmer. „An schattigen Plätzen und im Wald sind sie auch tagsüber aktiv“, weiß Zahn. „Wer nicht gestochen werden will, müsste sich also in der Sonne aufhalten.“
Er selbst hat an seinem Wohnort, einer Schotterebene in Waldkraiburg, kaum Probleme mit Mücken: „Ich habe aber schon von mehreren Bekannten gehört, dass sie in ihren Gärten davon geplagt sind.“ Was also tun gegen die Plagegeister?
Regentonnen und Topfuntersetzer leeren
„Die Larven der Stechmücken tummeln sich in Regentonnen und Gießkannen, die sollte man besser leeren“, rät der Biologe. „Auch in Untersetzern von Blumentöpfen oder in Abdeckfolien sammelt sich Wasser und das nutzen die Mücken zur Eiablage.“ Wer diese Stellen trocken hält, könne ein wenig gegen die Mückenvermehrung tun. „Wer allerdings in Aunähe wohnt, hat praktisch keine Chance.“
Moskitonetze halten Mücken ab
Er selbst würde sich nicht täglich Mückenmittel auf die Haut schmieren, nur um sich im Garten aufhalten zu können: „Das muss jeder selbst entscheiden, wie er Mücken von sich fernhalten will.“ Zahn rät da eher zu feinen Mückennetzen, mit denen sich Wintergärten abschirmen lassen. „Auch mit aufstellbaren Mückennetzen hat man eine realistische Möglichkeit, sich eine mückenfreie Nische vor dem Haus zu schaffen“, sagt er.
Hausmittel wie Kräuter und Öle
Als wirksame Hausmittel, die Mücken angeblich abschrecken, gelten ätherische Öle aus Zitronengras, Eukalyptus, Zimt oder Nelken, auch Knoblauchöl und Kräuter wie Minze und Eukalyptus, Zitronenmelisse, Thymian, Basilikum, Rosmarin und Lavendel. Den Geruch von Tomatenpflanzen sollen die stechenden Biester auch verabscheuen. Wer das alles beherzigt und anpflanzt und dann keinen Platz mehr auf Balkon oder Terrasse hat, ist in Haus und Wohnung eh am besten vor den surrenden Nervensägen geschützt.
Mit einigen Tropfen Speiseöl kann man der Mückenbrut in der Regentonne zu Leibe rücken. Das Öl zerstört die Oberflächenspannung des Wassers, die Mückenlarven und auch die geschlüpften Mücken ertrinken. Auf keinen Fall im Gartenteich anwenden! Weitere Tipps geben auch Verbraucherzentralen.
Mücken sind Futter für andere Tiere
Haben Mücken eigentlich irgendeinen Nutzen? „Sie spielen eine große Rolle im Nahrungskreislauf“, erklärt Zahn. „Die Larven werden gerne von Fischen gefressen, auch in Aquarien. Ausgewachsene Mücken sind begehrte Beute von Vögeln und Fledermäusen.“ Allerdings hätten die natürlich Feinde der Mücke bei der momentanen Massenvermehrung keine Chance, ihre Zahl merklich zu reduzieren.
Mückenmittel in Apotheke schwer gefragt
Dass derzeit jede Menge Mücken den Menschen das Leben schwer machen, bekommen auch die Apotheken zu spüren. „Momentan haben wir eine sehr große Nachfrage nach Mückenmitteln“, berichtet ein Mitarbeiter der Inn-Apotheke Mühldorf. „Viel mehr als in den letzten Jahren.“ Gefragt sind Mittel zur Mückenabwehr und für nach dem Stich, um die juckenden Stellen zu beruhigen. Einen Engpass an diesen Mittelchen gebe es nicht, aber der Apotheker will angesichts der herrschenden Mückenplage nicht zu viel versprechen: „Wer weiß, was da noch kommt.“
